… nach wie vor geradezu tropisch warm…
… Bei der Hitze ist es am gescheitesten, möglichst im Schatten abzuhängen… 😉
… Und viel trinken nicht vergessen!… 😀
… Auch ein Bad im kühlen Nass ist sehr zu empfehlen…

Glück ist die Summe schöner Momente
… Ich bin trotz meiner Erkrankung zutiefst glücklich. Ich bin – wenn man das so ausdrücken kann – sehr hoffnungslos verliebt – und dennoch zutiefst glücklich…
… Ist es nicht weitaus besser, selbst als etwas eigenbrötlerischer, äußerlich alternder Mensch eine romantische, wenn auch unerfüllbare, Liebe zu pflegen, als gar keine tiefen Gefühle für einen Anderen mehr zu hegen? Was ist verwerflicher – wenn denn dieses Wort darauf überhaupt anzuwenden ist – das leise Erwachen eines tot geglaubten, erstarrten, erfrorenen Herzens zu genießen, oder sich der immerwährenden Bitterkeit hinzugeben? Die Kraft und Leben spendende Freude darüber zu fühlen, dass unter einer während vieler Jahre undurchdringlich geglaubten Schicht eisig kalter Asche doch noch eine unzerstörbare Glut existierte, die nun erneut ganz zarte, hauchfeine Flammen schlägt – oder dergleichen als dumme Hirngespinste, als Verrücktheit, als realitätsferne Spinnerei abzutun?…
… Wer darf sich überhaupt anmaßen, darüber zu urteilen, zu bemessen, was Liebe ist, wie sie sich zu äußern hat, was angebracht ist, was eine glückliche oder unglückliche Liebe ist? Wer wen zu lieben hat und wie? Wer hat das Recht dazu, Liebe nur dann als statthaft, „gut“ und „richtig“, als wahrhaftig, als „erfolgreich“ zu bezeichnen, wenn man sich mit „seinem“ Menschen vereinen, eine Partnerschaft, eine Familie gründen kann, wenn der Andere die tiefen Gefühle erwidert, davon weiß?…
… Liebe hat so unendlich viele Facetten, einen so unermesslichen Spielraum, ist eine solch überwältigende Macht, ohne Anfang, ohne Ende. Sie ist neben den guten, den bunten, den voran treibenden, stärkenden, inspirierenden Träumen die größte aller Lebenskräfte, und zugleich deren Antrieb…
… Meine Gefühle – mögen sie auch noch so „irrational“, so „unangebracht“, so „dumm“, so „kindisch“ sein – beflügeln und besänftigen mich. Sie rufen das Gute in mir hervor und stärken es. Sie lassen mich verständnisvoller, weichherziger, einsichtiger, dankbarer und mitfühlender werden, als ich es jemals zuvor gewesen bin. Und klarer. Unerschrockener. Beherzter. Geradliniger. Auch selbstsicherer. Da tut sich was mit mir, im positiven Sinne, ich merke es häufig an den Reaktionen der Mitmenschen…
… Ich kann mich – trotz aller Hoffnungslosigkeit – verlieren im Gedenken an dieses eine Augenpaar, an dieses Gesicht, an den Druck seiner Hände, den Klang seiner Stimme. Das trägt mich. Das hilft mir durch schlaflose, schwülheisse Nächte voller Herzrasen und böser Muskelkrämpfe, durch harte, erschöpfende, endlose Arbeitstage, das und das Wissen, dass da Jemand ist, der mich vielleicht versteht, der vielleicht ein klein wenig Mitgefühl hegt, der mich gewissenhaft und gründlich behandelt hat, der dies gewiss wieder tun wird, weil dies zu den großen Vorzügen seiner durchaus widersprüchlichen Persönlichkeit gehört, an den ich mich wenden könnte, wenn mir alles zu viel werden würde, und das Bedürfnis nach einer erholsamen Auszeit übermächtig…
… Ich habe vor gut zwei Wochen kurz seine kleine Familie kennen lernen dürfen. Aus verschiedenen Gründen, die ich hier nicht erläutern möchte, bin ich anfangs etwas erschrocken. Aber wer bin ich, andere wegen ihrer Lebensumstände zu be- oder zu verurteilen (siehe oben)? Dass es IHM dabei gut geht, dass er glücklich und zufrieden ist, dass die Seinen wohlauf sind, das ist das Wichtigste! Während jener kleinen Begegnung habe ich seine Augen leuchten sehen und sein Gesicht strahlen, er wirkte so frei, jungenhaft und unbeschwert, als wolle er die ganze Welt umarmen. Ich wünsche mir so sehr für ihn, dass ihm ein solches Glücksgefühl möglichst oft hold sein möge…
… Ich alternde, vom Leben etwas zerrupfte Taube habe also vom Festmahl der Liebe anscheinend auf meine späten Tage nur einige Krumen abbekommen. Aber sind die Krümel der Köstlichkeiten nicht mindestens genauso schmackhaft als das auf der Tafel weit über der unscheinbaren, zerfledderten Taube kredenzte Galadiner? Diese Krumen sind eine Labsal für mich, ich würde um nichts in der Welt darauf verzichten wollen. Und – wer weiß das schon? – vielleicht – in einem nächsten Leben – darauf hoffe ich – lacht mich ruhig aus, haltet mich für albern, für versponnen – es ist mir klar, dass ich dann nichts mehr von meinem jetzigen Dasein wissen werde (wenn es ein nächstes Leben überhaupt geben wird) – aber vielleicht, vielleicht wird ja dann doch eines noch fernen Tages, wenn er und ich uns jung und ungebunden wiedersehen und einander zugetan sein werden, ganz kurz die Erinnerung aufblitzen – darauf hoffe ich…
… bin ich wieder einmal im nahen Alten Nördlichen Friedhof unterwegs gewesen. Der Jahreszeit gemäß hat sich die dortige Flora verändert, es blühen viele Akeleien. Diese Blumen mit ihren feinen, anmutigen Kelchen zählen zu meinen Lieblingen…
… Ein Buchfink sammelt fleißig Futter, um danach damit einen ungeduldig im Geäst eines Baumes wartenden Jungvogel zu versorgen…
… Junge Wacholderdrosseln hüpften scheinbar ziel- und planlos laut rufend umher. Ich vermute mal, dass sie erst vor kurzem von ihren Eltern verlassen wurden, und noch nicht so recht wissen, was sie mit sich und ihrer Freiheit anstellen sollten…
… Etwas allein gelassen und von der großen weiten Welt schier überwältigt mutet auch diese junge Amsel an…
… Nur einen kurzen Spaziergang vom Römischen Theater entfernt befindet sich hinter dem Palazzo Giusti eine bezaubernde und kühn konstruierte Gartenanlage. Während meines ersten Tages in Verona hatte ich an Bord des Hopp-on-Hopp-off-Busses einen ganz kurzen Blick durch das weit geöffnete Tor des Palastes auf den steil ansteigenden, mit weißem Kies bestreuten Mittelweg des Parks erhaschen können – und da musste ich bei der erstbesten Gelegenheit der Sache auf den Grund gehen…
… Der Garten entstand in der Spät-Renaissance, und ist insofern ungewöhnlich, dass sich der Palazzo nicht inmitten der Anlage befindet und diese gleichsam krönt, sondern genau umgekehrt. Die pflanzliche Vielfalt hält sich in Grenzen, doch die beiderseits des hellen, von zierlichen und hoch aufragenden Zypressen gesäumten Mittelwegs kunstvoll angelegten Labyrinthe, in welche man Brunnen und Statuen angeordnet hat, der üppige, steil ansteigende Laubwald, die künstliche, in eine Felswand gehauene Grotte und der darüber gleichsam schwebende, einem gruseligen Götzenhaupt gleichende Belvedere sind bezaubernd. Hier kann man als müde Wanderin die Seele baumeln lassen, zur Ruhe kommen, und vom Belvedere aus einen schönen Blick über Verona genießen…
… In der mittäglichen Hitze gönnt sich ein Amselhahn ein erfrischendes Bad im Brunnen…
… Wilde Bienen haben im hohlen Stamm einer betagten Buche ihr Domizil gefunden…
… Immer wieder be- und verzaubernd – und den Appetit anregend noch dazu: Frucht und Blüte zur selben Zeit…
… Heute Nachmittag war ich zur Kontrolluntersuchung beim Wirbelsäulenspezialisten. Die drei sogenannten Infiltrationen – jeweils sechs Spritzen, die direkt an die Nervenwurzeln im Rückgrat gesetzt werden – haben sich als sehr erfolgreiche Therapie erwiesen, meine Rückenschmerzen sind, zumindest vorübergehend, kein Thema mehr. Sie werden mir allerdings mit Sicherheit eines nicht allzu fernen Tages wieder zu schaffen machen, da ich ja durch die Auswirkungen der Muskelerkrankung in beiden Füßen, dem rechten Bein von oben bis unten und dem linken Oberschenkel eine Fehlhaltung entwickelt habe. Positiv ist, dass die Wirbelsäule keinerlei Schäden aufweist, von geringfügigen, alters- und jobbedingten Verschleißerscheinungen einmal abgesehen. Mit einem starken Rückgrat wird sich der weitere Verlauf der Myopathie ganz bestimmt leichter ertragen lassen…
… Ich sprach mit dem noch recht jungen Doktor über weitere Symptome, die mir in letzter Zeit vermehrt aufgefallen sind, wie ein gelegentliches Aussetzen des Schluckreflexes nicht nur des Nachts, sondern auch tagsüber, vor allem, wenn ich aus einer Flasche trinke. Sowie Kurzatmigkeit, Herzrhythmusstörungen, und dass mir schon einige Male Gegenstände, die ich aufgehoben oder getragen habe, aus den Händen geglitten sind. Zudem erschöpft mich der normale Tagesablauf als Museumsaufsicht in der Residenz sehr, manchmal gehe ich gleich nach dem Abendessen zu Bett, um mindestens zehn, zwölf Stunden schlafen zu können – das hat mir schon eine ganze Weile zu denken gegeben, nun habe ich endlich eine stichhaltige Erklärung für dieses unnatürliche, bleierne Ausgepumptsein. Obwohl mich der Arzt als tapfer bezeichnet hat, ist mir mitunter doch ganz schön bange zumute…
… Am 7. Juli habe ich einen Termin beim „FBI“ – Friedrich-Baur-Institut für Muskelerkrankungen – und ich sehne diesen Tag sehr herbei. Ich hoffe darauf, dass man während der Untersuchungen dort den genauen Typus der Myopathie feststellen wird, und auch darauf, dass ich dann Medikamente, Infusionen und Physiotherapie bekommen werde, die den Verlauf der Krankheit verlangsamen werden…
… Der Wirbelsäulendoc hat mich auch noch kurz darüber informiert, dass nach Pfingsten wohl ein weiterer Kontrolltermin beim Neurologen anstehen würde. Davon weiß ich zwar noch nichts, aber ich freue mich schon darauf, diesen Menschen wieder zu sehen. Meine romantische Verliebtheit, für die ich immer noch von Herzen dankbar bin, denn sie hat mir durch einige sehr schlimme Tage und Nächte geholfen, ist einem starken Vertrauen, einer reiferen Art von Zuneigung, dem tiefen Wunsch, diese Persönlichkeit zum Freund haben zu dürfen, gewichen. Ich weiß, dass ich bei diesem Arzt in wahrlich guten Händen bin, und hoffe, dass er auch weiterhin an meiner Behandlung beteiligt sein wird. Er hat mich übrigens mit seiner kleinen Familie, seiner Frau, einem entzückenden Baby und einem guten, alten Freund, tatsächlich in der Residenz besucht – was mich enorm überrascht, bewegt und sehr gefreut hat…
… Ich gehe jetzt ins Bett, denn es steht eine harte und sehr lange Arbeitswoche an – wahrscheinlich darf ich an beiden Feiertagen arbeiten und werde dann erst wieder am Freitag, 9. Juni, einen freien Tag haben…
… In einer Fensternische der Veroneser Burg Castelvecchio habe ich diese ungeduldig auf Futterzufuhr wartenden Jungvögel entdeckt. Mir scheint, dass es sich hierbei um eine Art Schwalben handeln könnte…
… Ich bin heute wieder dermaßen intensiv viele lange Stunden in der Stadt unterwegs gewesen, dass ich nun völlig entkräftet bin, und keine Energie mehr zum Hochladen und Bearbeiten meiner Fotos habe. Dank meiner beiden Helferlein, der mitgenommenen Wanderstecken, bereitet langes Gehen zum Glück keine Probleme. Ein paar Mal bin ich ins Stolpern geraten, weil meine Beine nicht so wollten, wie ich das gerne von ihnen gehabt hätte, konnte mich aber dank der Stecken jedesmal wieder fangen. Am schwierigsten ist Treppen hochsteigen – aber ich habe mit viel Geduld, Sturheit und Beharrlichkeit alles gesehen, was ich mir vorgenommen hatte, und wohin meine Wissbegierde mich getrieben hat… 😉
… Dieses nachdenkliche und zarte Lied von einem schönen, damals noch jungen Mann namens Sting intoniert, rührte mich am Montag Abend, nachdem ich die Diagnose meiner Muskelerkrankung erfahren hatte, zu Tränen. Ich bin dankbar dafür. Weinen hilft ebenso wie Lachen. Und ja, im unvorhersehbaren, unplanbaren, manchmal so rätselhaften Getriebe unserer Leben sind wir in der Tat bisweilen so fragil…
… Am Nachmittag musste ich mich erneut in der Neurologischen Praxis einfinden, mein Doktor – eine faszinierende Persönlichkeit! – bat seinen Freund und Praxispartner, einen Prof. Dr. der Neurologie, hinzu. Wieder wurde ich mit langen Nadeln in Ober- und Unterschenkel und Stromstößen traktiert, wobei die Herren und ich recht locker miteinander plauderten und trotz der nervlichen Anspannung viel Spaß hatten. Danach zogen sich die Medizinmänner zur Beratung zurück…
… Es ist kein Gehirntumor oder Aneurisma, oder eine Infektion des Kleinhirns, wie zuletzt von mir befürchtet (ich sollte damit aufhören, medizinische Artikel im WWW zu lesen, die regen meine Phantasie immer ganz besonders stark an 😉 ). Allerdings ist der Befund, zu dem die Herren Dottores kamen, auch nicht eben prickelnd: Ich habe mit fast hundertprozentiger Sicherheit eine in Europa nur sehr selten vorkommende Muskelerkrankung (hab‘ ich doch gesagt, dass ich eine medizinische Rarität bin!), die wahrscheinlich nicht heilbar ist. Mein Neurologe bemüht sich für mich um einen schnellstmöglichen Termin in einem Münchner medizinischen Institut, das auf Muskelerkrankungen spezialisiert ist. Dort wird man sich dann meiner annehmen…
… Der Arbeitstag heute ist mein ganz persönlicher Garten Gethsemane gewesen, ein ständiges Auf und Ab zwischen Hoffen und Bangen. Vor lauter Nervosität habe ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, und bin dafür mindestens ein halbes Dutzend Mal auf der Toilette gewesen. Ich hatte so sehr gehofft, dass die beiden Ärzte zu dem Schluss kommen würden, dass es sich doch nur um eingeklemmte Nerven handeln würde. Leider hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Ich werde mich nun sehr darum bemühen, die gestellte Diagnose innerlich zu verarbeiten, anzunehmen, und zu lernen, damit zu leben…
… Noch kann ich meine Kamera in den Händen halten. Also geht es mir gut…
… Nachdem mein Priv. Doz. Dr. der Neurologie heute über zwei Stunden lang an mir herumgeklopft, mich endlos befragt und mich mit langen Nadeln und Stromstößen in den Armen und Beinen gepiesackt hat, ist er zu folgendem Schluss gekommen: Er kann immer noch keine Diagnose erstellen, und ist momentan mit seiner Weisheit am Ende. Nur eines ist sicher: Ich habe wohl eine sehr seltene Erkrankung – die Ahnung, dass ich ein „medizinisches Unikum“ sein könnte, hatte ich ja schon vor Wochen. Vielleicht mache ich damit noch Karriere, und werde eines nicht mehr allzu fernen Tages „Star“ medizinischer TV-Sendungen und Veröffentlichungen. 😉 Positiv daran ist, dass diese mysteriöse Krankheit anscheinend recht langsam voran schreitet. Deshalb muss ich am Montag Nachmittag noch einmal in die Praxis, und dann werde ich von ihm und einem Prof. Dr. der Neurologie erneut genau unter die Lupe genommen…
… Ich hatte schon gehofft, heute Abend zur Feier des Tages ein Fass aufmachen zu können – dem ist leider nicht so. Der gute Onkel Doktor wollte mich für die nächsten sechs Wochen krank schreiben, darauf habe ich aber dankend verzichtet. Ich bin lieber in meinem Schloss, und unter Menschen, als allein daheim, wo ich viel zu viel Zeit hätte, mir womöglich völlig unnötig den Kopf darüber zu zerbrechen, was mir fehlen könnte. Worauf dem guten Onkel Doktor entfuhr: „Respekt! Sie haben aber schon Power im A… Oh! Entschuldigung!“…
… Danach dürstete mich nach praller Lebensfreude, so schaute ich zunächst am Marienplatz vorbei und genoss das temperamentvolle Tanzen einer irischen Mädchengruppe anlässlich des Münchner Europatags. Und dann ließ ich mich ein Viertelstünderl lang durch den Gourmettempel „Dallmayr“ treiben…
… Wahre Gaumenfreuden in Hülle und Fülle – allerdings muss man schon eine sehr gut gefüllte Brieftasche haben, wenn man bei „Dallmayr“ einkaufen will…
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