Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Verwirrspiel…

… Am 15. Januar hatte ich einen Termin bei einer freundlichen Sachbearbeiterin der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd zwecks Beantragung der vollen Erwerbsminderungsrente aufgrund meiner Muskelerkrankung. Im Vorfeld sandte man mir bereits den ziemlich umfangreichen Antrag zu, inklusive ausführlicher Befragung bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung, den ich selbstredend gewissenhaft ausfüllte, und der netten Dame zu Beginn unseres gut einstündigen Gesprächs aushändigte. Ich bekam einen Fragebogen mit, der von meinem Neurologen zu bearbeiten war, und die Auskunft, dass es bis zu einem halben Jahr dauern könne, bis der Antrag geprüft und genehmigt sei…

… Den ärztlichen Fragebogen reichte ich am selben Tag noch weiter, und er wurde laut meiner Krankenakte vom Neurologen auch sehr flott ausgefüllt und an die DRV Bayern Süd abgeschickt…

… Eine Woche später bekam ich von der DRV Bayern Süd noch einmal diesen ärztlichen Fragebogen zugesandt plus einem weiteren bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung, sowie einer Art Drohschreiben, in dem man mir ankündigte, meinen Rentenantrag abzulehnen, wenn ich nicht kooperieren würde. Mein Neurologe war zwar sehr erstaunt und auch etwas ungehalten, füllte die medizinische Auskunft allerdings auf mein Bitten hin dann doch ein zweites Mal aus. Und ich tat das Gleiche mit dem Formular bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung, dem ich, bevor ich es abschickte, noch das Abschlusszeugnis der Kaufmännischen Realschule, den Gesellen-, sowie meinen Meisterbrief beifügte. Das wird jetzt wohl genügen, dachte ich…

… Eine Woche später bekam ich von der DRV Bayern Süd noch einmal den Fragebogen bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung zugeschickt. Ich schüttelte erstaunt und verwundert den Kopf, tat dann aber wie geheißen, und fügte noch einmal Kopien der oben genannten Zeugnisse hinzu. Das wird jetzt wohl genügen, dachte ich…

… Eine Woche später bekam ich von der DRV Bayern Süd noch einmal den Fragebogen bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung zugeschickt. Ich schüttelte erstaunt und verwundert den Kopf, tat dann aber wie geheißen, und fügte noch einmal Kopien der oben genannten Zeugnisse hinzu. Das wird jetzt wohl genügen, dachte ich. Mitgezählt? Das war jetzt insgesamt zum vierten Mal…

… Eine Woche später bekam ich von der DRV Bayern Süd noch einmal den Fragebogen bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung zugeschickt. Ich schüttelte erstaunt und verwundert den Kopf, tat dann aber wie geheißen, und fügte noch einmal Kopien der oben genannten Zeugnisse hinzu. Das wird jetzt wohl genügen, dachte ich. Das war jetzt das insgesamt fünfte Mal…

… Eine Woche später bekam ich von der DRV Bayern Süd noch einmal den Fragebogen bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung zugeschickt. Ich schüttelte mittlerweile richtig ärgerlich geworden den Kopf. Auch diesmal füllte ich das Formular gewissenhaft aus. Und spielte dabei kochend vor Zorn mit dem Gedanken, diesmal ALLE, aber auch wirklich ALLE Zeugnisse beizufügen, vom Halbjahreszeugnis der ersten Klasse Volksschule angefangen über jene der Realschule und der Semesternachweise der Sprachenschule München bis zu den Bestätigungen aller beruflicher Fortbildungen, also ungefähr drei Dutzend Kopien. Aber ich zwang mich innerlich zur Ruhe. Nur ja nicht provozieren lassen!…

… Drei Tage später schepperte der Briefschlitz an meiner Wohnungstür, und herein flatterte – nein, diesmal nicht der Fragebogen bezüglich meiner schulischen und beruflichen Ausbildung, sondern eine Benachrichtigung der Deutschen Post, dass man ab Ende März monatlich die volle Erwerbsminderungsrente auf mein Konto überweisen würde. Dabei habe ich ja noch gar keinen Rentenbescheid erhalten! Und aufgrund dessen mein Arbeitsverhältnis auch noch nicht gekündigt!…

… Es drängt sich mittlerweile bei mir der Verdacht auf, dass die DRV Bayern Süd solche entnervenden Verwirrspielchen mit Absicht inszeniert. Vielleicht ist es ja das Ziel der dortigen SachbearbeiterInnnen, RentenantragstellerInnen dermaßen zu zermürben, dass sie entweder freiwillig auf ihre Ansprüche verzichten, oder sich die Kugel geben – was dem Staat Geld ersparen würde. Naheliegender ist allerdings wohl eher die Vermutung, dass in dieser großen Behörde die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Ein klärendes Telefongespräch habe ich für Montag morgen schon fest eingeplant. Und die Nummer vom Rechtsbeistand des VdK geguggelt und notiert…


17 Antworten zu “Verwirrspiel…”

  1. Was für ein unglaublicher Nerv… dagegen war meine Erbscheinangelegenheit ja ein Fliegenschiss 🙂 Aber wenigstens bekommst Du nun die Rente. Uns steht dieser Antrag ja auch ins Haus, da Martin aber schon eine Teilerwerbsunfähigkeitsrente bekommt, geht es vielleicht etwas einfacher.. man wird ja noch hoffen dürfen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag. Grüße aus dem Norden

    • Na ja, gewiss ist das mit der Rente noch nicht, liebe Birte! So lange ich keinen definitiven Bescheid in den Händen halte, glaube ich nicht daran!..
      Ich drücke Martin schon mal ganz, ganz fest die Daumen.
      Habt auch einen feinen Sonntag!

  2. Ich glaube, da steckt Methode dahinter. Unsere Tochter, die wegen einer sehr schweren Erkrankung ebenfalls Erwerbsminderunsrente beantragen muss und laut ärztlichem Gutachten weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, soll jetzt eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen, dass er keine andere Arbeitsstelle für sie hat. Nebenbei, der Arbeitsweg beträgt ca. 90 Minuten die einfache Strecke.

        • Darauf freue ich mich schon diebisch! 😀
          Doch, ich werde aufstocken müssen. Das ist mir ja seit einem Jahr schon nicht erspart geblieben, als ich der Krankheit wegen nur mehr Teilzeit arbeiten konnte, und dann immer öfter und immer länger ausfiel.

  3. Das ist ja ein verrücktes Verwirrspiel. Ich sage nur Wanninger, der auch immer nur am Telefon von den einen zum anderen durchgestellt wird. Ich hoffe, das das dir nach den vielen Wiederholungen nicht auch noch passiert, denn es weiß ja offensichtlich keiner Bescheid, was noch zu tun ist. Viel Glück und Liebe Grüße Monika

    • Ich bin sehr versucht, diese Geschichte dem Christoph Süß, meinem Nachbarn, zu erzählen. Vielleicht läuft er mir in den nächsten Tagen mal wieder über den Weg…
      Danke schön, ich grüße dich herzlich zurück!

  4. Oh du meine Güte! Bin also nicht nur ich jemand, der den „Arbeitseifer“ so mancher bayerischer Amtsstelle nicht mehr so ganz versteht. 😉 FAXEN, Margot! FAXEN! Lol
    Auch noch ein Grund warum bei mir nahezu alle Dinge erst mal per Telefax rausgehen, so lange diese Stelle noch per Fax erreichbar sind. Alles Gute! LG Michael

  5. Da wäre mir auch der Hut geplatzt – wie arbeiten die denn da? Und dann gleich die Info, dass du Rente bekommst – kann man doch keinem Bürger verkaufen. Furchtbar. Ein tolles Beispiel dafür, wie Behörde nicht funktionieren soll.
    Schmatzer Anja

    • Über die volle Erwerbsminderungsrente bin ich ja an sich sehr dankbar, denn durch meine äußerst seltene und fortschreitende Muskelerkrankung könnte ich ohnehin nicht mehr arbeiten. Aber der ganze Ablauf, und die Weise, wie ich erfahren musste/durfte, dass der Antrag schon längst genehmigt sei, den hätte ich mir schon etwas nervenschonender gewünscht. Und ich kann bis jetzt trotz intensivem Nachdenken nicht nachvollziehen, warum man mir da unbedingt ein halbes Dutzend Mal ein und denselben Fragebogen zustellen musste…