… bei meinen Runden durchs WWW, was für skurrile Scheinargumente gegen E-Autos angeführt werden. Das Gerücht, dass unser Stromnetz zusammenbrechen würde, wenn alle Deutschen ein schadstoffarmes Fahrzeug ihr eigen nenne würden, hält sich da an oberster Stelle. Ich habe das hier schon einmal zur Sprache gebracht. Selbst wenn es 45 Millionen Besitzer:innen von E-Autos geben würde – was ganz wunderbar für unser Klima und die Umwelt wäre, und die Öl-Multis ganz schön dumm dastehen lassen würde! – und diese gleichzeitig die Akkus aufladen würden – was hundertprozentig so gut wie nie der Fall sein würde – würde unser Stromnetz ganz sicher nicht die Grätsche machen. Unsere Netze sind so ausgelegt, dass sie alles abdecken können, was üblicherweise an ihnen hängt. Und das funktioniert seit Jahrzehnten perfekt, und wird immer perfekter. E-Autos werden bald schon durch das sogenannte bidirektionale Laden bei Strommangel sogar die Netze unterstützen. E-Autos sind also Teil der Lösung, und nicht das Problem…
… Noch ein anderes wirres Gerücht ist mir gestern Abend beim Stöbern in Bloggershausen untergekommen: Man könne sich ja nur dann ein E-Auto anschaffen, wenn man ein eigenes Haus besitzen würde. Das hat mich sehr ins Grübeln gebracht, denn in der Münchner Innenstadt nimmt die Zahl der schadstoffarm betriebenen Fahrzeuge stetig zu, obwohl es hier fast nur Mieter:innen bzw. Wohnungseigentümer:innen gibt. Also habe ich ein bisschen nachgeforscht: Man kann sich selbstverständlich auch ein E-Auto zulegen, wenn man nur zur Miete in einer Wohnung lebt oder eine solche besitzt. Seit dem 1. Dezember 2020 sind Vermieter:innen dazu verpflichtet, Mieter:innen die Installation einer Wallbox an einem Stellplatz zu erlauben (gemäß § 554 BGB). Der Einbau der Wallbox kann nicht einfach verboten werden, es sei denn, es liegen berechtigte Gründe wie z. B. Denkmalschutz vor. Nötig ist lediglich eine vorab erteilte schriftliche Zustimmung des/der Vermieter:in. Die Kosten der Installation trägt der/die Mieter:in…
… Es würde in Deutschland noch viel zu wenig Ladesäulen geben. Das ist zumindest in Teilen richtig. Grade in ländlichen Gegenden muss da schon noch ordentlich an der Infrastruktur geschraubt werden. Doch der Ausbau der Ladepunkte schreitet lt. Bundesnetzagentur sogar schneller voran als ursprünglich geplant. An Normalladepunkten gibt es in Deutschland aktuell 147.935, an Schnellladepunkten 50.449…
… Wer solche Märchen in die Welt setzt und weiter verbreitet, um E-Autos und die Energiewende möglichst schlecht dastehen zu lassen, dem tut es nach dem Tanken im Geldbeutel wohl noch nicht weh genug. – Es sieht überhaupt nicht nach einer schnellen Lösung des Konflikts im Nahen Osten aus, und ich denke nicht, dass man die Straße von Hormus so schnell wieder freigeben wird. Was natürlich die Preise für Benzin und Diesel noch weiter in die Höhe treiben wird. – Wenn ihr dann irgendwann feststellen werdet, dass ihr euch zwischen euren Streamingdiensten, die ihr nach Feierabend so gerne nutzt, oder der nächsten Tankfüllung, zwischen Essen, anstehenden Reparaturen oder Autofahren entscheiden und auf eure geplanten Urlaubsreisen verzichten müsst, dann werdet ihr ja vielleicht doch umdenken. Bis dahin wünsche ich euch noch viel Freude mit euren Verbrennern! – Kleiner Fun Fact zum Schluss: Eine Kilowattstunde Strom kostet zur Zeit ca. ein Drittel bis maximal die Hälfte des Preises, der für einen Liter Sprit bezahlt wird. Und Sonne und Wind lassen sich jederzeit nutzen, ohne irgendwelchen irren Staatschefs, Erpressern, Konzernriesen und Kriegsstiftern in den A*** kriechen zu müssen…
Quellen:
https://www.bundesumweltministerium.de/themen/verkehr/elektromobilitaet/strombedarf-und-netze
https://klimareporter.de/verkehr/quaschning-erklaert-elektroauto-apokalypse
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/E-Mobilitaet/start.html
Eine interessante Ergänzung und auch Berichtigung meines Textes durch @Christian Buggisch – vielen Dank dafür!:
Ich sehe das alles genauso 🙂
Nur der Vergleich „1 kWh Strom kostet ein Drittel bis die Hälfte eines Liters Sprit“ ist etwas irreführend. Für Strom zahlt man im Schnitt etwa 0,30–0,40 €/kWh (je nach Lademöglichkeit auch mehr), für Benzin etwa 1,80 €/Liter (aktuell bekanntlich auch mehr). Das entspricht eher einem Verhältnis von 1/5 bis 1/6.
Entscheidend ist aber: Mit 1 kWh kommt man nicht so weit wie mit 1 Liter – sinnvoll ist daher der Vergleich pro Strecke. Ein E-Auto braucht etwa 15–20 kWh/100 km, ein Verbrenner 6–8 Liter. Durch den deutlich besseren Wirkungsgrad fährt man elektrisch in den meisten Fällen trotzdem günstiger.
Beispiel aus meiner Praxis:
Verbrenner: 7 L × 1,80 € = 12,60 € / 100 km
E-Auto: 18 kWh × 0,35 € = 6,30 € / 100 km
Unterm Strich etwa halb so teuer, wobei es bei viel Schnellladen auch deutlich teurer werden kann.

6 Kommentare zu “Ich staune immer wieder…”
Ein echt komplexes Thema hast Du Dir da ausgesucht – find ich gut!
Das Mehrgenerationehaus, in dem ich lebe, besitzt jetzt seit über zwei Jahren eine PV-Anlage mit Wallbox, seit circa 1 1/2 Jahren ist eins (von drei Autos) ein E-Auto und ich muss sagen, dass bei uns im Haus alle davon angetan sind. Zugeben muss ich aber auch, dass die Entscheidungsfindung und spätere Kostenaufteilung etc. innerhalb der Familie sicher einfacher war, als in einem Mietshaus.
Mit Ladesäulen am Wohnort sieht es ansonsten eher so mittelprächtig aus, die Tankstellen verwenden eine andere (Bezahl)-App, als die für die Ladesäulen des städtischen Anbieters und das nervt dann schon mal.
Nur ist daran ja eher Politik und Wirtschaft schuld und eigentlich sollte es doch ein Leichtes sein, sich auf ein Modell für alle zu einigen, zumindest innerhalb Deutschland.
Am Arbeitsplatz habe ich Glück, da ist eine Ladesäule quasi direkt vorm Gebäude, die eine meiner Kolleginnen auch regelmäßig nutzt, wenn sie mit dem Auto kommt. Das einzige, was da nervt ist das Umparken, weil man da höchstens zwei Stunden stehen darf.
Ansonsten halten sich Legenden wie der Zusammenbruch des Stromnetzes leider immer viel hartnäckiger, als Fakten :/
Und natürlich ist das Ladenetz (noch?) nicht so großflächig wie Tankstellen. Nur muss man sich dann halt als Wahlvolk vielleicht auch mal überlegen, wieso das so ist und ob es nicht sinnvoller wäre, Parteien zu wählen, die wenigstens gewillt sind, daran zu arbeiten und nicht solche, die den Status Quo bis zum letzten Atemzug erhalten wollen, egal, ob das noch Sinn macht oder nicht.
Denn wenn die Richtigen wollen und sich dann doch mal in Bewegung setzen, kann vieles auch mal ganz schnell gehen. Das habe ich gerade erlebt, als in quasi acht Wochen mein ganzer Stadtteil ruckzuck verglasfasert war. Natürlich ist da auch noch viel in den einzelnen Häusern zu tun, aber einmal angefangen, ging das ruckzuck, wenn auch im Vorfeld nicht ohne den (teilweise leider erfolgreichen) Versuch, des Konzerns, der den Ausbau übernommen hat, teure Internetverträge zu verkaufen, in dem man Halbwahrheiten kommuniziert hat, während die Verantwortlichen aus Politik und Stadtverwaltung tatenlos daneben standen.
Auch deutsche Autokonzerne hätten vielleicht mehr Interesse daran, billigere E-Alternativen zu bauen, wenn sie nicht seit Jahrzehnten von Teilen der Politik immer weiter gepampert worden wären…
Und zum Thema Wärmepumpen schweige ich lieber ganz 😉
Es ist halt doch kompliziert, aber zumindest teilweise ginge vieles sicher einfacher, wenn wir uns nicht selbst im Weg stehen würden.
Danke für deinen wirklich guten Kommentar. Und ich freue mich sehr darüber, dass die E-Mobilität euch im Mehrgenerationenhaus so positiv beeindruckt.
Ja, weil ich nichts so sehr hasse wie Unwahrheiten. An sich ist es mir – abgesehen vom Umweltschutz – völlig egal, wenn Mitmenschen freiwillig ihr sauer verdientes Geld durch den Auspuff ihrer heißgeliebten Verbrenner blasen. Ist ja nicht meine Kohle. Aber wenn zu einem Thema so gut wie komplett faktenfreie und falsche Behauptungen aufgestellt werden, dann triggert mich das. Dann muss ich mich zu Wort melden. 😉
Rein theoretisch dürfte jede/r Mieter/in seine eigene Wallbox in einer Tiefgarage, dem Hof oder dem Stellplatz vor dem Haus installieren. Aber wir sind Menschen, wir sind es doch gewohnt, Probleme zu lösen, seitdem wir von den Bäumen geklettert sind. Da dürfte es an sich eigentlich ein Leichtes sein, dass sich eine Mieter- oder Eigentümergruppe auf die Nutzung einer gemeinsamen Wallbox einigen könnte, inklusive Absprache der Ladezeiten – bevorzugt nachts, weil da die wenigsten Geräte in Betrieb sind – damit ja das Stromnetz nicht zusammenbricht. 😂
Eigentlich kommt man doch mit einem vollen Akku zwischen 300 und 700 km weit, je nach Modell und Ausstattung. Man ladet zuhause auf, und wenn es nötig ist, dann schließt man auch zuhause das Fahrzeug wieder an der eigenen Wallbox an – weite Fahrten natürlich ausgenommen. Deswegen finde ich, dass jetzt nicht unbedingt an jeder Straßenkreuzung und Weggabelung eine Batterie Ladesäulen stehen müssen. Das ist ja bei Tankstellen – ca. 15.000 gibt es in Deutschland noch – auch nicht der Fall.
Was die derzeitige Politik und Einigung und das Wahlvolk anbelangt – oooooh, da sieht es zur Zeit ganz besonders düster aus… Und wenn in ein paar Jahren die Blaunen mit ihrem gefügigen Juniorpartner „cd“U/“cs“U das Ruder ergreifen werden, dann wird es für Klima- und Umweltschutz, E-Autos, Wärmepumpen, Solar- und Windkraftwerke etc. wohl das Aus bedeuten – und für den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland auch.
Die Richtigen – das wäre unter einigen anderen auch Robert Habeck gewesen – hatten sich ja schon mal in Bewegung gesetzt und sind dann kontinuierlich so lange nicht nur von diversen Medien sondern auch von den Wähler:innen, die sich scheinbar nur zu bereitwillig jede Menge Lügen und verdrehte Fakten auftischen ließen, in ein falsches Licht gerückt worden, bis sie hingeschmissen haben. Nun ja, die Gelben in eine Regierungskoalition mit einzubeziehen, ist auch ein verdammt großer Fehler gewesen.
Deinem Schlusssatz pflichte ich voll und ganz bei und unterstreiche ihn doppelt und dreifach!
Ich sehe das alles genauso 🙂
Nur der Vergleich „1 kWh Strom kostet ein Drittel bis die Hälfte eines Liters Sprit“ ist etwas irreführend. Für Strom zahlt man im Schnitt etwa 0,30–0,40 €/kWh (je nach Lademöglichkeit auch mehr), für Benzin etwa 1,80 €/Liter (aktuell bekanntlich auch mehr). Das entspricht eher einem Verhältnis von 1/5 bis 1/6.
Entscheidend ist aber: Mit 1 kWh kommt man nicht so weit wie mit 1 Liter – sinnvoll ist daher der Vergleich pro Strecke. Ein E-Auto braucht etwa 15–20 kWh/100 km, ein Verbrenner 6–8 Liter. Durch den deutlich besseren Wirkungsgrad fährt man elektrisch in den meisten Fällen trotzdem günstiger.
Beispiel aus meiner Praxis:
Verbrenner: 7 L × 1,80 € = 12,60 € / 100 km
E-Auto: 18 kWh × 0,35 € = 6,30 € / 100 km
Unterm Strich etwa halb so teuer, wobei es bei viel Schnellladen auch deutlich teurer werden kann.
Vielen Dank für den sehr feinen und interessanten Kommentar! Ich werde ihn – falls du damit einverstanden bist – als Ergänzung zu meinem Text anfügen.
Weil hier überwiegend zugestimmt wird
Leider ignoriert dein Eintrag die Lebensrealität von Millionen Menschen hierzulande. So lebe ich (und sehr viele andere ebenso) in einem denkmalgeschützten Innenstadtbereich, wo private Stellplätze so gut wie nicht vorhanden sind, ebenso öffentliche Ladestationen. Das Laden dauert, die Zeit an diesen Stationen ist limitiert, über Nacht stehen lassen ist nicht, und ewiges so genanntes Schnellladen ruiniert auf Dauer jeden Akku. Diese Situation ist im gesamten Innenstadtbereich ähnlich. Dazu kommt – hier ist nicht München, hier laufen viele finanziell am Limit und können sich sich keinen E-Wagen leisten, auch, wenn der nur die Hälfte Geld verbraucht. Geld – Wiederverkaufswert – sehr schlecht, da Altfahrzeuge in 5, 6 Jahren Akku-technisch komplett veraltet sind, bzw. verschlissen. Ein jeder muss wirtschaftlich denken, und ein kaputter Akku ist ein wirtschaftlicher Totalschaden.
Mir geht diese lebensfremde Polemik der grünen Blase auf die Nerven. Wobei ich mich für jeden freue, der die Möglichkeit und die Mittel hat, sich elektrisch fortzubewegen. Aber das regelt der Markt und sonst niemand. Der letzte Versuch (Ampel) ist nicht zuletzt an der ordnungspolitischen Haltung mancher Politiker gescheitert.
Ich sage dir, was bei mir Fakt ist: Ich fahre einen Kleinstwagen mit 5.6 Liter Verbrauch und 3.47 m Länge. 10 Jahre ist der mittlerweile alt. Wenn ich den nicht mehr fahren kann, fahre ich überhaupt kein Auto mehr, weil ich bis dahin verrentet sein werde. Nicht, weil ich mir kein Auto leisten könnte, sondern weil ich nicht will. Somit steige ich aus aus diesem Konsumkreislauf, das Nachsehen haben jene, die ihr Geld damit verdienen., und das sind nicht wenige.
Nochmal: Ich habe nichts gegen zukunftsgerichtete Techniken, sofern einem jedem selbst überlassen bleibt, wie er sich einrichtet, einrichten kann, nach seinen Mitteln. Polemik erzeugt nur Gegenpolemik, davon haben wir mehr als genug und das ist der Sache nicht dienlich.
L.G., Reiner
Ich gehöre ganz sicher nicht zu jenen, die den Mitmenschen partout E-Autos aufzwingen wollen. Ich zwinge niemandem etwas auf, muss jede/r selber wissen, was er/sie tut. Aber ich gehöre zu jenen, die einen dicken Hals bekommen, wenn E-Autos und sogenannte grüne Energien mit Lügen und Faktenverdrehungen schlecht geredet werden. Das ist mir seit einer Weile schon immer öfter untergekommen, und dagegen richtet sich mein Post – ich wollte lediglich einige dieser dummen Gerüchte richtigstellen. Sonst nichts. Ich hasse Lügen und Schwurbeleien. Und diese Einstellung pflege ich nicht nur Fake News über E-Autos und alternativen Energien gegenüber sondern gegenüber allen Themen, bei denen geschwurbelt und gelogen wird, um etwas schlecht zu machen, was doch eigentlich so gut für uns Menschen ist – seien es eben E-Autos, so gut wie schadstofffreie Energiegewinnung, die Raumfahrt, gewisse Aspekte der Politik und vieles andere mehr. Punkt.