… Neulich begab ich mich erschöpft von einem recht faul verbrachten Urlaubstag am späten Abend ins Bettchen. Frau Mieze Smokey erwartete mich bereits, lang und in aller Pracht und Herrlichkeit auf dem schmalen Holzbord am Kopfteil meiner Liegestatt ausgestreckt. Ich kuschelte meine Denkbirne in den dichten, orangefarbenen Plüsch ihres Bauchfells und spürte dem wohligen Schnurren nach. Während meine Schmusekatze meiner hohen Stirn eine wohltuende Massage mit ihrer Raspelzunge angedeihen ließ, glitt ich sachte dem Land der Träume entgegen…
… “Oh! Oh! Oh!” Ich schreckte hoch. “Verflixt! Hypochon-Trine! Was ist denn los?” – “Hör’ doch mal! Hörst du das nicht?” Der Rest meiner “Damenband”, die gleich mir kurz vorm Einlullen gewesen war, und ich zuckten unwillig die Schultern. “Nein?” – “Im rechten Ohr pfeift’s!” – “Na, und, das wird bald aufhören. Gib’ Ruh’ jetzt und lass’ uns schlafen.” Ich schloss erneut die Augen und driftete alsbald dem Dämmerzustand entgegen…
… “Oh! Oh! Oh!” – “Herrschaftszeiten! Was ist jetzt schon wieder!” – “Es pfeift immer noch im rechten Ohr!” Ungehalten zuckten unter anderem das Wilde Weib, die Coole Rechnerin, Frau Nörgel-Zick und ich die Schultern. Hypochon-Trine: “Das geht jetzt schon seit einer Ewigkeit so! Hilfe! Wir haben Tinnitus! Wir sind schwerst krank!” – “Unsinn! Wir sind kerngesund, unser Blutdruck ist völlig normal, das Herz ist in Ordnung, und Stress haben wir auch keinen.” – “Doch, doch, doch! Wir haben Tinnitus!” – “Pass auf, wir drehen uns auf die andere Seite, dann pfeift’s bestimmt nimmer.”…
… “Oh! Oh! Oh!” Ich seufzte schläfrig auf. “Hypochon-Trine, langsam werd’ ich grantig!” – “Das pfeift ja noch viel ärger als vorher! Ruf’ den Notarzt an! Oh! Oh! Oh! Tinnitus – wir werden ins Krankenhaus müssen! Man wird uns monatelang krank schreiben! Wir werden anstengende Therapien ertragen und eklige Medikamente einnehmen müssen! Wir werden unseren Job verlieren und wieder Hartz-IV-ler werden!” Unruhig geworden wälzte ich mich hin und her. Frau Mieze Smokey befand, dass das Plätzchen überm Kopfende nunmehr zu ungemütlich geworden sei, sie erhob sich und schlenderte von dannen…
“Oh! Oh! Oh! Es hört einfach nicht auf, das Pfeifen!” Das Wilde Weib räusperte sich ungewohnt diskret. “Sag mal, wann hast du denn das letzte Mal so richtig ordentlich unsere Ohren geputzt?” Ich grübelte stirnrunzelnd. “Kann mich gar nimmer so recht dran erinnern.” – “Das nützt doch nix! Wir haben Tinnitus!”, heulte die Hypochon-Trine auf, “Hast jetzt den Notarzt schon gerufen?” Ich grummelte etwas sehr Unfreundliches, stand auf und schlurfte ins Bad…
… Ein Weilchen später plumpste ich zufrieden aufseufzend erneut auf meine Sieben-Zonen-Federkern-Matraze. Ich glaube, ein stilles Lächeln umspielte meine Lippen, als ich dem wohl verdienten Schlaf entgegen sank…
“Oh! Oh! Oh!” – “Was gibt’s denn jetzt schon wieder!” – “Hör mal!” – “Ich hör’ nix!” – “Eben! Das Pfeifen ist weg!” – “Schön, gell. Du immer mit deiner Hysterie, von wegen Tinnitus.”…






























