… Während der alljährlich im Juli stattfindenden Opernfestspiele ging es im Foyerrestaurant der Bayerischen Staatsoper oftmals recht turbulent zu. Wir waren bei fast allen Vorstellungen ausgebucht, und bei einigen Opern (“La Traviata” z. B.) hatte man zwischen dem Ende des Einlasses und der Pause nur sehr wenig Zeit, die Tische fertig einzudecken, Speisen und Getränke einzusetzen. Weil wir während dieser gut vier Wochen ohne freie Tage durcharbeiteten, kam es in der Regel etwa in der Mitte der Festspiele zum sogenannten Festspiel-Koller, da häuften sich die Pannen und die Stimmung erreichte den Siedepunkt…
… Einer unserer prominenten Stammgäste war Deutschland’s Lieblingsmoderator, Thomas Gottschalk. Er pflegte allerdings, wohl um seine Ruhe zu haben, das Haus nicht auf normalem Wege zu betreten und zu verlassen, sondern stets durch einen Hinter- oder Seiteneingang…
… Die Festspiele waren im vollen Gange. Und irgendwie war während einer Aufführung, bei der wir so sehr viel Zeit gehabt hätten, um unsere Vorbereitungen zu treffen, der Wurm drin. Zusammen mit einer ganz lieben Aushilfe, Martina, leitete ich das Service auf der rechten Seite des hufeisenförmigen Restaurants. Wir ärgerten uns schier schwarz, weil nichts, aber auch gar nichts klappen wollte! Als wir dann auch noch ungerechtfertigterweise einen Anpfiff der Geschäftsführerin einstecken mussten, kannten unser Groll und Frust kein Ende mehr…
… “Am liebsten tät’ ich den ganzen Krempel hinschmeissen und weglaufen.”, knurrte Martina. “Vielleicht hilft uns ja a Glaserl Schampus.”, dachte ich laut. Unsere Blicke glitten zu einem kleinen Servierwagen, auf dem wir etliche Champagnerflaschen für die Pause sorgsam in eiswürfelgefüllte Kühler bereit gestellt hatten. Sie waren für eine Gruppe hochrangiger Bankenmanager und -vorstände bestimmt, die während des Einlasses gespeist hatten und nun in der Pause das Dessert einnehmen würden…
… Im stillen Einvernehmen rollten Martina und ich das opulent bestückte Wagerl still und heimlich in das nächst gelegene abgedunkelte Treppenhaus eines Notausgangs. In den Rocktaschen unserer Dienstkleider hatten wir Sektflöten gebunkert, die gruben wir nun aus, fanden schnell eine bereits angebrochene Flasche und stießen einander zugrinsend an. Augenblicklich hob sich unsere Laune wieder!…
… Trinkend, ratschend und kichernd überhörten wir, dass da Jemand flinken Schrittes die Treppe herab kam. Wir erstarrten vor Schreck, mit großen Augen, die immer noch gut gefüllten Gläser in der Hand, als unvermittelt Thomas Gottschalk auf dem letzten Absatz erschien. Als er unser ansichtig wurde, begann er lausbubenhaft charmant zu grinsen. Er zwinkerte uns zu, lachte ein “Lasst euch nicht stören, Mädels!” und verschwand durch den Notausgang…
















