Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Kurztripp nach Mailand…

… Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben… Dieser Uralt-Spruch kam mir während der Busfahrt von München nach Mailand des Öfteren in den Sinn…

… Freudig überrascht war ich, als ich an Bord feststellen durfte, daß der Fernbus zunächst einmal Richtung Lindau fuhr, und nicht – wie erwartet – via Rosenheim, Kufstein, Innsbruck und Brennerpaß nach Bella Italia. Es war mir eine Wohltat, nach langem mal wieder meinen Lieblingssee sehen zu dürfen – wenn auch nur sehr kurz…

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… Danach ging die Reise mitten durch die Schweiz. Es war ungemein schön! Nach Chur schoben sich die mittlerweile himmelhoch und steil aufragenden Berge immer näher. Wir strebten dem  Gebirgspaß San Bernardino entgegen, unter anderem oberhalb der berühmt-berüchtigten Via Mala. Hier und da boten sich geradezu den Atem beraubende Einblicke in tiefe, düstere Schluchten, in denen Wildbäche tosten, die kleinen Dörfer mit ihren Häusern aus grob behauenen Steinen und dunklem Holzwerk, welche sich an die bereits herbstlich dumpfen Berghänge und Almen förmlich klammerten, wirkten arm, einsam, und doch so idyllisch…

… Hinter dem San Bernardino verschlechterte sich das Wetter zusehends, es nieselte und dichter Nebel umfing uns. Im schönen Bellinzona legten wir einen kurzen Halt ein, ebenfalls in Lugano. Da hüpfte mein Herz vor Freude, denn dort hatte ja mein Lieblings-Dichter und -Schriftsteller Hermann Hesse seinen Lebensabend verbracht. Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich trotz tief hängender Wolken und schlechter Sicht seine Villa oberhalb des Ortes, förmlich an einem Berghang klebend, entdeckt habe…

… Als wir kurz darauf die schweizerisch-italienische Grenze erreichten, wurde es ungemütlich. Nach der Ausweis-Kontrolle im Bus durch drei Zollbeamte verhafteten diese einen Mit-Passagier und führten ihn ab. Wir mussten allesamt einzeln mitsamt unserem Handgepäck aussteigen, unsere Koffer und Taschen identifizieren, die dann von einem Polizisten samt Drogenhund gründlichst untersucht wurden. Mit etwa zweistündiger Verspätung durften wir dann endlich die Fahrt fortsetzen…

… Der allererste Eindruck von Mailand, bzw. den Außenbezirken diester Stadt, war kein guter. Das scheint ein weiterer Nachteil unserer „modernen“ Zeiten zu sein, daß man von unseren im Inneren doch so schönen und sehenswerten Orten zunächst die „Kehrseiten“ zeigt – Industriegebiete, dem Verfall preisgegebene Fabrikhallen, triste, von Müll und Schrott übersäte Landschaften. Nach einem Unfall steckten wir auf dem Autobahnring im Stau fest, was unsere Ankunft am Busbahnhof Lampugnano um eine weitere halbe Stunde verzögerte. Per U-Bahn gelangte ich relativ zügig und problemlos zur Statione Centrale, um dort meinen online georderten MilanoPass abzuholen, fand jedoch selbst nach langem Suchen den MilanoTourismPoint nicht. Nachdem ich zweimal bei Carabinieris nachgefragt und beide Male in eine völlig falsche Richtung geschickt worden war, hatte ich die Schnauze voll und leistete mir ein Taxi zum glücklicherweise nicht allzu weit entfernten Hotel, das sehr klein ist. Auch mein Zimmer ist winzig, und die Duschkabine erst, brächte ich nur fünf Kilo mehr auf die Waage, könnte ich höchstwahrscheinlich nicht mehr dort „einsteigen“…

… Den Tag beschloß ich einen feinen Rotwein trinkend, eine Gemüse-Foccacio mümmelnd und „CSI-New York“ auf Italienisch gucken – fand ich sehr erheiternd – auf meinem im Verhältnis zum Rest der Unterkunft recht großen Bett…

… Bilder von der Fahrt reiche ich nach, bei den mittlerweile nicht mehr zählbaren Versuchen, Fotos hochzuladen, verabschiedet sich jedesmal das Hotel-Internet…


35 Antworten zu “Kurztripp nach Mailand…”

  1. Das war ja wirklich ein erlebnisreicher Tag, deine Fahrt nach Mailand. Du beschreibst das mal wieder so gut, dass ich mir alles ganz genau vorstellen kann. Nun hoffe ich für dich auf gutes Wetter und einen positiven Mailandbummel.

    • Das Wetter ist nicht sehr gut, nebelig, und immer wieder mal leichter Nieselregen – aber Mailand ist auch so eine wirklich schöne und sehenswerte Stadt, in der es sehr viel zu entdecken gibt. 😉

    • Danke! 🙂 Morgen habe ich noch bis halb Zwei nachmittags Zeit, da werde ich bestimmt noch jede Menge Eindrücke und Bilder sammeln. 😉
      Die Heimreise wird dann hoffentlich ohne Grenz-Zwischenfälle verlaufen. 😉
      Liebe Grüße!

  2. Gleich ne Verhaftung. Da wollte sich wohl jemand absetzen… 😉
    Ärgerlich mit dem Startwetter aber das kann ja nur noch besser werden.

  3. Zitat: >Der allererste Eindruck von Mailand … <
    … den hatte ich damals auch! Es war Hochsommer, heiß und stickig, aber wir kamen aus dem herrlichen Tessin. 25 km vor Milano haben wir umgedreht und sind wieder zurück ins Tessin gefahren … und seit dem habe ich keinen weiteren Versuch gemacht. Dir wünsche ich aber weiterhin nur Schönes. ♥liche Grüße und noch viel Freude!

    • Oh, ja! Mailand ist in der Tat herrlich! 🙂 Zum Shoppen hatte ich allerdings vor lauter Schauen und Staunen keine Zeit. Und auch nicht den entsprechenden Geldbeutel. 😉

  4. Ja, so ist das. Man könnte auch sagen/schreiben: Reisen bildet. Man gewinnt Eindrücke, die nicht immer schön sind und kann sie in Relation zu dem setzen, was man kennt und wie man selber lebt. Schon allein dafür sind Reisen gut. – Ich bin gespannt, was du noch erlebt hast.

    • Die unschöne „Schale“ Mailands umfängt einen höchst interessanten und bezaubernden Kern. Wenn eine Stadt auch bei schlechtem Wetter schön ist, dann ist sie wahrlich schön… 😉

  5. Du hast ja was erlebt. Das war ja schon eine Abenteuertour. Aber Hauptsache du bist gut angekommen und hast in Mailand viel Spaß. Die Innenstadt von Mailland ist sehr schön. Im Gegensatz zu den Außenbezirken. L.G.

  6. Auf Reisen erlebt man oft Überraschendes, manchmal Schönes, manchmal weniger Schönes. Vor ein paar Jahren übernachtete ich mal in einem B&B ganz oben in Schottland bei einer alten Dame. Als ich den Kleiderschrank öffnete, schauten mich zwei Augen an. Sie hatte dort einen ausgestopften Iltis untergebracht. In einer Schublade der Kommode hatte sie eine Menge Vogelfedern gesammelt, in einer anderen hunderte von kleinen Hotelseifen. An diesem Abend habe ich meinen Koffer dann lieber doch nicht ausgepackt.
    LG von Rosie

    • Uuuuuuuh, das ist aber ganz schön skurril, und gruselig noch dazu!… Ich denke, da hätte ich meinen Koffer auch nicht ausgepackt, und erschrocken hätte ich mich beim Anblick der zwei Augen auch ordentlich.
      Liebe Grüße!

      • Ja, was meinst du, wie ich gequiekt habe! Die alte Dame war zwar rührend besorgt um uns, aber am nächsten Morgen stellte sie uns ungespülte Tassen auf den Tisch. Immerhin hatte sie für uns Germans aber Zimtwaffeln gebacken.
        LG von Rosie

        • Ungespülte Tassen – sehr delikat… Was habt ihr gemacht? Daraus getrunken und gehofft, das Heißgetränk würde sie desinfizieren? 😉
          Wobei – auf der Wiesn haben wir auch manchmal tagelang ungewaschene Kaffeebecher benutzt, weil wir als Tabakstand keinen Wasseranschluß hatten…

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