25 Kommentare zu “„Wir sind Weltmeister!“,…

  1. Ich freue mich einfach mit den Männern, die sich den Pokal erlaufen haben. Ich sehe sie als Kinder, fast alle aus ganz normalen Verhältnissen, kickend und bolzend auf Straßen und Plätzen. Ich sehe Kinder, die das Glück hatten, in Fußballvereinen ihrer Leidenschaft frönen zu dürfen, weil ihre Eltern sie unterstützt haben. Ich sehe Jugendliche, deren Talent entdeckt und gefördert wurde und die aus ihrer Leidenschaft eine Profikarriere machen konnten. Als sie sich gestern über den Titel freuten, da habe ich diese Kinder gesehen. Und darüber habe ich mich gefreut. Am Anfang der WM habe ich mich verweigert, weil mich das politische Drumherum echt angekotzt hat. Und ich hasse diese Brot-und-Spiele-Mentalität, die die meisten Menschen auf beiden Augen sehend erblinden lässt. Aber viele der Fußballbegeisterten sind auch politisch und gesellschaftlich engagierte Menschen. Das eine muss das andere nicht ausschließen. Und darum habe ich mich einfach gefreut, ohne das Wir-sind-Weltmeister-Gefühl.

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  2. Du schreibst mir von der Seele. Das erste Mal war ich beim „Public Viewing“, ich hasse Großveranstaltungen und Kriege Platz Angst in der Masse. Wir waren im Restaurant unseres Urlaubshotels, habe mich gelangweilt, 4 Stunden rumzusitzen. Hatte mein Tablet dabei und verstand den Hype nicht, der durch die Masse ging. Niemand hatte auch nur im geringsten etwas dazu getan, das diese 11 beeinflusst hatte. Jedenfalls konnte die Bundesregierung die Zeit nutzen, Blödsinn zu verzapfen, der uns in den nächsten Tagen beschäftigen wird.

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    • Während sich die Nation im „Fußball-Fieber“ befand, haben unsere „lieben“ Volks(ver)treter wie üblich bei solchen Gelegenheiten so einige unliebsame Dinge durchgedrückt…
      Ich mag solche Massenveranstaltungen auch ganz und gar nicht.

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  3. Klasse! Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich finde dieses „Wir sind…“ mehr als peinlich. Mal sind wir Papst, nun sind wir Weltmeister. Das sind WIR eben nicht. ICH schon gleich gar nicht.
    Danke für Deine Gedanken!
    Oliver 2.0

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    • Danke! 🙂 Dieses „Wir“ finde ich auch deswegen so peinlich und ärgerlich, weil sich da ein ganzes Volk die überragenden Leistungen einiger Menschen zu eigen macht. Ich finde es großartig, daß die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sich den Weltmeister-Titel erspielt hat, mit überragendem Können und sehr fairem Verhalten. SIE sind die Weltmeister, nicht WIR – und schon gar nicht jene, die in der Nacht vom Sonntag auf Montag volltrunken und gröhlend durch die Straßen getobt sind und sehr rücksichtslos ihre Mitmenschen vom bitterst nötigen Schlaf abgehalten haben. Das hat mit einer sportlichen Einstellung nichts, aber auch gar nichts zu tun…
      Gestern übrigens, nicht einmal 24 Stunden nach dem WM-Sieg, sind bis auf eine einzige Deutschlandfahne sämtliche überbordende „Schland-Devotionalien“ von unserer Straße verschwunden. Ich finde, das spricht auch für sich. 😉
      Liebe Grüße!

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  4. Vorweg: Ich bin besoffen. Aber, WIR sind Weltmeister, denn ohne die Fans ist eine Mannschaft nur ein Scheiß. Stell 11 Spieler auf den Platz, ohne die Leute, die sie anfeuert, und schon sinkt die Motivation. Klar, haben die Jungs auf dem Platz die größte Leistung erzielt, aber ohne Publikum wäre die Mannschaft nix anderes, als Theater im Keller, wo drei Leute hingehen.

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    • Nein. Ich bleibe dabei, WIR sind nicht Weltmeister. Und wenn wir noch so gute Fans sind, den Weltmeister-Titel für uns alle zu beanspruchen ist meiner Meinung nach unverschämt, und hat mit gutem Verhalten richtiger Fußball-Anhänger nichts zu tun…
      Weißt du, wenn all diese Hundertausende Fans sich ein gutes Beispiel an der von ihnen verehrten Nationalmannschaft genommen hätten, dann hätten sie sich nach dem verdienten Sieg gesagt: „Wir beschränken unsere Freudenfeiern auf die Public-Viewing-Areas bzw. Fan-Meilen, denn es gibt genug Menschen, die ihre Nachtruhe bitter nötig haben, weil sie morgen in der Arbeit fit sein müssen, weil sie alt, krank, gebrechlich oder noch im Säuglingsalter sind.“ Dann hätten diese Menschen ein wenig das Recht, sich auch als Weltmeister zu titulieren. Doch dem war nicht so, ganz im Gegenteil. Wie da dermaßen rücksichtslos und intolerant gegröhlt, gejohlt, gehupt und mit Silvesterböllern bis in die frühen Morgenstunden geschossen worden ist – solche Leute haben meiner Meinung nach am Titel noch weniger Anteil als Dreck unter einen Fingernagel passt. Ich wohne an einer sehr stark frequentierten Durchgangsstraße, die direkt zur Münchner Feuerwache Nord bzw. dem Schwabinger Krankenhaus führt, bis vier Uhr morgens sind PAUSENLOS!! mit Blaulicht und Sirenen die Löschzüge, Notarztwägen und Einsatzfahrzeuge der Polizei vorbei gejagt… Die deutsche Nationalmannschaft hat nicht nur durch sportliche Leistungen überzeugt und verdient gewonnen, sondern auch durch faires, verständnisvolles, bescheidenes und tolerantes Verhalten – sehr, sehr vielen Fans fehlt meiner Meinung nach all dies. Und deshalb wiederhole ich es jetzt noch einmal nur zu gerne: Nein, WIR sind NICHT Weltmeister!

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      • Eines muss ich jetzt noch los werden: Im Vorfeld dieser WM und während der ersten Spiele hat es ungezählte der angeblich so treuen Fans der Nationalmannschaft gegeben, die über Jogi Löw und seine Mannen geschimpft, gelästert und gezetert hatten, was das Zeug hielt, und kein gutes Haar an ihnen gelassen haben. Und genau diese Leute beanspruchen nun am lautesten den Slogan „WIR sind Weltmeister!“ für sich. Was ein solches Verhalten anbelangt, da liegt mir jetzt ein sehr unfeiner Ausdruck in den Fingern – aber ich werde mich ausnahmsweise einmal beherrschen…
        Noch einmal, zu guter Letzt: Nein, WIR sind NICHT Weltmeister!

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  5. Ich wollte nicht Papst sein und will auch nicht Weltmeister sein. Dieses WIR -Gesummsel geht mir auf die Eierstöcle … ich bin ich und nicht wir.
    Ich habe auch geguckt und der deutschen Mannschaft den Sieg gegönnt, allerdings nicht von wegen Dschland oder so, sondern einfach, weil sie gut gespielt haben. Alles Liebe Karin

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  6. obwohl ich von Sport relativ besessen bin(habe selbst Sport unterrichtet, Sport betrieben und Kinder trainiert, ist schon was daran, mit dem Sport wurde schon oft was verdeckt, eine gute Woche leider ohne WM, Klaus

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    • Ach, lieber Klaus, du schreibst wieder einmal hier so, und auf anderen Blogs ganz anders. Bist halt doch einer, der seine Meinung je nach Wetterlage wie ein Fähnchen im Wind dreht und wendet…
      Dir auch eine gute Woche!

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  7. Ich beobachte auch bei solchen Gelegenheiten (und beim Karneval), dass die Menschen ein Wir-Gefühl haben wollen, es anscheinend dringend nötig haben, verständlicherweise. Und auch ich bedaure es, dass es sich nicht auch auf andere Bereiche erstreckt. Da wären doch Chancen … Aber sie werden nicht genützt.

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    • Wir könnten weltweit wirklich ein Vorbild, sozusagen Demokratie-Weltmeister, sein, wenn sich dieses Wir-Gefühl auch auf die politischen Belange erstrecken würde. 😉 Aber da verkriechen sich dann sehr viele wieder in ihre kleinen Mauselöchlein und jammern: „Wir können ja ohnehin nichts tun.“…

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      • Wir konnten nie mehr tun als heute. Die soziale Vernetzung bietet große Chancen, sich gegenseitig zu informieren und sich zusammen zu tun …

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  8. Ich sehe in dieser Art von „Wir-Gefühl“ nichts Negatives.
    Sich identifizieren, im Wortsinne „mit-fühlen“ ist die Basis für Verständnis, Sorge, Mit-Leid. Naturgemäß fühlt man lieber mit freudigen Emotionen mit, jeder hat gerne etwas (zusätzliche) Freude in seinem Leben, aber ich denke, dieses sich Öffnen für ein kollektives Gefühl, für ein Miteinander hat viel Potential. Man beginnt mit kollektivem Jubel und wohin das dann führt, mag am Anfang noch keiner ahnen.

    Insofern finde ich all diese „Wir sind Papst“, „Wir sind Weltmeister“, „Wir sind Deutschland“-Ideen bzw. -Kampagnen durchaus charmant, denn sie sind für mich, ganz abgesehen von einem glücklichen Gemeinschaftserleben (das schon alleine viel wert wäre!), auch die notwendige Basis für das von dir gewünschte „Wir sind Hartz IV“, „Wir sind Seniorenarmut“ etc. pp. – wenn der Einzelne ein „Auch ich bin Deutschland“ empfindet, dann ist sein Interesse, dieses Kollektiv, an dem er Anteil hat, zum Positiven zu bewegen, viel größer, als wenn es nur ein abstraktes, unpersönliches Gebilde bleibt, das eben jenes „Ich kann ja eh nichts tun…“ befördert, ja, es sogar zu einem „Das hat doch mit mir gar nichts zu tun“ aufbläst.

    Natürlich sind du und ich nicht Fußballweltmeister geworden, denn keiner von uns war Teil der Mannschaft. Aber darum geht es meines Erachtens auch nicht, denn die Aussage lautet ja nicht „DU bist Weltmeister“, sondern „WIR sind Weltmeister“.
    Wir alle.
    Nicht als Einzelner, sondern als Einheit.
    Und das ist für mich eine sehr schöne Aussage.

    In diesem Sinne eine zufriedene Woche,
    wünscht Fuchsi

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    • Bei den Zigtausenden, die allein hier in München überlaut die Nacht durch feierten, war meiner Meinung nach trotz „Wir-Gefühl“ keinerlei Basis für Verständnis, Sorge, Mit-Leid vorhanden. Denn sonst hätte man beschlossen, die große Siegerparty auf die Public-Viewing-Areas und die Fan-Meile auf der Leopoldstraße zu begrenzen, damit all diejenigen, die für den kommenden Tag fit sein mussten, alt und krank waren, den nötigen Schlaf bekommen würden…
      Diese „Wir-Hypes“ sind großenteils kommerziell gesteuert – jene Firmen, die ungezählte sogenannte Schland-Merchandise-Artikel während der vergangenen Wochen auf den Markt geworfen hatten, haben sich daran eine goldene Nase verdient…
      Diese Hypes bieten nicht im geringsten eine notwendige Basis für einen Zusammenhalt, ein gemeinsames Engagement in Bezug auf soziale und politische Missstände…
      Und nachdem die deutsche Mannschaft gestern in Berlin die Argentinier durch einen mehr als kindischen Tanz und Spottgesang lächerlich gemacht haben, als wären sie unreife und verzogene Rotzlöffel und keine erwachsenen und reifen Männer, distanziere ich mich hiermit noch einmal ganz ausdrücklich von diesem „Wir-sind-Weltmeister“. Mit solchen Menschen möchte ich auf gar keinen Fall in einen Topf geworfen werden.
      Dir auch eine gute und unbeschwerte Woche!

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  9. Ich glaube auch nicht, dass WIR Weltmeister sind, sonst hätten WIR doch auch was von den Siegerprämien abbekommen… 😉

    Super Video, wie MuttiMerkel dem Riesenbaby das Fähnchen wegnimmt, sein Blick und ihr Blick, wirklich grandios!

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  10. Zu diesem Beitrag möchte ich dir auch meine Zustimmung kundtun- sehr wahr geschrieben.
    Leider sind diese Brot-und-Spiele-Ablenkungen zu erfolgreich.

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    • Danke schön! 🙂
      Gestern bin ich wegen dieses Themas auf Facebook mal wieder als Gutmensch tituliert worden, der arme Kerl, der den entsprechenden Kommi schrieb, wusste nicht, daß dieses Wort für mich eine Auszeichnung und keine Beleidigung ist. :mrgreen:

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