Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Von der Missgunst…

… Folgenden Beitrag des Autors Bruno Schulz habe ich im Gesichtsbuch entdeckt, und für so gut empfunden, dass ich ihn mit Genehmigung des Verfassers sehr gerne hier veröffentlichen möchte:…

„Jemanden zu hassen ist verrückt.
Denn Du vergiftest dich selbst,
um einem anderen zu schaden.“

Jetzt bin ich über 50 Jahre alt und dennoch immer noch und immer wieder überrascht von manchen Handlungen und den Beweggründen dazu. Die sozialen Medien sind ein großartiges Panoptikum an sozialem Miteinander. Natürlich ist nicht immer alles Sonnenschein. Das kann ja gar nicht. Und es gibt oft eine Menge guter Gründe, sich kritisch auseinanderzusetzen. Nicht nur in den Fakten, sondern auch in interpretierenden Meinungen und Haltungen, die die Ersteren subjektiv fassen und manchmal auch reichlich deformieren.

Der Mediziner und Aphoristiker Dr. Stefan von Kegler sagte vor nicht allzu langer Zeit: „Kritik ist entweder getarnte Missgunst, oder wohlwollende Unterstützung. Im schlimmsten Fall ist sie undurchschaubar, weil beides in einem.“

Im Grunde sollte man sich über die wohlwollende Unterstützung freuen und viel mehr dazu sagen und schreiben. Dankbar sein. Man macht das viel zu selten. Weil sie einen trägt. In den eigenen Plänen, Vorhaben und Träumen. Wohlwollende Kritik beflügelt und lässt dadurch nur selten Raum und Rast, sie nicht nur inhaltlich zu reflektieren, sondern in ihr auch Zuspruch und Unterstützung erkennen zu wollen. Auch wenn sie einen auf Fehler und Defizite hinweist. Es ist ungleich schwerer, einen Menschen freundlich wie freundschaftlich auf einen Mangel aufmerksm zu machen, als ihn locker zu beklatschen. Der Ton macht die Musik.

Und die getarnte Missgunst? Hat das was mit Neid zu tun? Nein, denn dazu besteht nur selten Anlass. Im Gegensatz zum Neid geht es bei der Missgunst nicht um die Wahrnehmung eines Gefälles in gesellschaftlichen Positionen. Neid kann zur Entwicklung anspornen. Konstruktiv sein. Die Missgunst aber ist immer destruktiv. Sie findet ihre Höhepunkte ausschließlich in Demontage und Zerstörung.

Die Missgunst hat eine häßliche Fratze. Sie erfreut sich nur selten allgemeiner Beliebtheit. Und feige ist sie ausserdem. Daher agiert sie meistens im Verborgenen. Um sie auszuleben, wird ein Vorwand bemüht, die Argumentationsweise zu unterfüttern und die Handlungsweise zu kaschieren. Gerne in offiziellem Anstrich. Ein Wörterbuch, ein Konversationslexikon und noch lieber Recht und Gesetz. Gesetze sind wunderbare Werkzeuge. Im Guten wie im Schlechten. Sie können einen gemeinsinnvollen Umgang regeln. Oder der Missgunst die Hände waschen. Es lohnt sich oft, etwas genauer hinzuschauen.

Die Missgunst erscheint uns immer wieder. Mich macht sie eher fassungslos als ärgerlich. Sie ist ein nutzloser Parasit, den es abzugrenzen gilt. Wo immer wir darauf treffen.

Die frische Begegnung mit der Missgunst erinnerte mich an eine Lektüre aus meiner Schulzeit. Eine Novelle von Thomas Mann: „Der Weg zum Friedhof“ aus dem Jahr 1900.

Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Lobgott Piepsam. Er ist von häßlicher Gestalt, Alkoholiker und seine Frau und die drei Kinder sind ihm weggestorben. Auf seinem Fussweg zum Friedhof, begegnet ihm ein Fahrradfahrer mit buntem Hemd und „dem kecksten Mützchen der Welt“. Der kommt daher „wie das Leben und rührt die Glocke; aber Piepsam geht nicht um eines Haares Breite aus dem Wege.“ Der junge Mann zu Rad verringert sein Tempo, um Piepsam passieren zu können. Dabei vernimmt er, wie der Griesgram das Nummernschild am Rad laut vorliest. Warum er das denn mache, beantwortet Piepsam mit seiner Absicht den Vorgang zur Anzeige zu bringen. Er hält das Rad, schimpft sich in Rage, wird ausfallend. Der junge Mann ist sich keiner Schuld bewusst. Viele Reifenspuren auf dem Kiesweg deuten darauf hin, dass er nicht der Erste ist, der diese Strecke befährt. Irgendwann reisst er sich los. Piepsam ergibt sich seinem Tobsuchtsanfall. Die auflaufende Menge belustigt sich zur einen Hälfte und die andere entrüstet sich. Piepsam hilft das wenig. Er erstickt an seinem Zorn und wird von den Sanitätern aufgesammelt. Rad und Fahrer sind lange fort.

Von Missgunst zu Hass ist es oft nur ein Katzensprung.

Jemanden zu hassen aber ist verrückt. Denn Du vergiftest dich selbst, um einem anderen zu schaden.

… Autor: Bruno Schulz: https://www.facebook.com/derbrunoschulz?hc_location=ufi


21 Antworten zu “Von der Missgunst…”

  1. wunderbar geschrieben. Ja, es gibt leider solche und andere Menschen. Die Einen gehen mit Freundlichkeit und Liebe durch die Welt und die Anderen, so wie du es hier schreibst. Und dann gibt es ja noch eine grosse Variation zwischen diesen beiden Arten. Persoehnlich gehoere ich eher zu den Freundlichen. Alles Liebe fuer dich und lass dich nicht zu stark veraergern. Es hilft ja nix, das aendert den Anderen ja leider nicht.

    • Missgünstige Menschen haben doch eigentlich die Hölle auf Erden. Und das meist zu Recht, denn sie verursachen diese ja selbst. Allein der Gedanke daran bewahrt mich davor, mich über solche Mitmenschen aufzuregen. 😉

  2. Der Volksmund sagt wohl kurz und knapp: Wer anderen ein Grube gräbt, fällt selbst hinein.
    Danke für Deinen anregenden Beitrag.
    Leider scheint es sehr schwierig zu sein, jemandem zu vermitteln, dass er sich mit seinem Hass und einer Missgunst selbst vergiftet. Aber vielleicht fangen wir mal bei uns selbst an und sehen dann weiter 😉

    • Zum Bei-sich-selbst-anfangen muss man zur kritischen Selbstbetrachtung fähig sein. Das ist sehr schwierig, und auch schmerzhaft. Viele scheuen die kritische Auseinandersetzung mit sich selbst. 😉

  3. Die moderne Form von Missgunst ist Mobbing. Das fiel mir so gerade eben ein. Das Mobbing ist genauso destruktiv wie die Missgunst, ist aber gesellschaftlich akzeptiert. Ab und an benutzen sogar politische Parteien im öffentlichen Diskurs das Mobbing von Randgruppen zur Untermauerung ihrer politischen Positionen und Argumentationen. Ich erinnere nur hier an die diskriminierenden Äußerungen von Hartz IV -beziehern auf der Webseite der CSU, oder die Pauschale Gleichsetzung von unzufriedenen in Deutschland mit Pegida-Anhängern durch Herrn Gabriel.

    Auch wenn wir inzwischen Gesetze zur Sanktionierung von Mobbing verabschiedet haben, so schützen aber leider diese Gesetze eher die Mobber, als das den Gemobbten zu ihrem Recht verholfen wird.
    Nicht anders verhält es sich mit der Missgunst. Gegen sie gibt’s zwar noch keine Paragraphen, aber wenn es welche gäbe so würden Sie unsere Gesellschaft auch nicht besser machen.

    Missgunst und Mobbing sind sozusagen die Einstiegsdroge zum Hass. Und auch der ist erst recht nicht durch Gesetze zu sanktionieren.

    Besser wird’s nur, wenn wir uns unserer eigenen Missgunst bewusst werden.

    • Missgunst und deren Abart, das Mobbing, sind Charaktereigenschaften, sie hängen stark mit Erziehung, persönlichem Umfeld, sowie dem eigenen Weltbild zusammen, auch mit dem Mangel, sich selbst distanziert und mit kritischen Augen wahrnehmen zu können. So etwas kann man nicht durch Gesetze regulieren. Man könnte allerdings als Staat, als Gesellschaft ein sozial gerechtes und nicht mehr auf Leistungsdruck, Konsum und Wettbewerb basierendes Umfeld schaffen, und so die Entstehung von Neid, Missgunst und Hass wenigstens ansatzweise im Keim unterbinden.
      Auch fehlt es meiner Meinung nach an guten Vorbildern. Wenn „die da oben“ schwach, nichtssagend, korrupt sind, und sich wie die Fähnlein im Winde drehen, dann färbt das natürlich auch sehr auf „die da unten“ ab.

      • Da hast du wohl sehr recht.

        Und noch eine Ergänzung zum Thema Vorbilder. Ich habe inzwischen den Eindruck, dass diejenigen, die als Vorbilder dienen könnten, sich konsequent einer öffentlichen Zurschaustellung verweigern.
        Das ist aber auch weiter nicht verwunderlich, denn diese Menschen haben es geschafft wesentlich besser mit ihrem eigenen Ego umgehen zu können, als die heute bekannten talkshowgeilen Politiker.
        Menschen die so weit in ihrer Entwicklung gekommen sind, die brauchen keine öffentliche Beweihräucherung mehr. Das heißt auch, solche Menschen sind für den Beruf des Politikers absolut ungeeignet. Oder etwas positiver ausgedrückt: sie sind einfach weiter entwickelt als der Durchschnitt der heute Verantwortung tragenden.

        • Das stimmt! 🙂 Viele jener, die durchaus gute Vorbilder sein könnten, sind sich zu schade für das Haifischbecken und den trügerischen Sumpf der Politik.

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