… Die Deutsche Bahn und der MVG haben sich zu Beginn meines Ausflugs alle erdenkliche Mühe gegeben, mir den schönen Tag zu vermiesen – aufgrund von Bauarbeiten auf der sogenannten Stammstrecke fuhr lediglich alle halbe Stunde eine S-Bahn zwischen Ostbahnhof und Pasing, dann streikte das vor wenigen Jahren erst in Betrieb genommene neue Stellwerk mal wieder, es kam zu Verspätungen, Fahrplan- und Gleisänderungen, und die in Pasing lediglich im Untergeschoss platzierten Service-Menschen konnten nur ungenügend Auskunft geben. So benötigte ich für die nicht einmal fünfzig Kilometer lange Strecke zwischen meinem Zuhause und der S-Bahnstation Geltendorf geschlagene zwei Stunden – mit zwei gesunden Beinen hätte ich’s in dieser Zeit wohl auch mit dem Fahrrad geschafft…
… Als ich die mit langen Hellebarden bewaffneten, schmucken Torwächter am Eingang zum mittelalterlichen Spektakel rund um Schloss Kaltenberg passiert hatte, hob sich meine Stimmung allerdings ganz schnell wieder. Es war Mittagszeit, und noch hielt sich die Schar der Besucher/innen in Grenzen. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie sehr hatte sich hier alles während der vergangenen gut fünfundzwanzig Jahren doch verändert, vergrößert! Nun glich das große Areal einer Mischung aus mittelalterlicher Ortschaft und einem bunten Basar a la Tollwood-Festival…
… Eine Schar laut schnatternder und trompetender Gänse, bewacht von einem agilen Hüterhund, zog dahin, man konnte mittelalterlichen Handwerkern/innen über die Schultern sehen, es wimmelte nur so von Gauklern, Stelzengängern, Zauberern, märchenhaften Wesen, Akrobaten, Jongleuren, Rittern, Mägden, Edelfrauen, Fahnenschwingern, Fanfarenzügen, Landsknechten…
… Da bis zum Beginn des Ritterturniers noch einige Stunden Zeit waren, ließ ich mich langsam und voller Genuss durch das die Phantasie anregende Geschehen treiben…
