… macht mich immer wieder ehrfurchtsvoll und ungemein dankbar staunen. Ich trage mein eigenes, schier unbegrenztes Universum in mir, und allein mit meinen Gedanken kann ich quasi aus dem Nichts heraus fremde Menschen, Tiere, Schicksale, Dramen, ja, sogar Planeten, Monde, Sonnen, Sterne erschaffen…
… So ist mir das auch Mitte Januar geschehen, als ich mir während meines ausgedehnten morgendlichen Wegs durch die Flure des “Nobelhotels” wie üblich ein kleines Pfefferminz-Dragee einwarf, damit sich “meine” Damen und Herren nicht über schlechten Atem beklagen müssen. Dieses so sehr simple Ereignis ist sozusagen die Initialzündung zur Idee einer Fantasy-Geschichte gewesen. Den Einstieg in diese Erzählung konnte ich an sich schnell in die Tat umgesetzen, ein adäquater Titel fand sich auch alsbald:…
… “Die Rebellen von Varashon”…
… Im Herzogtum Varashon, angesiedelt auf einem fernen Planeten, unserer Erde sehr ähnlich, allerdings von Zwillingsmonden umkreist, misslingt eine Revolution gegen den langjährigen, grausamen und ungerechten Herrscher. Eine Handvoll Widerstandskämpfer kann zusammen mit ihren Familien fliehen. Ihr Schicksal liegt nun ganz in den Händen eines sehr geheimnisvollen jungen Mannes, der sie weg von der tödlich gewordenen Heimat in bislang unbekannte Gefilde führt. Adlanat, so der Name des Rätselhaften, vertraut eines Nachts einem der alten Kämpen – Grismiol genannt – an, dass die regelmäßige Einnahme einer Substanz namens Feenstaub ihm ungeahnte Kräfte und nahezu unbegrenztes Wissen verleihen würde… Tayna, eine Frau in den Mittvierzigern, wird seit einer Weile von überaus qualvollen Kopfschmerzen heimgesucht. In den fiebrigen Träumen, welche diese Anfälle begleiten, hört sie stets eine tiefe, sonore Stimme rufen: “Erwache aus deinem tiefen Schlaf, Lutania, Wächterin des Diamantenen Bergs. Tue deine Pflicht und befreie das dir einst anvertraute Volk!”… Adlanat’s, seines greisen Freundes Grismiol’s und Tayna’s Schicksal sind auf seltsame Weise miteinander verknüpft…
… Nach den ersten paar Folgen hatte ich einen gewaltigen Durchhänger, und musste mich mit viel Müh und Not von Abschnitt zu Abschnitt kämpfen. Zur Zeit allerdings geht mir das Entwickeln und Schreiben dieser Geschichte so gut von der Hand, dass ich bereits mehrere Folgen im Voraus posten konnte…
… Mitlesen – und sozusagen bei der Entstehung mitverfolgen – kann man “Die Rebellen von Varashon” auf meinem Zweitblog “Stupor Mundi” - http://dasstaunenderwelt.wordpress.com. Dort stelle ich auch in losen Abschnitten meinen Roman “Begegnungen im Park” online. Ich habe dieses Werk bereits vor sieben oder acht Jahren verfasst, Auslöser sind damals eine gar heftige Liebesgeschichte gewesen – nie im Leben hätte ich es mit über Mitte Vierzig für möglich gehalten, mich noch einmal so mit Haut und Haaren verlieben zu können! – sowie die Erinnerungen eines alten Wirts im Münchner Westend. Die Handlung ist eigentlich in wenigen Worten erzählt: Der greise Bastian genießt seinen Ruhestand, und verbringt die Tage der warmen Jahreszeiten Zeitungen lesend auf einer Bank in einem großen Stadtpark. Er lernt die Schicksale dreier sehr unterschiedlicher Menschen kennen – eines Schulbuben, eines jungen Mannes, und einer gereiften Frau – und lässt im Gespräch mit jenen seine eigene Lebensgeschichte noch einmal Revue passieren…
… Hätte ich diese Gabe des Fabulierens nicht, wer weiß, ob ich dann an den harten Realitäten des Lebens nicht scheitern würde. Das Schreiben, das Erfinden von Geschichten und Erzählungen, das Mich-Verlieren in von mir geschaffenen inneren Welten ist mir inzwischen zum höchst wertvollen, ja, lebensnotwendigen Ausgleich geworden. Würde mir die Fähigkeit des Fabulierens irgendwie abhanden kommen, wäre das für mich mindestens genau so schmerzlich, wie einen meiner Sinne einzubüßen…


































