Marthas Momente-Sammlung

Glück ist die Summe schöner Momente

Der Dämon

Er kommt zumeist Nachts. Wenn ich vom Tagwerk ermattet tief und fest schlafend bin. Dann stiehlt er sich in meinen Schädel. Er setzt sich hinter und zwischen den Augen fest, in der Regel auf der rechten Seite.

Ich erwache im Morgengrauen, abrupt, als hätte mir jemand einen Schlag versetzt. Da hat der Dämon mich bereits fest in seinen Klauen. Sein Griff tastet sich den Hinterkopf entlang, bis hinab in den Nacken, noch weiter durch das Rückgrat, bis in den Magen. Mir wird übel. Ich kämpfe mich aus dem Bett, ziehe die Nachttischschublade auf, wühle wild suchend darin herum. Nichts da. Keine Zäpfchen da! Keine Waffe, um den Dämon in seine Schranken zu weisen, zurück zu drängen, seine grausamen Angriffe zumindest abzumildern.

Gerade noch rechtzeitig erreiche ich das Bad, die WC-Schüssel. Krampfartiges, lang andauerndes Übergeben – das erstemal. Ich richte mich schaudernd auf und stiere in den Spiegel. Erkenne das Schemen eines eingefallenen, fahlen Totenschädels mit gepeinigt glühenden Augen. Das bin nicht ich! Ich – muß – in – die – Apotheke! Ich – brauche – dringend – Hilfe! Eine Medizin! Hilfe!!! Jede Bewegung ist eine einzige Qual, das kalte Wasser, mit beiden Händen übers Gesicht geschöpft, bietet einige Sekunden Linderung. Das Anziehen wird zum hilflosen Tanz, weil mir die Koordination meiner Gliedmaßen völlig abhanden gekommen zu sein scheint.

Ich stehe auf der Straße, taste mich mit weichen Knien bis zur nächsten Ecke. Ich hebe den Kopf, versuche, aus den zu schmalen Schlitzen zusammen gekniffenen Augen die Apotheke schräg gegenüber auszumachen. Vielleicht fünfzig Meter Entfernung. Normalerweise ein „Katzensprung“, wird diese Distanz für mich an diesem Tage zur alptraumhaften Reise. Zum Glück herrscht nicht viel Verkehr.

Ich stehe am Tresen und verlange nach diesem viel gepriesenen neuen Migränemittel. Die Apothekerin: „Haben Sie Migräne?“ Ich bejahe, indem ich mit zusammen gebissenen Zähnen nicke. Sieht man mir das denn nicht an? Sie hebt an und hält mir einen ausgiebigen, sehr detaillierten Vortrag über die Vorteile und Tücken der beiden klitzekleinen, halbmondförmigen, hellblauen Tabletten. Gereizt vom unaufhörlichen Redeschwall verbeisst sich der finstere, wütende Dämon noch mehr in meinen Schädel. – Bitte, bitte, bitte! Gib mir doch jetzt endlich diese Tabletten! Ich brauche Hilfe!!! – Welches Medikament ich denn normalerweise gegen meine Migräne verwenden würde? – Ja, nimmt denn das immer noch kein Ende??? Hilfe!!! – Immi*gran, die Zäpfchen. – Aha. Warum ich dann heute ausgerechnet diese Arznei kaufen wolle? – Weil ihr Immi*gran nicht auf Lager habt!!! Weil das bestellt werden muß!!! Weil man fünf Stunden und länger darauf warten muß!!!, will ich schreien, brüllen, toben. Und ich jetzt, jetzt, jetzt Hilfe brauche!!! Doch ich zwinge mich dazu, ruhig auf die mir in dieser Situation völlig unsinnig erscheinenden Fragen zu antworten. Endlich schiebt die weiß bekittelte Frau das kleine Päckchen über den Tresen…

Wieder auf dem Gehsteig. Da drüben ist mein Wohnhaus, weit, so unendlich weit entfernt. Los jetzt, komm, das geht schon, Schrittchen für Schrittchen, noch eines, noch eines… Gib acht, nun bist du auf der Straße. Keine Trambahn, kein Auto, kein Radfahrer in Sicht. Ein dunkler Schatten kommt mir entgegen und grüßt mich. Der Stimme nach muß das der Gemüsehändler von nebenan sein. Die Haustüre, endlich, der Lift, endlich! In der Aufzugskabine kündigt sich vehement das nächste Übergeben an. Mit verzweifelter Kraft dränge ich das krampfhafte Würgen zurück, stürze förmlich in meine Wohnung, ins Badezimmer.

Ich nehme den Putzeimer mit ins Schlafzimmer. Ich kenne diesen furchtbaren Dämon seit Jahrzehnten und weiß, welche Vorkehrungen ich nunmehr zu treffen habe. Mit ein paar Schlucken Wasser spüle ich vorsichtig die Tablette herunter. Wenn ich ganz großes Glück habe, bleibt sie so lange im Magen, bis sich der Wirkstoff entfalten kann. Wenn ich ganz großes Glück habe… Ich lege mich auf den Rücken, schirme meine Augen vor der Tageshelligkeit ab, versuche, jede Bewegung zu vermeiden. Der Dämon wühlt in meinem Schädel, es fühlt sich an, als wolle er mit glühenden Zangen mein Gehirn zerfasern, die Augen aus ihren Höhlen reissen. Ein Pop-Klassiker, irgendwann, irgendwo einmal im Vorübergehen gehört, setzt sich in einer Endlos-Schleife in meinen matten, trüben Gedanken fest. Auch dies gehört zum Repertoire des Dämons, er unterlegt seine unmenschlichen Qualen mit Musik, mit ein und derselben Liedstelle, mit ein und derselben Handvoll Noten, wieder, und wieder, und immer wieder. Mich friert, mir ist so sehr kalt, ich zittere am ganzen Körper. Nur wenige Minuten später bricht der Schweiß aus allen Poren. Mir ist so sehr heiß, ich habe das Gefühl, zu glühen, in Hitze zu vergehen. Muskeln an meinen Armen und Beinen beginnen unkontrolliert zu zucken. Und mir wird übel, erneut so sehr übel, ich beuge mich über den Eimer. Das Glück war mir nicht hold, in schmerzhaften Windungen entledigt sich der Magen der aufgelösten Tablette…

Zwei Stunden und noch dreimal Erbrechen später übermannt bleierner Schlaf meinen geschundenen Körper. Die Erlösung. Ich komme in der Abenddämmerung wieder zu mir. In meinem Rumpf scheint jeder Muskel, jede Sehne gezerrt zu sein, jede Bewegung schmerzt. Aber der Kopf ist frei. Müde, aber frei. Der Dämon hat von mir abgelassen. Wieder einmal habe ich seine Folter, seine Pein überlebt. Ich zwinge mich dazu, eine Schale Haferschleimsuppe zu essen und eine Flasche Wasser zu trinken. Jeglicher Appetit, jegliches Geschmacksempfinden sind abhanden gekommen. Das wird noch einige Tage andauern, bis meine Innereien sich von den wüsten Attacken erholt haben. Ich versuche, ein wenig fern zu sehen, doch meine Augen, mein Gehirn weigern sich, den Schwall bunt fliessender Bilder aufzunehmen. Ich nehme die zweite der kostbaren, kleinen, blauen Tabletten und begebe mich wieder ins Bett. Schlafen, ich will nur schlafen…

Früh am nächsten Morgen schlage ich meine Augen auf. Und tue einen tiefen, sehr, sehr tiefen Atemzug. ICH LEBE! HERRLICH! ICH LEBE!


41 Antworten zu “Der Dämon”

  1. Naja… Migräne ist zwar widerwärtig, aber führt nicht unbedingt zum Tode… obwohl mir schon klar ist, daß man sich nach deiner Beschreibung so fühlt. als wäre man kurz davor.
    Ich habe früher auch oft Migräne gehabt und als Kind bin ich dann, wenn ich zusätzlich in der Kirche noch Weihrauch einatmen mußte umgefallen… :mrgreen:
    Später konnte ich diesen Faktor ausschalten ! Und geholfen hat mir immer, wenn ich mich in einem verdunkelten RUHIGEN Raum ein paar Stunden hingelegt habe.
    Denn das

    schirme meine Augen vor der Tageshelligkeit ab

    halte ich insofern für falsch, daß die Tageshelligkeit garnicht erst ins Zimmer darf (Rolläden, dichte Gardinen).

    • @Gucky: Nachdem ich seit ca. drei Jahrzehnten mit diesem Dämon zu tun habe, weiß ich durchaus, daß Migräne in der Regel nicht zum Tode führt. Aber das Gefühl , nachdem man einen schweren Anfall überstanden hat, gleicht durchaus der grenzenlosen Erleichterung, die sich einstellt, wenn man dem Sensenmann eben mal so von der Schippe gesprungen ist.
      Da ich eine sehr erfahrene Migränepatientin bin, weiß ich auch, daß ich möglichst bewegungslos in einem ruhigen, abgedunkelten Raum zu liegen habe. Aber meine Augen sind in diesen qualvollen Stunden dermassen lichtempfindlich, daß ich zusätzlich noch eine Schlafbrille aufsetzen muß.

  2. Oh mein Gott du arme!!
    Ich habe keine Migräne, „nur“ Kofweh, mal mehr mal weniger …
    Aber das hört sich echt übel an. *drück*
    Freu mich, dass es dir wieder besser geht!

    • @Sany: Ja, dem Himmel sei Dank! Ich habe zwar heute Morgen, als mir mein Rumpf immer noch arg weh tat, mit dem Gedanken gespielt, einen Krankentag zu nehmen, habe mich dann aber doch auf in die Arbeit gemacht. Mir war noch etwas taumelig zumute, aber ich hab mich so sehr am Leben erfreut, daß mir das nichts ausmachte.

  3. Liebe Freidenkerin,

    nicht annähernd kann ich mir vorstellen, wie es dir dabei geht.

    Aber nicht umsonst nenne ich meine Kopfschmerzen oft „höllisch“. Eine Migräne ist es wohl kaum. Meist lassen sich die Schmerzen mit einer Einnahme von Ibu 600 innerhalb 20 Minuten beseitigen.

    Es muss sich aber so anfühlen, wie du es beschreibst und es tut mir leid, dass dich dieser „Dämon“ schon so lange heimsucht.

    Auf dass er dich für längere Zeit in Ruhe lässt.
    Schön, dass es dir wieder besser geht.

    Liebe Grüße und alles Gute
    Sandy

    • @Sandy: Der Dämon lässt sich mittlerweile nicht mehr so oft blicken. Früher hatte ich einen derartigen Anfall alle sechs Wochen, inzwischen sucht mich die Migräne ca. einmal im Vierteljahr heim. Normalerweise kann ich dann mit den Immi*gran-Zäpfchen gegensteuern, dann lauf ich zwar den ganzen Tag über wie ferngesteuert und blöde herum, bin aber wenigstens schmerzfrei. Ich habe nur in der letzten Zeit verschusselt, mir rechtzeitig die Zäpfchen verschreiben zu lassen. Deshalb konnte der Dämon gestern wieder ungehindert wüten.
      Liebe Grüße, danke für deine guten Wünsche.

  4. Oh weia, du Arme!!!

    Ich leide seit einigen Jahren auch unter Migräne – aber zum Glück lange nicht so schlimm wie du! Ab und zu stellt sich auch Übelkeit ein, aber eigentlich nur dann, wenn ich nicht rechtzeitig reagieren konnte. Und mit Reagieren meine ich: 1 Aspirin, 1 Paracetamol. Wenn das noch nicht hilft, dann gibts nochmal 1 Aspirin, 1 Kaffee, Ruhe, Dunkelheit und ein warmes Kirschkernkissen auf den Kopf. Das ist mein persönliches Anti-Migräne-Programm, das mir am schnellsten hilft…

    Liebe Grüße, Silvie

    • @Silvie: Daß ein warmes Kirschkernkissen helfen soll, habe ich auch schon öfters gehört oder gelesen. Nun werde ich mir doch mal eines besorgen. Da ich diese äußerst unangenehmen und schmerzhaften Brechanfälle habe, machen Tabletten zumeist wenig Sinn. Ich verwende entweder ein Nasenspray oder Zäpfchen, habe aber in letzter Zeit verschusselt, mir welche verschreiben zu lassen.
      Liebe Grüße!

  5. Bei Migräne war es oftmals so schlimm, dass ich kaum noch die Augen auf bekam bzw. kein helles Licht vertragen hatte. Da kam ich mir manchmal wie ein Vampir vor.

    Was echt seltsam ist: Früher mindestens einmal die Woche Migräne gehabt… so wie du.. mit höllischen Schmerzen im Kopf, die anscheinend quewr durch den Körper rotierten… und dann irgendwann: NULL. Keine Ahnung warum, aber irgendwann waren die weg. Ob es ein geändeter „Lebenswandel“, andere Ess- und Trinkgewohnheiten oder sonst was war… ich weiß es nicht.
    Heute hab ich vielleicht einmal im Vierteljahr so einen Tag…

    • @Worti: Bei mir lässt’s auch langsam nach. Dieser Anfall gestern war der Schlimmste seit langer Zeit. Mindestens einmal in der Woche schwere Migräne, das ist schon heftig! Meine Therapeutin hat diese schmerzhaften Anfälle oft mit Spannungszuständen in der Seele in Verbindung gebracht. Ich glaube, da ist durchaus was dran. Daß dieser teuflische Dämon dann einfach in mir „einen Schalter umlegt“ und mich zur Ruhe zwingt.

  6. Ich kann mich Sandy nur anschließen. Keine Ahnung, wie es einem bei Migräneanfällen so geht. Mir reicht es echt schon, wenn ich deine Beschreibung lese.
    Und so wünsche ich dir von ganzem Herzen, einen Dämonenbeseitiger, der schnell hilft oder noch besser einen Dämonenvertreiber, der schon im Vorfeld wirkt. Bei Vampiren soll es ja mit Knoblauch gehen 😉

    • @tonari: Knoblauch hilft leider, leider nicht gegen diesen Dämon. 😉 Aber mittlerweile lassen sowohl die Zahl der Anfälle als auch ihre Heftigkeit deutlich nach. Gestern war der Schlimmste nach – lass‘ mal nachdenken – oh, ungefähr einem Jahr. So ca. alle drei Monate habe ich noch Begegnungen mit diesem Dämon, wenn ich die Immi*gran-Zäpfchen zuhause habe, ist er auch schnell wieder vertrieben. Ich bin zwar dann einen Tag außer Gefecht, kann nichts tun und auch nicht denken, bin aber wenigstens beschwerdefrei.

    • @Worti: Das ist dieses Migränemittel, Immi*gran. Das gibt’s als Zäpfchen, Nasenspray, und bei besonderen Härtefällen auch als subkutane Injektionen, die man sich beim Anfall selber verpassen muß. So weit bin ich gottlob noch nicht.

  7. Da könnte viel dran sein an diesen „Spannungszuständen der Seele“. Wenn ich es so überlege… ja doch… diese Zustände hab ich sehr verringert in den letzten 15 Jahren…

    • @Worti: Ja, ich stelle in der Rückschau auch stets fest, daß sich die Migräneanfälle seit Beginn meiner Psychotherapie und -analyse von der Häufigkeit her ziemlich reduziert haben. Vielleicht hat sich übers Wochenende einfach wieder zu viel aufgestaut – der Preis der Foto-Aktion, die Schwierigkeiten mit meinem Layout, diese unverschämte Bande während des Gewitters etc., und das war für den Dämon vielleicht „ein gefundenes Fressen“. 😉

  8. will ich mal hoffen, dass ich dieses zeug nicht brauchen werde, aber ich merk mir schon mal den namen.

    das will ich nicht abstreiten mit den ganzen stress-situationen in den letzten tagen. da war doch einiges auf dich zugestürmt…

    • @Worti: Die Zäpfchen sind wirklich gut und wirken recht schnell. Ich lasse mir zur Unterstützung auf Anraten meiner Hausärztin auch gleich immer entweder MCP-Zäpfchen oder -Tropfen mit verschreiben, die sind ein wahres Zaubermittel gegen Übelkeit, nicht nur bei Migräne, auch wenn man sich mal eine Darmgrippe eingefangen oder den Magen verdorben hat.

  9. @Miki: Ja, meine Liebe, zum Glück geht’s mir heute Abend wieder gut. Auch der Appetit und das Geschmacksempfinden kehren allmählich wieder zurück.
    Liebe Grüße!

  10. Wenn ich mir den Artikel durchlese, bekomme ich ich meine (leichte) Migräne.

    P.S. Ich kenne jemanden, der behauptet, dass er noch nie Kopfweh hatte. Da denke ich mir, was einer nicht hat, das kann einem auch nicht weh tun. 😆

  11. Uff, da bin ich aber sehr froh, das ich bisher von Migräne verschont geblieben bin!!
    Danke für Deinen Bericht, so kann ichmir vorstellen wie das ist. Ein früherer Freund von mir hatte immer Migräne, und ich hab ihn als Simulanten und „stell dich doch nicht so an, die paar Kopfschmerzen…“ beschimpft. Peinlich, peinlich .-O

    Liebe Grüße,
    Martina

    • @Ritterstern: Es gibt natürlich sehr unterschiedliche Migräne-Varianten und -Symptome. Und selbstredend auch Simulanten. Aber solche erkennt man mit etwas Übung recht schnell am Verhalten und am Ausdruck in den Augen. Ein „echter“ Migräne-Patient hat in der Regel einen starren, sehr gequälten und in sich gekehrten Blick. Außerdem vermeidet er tunlichst jede schnelle Bewegung. Und wen’s wirklich heftig erwischt hat, der bleibt ohnehin in seinen eigenen vier Wänden und verhält sich so still als möglich.
      Liebe Grüße!

  12. *ganz feste knuddel* irgendwie kommt mir das so bekannt vor, was du da geschrieben hast von dem bösen dämon. ein oder zwei mal im monat kommt der nämlich auch zu mir rübergehüpft.
    ich hab nur das glück, dass ich nicht selber zu apotheke muss, weil ja noch mama da ist.^^ habe aber ein anderes mittelchen, das wirkt auch wunder, nur kopf und nacken fühlen sich an, als hätte ich einen sack kartoffeln da drauf liegen.
    ja, nach dem anfall ist man froh noch zu leben aber zwischenzeitlich wünscht man sich dann doch schon mal das gegenteil. 😉 jedenfalls bei mir ist das so. 😀
    hoffe, dir geht’s wieder einigermaßen.
    ganz liebe grüße
    yvie

    • @yvie: Liebe Yvie – Leidensgenossin – vielen Dank deiner Nachfrage, ich bin schon wieder wohlauf, gesund und munter. Ich denke, so für die nächsten drei Monate habe ich, von gelegentlichen „normalen“ Kopfschmerzen und etwas Wetterfühligkeit einmal abgesehen, meine Ruhe vor dem Dämon. Als die Anfälle noch heftiger waren als jetzt, habe ich auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, mich aus dem Fenster zu stürzen und den Qualen ein rasches Ende zu bereiten. Die dankbare und erleichterte Lebensfreude, die man dann empfindet, wenn der Dämon sich wieder zurück gezogen hat, gleicht irgendwie einer Belohnung für all das Ungemach und die Schmerzen.
      Ganz liebe Grüße zurück, wünsche dir alles Gute und Liebe – und daß der Dämon dich verschonen möge.

  13. Meine Güte! 🙄 So bildlich und beklemmend wurde ich noch nie über Migräne aufgeklärt. Ich kann (jetzt: konnte) mir das gar nicht vorstellen. Umso mehr wünsche ich Dir, dass sich das zukünftig in erträglichen Maßen hält…

    • @Donkys Freund: Ich wollte schon seit Langem einmal in Worten ausdrücken, was während eines heftigen Migräneanfalls geschieht, meine Gefühle, die Symptome und ihre Auswirkungen.
      Wenn ich die Immi*gran-Zäpfchen zur Hand gehabt hätte, wäre ich nach spätestens einer halben Stunde in tiefen Schlaf gefallen, und beschwerdefrei einige Stunden später wieder erwacht. Allerdings hätte ich für den Rest des Tages kein Gehirn, sondern ein reaktionsloses, taubes Gelee zwischen meinen Ohren gehabt, die Liste der Nebenwirkungen dieses „Zaubermittels“ ist schon recht umfangreich.
      Ich bin guter Hoffnung, daß die Anzahl der wirklich schweren Anfälle weiterhin abnimmt, so, wie das während der letzten vier Jahre bereits der Fall gewesen ist. Mir wurde die Migräne wohl väterlicherseits vererbt, auch so etwas ist offenbar durchaus möglich, meine Großmutter und mein Vater waren Beide zu Beginn ihrer Sechziger so gut wie beschwerdefrei.
      Liebe Grüße – und das mit dem Smilie ist okay, mir ist so was Ähnliches auch schon mal passiert. 🙂

  14. Schön, daß es dir besser geht!!

    Als das mit der Migräne bei mir anfing, hab ich immer nur Aspirin genommen und mich – sofern möglich – hingelegt. Da wußte ich aber auch noch nicht, daß es Migräne ist. Dachte eher an „normale“ Stress-Spannungs-Kopfschmerzen…

    Als ich es dann von meinem Doc hörte, hab ich mal gegoogelt und gelesen, daß die Kombi Aspirin-Paracetamol-VitaminC-Koffein laut einigen Studien helfen soll. Das hab ich dann ausprobiert und damit fahre ich in der Tat ganz gut – wenn ich meine „Drogen“ rechtzeitig einnehme.

    Und daß mir die angenehme Wärme viel besser hilft, als z.B. ein Ice-Pack, habe ich durch Zufall festgestellt.

    Vielleicht verschafft dir das beim nächsten Mal auch Linderung?

    Übergeben mußte ich mich glücklicherweise noch nicht. Nur die Übelkeit macht mir wie gesagt manchmal zu schaffen, aber da nehm ich dann MCP-Tropfen!

    Zu gerne wüßte ich, was die Migräneanfälle bei mir auslöst…

    • @Silvie: MCP-Tropfen sind Klasse! Gegen die Migräneübelkeit habe ich allerdings normalerweise die MCP-Zäpfchen. Ich werde mir sicherlich demnächst ein Kirschkern-Kissen zur Wärmebehandlung besorgen. Was die Medikation anbelangt – ich bin, wenn ich wach werde, meistens schon mitten im Anfall drin. Da bleibt nix mehr unten, was ich zu schlucken versuche. Daher nehme ich die Immigran-Zäpfchen. Da sind die Schmerzen und die Übelkeit nach ca. einer halben Stunde verschwunden, allerdings laufe ich dann den Rest des Tages umher wie ferngesteuert und kann keinen klaren Gedanken fassen.
      Als Kassenpatientin ist das nicht mehr so einfach, eine umfassende Migräne-Forschung zu erhalten. Nach einigen Nullachtfünfzehn-Untersuchungen beim Orthopäden und einem EEG beim Neurologen wurde bei mir auch sehr bald die Suche nach der Ursache aufgegeben. Ich bin allerdings ziemlich sicher, daß ich die Migräne väterlicherseits vererbt bekommen habe. Da besteht die Hoffnung, daß sich die Anfälle in den nächsten zehn Jahren stetig abmildern und schließlich völlig verschwinden.
      Liebe Grüße, alles Gute und Liebe – und ein Leben ohne Dämon!

  15. Gott sei Dank habe ich seit ca. 15 Jahren fast gar keinen Besuch mehr von diesem Dämon.
    Aber Du hast es sehr treffend beschrieben. Es ist wirklich die Hölle und für aussenstehende sehr schwer nachzuvollziehen. Und die Psyche hat garantiert etwas damit zu tun.
    Alle möglichen Medis haben bei mir damals nicht angeschlagen,
    ich wollte und konnte nicht mehr, nur noch den Kopf gegen die Wand schlagen, damit endlich alles aufhört. Es war furchtbar.
    Mein damaliger Arzt schlug mir eine Akupunkturbehandlung vor. Das ich ihn nicht lauthals auslachte war ein Wunder. Die stärksten Migränemittel halfen mir nicht oder verursachten so üble Nebenwirkungen und da sollen mir ein paar Pikser Linderung verschaffen. Lächerlich!
    Aber wie sagt man so schön, in der Not-Teufel-Fliegen, na dann kann ich auch ein paar Nadeln probieren – was soll schon passieren.
    Kein Witz – ich kabbelte auf allen Vieren, während einer Attacke zum Arzt – er setzte die Nadeln und nach ca. 15 Minuten änderte sich alles. Nach 8 Akutbehandlungen war der Dämon kein unbezwingbarer Gegner mehr. Zeitgleich bekam ich noch Dauernadeln ins Ohr (sahen aus wie kleine Ohrstecker) die halfen mir auch enorm.
    Und man lese und staune, obwohl dies schon über 20 Jahre her ist und über Akupunktur damals noch herzhaft gelacht und hergezogen wurde, hat meine Krankenkasse dies alles bezahlt.
    Ich wünsche Dir weiterhin schnelle Besserung und dass Du bald wieder unbeschwert gehen und schauen kannst.
    Liebe Grüße

    • @madameklutze: Willkommen auf meinem Blog!
      Eine Akkupunkturbehandlung habe ich auch schon bekommen. Ungefähr ein Jahr lang hat mich daraufhin der Dämon so ziemlich in Ruhe gelassen, von einigen harmlosen Attacken einmal abgesehen. Allerdings war der Erfolg dieser Heilmethode leider nicht vom dauerhaften Erfolg gekrönt. Die Erstbehandlung mit zehn „Sitzungen“ hat die Krankenkasse übernommen, Folgebehandlungen müsste ich allerdings aus dem eigenen Geldbeutel bezahlen – und die Preise sind nicht schlecht! Aber der Dämon schlägt seit einigen Jahren immer seltener zu, vielleicht verliert er eines Tages völlig sein Interesse daran, mich zu martern. 😉
      Ich denke, daß meine Migräne von meines Vaters Seite an mich vererbt worden ist, denn sowohl er, als auch meine Großmutter litten daran – und bei beiden ließen mit zunehmendem Alter die Anfälle zusehends nach.
      Liebe Grüße zurück, ich wünsche dir von Herzen, daß der Dämon dich auch weiterhin in Ruhe lässt.

  16. oh je, klingt nicht so gut. beeindruckend, dass du es so detailliert beschreiben kannst. ich kenne nur ganz normales kopfweh, das klingt im vergleich recht harmlos.

  17. Ich hoffe von Herzen liebe Margot das es Dir inzwischen
    wieder besser geht..bzw der Dämon wieder weg ist.

    Ich kann es nachvollziehen, da dieses Dämon, der Menières Krankheit (an welcher ich unter anderen leide) sehr ändlich ist.

    Liebe Grüsse Elke

    • @nordstar-elke: Liebe Elke,
      der Dämon hat sich wieder einmal spurlos verzogen, ich hoffe sehr, daß er mich diesmal lange, lange in Frieden lässt, bzw. daß ich das nächstemal besser mit meinen Medikamenten versorgt bin. Von Menières Krankheit habe ich zugegebenermassen noch nie etwas gehört. Ich hoffe sehr, daß dieser Dämon dich auch in Ruhe lässt!
      Liebe Grüße!

  18. Oh das freut mich für Dich, das er sich wieder verzogen hat.
    wünsch dir von Herzen , das er dich lange in Frieden lässt.

    diese Menières Krankheit ist auch nicht sehr bekannt..
    es giebt noch keine Hilfe sprich Medikamente. Ist unheilbar
    Man kann den Nerv durch OP töten, aber dann kann man nicht
    mehr laufen. Der Balance Nerv ist krank und das erzeugt aus heiteren Himmel furchtbare Schwindelanfälle usw. Die kommen wie beim Dämon völlig unvorbereitet.

    Liebe Grüsse und schon mal vorab ein schönes Wochenende,
    Elke (nordstar)

    • @Elke: Ach, du Ärmste!
      Ich hoffe so sehr, daß man alsbald ein Mittel gegen diese Krankheit findet. Ein Arbeitskollege hat einen sogenannten „Paroxismalen Lagerungsschwindel“, da verkleben sich ab und an die Flimmerhärchen in den Gleichgewichtsorganen, und dann leidet er ebenfalls unter ganz schlimmen Schwindelanfällen.
      Da ich morgen frei habe, werde ich mir sicherlich einen schönen Tag machen. Mir schwebt eine Radltour zu einem meiner Lieblingsplätze in München vor, hoffentlich spielt das Wetter mit.
      Liebe Grüße!

  19. danke für deine Anteilnahme..
    Und dein Arbeitskollege, das tut mir sehr leid..

    fein..dann wünsch ich dir für Morgen bzw Heute
    ganz viele Glücksmomente..

    oh man ich muss ins Bett..*lach
    Gute Nacht und liebe Grüsse..Elke

    • @Elke-nordstar: Ich hoffe, du hast gut geschlafen und hattest schöne Träume. 🙂
      Jetzt muß ich mein „Programm“ doch etwas umgestalten, denn im Westen zieht eine Schlechtwetterfront auf. Macht nix, ich kann’s mir auch innerhalb meiner vier Wände gemütlich machen.
      Mein Arbeitskollege hat Medikamente verschrieben bekommen, die auf die Flimmerhärchen einwirken sollten. Zudem muß er täglich gewisse Roll- und Neigeübungen machen. Derzeit ist er völlig beschwerdefrei.
      Liebe Grüße, wünsche dir einen guten und schönen Tag!

This function has been disabled for Marthas Momente-Sammlung.