… Meine Eltern sind begeisterte Bus-Touristen gewesen. So zwei- bis dreimal pro Jahr packten sie ihre Koffer und begaben sich mittels Luxusbus eines in Berchtesgaden ansässigen Reiseunternehmen auf Tour. Nach jeder Fahrt pflegten sie vollen Herzens zu schwärmen: „So komfortabel, man braucht sich um nichts zu kümmern!“, „Die Hotels sind so gut ausgesucht, und das Essen immer so fein!“, „Da kann man viele nette Menschen kennen lernen.“…
… Als eingefleischte Individual-Reisende pflegte ich stets ein wenig naserümpfend auf die Beiden herab zu blicken. Nein, vielen Dank, das ist mit Sicherheit nichts für mich – zusammen gepfercht mit einer Vielzahl gackernder und schnatternder Unbekannter in einer rollenden Konservenbüchse – um dann am Ziel wie eine Viehherde von einem Führer durch die Gegend getrieben zu werden – absolut nicht mein Ding, nein, nein!…
… Ende September lockte mich mit einem Male das wunderschöne Städtchen Bozen. Wenn wir in meinen Jugendtagen Richtung Bella Italia fuhren, um entweder am Gardasee oder an der Adria Ferien zu machen, sind wir stets daran vorbei gebraust. Ein Blick auf die Auskunft der Deutschen Bahn ließ mich schaudern – mein lieber Schwan, das wäre für die Hin- und Rückfahrt am gleichen Tag ein gar stolzer Fahrpreis gewesen!…
… Eher als letzten Ausweg begann ich im WorldWideWeb nach einem ansässigen Busunternehmen zu stöbern. Und stieß dabei auf Ettenhuber in Glonn bei München. Und auf die Tagesfahrt nach Bozen am 8. Oktober – für grade mal 28 Euronen – unschlagbar günstig im Vergleich zur Bahn! Aber – ich habe doch für Busreisen so gar nichts übrig! Macht nix, meinte das Innere Stimmchen, beiss’ die Zähne zusammen und fahr’. Diese eine Tour – da brichst du dir garantiert keinen Zacken aus der Krone…
… Was ist das für ein schöner Tag gewesen! Zügig und sicher kutschierte unser Busfahrer mit dem herrlichen Namen Seraphim seine doch recht betagte Fracht von etwa dreißig Reisenden – ich bin mit Abstand die jüngste an Bord gewesen – nach Südtirol und wieder retour, durch strömenden Regen, peitschenden Wind, und sogar heftigem Schneetreiben. Nach dem Brenner lichteten sich übrigens die tief hängenden, finsteren Wolken, in Bozen war es fast sommerlich warm bei strahlend blauem Himmel…
… Vergangenen Samstag ließ ich mich vom gleichen Reiseveranstalter nach Konstanz bringen. Der Chauffeur namens Thomas ist sogar noch netter gewesen als der Seraphim, er servierte uns auf halber Strecke zu frisch gebrühtem, starkem Kaffe für einen schlappen Euro pro Tasse leckeren selbst gebackenen Kuchen. Als eine unserer Mitfahrerinnen sich am späten Nachmittag erst mit mehr als halbstündiger Verspätung wieder einfand, und wir alle warten mussten, glättete er durch seine ruhige und besonnene Art so manch aufbrausende Woge…
… Gestern landete ein wunderschöner Katalog mit tollen Hochglanzfotos bei mir – von Ettenhuber fürs Jahr 2012. Fasziniert ließ ich mich in meinem Lieblingslesesessel nieder und begann zu schmökern und zu träumen. Ich habe mir bereits einige Reisen vorgemerkt, die nächste wird Mitte Februar zum Karneval nach Venedig sein. Ich glaube, ich mutiere jetzt auch allmählich zur Bus-Touristin…