Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Der unsichtbare Zettel…

… Da mich seit einer Weile wieder mal beidseitig der Ischias plagt, ließ ich mir für heute Nachmittag fünfzehn Uhr einen Termin in der Wirbelsäulenpraxis meines Vertrauens geben. Ich machte mich zeitig auf den Weg, war mehr als pünktlich dort – und stand dann eine halbe Stunde vor der verschlossenen Praxistür im vierten Stock wie bestellt und nicht abgeholt. Ich bekam zuerst einen ziemlich dicken Hals, versuchte mich aber mit dem Argument zu besänftigen, dass wir in Pandemie-Zeiten leben, und es deshalb durchaus zu Unregelmäßigkeiten und unangenehmen Überraschungen kommen kann – obwohl ich es schon seltsam fand, dass eine Praxis mit gut einem halben Dutzend Ärzten und jeglicher Menge anderen Personals plötzlich die Schotten dicht macht, und man die Patienten zuvor nicht darüber informiert. Ich enterte den Bus und fuhr wieder nach Hause…

… In meiner Bude angelangt griff ich zum Telefon, um nachzuforschen. Nach einigen Minuten Berieselung mit dröger Fahrstuhlmusik meldete sich eine Dame vom Empfang. Ich stellte mich vor und tat freundlich und in gesittetem Ton meine Verwunderung darüber kund, dass ich trotz pünktlichem Erscheinen vor verschlossenen Türen gestanden war. Worauf sie mich mit spitzer Stimme belehrte: „Da hängt ein Schild in der Lobby, dass unsere Patienten jetzt zuerst zum Empfang in den ersten Stock müssen.“ – „Tut mir leid, ich habe kein Schild gesehen.“ – „Das hängt aber da!“ Und das behauptete die Dame danach noch einige Male stur und steif, und fiel mir mit dieser Aussage sogar ins Wort, was ich auf den Tod nicht ausstehen kann. So platzte mir schließlich der Kragen, und ich wurde ziemlich laut: „Ich habe mich gründlich in der Lobby, vor dem Haus, im Lift und im vierten Stock vor der Praxis umgesehen – DA. WAR. KEIN. SCHILD! Kein Schild, kein Zettel, nicht der kleinste Hinweis darauf, dass man sich im ersten Stock melden soll! Und Sie können getrost davon ausgehen, dass ich weder blind noch blöd bin!“ Zum Glück lenkte Madame danach ein und gab mir gnädigerweise einen neuen Termin…

… Ich bin mir immer noch absolut sicher, kein Schild gesehen zu haben. Und jetzt werde ich mein gesträubtes Gefieder endgültig glätten, und den Vorfall abhaken. Das Leben ist zu kostbar, um sich lange Zeit über so etwas aufzuregen…

… Habt ein schönes und unbeschwertes Wochenende, ihr Lieben!…


27 Antworten zu “Der unsichtbare Zettel…”

    • Wenn da wirklich ein Zettel gewesen war, dann kann der nicht größer als eine Briefmarke gewesen sein. Ich dachte nämlich dann, dass sich das Mädel, das mir letzte Woche den heutigen Termin gegeben hat, vielleicht versprochen und einen anderen Wochentag gemeint hat, und habe das ganze Foyer und den Vorplatz nach einem Schild mit den Öffnungszeiten abgesucht – das gibt es dort nämlich auch nicht. Und da wäre mir ein Hinweis darauf, dass man sich im 1. Stock melden muss, ganz sicher aufgefallen.

  1. Das ist ja ätzend! Erfahrungsgemäß sind solche Schilder dann wirklich nicht besonders groß, geschweige denn, dass sie irgendwie auffällig gestaltet wurden. Zumindest weißt du ja jetzt fürs nächste Mal Bescheid.

  2. Oh je, das ist ja dann wirklich mehr als nur dumm gelaufen, liebe Martha und kann deinen Ärger darüber sehr gut nachvollziehen!
    Vor allem wenn man eh schon von Schmerzen geplagt wird, auch noch so dumm und kratzbürstig am Telefon behandelt zu werden ist schon heftig. Merkte auch schon selbst, wie gereizt und nicht mehr wirklich belastbar viele Hilfen in den Arztpraxen inzwischen sind, was ich durch diese Überbelastung wegen Corona zumindest teils verstehen kann.
    Ob mein Hausarzt in so einem Fall noch wie früher Hausbesuche macht weiß ich nicht, weil ich das zum Glück bisher nicht mehr brauchte.
    Na denn wünsche ich dir recht schnelle und gute Genesung mit ganz herzlichen Grüßen von mir zu dir 💞🌷🍀

    • Auch auf der Website der Praxis gibt es nicht den geringsten Hinweis, dass man sich jetzt im 1. Stock melden muss. Da steht nach wie vor klar und deutlich, dass sich das Wirbelsäulenzentrum im 4. Stock befindet. Einem DHL-Paketboten ging es so wie mir, der stand auch vor der verschlossenen Tür. Also war da in der Tat kein Schild, und der junge Mann hat das auch nicht gewusst, dass der Empfang jetzt weiter unten ist.
      Ich danke dir, liebe Hanne!

  3. Wirklich ärgerlich, vor allem weil das Stehen in dieser Situation eh so eine Freude ist. Ich finde es da völlig gerechtfertigt, wenn man sich mit deutlichen Worten beschwert, mit sehr deutlichen.

    • Dass die Dame vom Empfang so rechthaberisch gewesen ist, hat für mich das Faß dann zum Überlaufen gebracht. Ich habe es mir ja schließlich nicht aus den Fingern gesaugt, dass ich im Foyer, im Lift und vor der Praxis kein Hinweisschild gesehen hatte.