… Als einige Male während der Kundgebung gegen Rechtsradikalismus und Rassismus auf dem Münchner Karlsplatz der Sprecher der Veranstalter darauf hinwies, daß die Hundertschaften der Polizei, die uns umstellt hatten, mit Maschinengewehren und Pistolen bewaffnet seien, obwohl davon auszugehen war, daß diese Demonstration absolut friedlich verlaufen würde, schauderte es mich. Und jene Zweifel, die mich seit Jahren schon immer stärker plagen, erwachten auf’s Neue: Leben wir hier eigentlich noch in einer Demokratie?…
… Über 6.000 Menschen hatten sich gegen dreizehn Uhr versammelt, um wenige Tage vor Beginn des NSU-Prozesses im Oberlandesgericht München, der ja im Vorfeld bereits für etliche unrühmliche Schlagzeilen gesorgt hatte, gegen Gewalt von Rechts, den Braunen Sumpf, und die Unterwanderung deutscher Behörden durch diesen aufzustehen, und vor allem auch, um den Angehörigen der Opfer des Rechtsradikalismus ihren Respekt zu bezeugen…
… Die Frau eines der NSU-Opfer hielt eine sehr zu Herzen gehende Ansprache. Überaus berührt hat mich auch die Einspielung eines Grußwortes der KZ-Überlebenden Esther Bejarano. Unter den Rednern befand sich auch der umstrittene Münchner Imam Benjamin Idriz, der seit etlichen Jahren vom Verfassungsschmutz observiert wird. Sowie die Sprecherin der Organisation NSU-Watch, welche darum bestrebt ist, mittels sorgfältiger Recherchen die seit langem schon bestehenden Verknüpfungen von Staatsbehörden und Rechtsradikalen und Rassisten offen zu legen, und die Öffentlichkeit gründlichst zu informieren…
… Kurz vor 15:00 Uhr setzte sich der lange Zug aus mittlerweile ca. 10.000 Demonstranten Richtung Theresienwiese in Bewegung. Leider, leider konnte ich nicht mitmarschieren, da ich mich sputen musste, um noch rechtzeitig zu einem fest vereinbarten Termin zu kommen. Mein Herz jedoch war – und ist immer noch – bei all den Vielen, die seit Stunden auf den Straßen Münchens unterwegs sind – für Demokratie, für Gleichheit und Freiheit, für ein friedvolles Miteinander…
… In etlichen “Nachrichtensendungen” ist mittlerweile von ca. 2.000 Demonstranten die Rede. Das stimmt nicht, das entspricht keinesfalls den Tatsachen! Hier kann man anhand der Live-Tweets von Teilnehmern nachlesen, wie viel Menschen sich in Wahrheit der Demonstration angeschlossen hatten!…