Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

ABC-Etüde November…

… Vielen Dank an @Christiane für diese inspirierende Blogaktion, und an @Cynthia Rübenigel für die November-Wortspenden, die da lauten:…

Seelenverkäufer – obskur – ergattern

… Hier ist mein Beitrag:…

Früher, als ich noch viel rebellischer und unangepasster war, hatte ich mit meinen Spezln gerne mal ein „Tütchen“ geraucht. Bis zu jener Nacht, als ich zuerst haushoch beim Rommé verloren hatte, ich war so zugedröhnt, dass ich ständig Pik mit Kreuz und Herz mit Karo verwechselte. Beim Heimradeln hatte ich dann auch noch den Eindruck, dass sich Raum und Zeit auf eine höchst obskure und traumatisierende Weise verzerrten, schier unendlich dehnten wie Kaugummi. Danach ließ ich die Finger vom Haschisch.

Bis letzten Sommer, als zwei junge Studenten nebenan einzogen. Die Beiden kifften wie die Weltmeister, jedes Mal, wenn ich auf dem Balkon stand, stieg mir der süßlich-aromatische Duft in die Nüstern. Und Erinnerungen an die einstigen doch überwiegend schönen und entspannten Stunden keimten auf.

Kurz entschlossen ergatterte ich von einem der Jünglinge für eine stolze Summe fünf Gramm Cannabis. Das Rauchen hatte ich vor über zwanzig Jahren aufgehört, aber man kann das Zeug auch in Joghurts oder Keksteig mischen oder als Tee zubereiten, wenn man es zuerst vorsichtig röstet.

Nach dem sogenannten Decarboxylieren roch meine Bude wie eine Drogenhöhle. 0,15 bis 0,25 Gramm Gras werden für Anfänger:innen pro Tasse Tee empfohlen. Das Abmessen war ohne Feinwaage schwierig. Ich maß P mal Daumen, und so nimmt es nicht weiters wunder, dass der Sud viel zu stark wurde.

Gut eine halbe Stunde später wurden meine Beine schwammig, ich kippte wie ein gefällter Baum ins Bett, das zu schwanken und zu knarzen begann, als sei es ein übler Seelenverkäufer auf stürmischer See. Das Herz raste, mir wurde himmelangstundbang, der Schweiß rann in Strömen, ich durchlitt eine furchtbare Nacht und tat kein Auge zu.

Mit der Zeit gelang mir dank neu erstandener Feinwaage die Dosierung perfekt. Doch nach ein paar Anwendungen verlor die Sache ihren Reiz. Es war halt nicht mehr so wie früher…


16 Kommentare zu “ABC-Etüde November…”

  1. Da hat Dein Herz dann aber auch gesagt, daß es reicht. Und ab und an aufs Herz hören ist wohl nicht die schlechteste Version des Selbstschutzes. Ganz lieben Gruß vom ollen, grauen Wolf aus dem Land am Meer.

  2. Vieles, was einem als ganz junger Mensch Freude gemacht hat, verliert mit den Jahren seinen Reiz. Ob das nun wegen der größeren Weisheit ist oder aus sonstigen Gründen ist wohl von Fall zu Fall verschieden

    • Man reift halt doch mit zunehmendem Alter ein wenig. Ich glaube aber, der Hauptgrund, warum der Cannabis-Tee und seine Wirkung keinen rechten Spaß gemacht haben war, dass ich ihn alleine getrunken hatte. In einer kleinen, vertrauten Runde hätte das bestimmt auch trotz gehobenen Alters viel mehr Gaudi bereitet.

  3. Moin! 😉 Ich meine, klar ist es jetzt nicht mehr so wie früher, du bist halt auch älter und erfahrener und was auch immer geworden. Aber dass dir das Zeug trotz korrekter Dosierung jetzt keine „schönen und entspannten Stunden“ mehr schenkt, ist doch einigermaßen enttäuschend zu lesen. Vielleicht sind wir abhängiger vom Setting, als uns bewusst ist?
    Danke dir für die Etüde, ich bin gespannt, ob dich noch eine zweite Idee überfällt.
    Vormittagskaffeegrüße! 😀

    • Moin! 🙂
      Ich glaube, es lag zu einem Gutteil auch daran, dass ich den Cannabis-Tee allein getrunken hatte. So was macht halt weitaus mehr Spaß, wenn man sich in einer gleichgestimmten Clique befindet, unter Menschen, mit denen man high werden und dann über jeden noch so kleinen Blödsinn Tränen lachen, und dann, wenn der erste Kick vorüber ist, stundenlang sehr angeregte Unterhaltungen führen kann. Aber die Spezln von damals sind mittlerweile in alle Winde zerstreut. Diese Menschen fehlen mir, mir fehlen die Freundschaften von damals, mir fehlt auch, dass man auch mal Kritik üben durfte, ohne dass der Diskussionspartner sofort steil ging und tödlichst beleidigt war.
      Ich arbeite in meinem Oberstübchen schon an der Umsetzung einer zweiten Idee. 😉
      Frühmittagsteegrüße!

  4. Ich lass die Finger von bewusstseinsverändernden Drogen. Ich vertrage das Zeug einfach nicht. Manchmal beneide ich Menschen, die sich auf diese Art ein Stück aus der anstrengenden Welt beamen können. Und dann wieder denke ich: Naturstoned ist für mich schon herausfordernd genug ;-). Was ‚alte Sachen ausprobieren, die mal Freude gemacht haben‘ angeht und die Enttäuschung, die damit dann manchmal verbunden ist: Da bin ich ganz bei Dir. Ich übe mich im schulterzuckenden Dann-isses-eben-so.

    Danke für die Etüde zu meiner Wortspende.

    • Ja, naturstoned reicht eigentlich schon und ist tagtäglich eine Herausforderung, da bin ich voll und ganz deiner Meinung.
      Genau – dann isses eben so. Dafür gibt es andere Dinge, die einem immerwährende Freude bereiten, hoffentlich das ganze Leben lang.
      Sehr gerne, mir hat das Schreiben gut getan!

Ich freue mich über eure Kommentare! Also haut in die Tasten, ihr Lieben!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

This function has been disabled for Marthas Momente-Sammlung.