… So gut wie in jener Nacht in diesem kleinen Hotelzimmerchen am Rande Hagnaus habe ich seit vielen Monaten nicht mehr geschlafen. Kein Radau von einer benachbarten Kneipe. Kaum Verkehrslärm. Kein nächtliches, rücksichtsloses Türenschmeissen, sondern Stille im Haus…
… Sehr ausgeruht und erfrischt hielt es mich gegen sieben Uhr morgens nicht mehr im Bett. Während ich ausgiebig duschte und mich ein wenig aufhübschte, zogen draußen finstere Wolken auf und es begann zu schütten. Ich schlüpfte auf die kleine Dachterrasse und blickte mich um. Im Westen zeigte sich ein klarer, blauer Himmelsstreif, der zusehends breiter wurde. Beruhigt ging ich nach unten und plünderte in aller Ruhe das Frühstücksbufett…
… Danach zog ich los. Gleich am nächsten Hauseck begann der Wanderweg hoch in die Weinberge…

… Die noch tief stehende Morgensonne trocknete flugs die vom Niederschlag tropfnasse Natur und brachte die schon prallen Reben zum Erglühen…

… Auf dem hügeligen Rücken oberhalb Hagnaus zieht sich ein sogenannter Wein- und Obstlehrpfad hin. Ich schritt entspannt durch eine sanft sich wellende, üppig fruchtbare Landschaft…





… Dieses Fleckerl Erde ist wahrlich wie ein Garten Eden! Manchmal hatte ich den Eindruck, die Bäume würden unter der Last ihrer Äpfel, Birnen, Quitten, Pflaumen schier zusammen brechen…


… Nahe der Obst- und Weingärten sind immer wieder erklärende Tafeln zu den einzelnen Früchten, ihrer Entstehung und Kultivierung, der besten Verwendung, der Geschmacksrichtung etc. zu finden. Ich habe auf meiner Tour von Hagnau nach Immenstaad, dem nächst gelegenen Örtchen Richtung Osten, ungemein viel Wissenswertes über Obst und Wein erfahren dürfen. Eigentlich sollte ich bei meinem lieben Obst- und Gemüsehändler einen Zuschuss für berufliche Fortbildung geltend machen…
… Zwischendrin auch immer wieder zu finden: Aufgelassene Getreidefelder und Streublumenwiesen, als Refugien für die Bienen gedacht…


… Auf halber Strecke zwischen Hagnau und Immenstaad liegt das Schloss Kirchberg, es wurde im 18. Jahrhundert als Sommersitz des Zistzerzienserklosters Salem erbaut…


… Dort zog es mich hin, zum Hohberg. Von Weinbergen umgeben machte ich es mir auf einer schattigen Bank bequem, mittlerweile war es drückend heiss geworden, ich zog das mitgebrachte Bücherl hervor und las ein wundervolles Stünderl lang Gedichte von Hermann Hesse. Ganz still war es, nur Vogelgezwitscher war zu hören, oder das Tuckern eines entfernten Traktors. Im nahen Gebüsch spielten winzig kleine Zaunkönige…



… Manchmal herbstelt es schon a bisserl…

… An der Ortsgrenze von Immenstaad ist diese wunderschöne Streublumenwiese zu sehen…


… Müde von der Wanderung durch den nunmehr glutheißen Sommertag, aber sehr glücklich, gelöst und zufrieden suchte ich mir nahe der Schiffsanlegestelle Immenstaad ein schattiges Plätzchen und schaute auf den See…

… Ich könnte das einen ganzen Tag lang machen, wirklich! Ohne auch nur einen Funken Langeweile zu verspüren!…


… Nach etwa zwei Stunden kam das Passagierschiff, ich stieg ein und ließ mich nach Lindau tragen. Meine zwei Tage im Paradies näherten sich unerbittlich ihrem Ende – rein äußerlich. Im Inneren meines Herzens dauern sie immer noch an…
