… Im Laufe der vergangenen achtundvierzig Stunden sind alle drei Jungstörche in meinem Lieblings-Storchennest gestorben, vermutlich an Unterkühlung aufgrund der seit Tagen schon andauernden heftigen Regenfälle. Storchenküken haben erst ab einem Alter von etwa eineinhalb Monaten ein die Nässe abweisendes, dichtes Gefieder, bis dahin tragen sie noch überwiegend einen weichen Flaum, der Feuchtigkeit aufsaugt wie ein Schwamm. Bei lang anhaltendem Regen und niederen Temperaturen wie während der letzten Tage kühlen die Jungstörche deshalb unweigerlich aus, was die Verdauungsorgane lähmt und die Aufnahme von Nahrung schier unmöglich macht. Von den Eltern konnten Skadi, Calimero und Henri nicht mehr gehudert werden, dafür waren sie bereits zu groß…
… Henri, das jüngste der Drei, hauchte sein Leben am späten Mittwoch Nachmittag aus. Calimero, das mittlere Küken, starb am Donnerstag Morgen. Und das älteste, Skadi, ist wohl in der Nacht zum Freitag über die Regenbogenbrücke geflogen…
… Ich habe das Leben der Storchenfamilie in Kolbermoor auch heuer wieder von Anfang an per Live Stream verfolgt, und hatte viel Freude am Wachsen und Gedeihen der zunächst vierköpfigen Kükenschar. Wobei es Ende Mai auch schon ein sehr tragisches Ereignis gegeben hat: Am 28. Mai warf Altstörchin Kaira den wohl chancenlosen Nachzügler Xaverl aus dem Nest, obwohl das Küken zwar im Vergleich zu seinen Geschwistern sehr klein, aber an sich gut geraten und quicklebendig gewesen war. Xaverl überlebte den Sturz aus großer Höhe nicht. Aber das ist den Störchen nun mal eingeprägt, dass nur die großen und starken Nachkommen ein Recht aufs Überleben haben. Und wir Menschen sollten tunlichst davon absehen, sie nach unseren Maßstäben (die in unserer Geschichte auf Erden schon so unendlich viel Leid und Grausamkeiten verursacht haben) zu be- oder gar verurteilen…
… Die Nest-Initiatorin Cindy hat gestern Abend den You Tube Live Stream abgeschaltet, zu Recht. Während der dramatischen zwei Tage, in denen sehr Viele von uns großen Anteil nahmen und um die Leben der Küken bangten, häuften sich im Chat, im Storchen-Tagebuch und auch im privaten Mail-Account von Cindy schier unfassbar hysterische, agressive, hasserfüllte Kommentare und Mails. Es gab etliche angebliche „Tierfreund:innen“, die trotz der häufigen und geduldigen Erklärungen von Cindy nicht einsehen konnten oder wollten, dass aufgrund des Arten- und Naturschutzes in die Leben von Kaira, Alex, Xaverl, Henri, Calimero und Skadi nicht eingegriffen werden durfte – hierzu ein Zitat aus dem Storchentagebuch Kolbermoor:…
Rechtlicher Hinweis:
Der Weißstorch und sein Brutplatz unterliegen dem gesetzlichen Schutz. Auch wenn der Wunsch zu helfen menschlich absolut nachvollziehbar ist, darf ein Eingriff am Nest nicht einfach nach eigenem Ermessen erfolgen. Grundlage hierfür ist unter anderem § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Eingriffe dürfen – wenn überhaupt – nur nach Prüfung und Abstimmung mit den zuständigen Fachstellen bzw. Behörden erfolgen.
Ein wetterbedingter Verlust eines Jungstorches ist ein natürlicher Vorgang und stellt nicht automatisch einen Notfall dar, der ein Eingreifen erlaubt.
… Wer hasserfüllt gegen einen Menschen reagiert, der seit Jahren schon voller Herzblut und Engagement so viel dafür tut, das natürliche Leben der Störche anderen Menschen nahe zu bringen, und partout nicht begreifen kann – oder will – dass Wildtiere wie die Störche ein Recht darauf haben, frei und ohne von uns beeinflusst zu werden, zu leben, aufzuwachsen und auch zu sterben, ist ein unzivilisiertes A***loch und ganz sicher kein/e wahre/r Tierfreund:in…
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… Ein Bild aus glücklichen und unbeschwerten Tagen: Die vier Küken Skadi, Calimero, Henri und Xaverl kurz nachdem sie alle geschlüpft waren. So sollten wir sie in Erinnerung behalten…
… Fliegt hoch und frei, ihr kleinen Störchlein… 🌈 🖤



