10 Kommentare zu “Eine andere Perspektive…

  1. Liebe Freidenkerin,
    nach deinem freundlichen Kommentar habe ich mich mal auf deinem Blog umgesehen. Dann mal ran, dachte ich bei der Kategorie „Religion“. Ist ja Spezialgebiet, mit Kopf und Herz bin ich dabei. sollte es einmal bissig sein, bedenke, der Kopf hat Zähne. Das Herz lässt das Blut zirkulieren. Das Herzblut fließt 🙂

    Beim Bösen in der Welt denke ich eher psychologisch/ -analytisch: ich meine, das Böse ist der Schatten des Guten. es ist die Frage, ob man es als teil Gottes ansieht (die Gespräche bei Hiob) oder als Eigenes abspaltet („Sündenfall“). Es ist ein klassischer Gedanke, dass Gott personales Gegenüber ist. Und schon biblisch, dass das Böse dann geschieht, wenn der Mensch so sein will wie Gott.

    Natürlich ist das „innere Licht“ da. Frage, nehmen wir es wahr? Gott als Ordnungsmacht zu missbrauchen hat eine Tradition. ich nehme sie in meiner Umgebung bei den Vertretern des Klerus nicht wahr, da ist sie ein überholter Gedanke. Daran haben einige gute Theologinnen und Theologen mitgestrickt. Gott wird dort befreiend wahrgenommen. Und ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt.

    Das Gebet verändert den Betenden, nicht Gott – ist mein Merksatz. Das „Interesse“ Gottes an unserem Gebet: das wir unser Herz offen halten für ihn. Uns anvertrauen. Und hinter jedem Gebet sollte das „nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ stehen. Schon, damit wir offen bleiben für die Wege, die wir geführt werden und vorher nicht ahnen…
    Soweit fürs Erste, allein zum 2. Absatz.

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  2. Lieber Theomix, hab Dank für deinen Kommentar. Von der – unbestritten jahrtausendealten – Personalisierung Gottes sollten wir uns meiner Meinung nach befreien. Jüngste Ereignisse zeigen ja wieder überdeutlich, wie unmenschlich ein derartiges Gottesbild sich äußern kann. Es gibt durchaus Gebete, die sich an den inneren Geistesfunken wenden, an das Teilchen Gotteskraft in jedem Menschen, die ihren Sinn haben und gewissermaßen auch erhört werden. Es sind Bitten um Seelenstärke, das Vermögen zum kritischen Insichgehen, um die Einsicht, an sich zu arbeiten… Diese nehme ich hiermit ausdrücklich aus. – Ich bin nach wie vor bis ins Tiefste davon überzeugt, daß wir die Allmacht der göttlichen Ur- und Schöpferkraft mit unserem vergleichsweise spärlichen Verstand niemals werden realisieren könne. Uns bleibt lediglich eine sehr eingeschränkte Ahnung davon. – Ich werde auch weiterhin nach wie vor zutiefst davon überzeugt sein, daß die Neuen Testamente eine Allegorie darstellen, die in einem historischen Kontext nicht zu sehen sein sollte. – Aber, da ich mir Gottes Liebe und Gnade voll bewußt bin und versuche, sie stets in meiner Seele leuchten zu lassen, ist mir jeder im guten Sinne glaubende Mensch herzlichst willkommen.
    Ich freue mich darauf, auch weiterhin mit dir in Verbindung bleiben zu dürfen.

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  3. Historisches, liebe Freidenkerin, ist für mich keine Wahrheit. (Und damit bin ich beim 3. Absatz.) Das Historische versucht, der Wirklichkeit nahe zu kommen. und das ist schon bei der Gegenwart nicht objektiv möglich. Die historische bzw. historisch-kritische Erforschung rüttelt am Fundamentalismus, wohl wahr. Aber der ist in breiten Teilen der evangelischen Landeskirchen eh nicht verbreitet. Wwas im Prinzip auch von der römisch-katholischen gilt.
    Der Kanon der neutestamentlichen Schriften stand im 4. Jahrhundert fest, so dass nach Nicäa nicht mehr viel umgeschrieben werden konnte. Im Geneteil, Gegner der Trinitätslehre können sich auf etliche Stellen berufen. (Die Befürworter aber auch…)
    Die Evangelien sind in der Tat keine historischen Biographien in unserem Sinne, sondern Verkündigungsschriften. Voller Legenden und Sagen (von der Form her).
    Gerade weil Petrus so eine Pflaume ist, wird der Felsen-Spruch glaubwürdig. Verkorkst ist die römische Interpretation, die aus ihm einen Helden machen will, der als Bischof einen Kette von Weltherrschern initiiert. Diese „Weltgemeinschaft“ ist ein Konstrukt dieser Welt-Institution, die im Tiefsten angstbesessen ist. Ich glaube, liebe Freidenkerin, du bist ein Opfer der römisch-katholischen Denke geworden. Neben Rom gibt es eine bunte Palette anderer Arten des Christseins. Gab es eigentlich auch immer schon. Das Feuer wird durch Funken entzündet, und die entstehen, wenn Feuersteine aufeinanderstoßen…
    Aus der Jesusgeschichte eine gnostische Lehre zu machen, ist sicher eine mögliche Interpretation. ich teile sie nicht. Und historisch beweisbar ist sie nicht. Alles andere als. Christlich-gnostische Schriften sind sämtlich jünger als die neutestamentlichen Haupt-Schriften. Wie gesagt, Wahrheit entzieht sich der historischen Wirklichkeit, liegt eher darunter. „Im Auslegen seid frisch und munter; legt ihr nichts aus, so legt was unter.“ (Goethe)

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  4. Du hast Recht, ich bin sehr stark katholisch vorbelastet, durch den Religionsunterricht in der Schule und dann von drei Jahren in einer Klosterschule. – Ich bin aber immer gerne bereit, Neues zu erfahren und auch für jeden Anstoß zu einem Denkprozeß dankbar. – Bei der Beerdigung meines Vaters im Herbst war ich von dem integren, warmherzigen, sehr fürsorglichen, jungen Pfarrer meiner Heimatgemeinde ausgesprochen angenehm überrascht. Auch seine Predigten haben mir sehr gut gefallen. – Vielleicht hat man die gnostischen Lehren nur erst später in Schriftform gebracht als die neutestamentlichen Hauptschriften? – In jedem Fall hast du absolut recht: Die Wahrheit kann mit historischer Wirklichkeit nie und nimmer erfaßt werden.

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  5. Liebe Freidenkerin,
    hätte es 325 kein Konzil von Nicäa gegeben, dann hätte sich – kaum was geändert. Konstantin hat die früheren Staatsfeinde umarmt. Das war recht schlau für den Erhalt des Römischen Reichs. 70 Jahre später war das Christentum Staatsreligion. Die Kaiser funkten in die kirchlichen Belange hinein. Kein Wunder, dass sich das recht bald umdrehte. wenn schon, dann liegt hier die Wurzel des Übels.

    Aber ohne das hätte es keinen Franz von Assisi gegeben, keine Quäker und keinen Albert Schweitzer.

    Hätten sich die Gnostiker durchgesetzt – (nun ja, etwas Phantasie ist schon gefragt) hätte es kein Interesse an Fortschritt gegeben, wir könnten also gar nicht miteinander mailen. Vielleicht gäbe es uns nicht, weil man Seelenfünklein nicht vor Seuchen bewahren müsste. Oder die Hunnen, die sich keinen Deut für Gnosis interessierten, hätten die Reste des Römischen Reiches einkassiert. Und wie wäre es dann weitergegangen? Eine eurasische Kultur wäre entstanden, sie hätte ein paar Jahrhunderte gebraucht, um das militaristische Denken der Hunnen, Awaren, Gepiden usw. zu überwinden. Die Kultur wäre etwas östlicher geprägt. Sicher. Aber wie gesagt,die östlichen Kulturen haben kein Interesse an Fortschritt. Das Mittelalter wäre nicht so finster geworden, aber wir säßen noch drin. Wo kein Fortschritt, da auch keine Neuzeit, also auch gar kein Mittelalter.

    Ich bin kein Fortschritts-Anhänger, die „Grenzen des Wachstums“ sind seit 30 Jahren bewusst. Aber ich finde, wir können uns das Karma, die Esoterik und die Alternative Medizin nur leisten, weil wir auf den Schultern der Reich-Gottes-Erwartung, der industriellen Revolution und den Errungenschaften der konventionellen Medizin stehen. Weder die eine Richtung noch die andere hat Heiligsprechung oder Verdammungsurteil verdient.

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  6. Kein Mensch dieser Welt, du nicht, ich erst recht nicht, kann mit Bestimmtheit sagen, wie sich die Gnostiker entwickelt hätten. Du hast recht, einen Franz von Assisi oder Albert Schweitzer hätte es nie gegeben. Dafür aber sicherle andere herausragende Persönlichkeiten. Was es in jedem Falle nicht gegeben hätte: Ein fürchterliches Machwerk namens Hexenhammer. Auch Holocauste, es gab ja deren mehrere, wären uns erspart geblieben. Unter anderem… Ich glaube nicht, daß wir im Mittelalter – nicht finster, aber immerhin – stehen geblieben wären. Der Drang des Menschen, fort zu schreiten, zu entdecken, zu forschen, zu träumen, zu suchen, wäre auch bei den Gnostikern vorhanden gewesen. Vielleicht würden wir jetzt nicht gerade miteinander mailen, aber uns doch auf eine andere Weise austauschen. Vielleicht hätten wir uns anders entwickelt, aber wir hätten – in jedem Falle. Und ein Hauch östlicher Weisheit hätte da keinesfalls geschadet.
    Ich habe nicht das Recht dazu, heilig zu sprechen oder zu verdammen, ich finde, dieses sollte sich kein Sterblicher anmaßen. Ich blicke nur zurück auf etliche Jahrhunderte Kirchengeschichte – und sehe Gewalt, Machtsucht, Gier und Ströme von Blut.

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  7. Ne, deine Spekulation, meine Spekulation – alles hinter grauem Vorhang.
    Ich könnte es auch noch anders durchspielenn, denn der Mithras-Kult war vom 2. auf das 3. Jahrhundert ein wichtiger Konkurrent der Christen. Wie wäre es geworden, wenn der sich durchgesetzt hätte? Denn manche Gnostiker waren eher welltfern und sexualitätsfeindlich. Nicht gerade attraktiv für die Mehrheit der Bevölkerung. Und die genannten Steppenvölker wären auch gekommen, wenn alle in Europa Mithras-Jünger, Juden oder Buddhisten gewesen wären.
    Die Kirchengeschichte, welche Gruppe man auch betrachtet, wird von Menschen gemacht. Da kommen alle Saiten zum Klingen, auch die dunklen Töne.
    Aber jede Medaille hat ihre Kehrseite. Wie die Genannten. Oder die anderen, die ich auf meinem Blog erwähne. Und mancher (bei näherem Hinsehen: jeder) hat Stärken und Schwächen.
    Aber wo ich dir voll und ganz recht gebe: der Hauch östlicher Weisheit. Du wünschst ihn dir vielleicht etwas stärker als ich. 😉
    Ich bedanke mich erst Mal für den Meinunsaustausch an dieser Stelle.

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  8. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich das Denken auf verschiedenen Ästen weiterbewegt.

    Ich z.B. bin gewiss, dass am Grund des christlichne Glaubens bereits das völlig vermenschlichte Götterbild überwunden werden, nur noch das Wort/die kreative=schöpferische Vernuft allen Lebensflusses (heute in Evolutionslehre empirisch erklärt) gelten sollte.

    Wer sich allerdings die Geschichte vor Augen führt, von damals verwirrender Gnosis, wilder Apokryphen, bis zu Kaiser Konstantin, der seinen göttergewohnten Untertanen wieder Bilder geben musste, (auch wenn er als Sonnenverehrer sicher nicht an einen gottgleichen Wanderguru glaubte, sondern ihm dessen universale komische Dimension, die Vernunft allen Werdens deutlich war) der erkennt dass letztlich der Weg für die kulturelle Entwicklung war.

    Nur so sind wir zu aufgeklärten, mündigen Wesen geworden, die heute in freier Weise nach einem universalen Wort fragen können, das über alle vorgesetzten, völlig anthropomorphen Gottesvorstellungen hinausgeht.

    Übrigen: Der Kreis kann sich schließen. Auch der vielgescholtene Papst hat sich lt. seiner Kollegen in seinem Jesusbuch zu einer „schöpferischen Vernunft“ als dem biblisch bzw. hinstorischen Wesen und damit eigentlichen Offenbarer bekannt. Auch wenn das bei ihm noch im mystischen Dogma bleibt. (Heiner Geißer hat im aktuellen Spiegel über den „Entrückten“ von einem völlig weltfremden, sprituellen Jesusbild Benedikts gesprochen.) Die Welt dreht sich weiter.

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    • @theologie-der-vernunft: Herzlich willkommen auf meinem Blog und Dank für diesen ausführlichen, auch sehr ausgewogenen und lesenswerten Kommentar. Ich möchte lediglich angesichts z. B. der letzten Entscheidungen des Vatikans, sowie jüngster politischer Ereignissen dahin gestellt lassen, daß wir heute tatsächlich aufgeklärte und mündige Wesen sind.

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