Da fordert die Internationale Energie Agentur angesichts der derzeitigen Öl- und Gaskrise im Nahen Osten doch glatt, Tempolimits, mehr Home Office, Einschränkungen bei Dienstfahrten und eventuell auch wieder wie vor gut fünfzig Jahren autofreie Sonntage einzuführen. Um Himmels Willen! Nein! Das kann man doch mit der jetzigen Regierung, die vorrangig als Erfüllungsgehilfe der großen Lobbyisten-Verbände und kaum als Volksvertretung agiert, nicht machen! Und ganz sicher auch nicht mit den vielen Deutschen, für die das mit Benzin oder Diesel betriebene Fahrzeug so etwas wie die Heilige Kuh bedeutet! Bei der Vorstellung der geballten Flut an empörten Aufschreien klingeln mir grade ganz schlimm die Ohren: Man will unsere Freiheit beschneiden! Auf gar keinem Fall werden wir das zulassen! – Obwohl die „Freiheit“, die der Besitz und der Gebrauch eines Verbrenners angeblich bedeutet, ein irreales Konstrukt der Werbe- und Auto-Industrie ist, ein Fake, sonst nichts. Den Beweis dafür habe ich jeden Tag vor Augen, wenn ich abends auf dem Balkönchen stehend mitbekomme, wie viele benachbarte Autofahrer:innen höchst unfrei, fluchend und händeringend auf der Suche nach einem Parkplatz endlos durchs Viertel kreuzen müssen. Oder im Radio vor allem zu Beginn oder Ende der diversen Ferien die Staumeldungen mitverfolge – unter Freiheit verstehe ich eigentlich etwas anderes, als stundenlang auf glattbetonierten Autobahnen in schier endlosen Kolonnen nach Abgasen stinkender Blechbüchsen festzusitzen. Oder wenn ich mit meinem Rollator während der sogenannten „Rush Hours“ am Morgen und am frühen Abend durch die mit Benzin- und Diesel“duft“ geschwängerten, voll gepfropften Straßen in unseren Städten pilgere. Oder eben jetzt, während dieser Ölkrise – das hat doch nichts mit Freiheit zu tun, wenn man dazu gezwungen wird, aufgrund politischer Situationen und der endlosen Gier von Großkonzernen immer mehr Geld hinzublättern, um das eigene Fahrzeug nutzen zu können.
Dieses Märchen von der „Freiheit“ auf vier Rädern blendet bei Vielen auch den Sinn für die Realität aus: Dass es nämlich höchste Zeit wäre, vom Benzin oder Diesel saufenden Gefährt auf ein elektrisch betriebenes umzusteigen. Zumindest für die Fahrten zur Arbeit und zurück müsste es kein teurer PKW sein, ein E-Motorroller würde es auch tun. Den kann man sogar an der Steckdose aufladen – und nein, man muss dafür das Gefährt nicht mühsam in die Wohnung oder den Hobbykeller schleppen, falls man nicht über eine Garage mit Stromanschluss verfügt, dank einer genialen Erfindung aus dem Jahr 1904 namens Verlängerungskabel lässt sich so ein Teil auch auf dem Gehweg oder im Hinterhof „auftanken“.
Es gibt trotz aller Aufklärung über E-Autos immer noch Mitmenschen, die im blinden Irrglauben die skurrilsten Gerüchte über elektrisch betriebene Fahrzeuge verbreiten. Wie zum Beispiel das Märchen, dass Deutschlands Stromversorgung zusammen brechen würde, wenn man alle Verbrenner durch E-Autos ersetzen würde. Erstens: Die Wahrscheinlichkeit, dass in solch einem Fall sämtliche Nutzer:innen von kraftstofffrei betriebenen PKWs in Deutschland gleichzeitig ihr Fahrzeug aufladen würden, tendiert gen Null. Zweitens: Mittlerweile ist die Strom-Speichertechnik so weit fortgeschritten, dass man, sollte wirklich mal ein bedenklicher Engpass drohen, binnen kürzester Zeit den gebunkerten Strom ins Netz einspeisen könnte, um dergleichen zu verhindern. Drittens: Wenn an dieser Mär auch nur eine einzige Silbe der Wahrheit entsprechen würde, dann müsste in Ländern, in denen mittlerweile gut zwei Drittel der PKWs elektrisch betrieben werden, wie z. B. in Schweden oder Norwegen, doch pausenlos die Stromversorgung darnieder liegen, oder nicht?
Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass wir, je mehr wir unsere Energieversorgung auf Erneuerbare umstellen würden, umso weniger der Profitgier und den Erpressungsmanövern der Öl- und Gaskonzerne und diverser Regierungen sowie den Auswirkungen von Krisen und Kriege in den Zulieferstaaten anheim fallen würden. Zudem ist es mittlerweile hinlänglich bewiesen, dass Strom, der aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft gewonnen wird, umso billiger wird, je mehr davon produziert wird. Ein Professor der TU München hat das während einer Demo vor einigen Jahren mal sehr plausibel berechnet und ist auf einen Preis von 5 – 10 Cent/Kilowattstunde im Jahr 2030 gekommen, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung weiterhin gezielt vorangetrieben werden würde – lächerlich billig im Vergleich zu dem, was zur Zeit für einen Liter Benzin bzw. Diesel verlangt wird, stimmt’s?
Zu guter Letzt möchte ich ein Zitat des berühmten Kängerus von Marc Uwe Kling anführen:
„Ja, wir können jetzt was gegen den Klimawandel tun. Aber wenn wir dann in 50 Jahren feststellen, dass sich alle Wissenschaftler vertan haben und es gar keine Klimaerwärmung gibt, dann hätten wir völlig ohne Grund dafür gesorgt, dass man in den Städten die Luft wieder atmen kann, dass die Flüsse nicht mehr giftig sind, dass Autos weder Krach machen noch stinken und dass wir nicht mehr abhängig sind von Diktatoren und deren Ölvorkommen. Da würden wir uns schön ärgern.“

10 Kommentare zu “Zwischendurchgedanken…”
jein, wenn alle Deutschen Kraftfahrer sofort auf E Autos umsteigen würden, wären fie Weltlithiumvorkommen innerhalb von zwei Jahren erschöpft. Ich warte und bauf die Natrium Technologie, die steht fast vor der Tür.
Es gibt genügend Lithium auf der Welt, man geht von 88 Millionen Tonnen insgesamt aus, gefördert werden können zur Zeit ca. 22 Millionen Tonnen. Dieses Lithium würde für ca. 2,8 Milliarden Elektrofahrzeuge reichen. So sieht’s momentan aus. Da man aber sowohl die Fördertechniken als auch die chemischen Zusammensetzungen der Batterien ganz sicher noch verbessern wird, so dass sich der Lithiumanteil von derzeit 8 kg pro Fahrzeug verringern wird, dürfte die Zahl in absehbarer Zukunft noch weitaus höher liegen.
Siehe Link:
https://hannahritchie-substack-com.translate.goog/p/lithium-electric-vehicles?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=rq&_x_tr_hist=true
Danke für den Link, sehr interessant, das setzt die Sache jetzt in die richtige Perspektive. Politisch kommen wir zwar nicht ganz unter den selben Hut, das müssen wir aber ja glaube ich auch nicht. Jetzt habe ich sogar eine Idee, wie wir unseren Fuhrpark (Galaxy, Fiesta, beide Diesel und Vespa, Benzin) zumindest mit einem kleinen E Auto (als Ersatz für den Fiesta) aufwerten können. Unser Haus steht direkt an der Straße und in die enge Sackgasse, die auch an unserem Haus vorbei führt kann man kein Auto stellen. Aber wir hatten vor vielen Jahren schon das Hoftor so bauen lassen, dass wir es nach außen in die Gasse öffnen können. So sind wir mit unserem Peugeot 106 damals in die offene Scheune gefahren. Da habe ich mittlerweile einen Kraftstromanschuß verlegt. Als ginge da auch eine Walbox und ein Balkonkraftwerk haben wir auch.
Prima! 👍👏
🤗
Ein geniales Zitat !
Eines meiner Lieblingszitate. Ich komme immer wieder gerne damit um die Ecke, wenn ich mit Leuten zu tun habe, die Umweltschutz als übertrieben und unnötig abtun.
Es scheint sehr schwer zu begreifen zu sein, dass es ohne die Einsicht in Notwendigkeiten keine Freiheit gibt. Dabei ist es so, als würden wir uns gegen das Gefangensein in unserem eigenen Körper wehren und aus Protest aufhören, ihn zu ernähren, zu wärmen und vor Krankheiten zu schützen.
Genau! Deine Metapher mit dem eigenen Körper trifft es perfekt!
[…] schadstoffarmes Fahrzeug ihr eigen nenne würden, hält sich da an oberster Stelle. Ich habe das hier schon einmal zur Sprache gebracht. Selbst wenn es 45 Millionen Besitzer:innen von E-Autos geben […]