Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Gibt es Jemanden, der deine Überzeugungen hinterfragt bzw. herausfordert?…

… Das ist die Frage, welche Aequitas et Veritas bezüglich ihrer Blogparade Momentaufnahmen diese Woche beantwortet haben will…

… Zum Glück ja. Als Asperger Autistin versetzen mich plötzliche Veränderungen meines sorgsam mit Gewohnheiten und Ritualen strukturierten Lebenswandels oft in Panik. Beunruhigende innere Abwehrreaktionen können manchmal die Folgen sein: Shut Downs – eine Art tiefe Erstarrung, in der stunden- oder gar tagelang keinerlei sinnvolles Agieren möglich ist – und Melt Downs – unkontrollierte Wutausbrüche (die zum Glück meistens hinter verschlossenen Türen stattfinden). Da gibt es – dem Universum sei Dank! – eine Person, der es gelingt, mich in solchen Situationen durch ihre einfühlsame Sachlichkeit zu beruhigen, zu beschwichtigen und Ängste sowie Wut zu lindern. Das heisst jetzt nicht, dass ich keine Kontrolle über mein Leben hätte und angesichts plötzlicher Hakenschläge des Schicksals ziel- und planlos umher geistern würde – wäre das der Fall, hätte ich nicht relativ unbeschadet bis dato überlebt bzw. hätte schon längst jeglichen Halt verloren (ich kann sehr stark und mutig sein, und auch über mich hinauswachsen 😉 ). Aber es ist für mich als „Alleindenkende Einzelkämpferin“ ungemein hilfreich und kürzt die Panikphasen erleichternd ab, wenn sich da eine lindernde Stimme einschaltet, und meine mannigfaltigen, und häufig nicht grade rational begründeten Besorgnisse zerstreut. – Am Rande erwähnt: Asperger Autismus ist eigentlich sehr leicht erklärt: Auf unsere Hardware – das Gehirn – wurde ein anderes Betriebssystem installiert. Wir sind nicht bekloppt, wir nehmen die Umwelt und die Mitmenschen nur anders wahr. Das kann durchaus sehr schön sein, doch gelegentlich ist dieses Autisten-Betriebssystem mindestens genauso besch***en wie Windoof10…

… Ich denke, dass ich durchaus ein aufgeschlossener Mensch bin, der auch andere Meinungen gelten lassen kann. Wobei natürlich immer der Ton die Musik macht, sowie die Sachlichkeit und Logik der Argumentation, da kann ich mich durchaus überzeugen lassen und Irrtümer eingestehen, selbst wenn mir altem Sturkopf das schon schwer fällt. 😉 Wenn die DiskussionspartnerInnen – egal, ob im realen Leben oder im WWW – allerdings geradezu fanatisch darauf bestehen, recht zu haben, obwohl ihre Begründungen ziemlich frei von beweisbaren und nachvollziehbaren Fakten sind, und von mir verlangen, ich von den Mainstream-Medien heillos manipuliertes Schlafschaf müsse mich ihren oftmals kruden und auch gefährlichen Ansichten und Schwurbeleien beugen, dann kann ich Haare auf den Zähnen haben. Und dann bin ich auch hart genug, Beziehungen zu solchen Menschen zu beenden, gemäß der Fabel von der Taube und dem Schachspiel...


18 Antworten zu “Gibt es Jemanden, der deine Überzeugungen hinterfragt bzw. herausfordert?…”

  1. Das hast du gut erklärt, mit dem „anderen Betriebssystem auf der Hartware“, es macht das „anders wahrnehmen“ der Umwelt für mich als „Normalsterbliche“ greifbarer. So, das waren jetzt aber viele Gänsefüßchen 🙂

    Ich denke, dass bei Diskussionen immer der Ton die Musik macht. Und im WWW wird das oft vernachlässigt. Manchmal fällt es mir schwer, mich bei emotional geladenen Themen zurück zu halten. Aber ich habe für mich selbst beschlossen, daran zu arbeiten. Vielleicht fällt es auch leichter, im Real Life zu diskutieren, zumindest habe ich selbst diese Erfahrung gemacht.

    Auf jeden Fall ein Beitrag, der zum Nachdenken bringt. Danke für den Einblick!

    Liebe Grüße
    Kasia

    • Ich weiß gar nicht mehr, wo ich diese Erklärung mal gelesen hatte. Aber für mich ist sie auch die beste Weise, um Asperger Autismus anschaulich zu machen.
      Diskutieren im Internet ist auf der einen Seite leichter – finde ich -, weil man nicht sofort antworten muss, sondern Zeit hat, sich die Argumente zurecht zu legen, und auch danach zu recherchieren, falls erforderlich. Und man kann, falls einem das Verhalten eines Diskussionspartners auf den Senkel geht, sich genügend Muße nehmen, um sich zu beruhigen. 😉 Schwieriger ist es deshalb, weil natürlich die Mimik, Stimmlage und Gestik komplett fehlen. Das kann man auch nur sehr ungenügend mit Emojis ausgleichen.
      Ich danke dir für deinen Kommentar, liebe Kasia, und grüße dich zurück!

      • Nicht sofort antworten, sondern sich die Zeit nehmen. Das ist ein gutes Stichwort, sollten viel mehr Menschen tun. Viele antworten sofort und impulsiv und ehe man nachgedacht hat, ist die Grütze raus. Dabei hätte man alle Zeit der Welt…

        Asperger Autismus, ich finde es toll, dass du offen damit umgehst. Toll deswegen, weil man als Außenstehender einen Einblick bekommt von jemandem, den es betrifft, und nicht nur das „Fachchinesisch“ der sog. Experten. Danke dafür.

        Liebe Grüße
        Kasia

        • Den Fehler, bei einer Internet-Diskussion sofort ohne groß zu überlegen in die Tasten zu hauen, wenn man über seine Diskussionspartner verärgert ist, oder verletzt wurde, habe ich früher häufig gemacht. Und das hat mir etlichen Ärger eingebracht. 😉 Daraus habe ich im Laufe der Jahre zumindest ein kleines bisschen gelernt.
          Ich habe erst vor etwa eineinhalb Jahren anlässlich einer umfassenden genetischen Studie, an der ich teilnehmen durfte, von meinem Asperger Autismus erfahren. Das war für mich DIE Offenbarung, denn ich hatte zeitlebens furchtbar unter meiner Andersartigkeit gelitten, die ich nicht erklären konnte. Ich war von Kindesbeinen an zwangsläufig zumindest oberflächlich relativ gut an das Dasein als „Neurotypische“ angepasst. Dass ich autistisch veranlagt bin, ist nicht einmal den beiden Psychotherapeuten aufgefallen, bei denen ich im Laufe meines Lebens wegen Depressionen und Aufarbeitung einiger lang zurückliegenden Traumen mehrmals in längerer Behandlung gewesen bin. So gut konnte ich mich „maskieren“. 😉
          Mein Asperger Autismus ist, genauso wie die unheilbare, fortschreitende und genetisch bedingte und sehr seltene Form von Muskelschwund, mit der ich körperlich seit einigen Jahren zu tun habe, nichts, wofür ich mich zu schämen hätte. Das gehört nun mal zu mir dazu, genauso wie meine Gliedmaßen, Augen, Innereien etc. Deshalb sehe ich für mich keinen Grund, nicht offen damit umzugehen. 😉
          Liebe Grüße!

          • Die Diagnose Asperger Autismus (oh, Diagnose hört sich so schlimm an, so meine ich es aber nicht…) war für dich sicher erstmal ein Anlass, dich ausgiebig zu informieren?

            Du hast beides angekommen. Das wäre, was ich für mich auch so anstreben würde. Kein „warum ich“ oder kein Bedauern. Wieso auch, es gehört zu dir dazu, das bist du 🙂

            Liebe Grüße
            Kasia

            • Ich weiß. Es gibt nun mal keine andere Bezeichnung als Diagnose dafür. 😉
              Ja, ich habe danach sehr viel über Autismus gelesen, vor allem über das Asperger Syndrom. Und bei der Lektüre jedes neuen Artikels bzw. Buches hatte ich ganz wunderbare „Aha!“-Erlebnisse. Ich fand endlich, nach so langen und so vielen Jahren, schlüssige Erklärungen dafür, warum ich bin wie ich bin. Das war ungemein erleichternd und vor allem klärend.
              Eben. Sowohl das körperliche Gebrechen als auch das Asperger-„Betriebssystem“ sind quasi Launen der Natur, und gehören untrennbar zu mir. Und auf die Vorteile des leichten Autismus – die sehr scharfen Sinne, vor allem das Hören und Sehen, aber natürlich auch der IQ von ca. 130, das hervorragende Gedächtnis, die schnelle Auffassungsgabe, das Gespür für Logik – würde ich keinesfalls verzichten wollen. 😉
              Liebe Grüße!

  2. Ich kenne Dich ja schon ein Weilchen und versuche auch gelegentlich Dich wieder zu erden, Aber ich gebe zu, ich fühle mich dabei immer sehr unsicher, weil ich mir nicht sicher bin, ob es so ankommt, wie ich es meine. Auch wenn ich kein Asperger habe, ich kenne das schon auch, dass ich mich in was reinsteigere und dann auch froh bin, wenn mich jemand wieder auf den Boden zieht 🙂 Ich gehöre nicht zu denen, die immer nur den Kopf tätscheln, weil ich es für hilfreicher und empathischer halte, wenn man ehrlich zueinander ist. Das ist ja dann keine Kritik, sondern einfach auch ein bisschen Fürsorge. Das ist natürlich so im Netz nicht immer zu vermitteln, aber wir haben ja auch noch Telefone 🙂

    • Du machst das schon richtig, und dafür bin ich dir dankbar. Grade in der jetzigen Situation, die mich sehr belastet, bin ich froh, dass da jemand ist, der beruhigend auf mich einwirkt. Und solltest du mal etwas Falsches sagen, dann werde ich dich natürlich darauf hinweisen. Denn ich finde auch, dass Ehrlichkeit weitaus hilfreicher und auch freundschaftlicher ist, als sich Honig ums Maul zu schmieren. 😉