Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Eines steht jetzt schon mit Sicherheit fest:…

… Die Corona-Pandemie wird die am ausführlichsten und umfangreichsten dokumentierte Krise der Menschheitsgeschichte sein. Ich schätze mal, dass hier auf WordPress sowie in den „Sozialen“ Netzwerken die Zahl der Beiträge zum Thema Covid19 zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine satte zweistellige Milliardensumme erreicht haben dürfte…

… Unsere Nachfahren dürften mithin in hundert Jahren oder so, wenn die letzte Rolle vom fieberhaft quasi unter Lebensgefahr angehäuften Klopapiervorrat der Urahnen endlich mit Andacht aufgebraucht worden ist, nicht nur aufgrund der ins Groteske aufgeplusterten und mittlerweile unerträglichen Themeneinfalt der Medien (ich habe seit meiner Verrentung nicht mehr so wenig ferngesehen wie zur Zeit, um dieser Sintflut an mehr oder weniger sinnvollen Corona-Berichterstattung wenigstens etwas zu entgehen), sondern auch unserer schier pausenlos erfolgenden Einträgen in den „Sozialen“ Netzwerken unschwer bis ins allerkleinste Detail nachvollziehen können, wie es damals so war, 2020, während Corona eine Weile die ganze Welt in Atem gehalten und in Furcht und Schrecken versetzt hat…

… Derzeit wird von Vielen ja quasi jedem F*** ein Bezug zu Corona verliehen und voll der Dramatik ins WWW hinaus posaunt! Dass man sich in der mit den Lebensumständen in Zweite oder Dritte-Welt-Ländern verglichen überaus komfortablen Wohnung nach wenigen Wochen der an sich recht milden Ausgangsbeschränkungen wie in einem Kerker fühlen würde! So entsetzlich leiden würde! Jahrelang ist man behäbig auf der Couch liegengeblieben, wenn es darum ging, auf Kundgebungen und bei Wahlen als mündige/r BundesbürgerIn zu agieren – und nun, wo man endlich nach Gusto lange Zeit ohne schlechtes Gewissen ein Couch-Potatoe sein dürfte, hält man es dort nach kurzem schon nicht mehr aus. Hach, nächste Woche wäre das Nachschneiden der splissigen Haarspitzen fällig – aber die Friseurläden haben ja alle geschlossen – das nervt total! Und meine Fingernägel! Hebt sofort die Ausgangsbeschränkungen auf, eine ordentliche Maniküre ist mir doch weitaus wichtiger als das Leben von ein paar siechen Alten, die ohnehin schon ausgedient haben und uns nur mehr zur Last fallen! Seit gefühlt Monaten schon ist das vierlagige, nach Lavendel duftende Toilettenpapier ausverkauft, und als Papi so einem feisten Kerl – der hatte bestimmt einen Migrationshintergrund! – einen der dutzendweise gehamsterten Zehnerpacks aus dem Einkaufswagen nehmen wollte, hat er sich eine blutige Nase eingefangen. Also nein, kaum grassiert hier ein Virus, das eh nicht schlimmer ist als eine normale Grippe, kommt es in unserem von der Islamisierung, Unterwanderung, der jüdisch-amerikanischen Weltverschwörung und Bill Gates bedrohtem und völlig verarmtem Deutschland in Supermärkten zu Mord und Totschlag! Und Hefe gibt es auch keine mehr! Was sollen wir denn nur essen, wenn ich unser Biobrot aus sorgsam handverlesenen und von einem mittelalterlichen Mühlstein zu Mehl zerriebenen Körndln nicht mehr backen kann! Wir werden elendiglich zugrunde gehen! Menschen, die noch nie zuvor einen vernünftigen Gedanken an Politik, Zeit- und Weltgeschehen verschwendet haben, faseln plötzlich von der uns drohenden Diktatur, und dass es ganz offensichtlich für jedermann sein solle, dass unsere demokratischen Werte zur Zeit massivst untergraben werden…

… Jedes Detail, auch wenn es im Grunde genommen noch so unwichtig ist, wird mittels Posts, Memes, Kurznachrichten etc. hinaus posaunt – dass man heute glatt fünf Minuten später als gewohnt aufgestanden ist, dass die Frisur nicht richtig sitzt, der Morgenkaffee irgendwie einen seltsamen Geschmack hatte, die Katze das Wohnzimmer von rechts nach links durchquert hat und nicht wie üblich anders herum, dass sich die Diät-Margarine schwerer aufs Brötchen hat streichen lassen als gestern, dass ein Freund während eines Telefongesprächs eine seltsame Bemerkung gemacht hat, und man nach dem Zitieren des kompletten banalen Dialogs auf einem öffentlichen, für alle Welt einsehbaren Account ausführlich darüber reflektieren müsse, ob man dem Freund nun beleidigt sein soll oder nicht. Dass man heute nur vier Minuten für’s große Geschäft auf der Toilette gebraucht hat – gestern waren es sechseinhalb, und dann wird auch noch die Anzahl der Klopapierblätter hinzugefügt, die verwendet wurden. Dass man gestern beim Spazieren gehen 11.784 Schritte zurückgelegt hat, das muss heute unbedingt getoppt werden, damit man nichts von der für viel Geld in einer Muckibude antrainierten Fitness verliert – Muckibuden haben ja auch geschlossen – und meinen Lieblingsjoghurt gibt es grad auch nicht mehr – was für ein Sch*** dieses Corona doch ist! Neulich musste meine Kollegin kurz husten und hatte einen etwas rauen Hals, sie ist sofort in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses, so wie sie das im Januar mit ihrem verstauchten Daumen auch gemacht hat, und hat unverzüglich einen Corona-Test verlangt – da haben die sie doch glatt wieder weggeschickt und gesagt, sie soll ruhig zuhause bleiben und die 116 117 anrufen – was glauben die denn, wer ich bin, hat sie wutentbrannt geschrien – trotz ihrem rauen Hals! Erzkatholische, verbohrte „ChristenInnen“ und solche, die jahrelang keinen Fuß mehr in eine Andacht gesetzt haben, aber gerne jede Gelegenheit zum Stänkern nutzen, beschweren sich wortreich darüber, dass wegen des Schutzes von Leben die Gottesdienste ausfallen würden – Jesus würde im Grab rotieren, wäre er nicht auferstanden, würde er so etwas Unchristliches zu Gesicht bekommen!…

… Selbsternannte „Racheengel“ der Pflegekräfte verhöhnen und beschimpfen Mitmenschen, die ihnen ihren Dank und Respekt ausdrücken wollen. Wie Schwammerln nach einem warmen Sommerregen sprießen Fake-Seiten im WorldWideWeb, die obskure Heilmittel und esoterische Ratgeber und schier atemberaubende Verschwörungstheorien feilbieten, und ganz offensichtlich eine stattliche Kundschaft abgreifen, die blindlings auf ihre hohlen und falschen Sprüche hereinfällt. Myriaden von Koch- und Backrezepten und häufig eher schlecht gemachte Fotos von den kulinarischen Genüssen im heimeligen Quarantäne-Quartier überfluten das Netz, FB-, WhatsApp-, Twitter- und sonstige Netz“freundschaften“ zerbrechen, weil man nicht dazu in der Lage ist, vernünftig miteinander zu diskutieren…

… Das alles werden unsere Nachkommen in hundert Jahren oder so zu lesen bekommen, wenn sie sich dafür interessieren, wie das denn damals während der Corona-Krise so gewesen ist – wenn es dann überhaupt noch Menschen geben wird. Sie werden die oben geschilderten Dinge sehen und sich vielleicht denken: Sag mal, sind damals wirklich so viele Menschen dermaßen unerträgliche Egomanen gewesen, darauf erpicht, dass alle da draußen im WWW ungezählten Voyeuren gleich jede, aber auch wirklich jede kleinste Regung, jedes noch so unwichtige Detail des eigenen Lebens life und in Farbe mitbekommen, vor allem während einer Pandemie?…

… Sie werden aber auch die anderen, die schönen und menschlichen Seiten zu sehen bekommen – die Liebe zueinander, Achtung, Fürsorge, Respekt, Anerkennung, Rücksichtnahme, Selbstlosigkeit. Den Zusammenhalt. Disziplin. Verständnis. Beherztheit. Eine ungemein beeindruckende Kreativität und Stärke, so viel guten Willens, die Stärke, die Ärmel hochzukrempeln, die Zähne zusammen zu beißen und sich zu sagen: Ich werde mich nicht unterkriegen lassen! Sie werden auch zu sehen bekommen, wie so viele Menschen in Zeiten von Corona über sich hinaus gewachsen sind…

… Es liegt an uns, was unsere Nachkommen eines Tages über uns und unseren Umgang mit Covid19 in den Weiten des Weltnetzes erfahren werden – die egomanischen Nichtigkeiten und Luxusbeschwerden, oder die guten menschlichen Regungen oder eine Verständnis erregende Mischung von beidem. Eines ist sicher: Das Netz vergisst nie…

… Habt einen schönen Tag – und bleibt gesund!…


19 Antworten zu “Eines steht jetzt schon mit Sicherheit fest:…”

  1. Wenn zu dem Thema gesendet wird, schalte ich aus. Mittlerweile sollte jeder einigermaßen intelligente Mensch hinreichend informiert sein. Wer jetzt noch nicht Bescheid wissen sollte, lernt es nicht mehr und will es auch nicht.

  2. Ich habe heute allen Ernstes gelesen, dass ein Arzt, der nicht in sein Ferienhaus in Mecklenburg darf, ernsthaft behauptet hat, er wisse nun, wie sich die Asylbewerber mit Residenzpflicht fühlen Mir ist fast der Kaffee wieder aus dem Hals gekommen. Der Herr Doktor hat vermutlich nicht nur ein schnuckeliges Landhäuschen am Schaalsee, sondern auch eine höchst komfortable Stadtwohnung, ein ordentliches Einkommen und muss nicht darum bangen, in ein Land in dem Krieg und/oder Verfolgung drohen, abgeschoben zu werden.

  3. Beim Lesen deines Beitrags dachte ich: Upps, sie hat gerade die Schnauze voll😀
    Wird spannend, was wir wohl nächstes Jahr bloggen

    Liebe Grüße sk🙋🏻‍♀️

    • Es ödet mich ehrlich gesagt derzeit ein bisschen an… Obwohl ich meinen Internet- genauso wie den Fernseh-Konsum schon beträchtlich heruntergefahren habe.
      Das, was wir ohne Corona sonst auch bloggen würden. 😉
      Liebe Grüße!

      • Verstehe ich, vielleicht werden wir nach den vergangenen Wochen auch etwas dünnhäutiger🤔 stelle ich bei mir fest.
        Liebe Grüße 🙋🏻‍♀️

        • Die Beschränkungen machen mir an sich gar nicht zu schaffen. Da ich ohnehin sehr zurückgezogen und alleine lebe, komme ich gut damit zurecht. Aber Corona ist halt permanent präsent, wohin man auch schaut, egal, ob hier im WWW oder im realen Leben. 😉
          Liebe Grüße!

  4. Du hast mir voll aus der Seele gesprochen. So gut hätte ich es nicht ausdrücken können. Die armen Menschen mit ihren Kindern in der Wohnung eingesperrt. Ach, die Armen. Vier Zimmer, Küche, Bad Toilette. Wie schrecklich. Wie konnten meine Eltern es damals mit zwei Kindern in einem Zimmer, einer Küche und dem Klo auf dem Hausflur für vier Mietparteien (also ein Klo für insgesamt 12 Menschen) nur so viele Jahre aushalten ohne zu jammern und zu klagen.
    Ich bin seit Anfang März nur dreimal aus der Wohnung gegangen (weil ich zur Risikogruppe gehöre) und ich habe es bisher überlebt. Und wenn ich noch weiter drinnen bleiben muss, dann ist das auch egal. Die Hauptsache ist doch, dass man sich nicht ansteckt. Und es gibt so viele schöne Dinge die man mit seinen Kindern spielen kann, oder man singt mit ihnen, oder liest etwas vor …. also so what?????

    • Ich kann mir das schon gut vorstellen, dass es aufgrund der Ausgangsbeschränkungen schwierig ist, mit Kindern während der Corona-Krise in der Wohnung zusammen zu leben. Wie macht man es den Kleinen begreiflich, wie sie sich zu verhalten haben, und aus welchem Grund, und dass niemand weiß, wie lange diese Einschränkungen dauern werden? Wie erweckt man in ihnen das Verständnis, dass sie ihre Freunde und Spielkameraden, ihre Großeltern, die sie bestimmt nach kurzem schon vermissen, nicht wie gewohnt sehen können, und das vielleicht über einen langen Zeitraum? Dass die Spielplätze geschlossen sind? Wie kann man sie gut und richtig im Auge behalten, wenn man selbst mit der Arbeit im Home Office beschäftigt ist? Wie hält man sie Tag für Tag zum Lernen an? Wie bändigt man in Zeiten von Corona trotzige und ungebärdige Jugendliche, die so gar nicht einsehen wollen, dass sie mit ihren Kumpels jetzt nicht mehr im Park, Jugendtreff, der Stammkneipe abhängen und Party machen können? Das ist alles andere als leicht! Und gegen Eltern, die nun mit ihren Kleinen tagein tagaus zurecht kommen müssen, ist mein Post auch keinesfalls gerichtet. Und da ich selber keine Kinder habe, möchte ich mich in keinster Weise anmaßen, Eltern Anleitungen zu geben, wie sie sich mit ihrem Nachwuchs beschäftigen sollten. Dazu fehlt mir leider, leider jegliche Erfahrung…
      Es gibt alleinerziehende Mütter, die sehr unter der jetzigen Situation leiden, und Familien mit Nachwuchs, denen aufgrund von Kurzarbeit wegen Covid19 bzw. verlustig gegangenen Arbeitsplätzen z. B. in der Gastronomie das Einkommen zu einem erheblichen Teil weggebrochen ist, und denen es grade sehr schwer fällt, nebst der Begleichung der anfallenden monatlichen Kosten für Miete, Auto, Versicherungen, Internet etc. die Ansprüche der Kinder halbwegs zu befriedigen, ihnen nach wie vor wie gewohnt drei Mahlzeiten auf den Tisch zu stellen. Da bin ich heilfroh und dankbar, dass ich nicht in der Haut jener Menschen stecke, die trotz ihrer Existenzsorgen nun mit ihren Kindern zurecht kommen müssen! Es gibt einkommensschwache Familien, die grad nicht mehr auf die Spenden der Tafeln zählen können, und jeden Cent noch mehr als zuvor fünfmal umdrehen müssen! Wie sollte ich diesen Leuten auch nur den geringsten Hauch eines Vorwurfs machen, dass sie Schwierigkeiten haben, mit der derzeitigen Situation fertig zu werden!
      Mein Post richtet sich gegen jene, die Single oder zu Zweit sind, und jetzt auf sehr hohem Niveau jammern, und jeden kleinen F***, den sie lassen, jedes winzige Fitzelchen ihrer Luxusproblemchen – und wehwehchen geradezu zwanghaft im Netz der Weltöffentlichkeit mitteilen (das hat mich ehrlich gesagt schon vor Corona überaus genervt). Und gegen jene, die so fleißig im WWW „Corona-Tagebücher“ mit Banalitäten füllen, ohne wirklich etwas zu sagen. Gegen die Egomanen, denen die eigenen kleinen Befindlichkeiten und Freiheiten wichtiger sind als das Wohl der Mitmenschen.

  5. Sehr gut gebrüllt! Meinen ganzen Unmut und meine Gedanken finde ich hier wieder. Gut, dass ich diesem Artikel nicht wie sonst fast allen entflohen bin.
    Alles Gute dir, Ele