Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

ABC-Etüden – Schreibwoche 46.47.21 – Nachklapp…

… Mein Erstling dieser überaus interessanten und schönen Blog-Challenge von Christiane mit den Wortspenden Museum, biografisch, erinnern hat mir so viel Freude gemacht, dass ich jetzt sehr gerne noch eine weitere kleine Geschichte nachliefern möchte:…

… Ich befand mich in jenem großen Museum, in welchem ich etliche Jahre lang gearbeitet hatte, und zwar in Gesellschaft eines sehr kleinwüchsigen Mannes. Wir schritten von Raum zu Raum, das heisst, dieser Gnom, der einen riesigen Kopf sein Eigen nannte, welcher von einer wirr abstehenden stumpf-grauen Mähne gekrönt war, zerrte mich an einer aus Lederstreifen geflochtenen Leine mit sich, die an einem fein ziselierten goldenen Ring befestigt war, den man mir durch die Nase getrieben hatte. Sonderbar, dass ich keinerlei Schmerz verspürte, man musste mich wohl örtlich betäubt haben. In jedem Raum, den wir betraten, hielt der Kleinwüchsige kurz inne, fuchtelte mit den langen, Spinnenbeinen ähnelnden Fingern seiner Linken durch die Luft und grölte: „Nein, das ist auch nicht biografisch!“ Und die riesigen fahlen Glubschaugen hinter der randlosen Brille, die ihm auf der Spitze seiner langen, knochigen Nase balancierte, funkelten vor Zorn und Enttäuschung. Es war mir ein Rätsel, was er damit meinte, denn ich konnte mich erinnern, dass dieses riesige Stadtschloss förmlich vor den ungezählten biografischen Schaustücken barst, die eine mehr als siebenhundert Jahre lang regierende Herrscherfamilie der Nachwelt hinterlassen hatte. Meine Füße schmerzten vom langen, raschen Dahinschreiten. Aber hatte ich überhaupt noch Füße? Manchmal fühlte es sich so an, als würde ich auf klappernden Hufen diesem verrückten Zwerg folgen, oder auf gespaltenen Bocksklauen. Ich wollte einen Blick auf meine Gehwerkzeuge werfen – aber das ging nicht, denn mein Leib war aufgebläht wie eine Trommel. Um Himmels Willen! Wo ich doch so auf meine Ernährung zu achten pflegte! Oder war ich gar schwanger? In meinem Alter? Unmöglich! Der kleine Mann schrie mich an und zerrte an meiner Leine. Ich lachte ihn aus, und mein Gelächter klang grell und schrill. Er ließ erschrocken die Leine fahren, und ich begann zu schweben, immer noch lachend…

… Und erwachte aus meinem Traum…


9 Antworten zu “ABC-Etüden – Schreibwoche 46.47.21 – Nachklapp…”

  1. Das Geschehen war so grell, ich war sofort der Meinung, dass das ein Traum sein müsse … hui! Sehr lebhaft, sehr eindrücklich, sehr surreal … toll!
    Aber sei mir nicht böse, dass ich darauf hinweise, ich fürchte, du hast beim Überarbeiten das Vorkommen von „erinnern“ rausgeschmissen. Das passiert uns anderen auch immer wieder mal, es ist IMMER ein Wort dabei, das schlechter passt als die anderen … Könntest du es bitte noch wieder einbauen? 😉
    Wie toll, dass du zu einer weiteren Etüde Lust hattest! Bis Samstagabend hättest du noch Zeit für eine dritte 😉
    Herzliche Mittagskaffeegrüße 😀☁️🍁☕🍪👍

    • Danke für deinen Hinweis, liebe Christiane. Ich habe die Geschichte jetzt überarbeitet, und das „erinnern“ wieder eingefügt – ich hatte es schon drin, beim Zurechtstutzen aber wohl aus dem Text entfernt. 😉
      Mal schauen, ob mir noch eine dritte Etüde einfällt. 😉
      Herzliche Brotzeit-Teegrüße zurück!

    • Ich bedaure es stets sehr, wenn ich mich an einen schrägen, bunten und lebhaften Traum leider nicht mehr klar erinnern kann, und bin deshalb für jeden dankbar, den ich im Gedächtnis behalten konnte. 😉
      Vielen Dank!