… Nach vier Stunden unermüdlichem Staunen, Schauen, Schlendern und Fotografieren begab ich mich müde, hungrig und durstig an Bord des letzten Schiffes von der Mainau Richtung Friedrichshafen…
… Ein Abschiedsblick zurück – mit dem festen Vorsatz, diesem Eiland in Bälde wieder einen Besuch abzustatten…

… Es ist bisweilen eine Tortur, mit dem Wilden Weib auf Reisen zu gehen! Denn dieses kennt weder Maß noch Ziel, strebt beständig weiter, will unablässig die Neugierde stillen, erforschen, entdecken… Margot:”Ich möchte jetzt Brotzeit machen.” W.W.: “Nur noch schnell schauen, was hinter dieser Wegbiegung steckt!” Margot: “Ich habe HUNGER!!! und DURST!!!” W.W.: “Ja, ja, ist ja gut!” Margot: “Weißt du eigentlich, wie lange unsere letzte Mahlzeit, das Frühstück, zurück liegt? Das ist um halb sieben Uhr morgens gewesen – und jetzt haben wir halb drei Uhr nachmittags!” – Endlich, endlich, endlich durfte ich mir in einem schattigen Hain das mitgebrachte Wurstbrot und den fruchtig-warmen Tee aus der Thermoskanne munden lassen…
… Es ist ja nicht so, dass es auf der Mainau an Gelegenheiten mangeln würde, mehr oder weniger feudal zu speisen. Doch bei der Wahl einer entsprechenden Lokalität machte sich unangenehm ein weiterer Teil von mir bemerkbar: Frau Nörgel-Zick… “Oh, wie schön, ein richtiger Biergarten! Wie wär’s mit einem Hot Dog und einer kühlen Apfelschorle dazu?” Wildes Weib: “Später vielleicht. Ich möchte jetzt erst den Weinberg am Schwedenturm anschauen.” Frau Nörgel-Zick: “Iiiiiiih, nein. Da ist kein Tisch mehr frei – und Biertische und -bänke mitten in der prallen Sonne – das passt mir gar nicht.” Einige Stündchen danach, am Restaurant “Comturei”, unterhalb des Schlosses: “Mädels, hier gibt’s Wiener Schnitzel mit frischem Spargel.” Wildes Weib: “Ja, und wenn wir jetzt essen gehen, haben wir keine Zeit mehr, die berühmte Wassertreppe anzuschauen.” Frau Nörgel-Zick: “Iiiiiiih, nein. Schau dir doch mal die Preise an!”…
… Kein Wunder, dass mir der Magen wild knurrend ungefähr zwischen den Kniekehlen hing, als ich die “Graf Zeppelin” enterte. “Und da esse ich jetzt!”, grummelte ich stumm vor mich hin. “Und ihr Zwei”, an das Wilde Weib und Frau Nörgel-Zick gewandt, “gebt gefälligst Ruhe!”…
… Ich fand im ersten Oberdeck ganz vorne am Bug einen wundervollen kleinen Raum, mit schönen, weiß gedeckten Tischlein. In Kunstleder gebundene Speisekarten lagen darauf verteilt. Oh, prima! Fantastische Aussicht – und endlich, endlich, endlich etwas zu essen!…
… Das Schiff legte ab, und nach einem Weilchen konnte ich sowohl die Klosterkirche Birnau als auch den Nachbau eines steinzeitlichen Pfahlbaudorfes bei Unteruhldingen bewundern…


… Ein weißhaariger, silbern bebrillter Ober schlenderte gemächlich zwischen den Tischen umher, er bediente zwei vielköpfige Familien, einige ältere Herrschaften, und zwei Liebespaare – und ignorierte mich. Irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl. “Der wird schon noch kommen, und mich nach meiner Bestellung fragen.”, munterte ich mich auf, und würgte die zu bestimmt nicht sehr freundlichen Kommentaren ansetzenden Wildes Weib und Frau Nörgel-Zick ab…
… Das wunderschöne Meersburg kam in Sicht…

… Dort hatte die “Graf Zeppelin” einen längeren Aufenthalt, den ich eifrig dazu nutzte, den Herrn Ober auf mich aufmerksam zu machen. Ich suchte Blickkontakt, nickte, hob die Rechte, winkte leicht, rief – es half nichts, der gute Mann gewährte mir nicht die Gnade einer Audienz! Irgendwie kam mir nun eine Kurzgeschichte Ephraim Kishon’s in den Sinn, dem Ähnliches widerfahren war, weil sein Tischlein quasi im “Niemandsland” zwischen zwei Kellnerrevieren stand…



… Nach Hagnau gab ich auf, ich hatte mitangehört, wie der Kellner beim Kassieren an einem Nebentisch erwähnte, dass die Küche nunmehr geschlossen sei, und man sauber machen und sich auf den Feierabend freuen würde…
… Dem Verhungern nahe schleppte ich mich in Friedrichshafen angekommen am Seeufer entlang Richtung Bahnhof, kaum noch mehr dazu in der Lage, die Kamera ans Auge zu heben, um die letzte Fähre Richtung Romanshorn zu fotografieren…

… Am Bahnhof stach mir eine Leuchtreklame in die Augen: Ein McDoof!!! Hurra! Ich bin gerettet! “Mein Abendessen habe ich mir aber anders vorgestellt.”, nölte Frau Nörgel-Zick. “Halt’s Maul!”, kam mir da das Wilde Weib zu Hilfe, “McDoof, ist doch cool! Solchen Junkfood haben wir seit Jahren nicht mehr gegessen.” Ich bestellte ein Menü mit einem Riesen-BigM.ac, goldgelben Pommes und einem Rieseneimer Cola, ließ mir alles einpacken und “flitzte” zum Zug nach Lindau. Aufatmend sank ich in den Sitz und begann, voll Behagen meine Köstlichkeiten zu verspeisen…
… Als wir über die Brücke auf die Insel rollten, belohnte mich der Große Himmelsmaler mit einem wundervollen letzten Ausblick auf den See…
