… zweitens als man denkt…
… Meine Vorfreude war dermaßen immens, dass es mich heute morgen bereits um vier Uhr aus dem Bett getrieben hat, eigentlich hätte ich locker noch ein Stünderl länger schlafen können. Nach dem x-ten Kontrollieren und Neubepacken meiner gestern extra für diesen Anlass erstandenen, wirklich komfortablen Tasche für die zwei Kameras und all den anderen Schnickschnack, den man als Frau von Welt halt so braucht, machte ich mich auf den Weg zum Isartor, von wo aus die lang ersehnte Busreise nach Venedig starten sollte…
… Dort schickte man nicht nur mich, sondern noch ein gutes Dutzend weiterer Mitreisender fast eine halbe Stunde lang ratlos von Bus Nr. 1 zu Bus Nr. 2, zu Bus Nr. 3, zu Bus Nr. 4, und dann das Ganze wieder von vorne!, weil unsere Namen nirgendwo auf den Teilnehmerlisten verzeichnet waren. “Na, bravo!”, dachte ich, allmählich ungehalten werdend, “das kann ja heiter werden!” Endlich beseitigte die Chefin des Reiseunternehmens, die man wohl per Handy aus dem Bett gejagt hatte, alle Unklarheiten, jeder bekam seinen Platz zugewiesen, die Fahrt konnte beginnen…
… Um 9:08 Uhr fuhren wir auf die Europabrücke bei Innsbruck. Wir waren noch nicht sehr weit gekommen, als etwa 150 Meter vor uns ein Lastwagen explosionsartig Feuer fing. Die Flammen schlugen haushoch, binnen Sekunden stand eine gigantische, schwarze Rauchsäule über der Autobahn…
… Wir standen mehr als drei Stunden im Stau, und wurden unfreiwillige Augenzeugen eines Großeinsatzes der Feuerwehr und sämtlicher Rettungskräfte, bis Polizisten endlich den Verkehr rückwärts von der Brücke leiteten und uns informierten, dass zumindest für den heutigen Tag die Brennerautobahn Richtung Süden gesperrt sei, wegen der großen Hitzeentwicklung hätte sich der Asphalt verflüssigt, zudem würden die eingesetzten Löschmittel sowie die verbrannte Ladung (Waschmittelgranulat) ein Befahren unmöglich machen…
… Unser Chauffeur versuchte, auf die alte Brennerstraße zu gelangen, um den Unfallort zu umgehen, doch auch da staute sich der Verkehr bereits viele Kilometer weit. Wir steuerten einen Parkplatz an, um zu beraten. “Wir werden unmöglich vor sechs Uhr abends in Venedig sein.”, meinte der Busfahrer, “Da ist meiner Erfahrung nach das schönste Masken-Spektakel schon gelaufen, die Leut’ ziehen sich dann in einschlägige Restaurants zurück, um dort weiter zu feiern, und das wird teuer, das sag’ ich euch, denn meistens wird da ein recht gesalzener Eintritt verlangt. Außerdem müssen mein Kollege und ich neun Stunden Pause machen, bevor wir wieder zurück fahren können. Das heisst, ihr müsst euch in Venedig die Nacht um die Ohren schlagen.” Wir beschlossen fast einstimmig – nur ein Grüppchen aufgeregt gackernder und recht frecher junger Gören zeigte sich uneinsichtig – die Reise abzubrechen und wieder nach München zu fahren. Ach, was sind wir allesamt enttäuscht gewesen!…
… Nach einer Weile wurden wir darüber informiert, dass uns der Reisepreis nicht rückerstattet werden würde, da die widrigen Umstände quasi höhere Gewalt gewesen seien. Allerdings wären für die Venedig-Fahrten am Sonntag und am Montag noch Plätze frei, und die Chefin würde Interessierten einen Sonderpreis von € 25,- gewähren statt € 45,50. Ich überlegte nicht lange, sondern rief per Handy im Büro an, um mir für Montag einen Platz zu reservieren. Den morgigen Tag habe ich bitter nötig, um mich von den heutigen Dramen zu erholen, aber dann versuche ich noch einmal mein Glück!…

… Blick auf die Unfallstelle, nach dem Löschen, und nachdem wir erfahren hatten, dass der Fahrer mit einer Rauchvergiftung sehr glimpflich davon gekommen war – dem Himmel sei Dank!…

… Man lungerte um die wartenden Busse herum, vertrat sich die Beine, und versuchte, mit Scherzen die Niedergeschlagenheit und Enttäuschung zu überwinden…

… Manche heiterten sich auch mit Musizieren auf…
… Oder aber, wie meine Wenigkeit, mit dem Fotografieren der Berge ringsum…


