Archiv für Xanthippen

Ein Lieblingsspruch…

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Gesellschaft, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , , , , , , , am August 29, 2010 von shelkagari

… eines Arbeitskollegen aus längst vergangenen Tagen kam mir neulich wieder in den Sinn. Der Kollege, ein niederbayerischer Sturschädel ersten Ranges, ist Schankkellner in jener Berchtesgadener Wirtschaft gewesen, in welcher ich das Bedienen quasi erlernt hatte. Häufig pflegte er mit finsterem Gesicht vor sich hin zu raunzen: „Oide Weiber san wia’d Fliag’n. Fliag’n san Mistviecher. Und Mistviecher g’hör’n derschlag’n.“…

… Alle paar Monate treffen sich bei uns die weiblichen, nicht mehr jungen Mitglieder eines Münchner Kirchenchors. So auch an einem Abend letzte Woche. Rund um eine recht stimmgewaltige Wortführerin mit platinblonder Prinz-Eisenherz-Frisur, jedes einzelne Härchen schien förmlich fest betoniert zu sein, umwogt von einer intensiv süßlichen Parfümwolke mit grob geschätzem Fünf-Meter-Radius versammelten sich elf Wei… Damen im geschätzten Alter zwischen Ende Fünfzig und Ende Sechzig und machten mir zwei Stunden lang durch ihr beinahe bösartig zu nennendes Verhalten die Arbeit schwer. Auf mein freundliches „Grüß Gott!“ bekam ich als Antwort ein geraunztes „Sitzkissen habt ihr wohl keine hier!“, als ich die Bestellung zweier Gäste entgegen nahm, wurde mir brüsk von einer gerade Angekommenen, die noch nicht einmal wusste, wohin sie sich denn nun setzen sollte, ins Wort gefallen: „Geben Sie mir gefälligst die Speisekarte!“ Ein weiteres dieser äußerst entzückenden weiblichen Wesen wandte sich ausschließlich in einem äußerst beleidigenden und schroffen Tonfall an mich…

… Ich ertrug geduldig, innerlich distanziert und klaglos jegliche Schikane seitens dieser Damenschar, man übersteht keine dreiunddreißig Jahre in diesem Job, ohne sich ein gut gepolstertes Nervenkostüm zuzulegen. Ich behielt auch stets den Tisch im Auge, präsentierte mich regelmäßig dort, grade eben auch, als alle Gläser geleert waren. Meine Anfragen, ob ich denn noch etwas zu Trinken bringen könne, wurden entweder verneint oder schlichtweg ignoriert…

… Dann musste ich kurz hinaus auf die Terrasse, schließlich hatte ich mich ja auch noch um andere Gäste zu kümmern. Als ich wieder zurück kehrte, sah ich jenes zuletzt beschriebene entzückende, weibliche Wesen an der Theke stehen. Ich schritt auf sie zu, lächelte und fragte: „Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“ Und musste mich in einem dermaßen bösartigen, schier vor Wut schreienden Tonfall abkanzeln lassen, was mir einfiele, seit ewigen Zeiten schon warte man darauf, dass ich mich endlich einmal wieder blicken lasse, man wolle bezahlen. Ich fand, dass nun das Maß voll war, musterte das Weib – ähem – die Dame von Kopf bis Fuß und entgegnete schroff: „Was erlauben Sie sich, in solch einem Ton mit mir zu reden! Ich bin beinahe die ganze Zeit in Ihrer Nähe gewesen, Sie hätten mich ja nur zu rufen brauchen!“ Der Drach… – ähem – die Kundin segelte zum Tisch, ich in ihrem Schlepptau hinterher, erleichtert, dass die Bagage sich endlich verziehen und mein Elend ein Ende haben würde. Als ich Block und Kugelschreiber zückte, plärrten mindestens ein halbes Dutzend Frauen auf mich ein: „Zahlen! – Ich will auch zahlen! – Machen Sie mir die Rechnung fertig! – Ich muss nach Hause, lassen Sie mich endlich bezahlen! – Hier! Ich zahle auch! – Zahlen! Ich will bezahlen!“ Mit dem Aufschreiben der ersten Zeche beschäftigt, murmelte ich: „Ja, ja, Sie sehen ja, ich bin doch dabei! Ich kann immer nur eine Rechnung nach der anderen fertig machen!“ – „Eine Unverschämtheit ist das!“, brauste die platinblonde Wortführerin auf, „Sie sind sehr unfreundlich! Das ist uns schon den ganzen Abend über aufgefallen!“ Ihre Spießgesellinnen stimmten reihum zu. Ich legte das Schreibzeug beiseite und richtete meinen Blick auf die Sprecherin, innerlich völlig eiskalt und losgelöst: „Sie, meine Damen, sind unfreundlich! Sehr sogar! Sie sind den ganzen Abend über unhöflich und auch ruppig mit mir umgesprungen!“ – „Unerhört!“, fauchte meine Kontrahentin. „Das müssen wir uns nicht bieten lassen!“ – „Die meisten von Ihnen haben mein Grüßen nicht erwidert. Sie sind mir mehrmals ins Wort gefallen. Sie haben mich grundlos angeschnauzt…“ Madame erhob sich schmuckklirrend und die letzten Überreste ihrer Parfümwolke verteilend. „Das müssen wir uns nicht bieten lassen!“ Neben mir jaulte ein Weibsbild mit weinerlicher Stimme: „Hierher komm’ ich nie wieder! Nein, nein, nie wieder!“ Die Platinblonde kämpfte sich hinter dem Tisch hervor und segelte Richtung Küche. „Ich will SOFORT mit Ihrer Chefin sprechen! – Hallo! Hallo!“ Ich zuckte mit den Schultern und kassierte die Schar der „wohlgesitteten“ Damen ab…

… Nachdem sich Staub und Pulverdampf und Entrüstung verflogen hatten, wandte sich die Chefin an mich: „Lass dir wegen denen ja keine grauen Haar’ wachsen, Margot. Wir kennen den Verein seit über zwölf Jahren, die lassen sich alle zwei Monate mal hier blicken – und bislang hat’s jedesmal Scherereien mit denen gegeben.“…

… Die meisten Gäste sind gesittet, anständig, friedlich und freundlich. Das möchte ich unterstreichen. Ich habe auch keinerlei Problem damit, mit frotzelnden, ab und an auch unleidlichen Stammtischlern zurecht zu kommen. Behält man die Nerven, bleibt man gelassen und liebenswürdig, glätten sich die allermeisten Wogen in der Regel sehr schnell. Ich genieße als Bedienung einen sehr guten Ruf, ich gelte als freundlich, fröhlich, liebenswert, aufmerksam und einfühlsam. Ich bin zudem der Meinung, das man in Dienstleistungsberufen so ausgeglichen und zuvorkommend wie möglich um das Wohl der Gäste bzw. Kunden bemüht sein sollte. Allerdings vertrete ich auch die Ansicht, dass man sich eine unentwegte, völlig unbegründete Schikane, die bis hin zur Demütigung geht, einen ständigen, beleidigenden Tonfall und ein Verhalten, welches an Psychoterror gemahnt, keinesfalls bieten lassen muss…

… Liebe Frau Katerwolf, im Verlaufe der Auseinandersetzung mit der „Damenschar“ musste ich übrigens sehr an mich halten, damit mir der Ausdruck „Sie Schlumpf!“ nicht versehentlich entfleuchte…  ;-)

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