Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Am 25. August 1845…

… wurde im Nymphenburger Schloss der ohne Zweifel berühmteste Wittelsbacher Sproß geboren, Ludwig Otto Friedrich Wilhelm, Bayerns „Märchenkönig“. Als Achtzehnjähriger bestieg er nach dem plötzlichen Tode seines Vaters Maximilian II. den bayerischen Königsthron. Er war eine sehr widersprüchliche, phantasie- und gefühlvolle Persönlichkeit, ein Träumer, ein Liebhaber der schönen Künste, und von technischen Neuerungen ungemein fasziniert. Nach wie vor in aller Welt berühmt sind die Schlösser, die er bauen ließ – Neuschwanstein, Herrenchiemsee, das Königshaus am Schachen und Linderhof, welches als einziges fertig gestellt worden ist…

… 1886 wurde Ludwig II. von mehreren Ärzten aufgrund seiner verschwenderischen „Bausucht“, seines Rückzugs von der Öffentlichkeit und seines immer befremdlicher und seltsamer werdenden Lebenswandels für geisteskrank erklärt und abgesetzt – obwohl die Herren den König nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn untersucht hatten…

… Am 12. Juli 1886 wurde Ludwig II. von einer Kommission von Neuschwanstein nach Schloss Berg an der Ostseite des Starnberger Sees gebracht. Am 13. Juni unternahm er zusammen mit dem Arzt Bernhard von Gudden einen Abendspaziergang, von dem beide Männer nicht zurück kamen. Gegen 22:30 Uhr fand man die Leichen Ludwigs II. und von Guddens im See treiben, ungefähr 25 Schritte vom Ufer entfernt…

… Schloss Berg, Aufnahme vom Frühjahr 2014…

… Von offizieller Seite hieß es alsbald, der einstige Monarch hätte sich ertränken wollen, der Arzt hätte ihn daran hindern wollen und sei dabei zu Tode gekommen. Die Zweifel an dieser Erklärung halten sich bis zum heutigen Tage. Vor allem die Königstreuen sind der festen Überzeugung, dass „da Kini“ ermordet worden ist…

… Zehn Jahre nach Ludwigs II. Ableben errichtete man im Auftrag des Prinzregenten Luitpold am Hochufer im Park von Schloss Berg eine Gedenkkirche im byzantinisch-neoromanischen Stil, ein Kreuz markiert im See jene Stelle, an der die Leiche des berühmtesten aller Wittelsbacher gefunden worden war…

… Zu diesem Ort trieb es mich am Samstag Nachmittag, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bislang immer nur mit dem Schiff daran vorbei gefahren bin. Ich fuhr von Starnberg Nord aus mit dem Bus in das Dorf Berg, und wanderte dann gemächlich durch den dichten, wundervoll grünen Wald am Hochufer des Sees entlang Richtung Gedenkstätte…

… Es war sehr wohltuend, an diesem schwülwarmen Sommertag im kühlen Wald dahinschlendern zu können. Nach gut einer halben Stunde hatte ich die Votivkapelle erreicht…

… „Ein ewig Rätsel will ich sein, mir und allen anderen.“ Das ist der wohl bekannteste Ausspruch Ludwigs II. Und an diesen musste ich denken, als ich lange Zeit auf das schlichte Kreuz im Wasser blickte. Ob man das Rätsel um seinen geheimnisvollen Tod irgendwann wird lösen können?…

… In Gedanken versunken schlenderte ich am späten Nachmittag zur Schiffsanlegestelle Berg. Und hatte Glück, kaum hatte ich den Bootssteg erreicht, da legte auch schon die große „Starnberg“ an…


13 Antworten zu “Am 25. August 1845…”

    • Mittlerweile ist man felsenfest davon überzeugt, dass Ludwig II. gar nicht verrückt gewesen ist. Sein Leibarzt hat sich auch stets vehement gegen diese Diagnose geäußert. Und es steht ohne Zweifel fest, dass die Schlösser, die er bauen ließ, heute Bayern viel, viel Geld in die Kassen spülen…

    • Eine Menge sinnvoller, schöner Bauwerke, Jürgen. Personell hat man eher noch aufgerüstet. Lol
      Doch Homosexualität wird bei Politikern in Bayern immer noch nicht geduldet, und muß verschwiegen werden. Getarnt durch Scheinheiraten, wie ich unlängst in einer Münchner Lokalität wieder sehr gut erleben konnte. 😉 LG Michael

      • Diese Homosexualität, die damals ja einer Todsünde gleichkam, und die Ludwig II. Zeit seines Lebens unterdrücken und verbergen musste, zusammen mit den Folgen seiner ungemein strengen und auch lieblosen Erziehung – eine Todesqual für ein sensibles Kind! – waren laut dem jetzigen Forschungsstand die Ursachen für sein widersprüchliches und zunehmend sonderbares Verhalten. Er war zutiefst traumatisiert. Und wenn so etwas nicht therapeutisch behandelt wird – was damals ja noch überhaupt nicht der Fall war -, dann verstärkt sich das im Laufe der Jahre massiv. Verrückt war der Kini nie…

  1. ich freue mich über deine wunderschönen bilder! hier war ich schon mal! das ist ungefähr 10 jahre aus. 🙂

  2. Danke für den wieder wunderschönen Bericht, Margot! Ja, man vergisst ihn leicht, den „Kini“. Dabei hatte er wenigstens was geschaffen wovon der Freistaat heute zehren kann. Trotz der abertausend Gäste zwar nach wie vor unrentabel, aber eben ein Aushängeschild. Kreuze allein würden nicht reichen. 😉 LG Michael

    • Ludwig II. ließ ja auch noch viel, viel mehr schaffen als die paar Schlösser. Vor einigen Monaten hat es in der Pinakothek der Moderne eine höchst interessante Ausstellung über den Kini als Baumeister gegeben, das waren Hunderte von Plänen, Modellen und Blaupausen über seine architektonischen Vorhaben, die – siehe unter anderem TU München – auch in die Tat umgesetzt worden sind. Auch sein politisches Wirken wird inzwischen historisch sträflichst vernachlässigt, meiner Meinung nach. Von seinen liberalen und pazifistischen Ansichten könnten sich die „CS“U-Granden ganz dicke Scheiben abschneiden.