35 Kommentare zu “Tafel-Freuden…

  1. Ganz ehrlich: ich versteh langsam nimmer, was die ach so kluge Menschheit i.M. für Probleme hat. Und diese Pauschalurteile über Tafelbesucher – da krieg ich sowas von Hals.
    So von wegen: „uns Steuerzahler…blabla“. Mich würde so gar nicht wundern, wenn einige dieser Schreihälse in ein paar Jahren selber von den Tafeln abhängig wären – Steuern zahlen heißt nämlich noch lange nicht, im Alter abgesichert zu sein. Da brauch ich nur mich selber anschauen … und das, obwohl ich mein Leben lang gearbeitet, tw. gut Steuern gezahlt, aber den Fehler gemacht hab, a) ein paar Jahre selbstaändig zu arbeiten und b) die private KK zu unterschätzen …

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    • Was diese pauschalierenden Vorurteile anbelangt, so entspringen diese wohl in vielen Fällen einer unguten „spießbürgerlichen“ Eigenschaft: Nach oben katzbuckeln, nach unten treten. Und ja, mittlerweile kann es jeden erwischen – eine falsche berufliche Entscheidung zur unrechten Zeit, eine chronische, schwere Erkrankung, eine Fehlinvestition – Ursachen, durch das Soziale Netz zu rutschen, gibt es mittlerweile ungezählte…
      Manchmal stehen sie an den schmiedeeisernen Gittern in der backsteinernen Friedhofsmauer, die gut situierten NachkriegsrentnerInnen, und begaffen uns Tafelgäste, als wären wir Tiere in einem Zoo…

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  2. Mal ganz ehrlich, selbst wenn dort Leute anstehen, die rauchen und trinken…. wer sind wir eigentlich, das zu kritisieren. Ich rauche selber und kein Mensch macht mir deshalb Vorwürfe. Und ich habe damit auch nicht aufgehört, als ich selber mal HartzIV Empfängerin war. Ich finde es schlicht anmaßend, zu meinen, man können den Menschen, die sog. staatliche Transferleistungen beziehen, vorschreiben, wofür sie ihr Geld auszugeben haben. Ich gebe auch Obdachlosen Geld und hole ihnen nicht ungefragt was zu essen, nur damit sie sich keinen Alkohol kaufen. Mal abgesehen davon, ist mir lieber, jemand kann sie was holen, bevor er unkontrolliert auf Entzug geht, das kann nämlich lebensgefährlich werden.
    Die Tafeln leisten wertvolle Arbeit, aber die Kritik, dass sie damit das System festigen, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Der Staat verlässt sich auf die Tafeln, obwohl er selber in der Pflicht stünde. Andererseits ist es eben leider so, das viele Menschen ohne sie nicht über die Runden kämen und deshalb sind sie natürlich gut und richtig. Und diese vermaledeiten Vorurteile kenne ich aus der Obdachlosenhilfe. Da stand allerdings auch vom ungelernten Suchtkranken bis hin zum ehemaligen Hochschulprofessor schon alles vor mir. In unserem ach so tollen Sozialstaat geht das nämlich manchmal schneller als man denkt.
    Ich finde es toll, wie offen Du hier über Deine Tafel-Erfahrungen schreibst! Dazu gehört auch Mut, gerade, weil es immer noch Menschen gibt, die meinen, das seien alles Schmarotzer. Traurig genug, dass Du nach 42 Berufsjahren darauf angewiesen bist. Darüber sollten sich die Leute mal aufregen

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    • Eben. Wie heisst es doch in den Evangelien so schön: Wer sich ohne Schuld weiß, der werfe den ersten Stein…
      Das ist eben das Bittere und auch Unverschämte, dass sich der Staat mittlerweile sehr auf die Tafeln verlässt, du hast ja neulich in einem Kommentar geschrieben, dass die Tafelspenden bereits in die Berechnung des Hartz-IV-Satzes bzw. der Grundsicherung lt. SGBXII mit einfließen…
      Ich halte nicht viel davon, eine Decke der Verschwiegenheit über mein Leben zu breiten. Zum einen, weil eines Tages ja doch alles ans Licht kommt, und zum anderen: Ich schäme mich nicht dafür, wie ich mein Leben bislang gelebt habe. Es gibt einige persönliche Entscheidungen, die mich inzwischen manchmal schmerzen, aber damit komme ich zurecht…
      Ich habe mich von der ungelernten Aushilfsbedienung eisern hochgearbeitet und hochgelernt bis zur IHK-geprüften Restaurantmeisterin. Und das als Asperger Autistin! Darauf bin ich mit Fug und Recht stolz. Ich habe in meinem gastronomischen Berufsleben eine Unzahl berühmter Persönlichkeiten bedienen dürfen. Doch dann war ich für die meisten ArbeitgeberInnen zu alt und zu überqualifiziert. Und in meinen letzten Arbeitsjahren kam dann eben noch die Muskelerkrankung dazu, die ja lange Zeit nicht entdeckt worden ist. So fällt man halt mit der Zeit durch’s Netz…

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  3. Dein Quarkauflauf sieht ja richtig lecker aus, liebe Martha und was du hier über manche Beschimpfungen zu Tafelgästen geschrieben hast entsetzt mich gerade sehr! Niemand geht zur Tafel, der auch ansonsten aus dem Vollen schöpfen kann und gerade solche hirnlosen (sorry) Menschen, denen es offensichtlich viel zu gut geht sollten sich lieber ehrenamtlich für die Tafel melden, um wirklich überhaupt mitreden zu können.
    Bei uns gibt es auch in fast jeder Stadt die Tafel, wofür bei den Geschäften die bereitgestellten Lebensmittel von ehrenamtlichen Helfern eingesammelt, sortiert und dann auch an Bedürftige verteilt wird. Inzwischen kann man in manchen Supermärkten auch einen großen Gitter-Korb mit extra dafür gekauften frischen Lebensmitteln füllen, was ich ganz super finde.
    Meine Tochter geht immer wieder mal für sich „Containern“, obwohl es leider noch immer nicht erlaubt ist.
    Ihr geht es dabei aber nicht darum, dass sie bedürftig ist, denn das ist sie trotz Alleinerziehend zum Glück nicht. Sondern ihr blutet das Herz zu sehen, dass täglich Unmengen von Lebensmitteln, die kurz vor dem Ablaufsdatum stehen oder sonst welchen dummen Gründen, im Container landen anstatt sie preisreduziert zu verkaufen, oder kostenlos an Bedürftige weiterzugeben. Sogar große Bioläden entsorgten im Frühjahr Unmengen an original verpackten und im Verkauf ziemlich teuren Pflanzen-Anwuchssets weil das Datum abgelaufen war, was ich einfach alles nicht verstehen und nachvollziehen kann. Armes reiches Land!
    Liebe Grüße von Hanne

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    • Ich empfehle jeder Person, die sich abfällig über Tafeln und deren Gäste äußert, doch mal ausgiebig mit den Menschen dort zu reden, mit den Ehrenamtlichen und auch den Bedürftigen.
      Ich kann es mittlerweile nicht mehr im Geringsten nachvollziehen, dass es hier nicht schon längst wie in Frankreich ein Gesetz gibt, das den Lebensmittel verarbeitenden oder verkaufenden Betrieben vorschreibt, dass Waren, die ansonsten im Müll landen würden, gespendet oder weiterverarbeitet werden müssen. Verstöße werden mit 3.750 Euro bestraft, auf die gespendeten Lebensmittel werden vom Staat rückwirkend 60 % der Steuern erlassen. Die Erfolgsbilanz liest sich nach gut drei Jahren, seitdem dieses Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung in Kraft ist, sehr positiv.
      Ich habe einen kleinen Obst- und Gemüsehändler hier im Haus. Und was der ein- bis zweimal pro Woche in die Biotonnen entsorgt, verursacht bei mir und einigen NachbarnInnen stets empörte Schnappatmung. Und ganz ehrlich – wir bedienen uns daran, auch wenn das Containern immer noch eine Straftat ist.
      Liebe Grüße!

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  4. Danke für deinen sehr informativen Beitrag. Ich hatte bis dato noch keinerlei Informationen zu diesem Thema. Umso mehr freut es mich einen Beitrag aus „erster Hand“ zu lesen und vor allem auch deine Offenheit, davor ziehe ich den Hut!!!
    Eine Frage noch zum Verständnis, was ist ein „Hackenporsche“? Ach übrigens, dein Quarkauflauf sieht sehr lecker aus 😋
    Liebe Grüße
    Roland

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  5. Liebe Martha, schlimm ist es und beschämend für das reiche Deutschland, dass so viele Menschen tatsächlich auf die Tafeln angewiesen sind. Selbst die angestrebte Grundrente fällt meines Erachtens viel zu gering aus. Es müsste viel mehr auf die Lebensleistung der Menschen abgestellt werden. Ein Mensch, der viele Jahre gearbeitet hat und dann in höherem Alter auf Hartz IV oder Sozialhile angewiesen ist, weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt, müsste deutlich höhere Transferleistungen bekommen, als die notorischen Nichtstuer, von denen ich während meiner beruflichen Tätigkeit leider ganze Dynastien kennen lernen musste. Menschen, die bereits in dritter Generation keinen Beruf gelernt haben und noch nicht einen einzigen Tag gearbeitet haben, müssten deutlich weniger an Leistungen beziehen. Es gibt so viel Ungerechtigkeiten und Absurditäten in unserem „Sozialstaat“, da geht mir die Hutschnur hoch. Dazu könnte ich noch so viel schreiben, aber das sprengt hier den Rahmen.
    Gut finde ich immer wieder, dass Du mit diesem Thema so offen umgehst.

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    • Richtig. Bei den Hartz-IV- und Grundsicherungssätzen, sowie beim Mindestlohn, mit dem man vor allem in den deutschen Großstädten nicht zurecht kommen kann, bei der Berechnung der Renten – ich habe da gestern einen interessanten Beitrag der TV-Reihe „Artikel 5“ gesehen -, bei den Arbeitnehmerrechten etc. müsste seit langem schon erheblich nachgebessert werden. Da hätte eine Regierung, die wirklich christlich, sozial und demokratisch agieren würde, ein ausgesprochen weites Betätigungsfeld. Aber leider scheint das die Damen und Herren in Berlin nicht so recht zu bekümmern – kein Wunder, bei ca. 6.000 Lobbyisten, die zu einem nicht unerheblichen Teil große und finanzstarke Unternehmen vertreten, und die seit etlichen Jahren schon eifrig im Bundestag ein- und ausgehen, und die – das ist bereits wiederholt bewiesen worden – Einfluss auf die Gesetzgebungen haben…

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      • Meine verwitwete Tochter bezog Wohngeld. Das ist Voraussetzung, dass sie für die Schulkinder das Bildungs-und Teilhabepaket beantragen durfte. Seit die Älteste zum Studium ausgezogen ist und zwei ihrer drei Schulkinder über zwölf sind, muss sie Unterhaltsvorschuss beantragen. Den bekommt man, wenn Halbwaisenrente und Kindergeld einen bestimmten Betrag unterschreiten. Die Wohngeldstelle verlangt diese Beantragung, denn Unterhaltsvorschuss wird auf Wohngeld angerechnet. Ergebnis, Unterhaltsvorschuss für die beiden über Zwölfjährigen erreichen die Höhe des bisherigen Wohngeldes, das nicht mehr gewährt wird. Soweit so gut. Monatlich gesehen ergibt sich kein Verlust. Aaaaber: Aus dem Bildungs-und Teilhabepaket gab es je Kind 100,00 € je Schuljahr, der Förderunterricht für den Legastheniker wurde finanziert, es gab Zuschüsse zum Schulessen, zur Musikschule und zu Sportvereinen. Außerdem wurden die Klassenfahrten bezuschusst. Ergebnis: es fehlen mehrere hundert Euro in der Familienkasse. Ja, meine Tochter könnte ja mehr arbeiten, als nur 25 Stunden die Woche, aber der Mehrverdienst würde dann auf die Witwenrente angerechnet. Da beißt sich die Katze in den Schwanz! Armes Deutschland! Bloß gut, dass wenigstens eine Oma eine auskömmliche Rente hat und ab und an einspringen kann.

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    • Ich bin auch froh über die Tafeln. Andererseits stützt sich der Staat ja schon seit längerem über Gebühr auf diese NGOs…
      Es mehren sich die Stimmen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern. Dass dies den Staat mehr belasten würde als bisher ist bereits oft widerlegt worden…

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      • Das habe ich auch gelesen. Eine richtige Grundrente für alle fände ich richtig und die sollte höher sein als die bisherige Grundsicherung. Was da kürzlich verabschiedet wurde schließt zuviel Menschen, besonders Frauen, die bleiben nämlich weiterhin Sozialfälle am Existenzminimum.
        Ach, ich rege mich schon wieder auf 🥶

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        • Yepp, bezüglich Grundrente ist die geplante Reform leider zu einem mangelhaften Reförmchen verkommen. Mein sehr ironisch gemeinter Dank geht an die „christlichen“, „sozialen“ und „demokratischen PolitikerInnen, die unser Land regieren…

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          • Das schließt dann aber jene, die aufgrund von Krankheit, geistiger Behinderung oder anderen Gründen keiner regelmäßigen Arbeit nachgehen konnten, wieder aus. Das finde ich bei allem Respekt genauso unsozial wie die jetzige Situation. Sozialstaat heisst, dass man auch jene angemessen zu versorgen hat, die nicht dazu in der Lage sind – aus welchen Gründen auch immer -, das selbst zu tun.
            Sozialbetrug wird sich nie vermeiden lassen – auch wenn man noch so entschieden dagegen vorgeht. Ich bin mir aber sicher, dass dieses Genre der Straftaten nach der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für jedermann/frau ganz flott quasi auf Null zurückgehen würden. Weil es dann ja logischerweise keinerlei Sinn mehr machen würde, irgendwelche Leistungen zu erschleichen. Die dann ohnehin nicht mehr existent wären, denn bei einem BGE würden Hartz-IV, Grundsicherungen, Aufstockungen und auch Renten weg fallen.
            Das Differenzieren der Bezahlung nach der gebrachten Leistung würde ich weitaus eher bei PolitikernInnen einführen. Da bin ich froh, dass ich nicht weiß, wie viele jener Abgeordnete, die bei uns im Bundestag oder im EU-Parlament sitzen, ihre nicht grade armseligen Diäten dafür kassieren, dass sie die anfallenden Arbeiten großenteils ihren Vorzimmerdamen, BeraternInnen und Lobbyisten überlassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass da die Prozentzahl der sogenannten „Schmarotzer“ nicht wesentlich niedriger ist als bei den Hartz-IV-BeziehernInnen.

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          • Da bin ich anderer Meinung,Frauen die jetzt im Rentenalter sind, oder bald rein kommen, haben ( zumindest im Westen) noch in einem anderen System gelebt, indem sie vielfach nicht berufstätig waren und später nur stundenweise gearbeitet haben. Nach heutigen Maßstäben haben sie somit die Arschkarte, besonders wenn sie auch noch geschieden sind.
            Unsere Gesellschaft hat sich in dieser Hinsicht krass geändert. Bei uns im Umkreis ist es heute noch so, dass Kinderbetreuung fehlt, etc
            Ich finde, Lebensleistung darf nicht an Berufstätigkeit gemessen werden.

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          • Nein, jeder hat ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben . Und was heißt denn Lebensleistung? Ich war über 10 Jahre schwer krank, habe mich ganz mühsam zurück ins Leben und in die Erwerbsfähigkeit geackert. Aber die 10 Jahre fehlen mir natürlich in meiner Leistungsbilanz. Geleistet habe ich in dieser Zeit übrigens eine ganze Menge, aber das zählt eben nicht.

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