… der verheerenden Regenfälle und Unwetter am vergangenen Wochenende gehörte auch das jüngste der vier Küken jener Storchenfamilie hoch über dem Bahnhof Freilassing, die ich per Webcam seit etwa zwei Wochen häufig beobachte…
… Am 16. Mai kamen drei wohlgeratene Junge zur Welt, gut zwei Tage später des nachts ein Nachzügler, der von der Fangemeinde auf YouTube liebevoll Mini genannt wurde…
… So lange das Wetter halbwegs passabel war, und sich nur vorübergehende Schauer und Gewitter entluden, entwickelten sich alle vier Nestlinge sehr gut, der Unterschied zwischen den Erstgeborenen und Mini stach nicht sonderlich groß hervor. Der Kleine fraß seinen Geschwistern gleich wie ein Scheunendrescher und war lebhaft und kräftig…
… Die Freilassinger Storchenfamilie mit Mini. Das Video entstand am Mittwoch, 29. Mai…
… Doch dann kam jenes verheerende Tief aus dem Süden mit seinen heftigen Regenfällen, die mit nur wenigen Unterbrechungen bis in die Nacht von Montag auf Dienstag andauerten…
… Mini wurde zusehends schwächer, bereits am Sonntag Nachmittag sah es so aus, als würde er die nächsten Stunden nicht überleben. Dann kam für eine Weile die Sonne durch, und entfachte noch einmal die Lebensgeister des Küken. Es fraß, und wirkte für eine Weile recht munter – es war allerdings nur ein kurzes letztes Aufblühen. Vielleicht hätte Mini sich sogar wieder erholt – doch es stellte sich erneut strömender und lang anhaltender Regen ein…
… Nachdem er im Morgengrauen des Montags (ca. 5:2o Uhr) und kurz nach acht Uhr zweimal das Futter verweigert hatte, und nur mehr teilnahmslos, völlig durchnässt und abgemagert neben seinen Geschwistern lag, wurde Mini von Korbi, dem männlichen Altstorch, erlöst. Ein heftiger Stich mit der Schnabelspitze – wohl der Gnadenstoß -, dann packte der große Schreitvogel das leblose Küken und beförderte es über die von Zweigen und Reisig eingefasste Kante des riesigen Nests…
… Ich habe die ganze Nacht von Sonntag auf Montag durchwacht und die dramatische und traurige Entwicklung im Storchennest beobachtet. Und ich wollte, ich hätte die grade beschriebene Szene nicht gesehen, aber die „Entsorgung“ des glücklosen Mini erfolgte so überraschend und schnell, dass ich, müde wie ich war, nicht reagieren und den YouTube-Kanal wegklicken konnte…
… Im Chat hatte es schon vorher heftige Diskussionen gegeben, warum niemand einschreiten und den zusehends schwächer werdenden Nestling bergen würde. Störche stehen unter Naturschutz, deshalb dürfen Tiere nicht aus dem Horst genommen werden. Kranker oder zu schwacher Nachwuchs wird von den Altvögeln nur deshalb verstoßen, um sich und den Rest der Brut zu schützen. Das ist der Lauf der Natur, das sollte man verstehen und akzeptieren. Und bevor man Tiere, die ihrer ganz eigenen und für uns nur selten verständlichen Intelligenz sowie ihren Instinkten folgen, als grausam und brutal verschreit, sollte Mensch sich zunächst einmal ganz fest an die eigene Nase fassen. Zudem hatten THW, Feuerwehr etc. anderes und auch weitaus Wichtigeres zu tun…
… Nun versinkt die Sonne am Horizont, es ist warm, und auch das riesige Storchennest trocknet allmählich. Die drei verbliebenen Küken strotzen vor Leben, sie krakeelen und quengeln, versuchen immer öfter, auf ihren Beinen zu stehen – was sehr drollig aussieht -, fressen immer größere Brocken und man kann ihnen beim Wachsen förmlich zusehen. Und sie lassen einen beim Beobachten die Grausamkeiten der Natur nach und nach wieder vergessen…
… Habt einen möglichst unbeschwerten Wochenteiler, ihr Lieben…

22 Kommentare zu “Zu den Opfern…”
Traurig. Aber wie du richtig schreibst die Natur regelt das schon.
Hoffen wir, dass die anderen es schaffen. 🍀
Zur Zeit sieht es für die drei verbliebenen Küken richtig gut aus.
Das freut einen dann doch.
Tja, man kann darüber philosophieren…
Ohne Zweifel. – Ich habe vorhin einen sehr interessanten Artikel von GEO gelesen, dass es höchste Zeit sei, die Intelligenz von Tieren neu zu bewerten, und anzuerkennen, dass sie ganz sicher nicht nur Instinkten folgen.
Das ist wirklich sehr schade, aber leider nicht zu ändern. Es gibt ja noch drei kräftige Küken, hoffen wir, dass sie gesund bleiben und gedeihen! Liebe Grüße! Hedwig
Ja, da hast du recht. Selbst wenn das Mini noch leben würde – seine drei Geschwister wären ihm in der Entwicklung mittlerweile so weit voraus, das würde es nie aufholen können, stets der Schwache und Benachteiligte bleiben, vor allem beim Fressen. Denn die Altvögel bringen zusehends größere Brocken ins Nest, die der Kleine nie herunter schlingen könnte. Da ist dem Mini viel Leid und Siechtum erspart worden.
Ich habe grad wieder bei der Storchenfamilie vorbei geschaut, die drei verbleibenden Nestlinge entwickeln sich nach wie vor prächtig.
Liebe Grüße!
Oh nein. Ich habe es gar nicht bis zu Ende lesen können, das tut mir so leid 😢
Mir hat das den ganzen Montag über sehr zugesetzt – trotz aller Vernunftgründe.
❤️
Einfach nur traurig.
Ja…
Sehr traurig …
Für das Mini ist es trotz aller Trauer besser so…
Das ist traurig, aber die Natur. Das muss man, so schwer es einem fällt, akzeptieren.
Yepp.
Ich glaube dir gerne, dass du dir diese „Entsorgungsszene“ hättest sparen wollen…
Aber wie du in einem deiner Kommentare schreibst, ist dem kleinen Storch damit auch viele Qual erspart geblieben.
Jetzt hoffen wir mal, dass die Eltern es schaffen, ihre drei anderen weiter erfolgreich grosszuziehen.
Vielleicht kannst du uns ja ab und zu darüber auf dem Laufenden halten!
LG
Christa
Das ging mir den Rest des Tages nicht mehr aus dem Kopf…
Die drei verbliebenen Nestlinge sind froh und munter, wachsen so schnell, dass man dabei förmlich zuschauen kann, und haben nix als Flausen im Kopf. – Ich werde gerne den einen oder anderen Zwischenbericht vom Storchennest bloggen!
Liebe Grüße!
Hätte mein Vater seine Kaninchendamen davor bewahren können die schwächsten nicht aus dem Nest zu werfen oder zu fressen?
Nein hatte ER nicht.
Ich muss sagen das ist so Natur hilft sich selber.
Und das ust auch gut so.
Wir Menschen greifen zu oft und zu viel ein.
Das stimmt, wir greifen in der Tat viel zu oft und viel zu viel in die Natur ein.
Das ist alles sehr traurig. Ich mag so etwas auch nicht sehen, aber so ist es nun mal in der Natur. Bei Dokus allerdings schalte ich das weg. Ich wrtrage es schlecht. Im Haus wohnt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelrettung des NABU. Er erzählte mir neulich auch, dass sie oft zu spät kommen bei verletzten Vögeln oder welchen in misslicher Lage. Als ich mit den Schafen unterwegs war, hat man mir beschrieben, wie ich eines erlösen muss, wenn es nötig ist und Qualen beendet. Ich habe immer gebetet, dass ich das nicht brauche. Ich hatte Glück.
Liebe Martha, der Altstorch hat Mini erlöst und ihm Qualen erspart. Es ist bestimmt gut so.
Tröstende Grüße an dich.
Danke, liebe Gudrun.
Selbst wenn das Mini überlebt hätte, es hätte nie den mittlerweile schon recht großen Unterschied in der Entwicklung aufholen können. Er wäre vor allem bei den Fütterungen ständig außen vor geblieben. Ihm hätte womöglich ein tagelanges Siechtum voller Leid und Qualen bevor gestanden. Der Altvogel hat „richtig“ gehandelt.
Bei Tierdokus zappe ich auch immer weg, wenn ein Tier gerissen wird oder auf andere Weise stirbt. Das hätte ich gerne auch bei den letzten Augenblicken vom Mini getan – aber das Ganze spielte sich so schnell ab, dass ich nicht reagieren konnte.
Sei herzlich gegrüßt!