… Einst haben wir hier die lauen Abende verbracht, dem Gleichklang der Herzen nachspürend unter samtweicher, warmer Haut, kühlen Wein genießend dem Gesang der Gestirne lauschend…
… Dann kamen die eisigen, dunklen Schatten, und wachsend löschten sie all das aus, was ich so sehr liebte – dein Herz, den Wein, den Gleichklang, und die liebevolle Symphonie des Universums…
… wenn da draußen, jenseits der klaren, die Welt von mir trennenden Fensterscheiben der Himmel voller düsterer, beinahe nachtfinsterer Wolken ist, und der Regen unablässig stundenlang, tagelang auf die Einöden der Straßen und Gehwege trommelt. Und denkt nicht, ich sei einsam und von aller Welt verlassen, nur weil ich alleine bin, und keine lebende Seele außer die meiner kleinen, dunkelgrau getigerten, samtweichen, anschmiegsamen Katze mein Leben teilt, nur weil ich keinen Gefährten, keine Kinder, keine Enkel, keine intakte Familie mein Eigen nenne…
… Ich bin Viele. Da ist ein unablässiger Dialog in meinem Inneren. Ich bin mir die beste Lebenspartnerin – und auch mein ärgster Feind. Es ist nie langweilig in meiner Welt, es gibt ungezählte Dinge zu erfahren, zu erlesen, mit der Seele und meinen vielen Facetten zu erdenken, zu ergründen. Ich versenke mich – und bin mit einem Male in einem anderen, selbst geschaffenen Universum. Ich nehme an meinem Schreibtisch Platz, und träume, und schreibe…
… Das Regengrau der Welt da draußen existiert nicht für mich. Hier lebt das Licht. Ich sehe die Sonne. Sie blinzelt durch die zerfaserten Wedel hoch aufragender Palmen. Meine Zehen spielen in warmem, seidig-weichem, hellem Sand. Ein Ozean rauscht. Ein Bächlein plätschert durch die dichten, kühl-grünen Wälder meiner Heimat. Sengender Wüstenwind wühlt in meinem Haar. Ich vernehme das beinahe unhörbare Summen einer wandernden, rotgoldenen Düne. Ein Raumschiff startet mit ohrenbetäubendem Tosen. Schier unmenschliche Kräfte pressen mich in einen kalten Schalensitz, die donnernden Triebwerke der riesigen Rakete schleudern mich der Schwärze des Alls, dem Glosen eines fernen Sterns, der silbrigen, kratervernarbten Kühle des Mondes entgegen. Ich reite auf einem unbekannten Wesen, einem Tier, welches noch nie zuvor ein Menschenauge erblickt hat. Ich kose die samtigen Nüstern eines edlen Araberpferdes. Das nicht enden wollende Band einer Karawane bringt mich zu geheimnisvollen, unentdeckten Stätten. Ich bin ein Raubvogel, und spreize im wilden Aufwind meine Schwingen. Mein Herz vergeht vor Liebesweh. Ich lache und tanze mit alten Freunden…
… Der Klang schöner Stimmen schwebt wie auf Engelsflügeln empor, eine zuvor noch nie gehörte Melodie umschmeichelt mich. Es gibt keinen Regen, kein Grau, kein Alleinsein, keine Einsamkeit. Für ein paar endlose Minuten gibt es nur die Musik, die Sprache des Unermesslichen, Großen Weltengeistes…
Aus dieser Nacht, die mich umhüllt,
von Pol zu Pol schwarz wie das Grab,
dank ich welch immer Gottes Bild
die unbezwung’ne Seel mir gab.
Wenn grausam war des Lebens Fahrt,
habt ihr nie zucken, schrein mich sehn!
Des Schicksals Knüppel schlug mich hart -
mein blut’ger Kopf blieb aufrecht stehn!
Ob zornerfüllt, ob tränenvoll,
ob Jenseitsschrecken schon begann:
das Grauen meines Alters soll
mich furchtlos finden, jetzt und dann.
Was kümmert’s, daß der Himmel fern
und daß von Straf’ mein Buch erzähl’,
ICH bin der Herr von meinem Stern,
ICH bin der Meister meiner Seel’!
… Dieses Gedicht habe ich vor vielen Jahren einmal während einer Kultursendung auf CNN-International gehört, und über all die ganze lange Zeit immer wieder schmerzlich vermisst – und gestern Abend in dem wundervollen Film “Invictus” wieder gefunden…
… Es ist ein Fakt, der legendäre Westerndarsteller und als Raubein bekannte Lee Marvin konnte nicht singen – und dennoch ist dieses Lied ungemein schön und berührend und ansprechend…
… Diesen Song der norwegischen Jazz-/Pop-Sängerin Silje Nergaard habe ich gestern Abend zum ersten Mal gehört, als ich beim Herumzappen zufällig bei einem Musik-TV-Sender gelandet bin – und er hat sich mir auf Anhieb ausnehmend gut in die Ohren geschmeichelt…
… Grade sehe ich, dass das Video hauptsächlich die Aufnahme dieses Stücks dokumentiert, leider, leider ist aber auf YouTube keine andere und bessere Version erhältlich…
… Du Großer und Unermesslicher Schöpfergeist des Universums…
… Gib mir die Bescheidenheit und Demut, mein jetziges Glück und die Zufriedenheit niemals für selbstverständlich zu erachten, bewahre mich davor, die wunderbaren Fügungen meines Lebensweges minder zu schätzen…
… Gib mir die Weisheit und die Einsicht, auf meine Mitmenschen zu hören, öffne mir die Augen der Seele und des Herzens…
… Sende mir die stete Erkenntnis, dass es rund um mich eine Unzahl höchst begabter, kluger, weiser, wissender, liebenswerter und liebevoller Menschen gibt, die meine aufrichtige Zuneigung und meinen Respekt wohl verdienen…
… Stärke meinen Charakter und meine objektive Selbstreflexion, damit es mir in Zukunft leichter fällt, gut gemeinte Kritik anzunehmen und in die Tat umzusetzen…
… Bewahre mich vor Arroganz, übertriebener Selbstgerechtigkeit, innerer Kälte, Hochmut, Neid, Hass, unnötigen Zukunftsängsten, aufgebauschten Selbstzweifeln und Menschenfurcht…
… Erhalte mir die Gabe, einen jeden neuen Tag wie ein wertvolles Geschenk zu würdigen…
… Gib mir bitte endlich den festen Willen, meiner häuslichen Schlamperei Herr zu werden!…