… Jedesmal, wenn ich dieses, meine Sinne völlig überwältigende, Etablissement betrete – sei es, um auf den nächsten Zug Richtung München zu warten, mich nach einer ausgiebigen Tour zu stärken und zu erholen, oder auch nur, um das Treiben im Lindauer Hafen zu beobachten – schießt mir dieser Gedanke durch den Sinn: Sollte ich jemals einen Lotto-Sechser haben, dann spaziere ich hier ‘rein und sage zu dem freundlichen Menschen am Tresen “Packen Sie mir bitte den ganzen Laden ein, von vorn bis hinten!”…
… Das “37° Grad”, an der Stirnseite des Lindauer Bahnhofs gelegen, in unmittelbarer Nähe der Anlegestellen der Bodensee-Schifffahrt, ist weit mehr als “nur” ein Laden-Café. Es ist ein verzaubernder, bezaubernder, entrückender Ort. Wenn ich die mit einer Überfülle an äußerst verführerischen Bonbons und Knabbereien behäufte Ladenbuddel ansteuere, um eine leibliche Labsal zu ordern, muss ich erst einmal tief Atem holen und versuchen, meinen von so ungemein vielen bunten, üppigen, verführerischen Eindrücken völlig aus der Bahn geworfenen Geist wieder in den Griff zu bekommen…
… Was für ein Sammelsurium an buntem, ausgefallenem, aber irgendwie durchaus zueinander passendem Mobiliar und Lampen! In schlichten Stellagen an der Wand laden Schnittmuster- und Tapetenmustermappen, Stoffballen, Koch-, Back- und Lebensweisheits-Bücher, Illustrierte zum Stöbern und Schmökern ein. Uralte Gebrauchsgegenstände – Waagen, Messbecher, Kaffeemühlen, Trichter etc. – ,Puppen und Plüschfiguren flankieren gemütlich handbemaltes Porzellan und Ständer mit ausgefallen Post- und Ansichtskarten, Papierservietten, Klamotten im Retro-Schick. Die mehr als vulminant dekorierten Desserts und Törtchen in der hohen, weiß lackierten Vitrine, welche eher einem Märchen-Comic entsprungen zu sein scheinen, denn einer Backstube, der edle, vielarmige Deckenleuchter, die träge aus den Lautsprechern tropfenden französischen Chansons entführen mich in eine Art Anderwelt. Wo bin ich hier? In Lindau? Tatsächlich? Ich meide geflissentlich den Blick aus dem Fenster, um die Magie nicht zu stören…
… Es gibt nur eine Handvoll kalter und warmer Speisen, die in der winzig kleinen, exotisch und leicht chaotisch wirkenden Küche kreiert werden. Doch diese sind – wie das wundervolle, mit mindestens einem halben Dutzend Zutaten belegte und sehr sättigende Sandwich zum Beispiel – mit deutlich fühl- und schmeckbarer Sorgfalt und Liebe zubereitet. Noch während des Essens festigt sich in mir der Vorsatz: Ich muss bei meiner nächsten Reise wieder an diesen Ort! Und ich beginne schon jetzt, mich auf meinen nächsten Besuch im “37° Grad” zu freuen…



























































