Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Polit-Parade zum Christopher Street Day in München…

… am 16. Juli 2022…

… Noch nie war die CSD-Parade in der bayrischen Landeshauptstadt so groß und bunt gewesen! Über 20.000 Mitwirkende zogen zu Fuß oder auf einem der 140 Schauwägen vom Mariahilfplatz bis zum Marienplatz. Ca. 375.000 Schaulustige verfolgten den Umzug, feierten anschließend in der Innenstadt und erfreuten sich an diversen Darbietungen wie Pumps-Rennen, Handttaschen-Weitwurf, sowie Live-Konzerten, bei einem davon griff sogar unser Oberbürgermeister Dieter Reiter, der in einer zweispännigen Kutsche zusammen mit seiner Frau die Parade angeführt hatte, virtuos in die Saiten seiner Gitarre. 😉 Es gab Diskussions- und Informationsstände, und natürlich wurde auch viel für das leibliche Wohl gesorgt…

… Geduldig harrte ich an der Reichenbachbrücke gute zwei Stunden aus, bis die letzte Gruppe, der letzte Wagen an mir vorüber gezogen waren. Ich bin seit vielen Jahren schon Anhängerin der LGBTQ+-Bewegung, aus Solidarität und im Gedenken an viele gute Freundschaften und Kameradschaften, die ich vor allem während meines langen Berufslebens in der Gastronomie mit queeren Menschen pflegen durfte. Die meisten von ihnen waren/sind wunderbar loyal und ehrlich, fürsorglich, fröhlich, enthusiastisch, warmherzig, aufgeschlossen. Ich erinnere mich an so manche durchfeierte Nächte in einschlägigen Lokalen, nach denen ich im Morgengrauen beschwipst und mit vor Lachmuskelkater etwas schmerzenden Seiten nach Hause fuhr. An Dragqueens, die mir vor ihren Auftritten geduldig nicht nur Autogramme, sondern auch Schminktipps gaben. An queere Kolleg:Innen, die mich mit ihrem wunderbaren Humor selbst in unguten Situationen zum Lachen brachten, mich trösteten, mir Halt gaben, mir während turbulenter Zeiten wie selbstverständlich einen Teil meiner Last abnahmen, immer geduldig zuhörten, meine Marotten und Launen ertrugen…

… In der Natur – und jeder von uns ist doch ein Teilchen davon! – hat es noch nie eine strikte Unterteilung in „männlich“ oder „weiblich“ gegeben. Viele Säugetierarten pflegen queere Beziehungen untereinander. Eine nicht unerhebliche Zahl von Spezies kann im Laufe ihres Lebens ein- bis mehrmals das Geschlecht wechseln. Etliche Wesen sind männlich und weiblich zugleich. Es kreucht und fleucht so manches auf unserer wunderbaren Erde, das überhaupt keinem Geschlecht zuzurechnen ist! Diversität ist seit der Entstehung ersten Lebens ein überaus wichtiger Bestandteil der Natur auf diesem Planeten. Sie ist normal, sie ist natürlich, sie zählt zu den unermesslichen Wundern unserer Schöpfung…

… Es ist höchste Zeit, queere Mitmenschen zu achten, ihre Art zu leben und zu lieben als völlig natürlich zu akzeptieren, und zu respektieren. Es ist höchste Zeit, Missachtung, Hass, Häme, üble Nachreden, Drohungen, Diskriminerungen, gar Verfolgung, Gewalt und Ausgrenzung diesen Mitmenschen gegenüber sein zu lassen. Desgleichen entbehrt jeglicher Menschlichkeit und zeugt von Dummheit und Ignoranz. LGBTQ+-Personen nehmen uns durch die Art, wie sie sind, nichts weg! Die wenigsten von ihnen tun wissentlich Anderen weh. Sie sind nicht im Geringsten eine Störung unserer Gesellschaft, unseres Gemeinschaftslebens, egal, ob „real“ oder virtuell, im Gegenteil, sie sind eine Bereicherung. Sie sind liebens-, lebens-, schützenswerte Personen, mit den gleichen Rechten und Pflichten wie jede/r von uns. Sie gehören zu uns, sie sind genauso Kinder dieses Planeten wie die sogenannten Heterosexuellen!…

… Vorsicht, viele Fotos. 😉 Ihr wisst ja, wenn ihr eines genauer ansehen wollt, braucht ihr nur darauf zu klicken…


17 Antworten zu “Polit-Parade zum Christopher Street Day in München…”

  1. Nach so langer Zeit Zwangspause war die Freude auf endlich wieder Freiheit für solche tollen Veranstaltungen natürlich entsprechend groß und deine Fotos sind ganz super, spiegeln die tolle Stimmung wieder und nehmen richtig mit, liebe Martha!
    Dankeschön und liebe Grüße von mir zu dir 🍀🌻

    • Ja, das war bis jetzt auf jeder Festivität so, die ich in diesem Sommer besucht habe. Beeindruckend war auch, dass diese riesige Veranstaltung mit ca. 375.000 Teilnehmer:Innen absolut friedlich verlaufen ist.
      Ich danke dir, liebe Hanne, und grüße dich herzlich zurück!

  2. Ja, genau so sehe ich das auch. Du hast gute worte gefunden.
    Die Fotos sind eine Augenweide. Hochachtung ob der Phantasie und des Geschickes der Menschen, die die Kleidung geschaffen haben und an die, die sie fröhlich und stolz tragen.
    Danke für den Beitrag und liebe Grüße

  3. Liebe Martha, ich hatte heute früh erst die Zeit, mir deinen Beitrag ganz sorgfältig und in Ruhe anzusehen und durchzulesen. Wunderbare Fotos, die mir einmal mehr zeigen, wie sehr Lebensfreude und ernsthafte, gesellschaftspolitische Anliegen Hand in Hand gehen können. (Ist doch beim Karneval der Kulturen nicht anders…)
    Ich habe leider immer noch die Worte einer Pastorin im Ohr, die vor Jahren sagte: „Aber deswegen müssen diese Menschen doch nicht immer so aktivistisch rumlaufen“. Weil ich auch als Mutter meinem Kind einfach nur Akzeptanz wünsche, treibt mich die Aussage immer noch um, denn sie zeigt exemplarisch, wie wenig viele Menschen doch verstanden haben.
    Komischerweise ist es gesellschaftlich akzeptiert, wenn in der fünften Jahreszeit Menschen in Kostüme schlüpfen. Oder wenn man im Alltag eine Art von Maskierung trägt, damit die Kunden in der Bank nicht merken, dass man auf Wacken ganz anders drauf ist… Oder, oder, oder.

    Dein Text ist da wirklich wohltuend. Man muss nicht alles verstehen und im eigenen Leben umsetzen, um es zu akzeptieren. Die Vielfalt ist es doch, die vieles am Zusammenleben ausmacht.

    Wir haben unendlich viele Baustellen, bis es ein friedliches Zusammenleben aller Menschen gibt.

    Danke.
    Liebe Grüße nach München
    Anja

    • Ich danke dir! 🙂
      Die Aussage dieser Pastorin finde ich sehr enttäuschend.
      Ja, wenn die Maskierung in bestimmte Schubladen passt, dann ist sie wohl genehm. Ansonsten eher nicht.
      Ich bin zur Zeit ziemlich pessimistisch gestimmt und fürchte, dass wir eher von dieser schönen Erde verschwunden sein werden, bevor wir an unseren Baustellen zumindest halbwegs ernsthaft gearbeitet haben…
      Herzliche Grüße!

      • Ich habe damals (und so denke ich heute noch bei einigen) 150%igen oft überlegt, was diese Leute wohl sagen würden, wenn ihre eigenen Kinder betroffen wären.
        Eine ehemalige Jugendreferentin in unserer Gemeinde, selbst auch Tochter von Kirchenleuten, sagte mir mal: „Ich dachte immer, Homosexualität sei nicht von Gott gewollt, bis einige meiner besten Mitarbeiter sich geoutet haben. Da habe ich erkannt, dass an denen nichts anders oder unnatürlich ist. Das beschämt mich.“
        Diese Aussage hat mir imponiert, weil die Frau über ihren Schatten resp. ihre Erziehung springen konnte. Leider schaffen das zu wenige.
        Ich habe Hoffnung, dass sich auch in meiner Gemeinde etwas ändern wird, weil wir zurzeit eine Jugendgruppe haben, bei der sich ziemlich viele entweder selbst als queer verorten oder zumindest viele Freunde haben, die sich dazuzählen.

        Ansonsten teile ich deine pessimistische Einstellung teilweise, aber habe mich noch nicht so ganz vom Prinzip Hoffnung verabschiedet.

        • Ich weiß noch, wie sichtlich unwohl sich meine Eltern in der Heimat gefühlt hatten, als mich im Urlaub mal zwei meiner einstmaligen schwulen Arbeitskollegen besuchen kamen. So, als wären die beiden schmucken, gepflegten und sehr höflichen Jungs widernatürliche Erscheinungen und man müsse in ihrer Gegenwart Angst um das eigene Seelenheil haben. Da dachte ich mir auch im Stillen, wie man wohl reagiert hätte, wenn vielleicht mein Bruder oder ich sich als queer entpuppt hätte…
          Vor der Aussage eurer früheren Jugendreferentin ziehe ich den Hut. Denn es bringen in der Tat nur wenige fertig, über ihren Schatten zu springen und ihre Meinung dermaßen zu revidieren.
          Ach, na ja, so ganz hoffnungslos bin ich im Grunde genommen auch nicht. 😉 Nur manchmal.

Ich freue mich über eure Kommentare! Also haut in die Tasten, ihr Lieben!

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