… hat mich dieses süße kleine Mist- ähem – Katzenvieh bis jetzt gehalten!…

… Deutlich zu erkennen die immer noch offene Wunde am Schnäuzchen, manchmal, wie kurz vor dieser Aufnahme, schubbert und scheuert Flinky mit dem Pfötchen so sehr im Gesicht, daß sogar das Auge zuschwillt…
… In unserer ersten gemeinsamen Nacht habe ich so gut wie gar nicht geschlafen. Die Miez hat es sich zu sehr späten Stunden in das Köpfchen gesetzt, mein Schlafzimmer bis in die letzte Ritze auszukundschaften. Miss Flinky ist recht gesprächig, und hat für ihren kleinen und sehr zierlichen Wuchs eine überaus kräftige Stimme. Immer dann, wenn ich kurz vorm Einschlafen gewesen bin, musste sie mir eifrig maunzend die neuesten Fortschritte ihrer Erkundungen mitteilen…
… Kurz vor Morgengrauen gelang es ihr, mit zwei kühnen Sprüngen und einer Zwischenlandung auf meinem Bügelbrett, den ca. 2,50 Meter hohen Schlafzimmerschrank zu entern. Für eine Weile herrschte nach einem recht geräuschvollen Rundgang knapp unter der Zimmerdecke dann Ruhe. Ich war wieder einmal kurz vorm Eindösen, als mich erneut ein lautes Miauen aufschreckte. Ich tat meine müden Augen einen Spaltbreit auf – und sah einen kleinen, spillerigen Stubentiger im perfekten Segelflug quer durch das Zimmer gleiten, und auf der leeren Doppelbetthälfte links neben mir gekonnt landen…
… Schon bald musste ich zu meiner großen Sorge feststellen, daß die kleine Samtpfote sich beim Fressen sehr eigenartig anstellte, und jegliches, von mir mit viel Liebe und Sorgfalt erstandene, hochwerte Katzenfutter verschmähte. Es wirkte fast so, als habe sie Schmerzen, schon nach wenigen Happen schüttelte sie sich vehement, streckte die Zunge weit aus dem Mäulchen und gab Geräusche von sich, die wie ein würgendes Röcheln klangen…
… Ich war mit den Nerven völligst am Ende und in Tränen aufgelöst. War Miss Flinky vielleicht doch viel schwerer krank als angenommen? – Aber sie schien Hunger zu haben! Pflanzte sich jedesmal sehr laut und energisch maunzend vor mir auf, wenn ich in Richtung Küche und Futternapf ging! Entnervt machte ich ein Beutelchen Kitek.at auf, das hatte sie bei der alten Dame immer bekommen – und siehe da! Ein Wunder geschah! Mein Kätzchen schlabberte heißhungrig und in Windeseile den ganzen Napf leer! Ich schickte einen tiefen Stoßseufzer der Erleichterung gen Himmel, und dachte in meiner heiligen Einfalt, das Schlimmste nun überstanden zu haben…
… Weit gefehlt!…
… Heute morgen verließ ich im düstersten Morgengrauen ziemlich übernächtigt die Wohnung – ich hatte am Abend zuvor Garderobendienst in der Philharmonie gehabt – und bugsierte zunächst meinen Rucksack auf den Buckel, bevor ich die Eingangstür verschloss…
… Gegen drei Uhr kehrte ich zurück, rief nach Mieze Flinky, vernahm jedoch keinen Mucks. Das beunruhigte mich nicht weiters, denn das Stubentigerle hatte bis jetzt sehr gerne, zurückgezogen in ein tiefes, mit Bettwäsche vollgestopftes Fach des großen Schrankes, den Nachmittag bis in die frühen Abendstunden verschlafen. So legte auch ich mich nieder, um ein Nickerchen zu halten…
… Gegen halb Sechs wurde ich wieder wach. Irgendwie beunruhigte mich die völlige Stille meiner Wohnung. Nervös geworden durchsuchte ich sorgfältig Zimmer für Zimmer, jede Nische, Schublade, Ritze, schaute unter dem Bett nach, unter der Couch, in sämtlichen Schrankfächern. Nichts. Keine Flinky zu sehen…
… Mir wurde übel. Mein Gott, die ist heute morgen aus der Wohnung geflitzt, als du einen Moment lang nicht acht gegeben hast! Ich hastete hinaus ins Treppenhaus, und unterzog dieses einer überaus gründlichen Musterung. Erfolglos…
… Ich kehrte zurück in mein trautes Heim, druckte ein Schild aus: “Meine kleine, dunkelgrau getigerte Katze ist mir heute morgen entwischt. Bitte, bitte, bei Frau I… melden, falls sie irgendwo zugelaufen sein sollte!”, und heftete dieses an das Schwarze Brett unten im Hauseingang. Und dann machte ich mich noch einmal auf den Weg durch alle sechs Stockwerke, um an sämtlichen Wohnungen zu läuten und nachzufragen. Erfolglos…
… In meinem Schlafzimmer ließ ich mich aufs Bett fallen und kauerte mich hemmungslos heulend zusammen. “Das kann nicht sein!”, meinten alle meine Inneren Weiber, und das Mumpfi. Ich stand auf, um noch einmal das Schlamperabteil des großen Schranks zu durchforschen, in welchem ich alte Klamotten aufzubewahren pflege. Ganz hinten lag ein zusammengerollter, ausrangierter Fleckerlteppich. Und in dieser Rolle lag völligst unschuldig im tiefsten Schlaf die Flinky…
… Ich glaube, das Wummern der Steinlawine, die mir vom Herzen gefallen ist, ist bis nach Hamburg zu hören gewesen…
… Ich hoffe, ihr Liebe alle hattet ein etwas weniger aufregendes Osterfest!… 
… Miss Flinky’s leicht eingedrücktes Profil lässt mich vermuten, daß unter ihren Ahnen wohl einmal ein Perserkätzchen gewesen sein muss…