… Ehrlich, so etwas ist mir in den ganzen fünfzehn Jahren Zusammenleben mit Frau Mieze Smokey noch kein einziges Mal passiert!…
… Ich habe normalerweise immer genügend Katzenfutter zuhause. Immer! Sogar in den allerhärtesten Hartz-IV-Zeiten musste mein Stubentigerle nie auf die gewohnten zwei Mahlzeiten pro Tag verzichten! Lieber habe ich drei Tage in Folge Grießbrei mit Kirschkompott gegessen!…
… Heute Morgen gegen Halb Sieben – die angestammte Fütterzeit, kurz bevor ich das Haus verlasse: Mein samtpfotiger Hausdrache hockt bereits sehnsüchtig jeden meiner Handgriffe beobachtend neben dem leeren Futternapf. Ich schaue ins kleine Küchenregal: Kein Katzenfutter zu sehen. Ich wende mich der großen Stellage zu: Auch leer. Auch das Durchforsten des Küchenschranks verläuft erfolglos. Nicht einmal die Dose Thunfisch ist zu finden, die als Notration gedacht war! Siedend heiß fällt mir ein, dass ich die neulich voller Genuss auf dunklem Vollkornbrot mit dick Butter drunter und gehackten Zwiebeln drüber verspeist hab’. Ein leise forderndes Maunzen dringt an mein Ohr. Mir bricht der Schweiß aus allen Poren. Was mach’ ich jetzt! “In die Arbeit gehen!”, mahnt das Innere Stimmchen, “Deine Mieze hat eine ganze Schale Brekkies da stehen und frisches Wasser – die verhungert schon nicht.” Das Maunzen wird lauter. Ich flüchte in den Flur, werfe mir meine Jacke über und greife nach meiner Handtasche, öffne die Tür, geh nach draußen, schaue kurz zurück. Aus der freudigen Erwartung meiner bepelzten Hausgenossin ist mittlerweile schieres Erstaunen geworden: “Du kannst doch nicht einfach…!”, signalisieren Körperhaltung und Mimik…
… Fassungslosigkeit, Entrüstung und Empörung lodern in meiner kleinen Küche aus mittlerweile christbaumkugelgroßen tiefgrünen Augen. Die Blicke meiner Mieze fressen sich gefährlichen Laserstrahlen gleich durch die Füllung der Wohnungstür und bohren sich siedend heiß in meinen Rücken, während ich nach dem Absperren auf den Lift warte…
… Ich liebe meinen Job nach acht Monaten immer noch und bin wirklich sehr, sehr gerne im “Nobelhotel”. Es macht mir auch nie etwas aus, manchmal ein wenig länger bleiben zu müssen. Doch heute – heute schieße ich Punkt vierzehn Uhr aus der Tür – und hinein in den nächst gelegenen Supermarkt. Eine große pralle Tüte feinstes Katzenfutter und Leckerlis wird erstanden…
… An der Wohnungstür werde ich nicht wie gewohnt mit freudigem Maunzen und Schnurren begrüßt! Nein! Madame dreht mir höchst indigniert ihr bepelztes Hinterteil zu! Selbst ein Döschen ihres derzeitigen Lieblingsfutters und Schmeicheleien satt – “Meine wunderschöne, kleine Schmusekatze! Meine feine Smokey! Mein kleines Dotterblümchen! Meine Zuckerschnecke! Du bist das schööööönste Miezikatzi auf der ganzen Welt!” – helfen nichts! Erst nachdem ich ihr demütigst auf den Knien robbend ein Lieblingsschleckerli anbiete – Hähnchenherzen – verzeiht sie mir gnädigerweise. Puh! Dem Himmel sei Dank! Der Haussegen ist gerettet…














