Archiv für Faszination Lesen

100 Bücher

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Gesellschaft, Menschen, Religion mit den Tags , , , , , am Februar 5, 2010 von freiedenkerin

… Dieses Bücher-Stöckchen habe ich bei der lieben Zimtapfel aufgelesen…

… Die Top-100 der in Deutschland beliebtesten Bücher werden hier aufgeführt. Die von mir irgendwann mal selbst gelesenen habe ich fett geschrieben:

1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien – (vor Jahrzehnten bereits atemlos verschlungen, bevor wegen der spektakulären Verfilmungen der ganze Hype auf dieses Phantasy-Kunstwerk einzusetzen begann)

2. Die Bibel – Yupp, bin in einer tiefschwarzkatholischen Voralpenregion groß geworden, da führte an der Bibel kein Weg vorbei. Im Laufe sehr vieler Jahre und etlicher esoterischer, religionskritischer, dann auch wieder der Religion zugewandter Phasen haben sich die Pfade der Bibel und meiner immer wieder mal gekreuzt…

3. Die Säulen der Erde, Ken Follett – Spannend und gut geschriebener, vorzüglich recherchierter Roman über einen Dombaumeister und seine Sippe im England des 12. Jahrhunderts.

4. Das Parfum, Patrick Süskind – atemberaubend schrecklich (schön)

5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry – tausendmal gelesen, tausendmal an Mitmenschen mit Leid und Kummer weiter verliehen, nie ein einziges Büchlein zurück bekommen…

6. Buddenbrooks, Thomas Mann – beachtliche Familiengeschichte, wenn ich auch die Forsyte-Saga des Briten John Galsworthy weitaus vielschichtiger, warmherziger und schöner erzählt finde.

7. Der Medicus, Noah Gordon – prächtig, farbig, mitreißend, das beste Buch seiner Ärzte-Trilogie, das zweite, “Der Schamane”, ist auch gut, aber nimmer so überragend, und das dritte, “Die Erben des Medicus” – hm…

8. Der Alchimist, Paolo Coelho – schöööön! Stimmt nachdenklich, gibt viel inneren Frieden, verführt zum Träumen, schenkt Gelassenheit…

9. Harry Potter und der Stein der Weisen, J. K. Rowling – keine Ahnung warum, aber bislang hat mich die Harry-Potter-Begeisterung noch überhaupt nicht gestreift.

10. Die Päpstin, Donna W. Cross – Klasse! Und durchaus nachvollziehbar, das hätte sich schon genau so abspielen können.

11. Tintenherz, Cornelia Funke

12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon

13. Das Geisterhaus, Isabel Allende – schwierig, irgendwie finde ich da die Verfilmung schöner als das Buch

14. Der Vorleser, Bernhard Schlink – der ist schuld daran, dass ich im Herbst, als ich mich als Vorleserin ins Geschäft bringen wollte, lauter zwei- und eindeutige Anfragen bekommen habe!

15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe – Bruchteile davon gelesen, im Theater und Fernsehen bereits etliche Male angeschaut.

16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafon

17. Stolz und Vorurteil, Jane Austen

18. Der Name der Rose, Umberto Eco – eines der Bücher, die man niemals so nebenbei verkonsumieren sollte, weil man viel Gehirnarbeit dabei leisten muss.

19. Illuminati, Dan Brown – Danke, nein, mir hat sein “Sakrileg” gereicht! Platte Sprache, schlechte Recherche (es gibt ein über zweihundert Seiten starkes Werk, in dem all die geschichtlichen und geografischen Irrtümer des Herrn Brown allein in diesem einzigen Buch aufgelistet werden).

20. Effi Briest, Theodor Fontane

21. Harry Potter und der Orden des Phönix, J. K. Rowling

22. Der Zauberberg, Thomas Mann

23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell – *Seufz* Ein immer wieder gern geschmökerter “Dauerbrenner” in meiner Büchersammlung!

24. Siddharta, Herman Hesse – ich liebe Hesse, lese ich in seinen Werken, dann ist’s mir so, als würde mir ein guter Freund gegenüber sitzen und erzählen.

25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch

26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende – viel, viel schöner als die Hollywood-Erzeugnisse gleichen Namens.

27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn

28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt

29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse – siehe oben

30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley – Jaaaa! Wunderschöne Variante der Artus-Sage

31. Deutschstunde, Siegfried Lenz

32. Die Glut, Sándor Márai

33. Homo faber, Max Frisch – steht seit Jahren ungelesen im Regal – immer flutscht mir ein anderes Buch dazwischen!

34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny

35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera

36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez

37. Owen Meany, John Irving

38. Sofies Welt, Jostein Gaarder – Ach, das habe ich auch schon etliche Male gelesen! Eine phantasievolle und spannende “Einführung” in die Welt der Philosophie!

39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams – Herrlich, wie der Autor das Science-Fiction-Genre durch den Kakao zieht! Mr. Adams zu Ehren wurde in meiner ehemaligen Stammkneipe “Kuckucksnest” sogar ein sehr abenteuerlicher und gehaltvoller Drink benannt: Der “Pan-Galaktische Donnergurgler”.

40. Die Wand, Marlen Haushofer

41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving

42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez

43. Der Stechlin, Theodor Fontane – auch eines von den Büchern, die ich mir seit Urzeiten zu lesen vorgenommen habe – aber immer wieder flutscht mir ein anderes dazwischen!

44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse – grausam, düster, bewegend, man tut beim Lesen einen Blick in die Abgründe der Seele.

45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee

46. Josef und seine Brüder, Thomas Mann – steht auch seit Jahren im Regal – aber…

47. Der Laden, Erwin Strittmatter

48. Die Blechtrommel, Günter Grass – steht seit Oktober im Regal (ein Geschenk von der lieben Tonari) – aber…

49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque

50. Der Schwarm, Frank Schätzing – Sensationell!!! Ich warte ja schon sehnsüchtig darauf, dass sein jüngster Roman “Limit” endlich als Taschenbuch erscheint!

51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks – Schmalziger Tränendrüsendrücker

52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, J. K. Rowling

53. Momo, Michael Ende

54. Jahrestage, Uwe Johnson

55. Traumfänger, Marlo Morgan

56, Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger

57. Sakrileg, Dan Brown – Hätte ich mir für das Geld für die Taschenbuchausgabe doch lieber ein anderes Bücherl oder eine schöne Flasche Wein gekauft!

58. Krabat, Ottfried Preußler

59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren

60. Wüstenblume, Waris Dirie – Es hat mich sehr erschüttert. Was Menschen einander antun können!

61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro

62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson

63. Mitsommermord, Henning Mankell

64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell

65. Das Hotel New Hampshire, John Irving

66. Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoj – Yupp. Hat eine halbe Ewigkeit gedauert, aber ich habe mich da durch gekämpft.

67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse – sein Spätwerk, schwierig zu lesen, sehr geistvoll, sehr melancholisch. Aber sein Traum von einer Gesellschaft, in welcher die Kultur, die Kunst und die Bildung das Leben bestimmen, ist wundervoll und ergreifend.

68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher – Das lese ich auch immer wieder gerne. Es ist ihr schönstes Buch.

69. Harry Potter und der Feuerkelch, J. K. Rowling

70. Tagebuch, Anne Frank – Dies ist Pflichtlektüre in der Realschul-Abschlußklasse  gewesen, es hat mich sehr erschüttert, auch verstört.

71. Salz auf unserer Haut, Benoit Groult – Huhu! Fesselnde Erotik! Wenn Singlefrau das liest, würde sie sich am liebsten in die nächste Kneipe stürzen und einen Kerl aufreißen!

72. Jauche und Levkojen, Christine Brückner – Solche Kriegs-, Flucht- und Vertreibungsgeschichten haben wir jahrzehntelang bei den gemeinsamen Mahlzeiten von Mutter aufgetischt bekommen, tagein, tagaus…

73. Die Korekturen, Jonathan Franzen

74. Die weiße Massai, Corinne Hoffmann – Yupp. Ging unter die Haut.

75. Was ich liebte, Siri Hustvedt

76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moer

77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé

78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt

79. Winnetou, Karl May – Jajajajaja! Unter der Bettdecke beim Taschenlampenschein geschmökert, wenn’s geheißen hat: “Licht aus, schlafen gehen!”

80. Désirée Annemarie Selinko – *Seufz* Ach ja, mehrmals gelesen, viele Tränchen vergossen beim Verfolgen des Werdegangs einer kleinen Seidenhändlerstochter bis zur Königin von Schweden.

81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig

82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving

83. Die Sturmhöhe, Emily Bronté

84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern

85. 1984, George Orwell

86. Mondscheintarif, Ikliko von Kürthy

87. Paula, Isabel Allende

88. Solange zu da bist, Marc Levy

89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johannes Mario Simmel – alle seine anderen Bücher waren mir zu traurig, zu pessimistisch, zu schicksalsschwer. Aber dieses habe ich sehr gerne gelesen, da wird mit viel Humor und Augenzwinkern gewürzt.

90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho – Noch nicht, möchte aber sehr gerne

91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell

92. Der Meister und Margarita, Michael Bulgakow

93. Schachnovelle, Stefan Zweig

94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski – Jahrzehntelange Endlosschleife von Kriegs- und Fluchtgeschichten zuhause, das hält mich stets vom Lesen solcher Bücher ab.

95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi – vor vielen Jahren einmal gelesen.

96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski – durch eine Verfilmung bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden.

97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas – oh, das hatten wir uns als Kinder so sehnlichst gewünscht! Einmal sein wie der Graf von Monte Christo – und sich dann über all jene her machen, von denen wir uns ungerecht behandelt, belogen und hintergangen fühlten.

98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel

99. Jane Eyre, Charlotte Bronté – oft gelesen, ich bin dann stets in die Rolle der Jane geschlüpft und für die Verkörperung ihres Angebeteten musste dann mein jeweiliger Schwarm her halten. *Seufz*

100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood

Erstellt wurde diese Liste für die ZDF-Sendung “Unsere Besten – Das große Lesen” von 2004.

Wer stört mich denn da schon wieder beim Schmökern?

Ein Noch-Freitags-Füller

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , , , am Januar 29, 2010 von freiedenkerin

1. Wenn ich nach links schaue, sehe ich zehn große Boxen á 250 Dias, jede Menge noch nicht oder nur g’schlampert einsortierte Papiere, einen Riesenstapel CD-Roms gefüllt mit gesicherten Daten, eine von meinen beiden Bose-Lautsprecher-Boxen und etwa 200 Bücher.

2. Mein Wohnzimmer ist der Raum mit der besten Aussicht in der Wohnung (im Haus). Mein Nachbar gegenüber hat nämlich einen so tollen Fernseher mit einem dermaßen gestochen scharfen Bild, dass ich ohne weiteres bei ihm mit gucken kann. Nur der Ton fehlt. Außerdem kann ich in die Auslagen von der kleinen Ziegler-Bäckerei spähen und mich in der Frühe informieren, was es für herrliche Backwaren gibt!

3. Man kann sagen was man will, das ist endlich mal wieder ein normaler und echter Winter heuer!

4. Rote Rüben, ein Kilo Kartoffeln, zehn Stück Eier, ein Packerl Goudascheiben, ein Packerl Bierschinken und ein Flascherl Dornfelder ist das letzte, was ich gekauft habe.

5. Wenn es so kalt ist wie jetzt genieße ich es sehr, mich zuhause so richtig gemütlich einmummeln zu können. Ein Vorteil der Arbeitslosigkeit (am 8. März ist diese ja quasi überstanden, hurra, hurra, hurra!).

6. Hierzulande herrschen zunehmend mafiöse Zustände, die Normalbürger werden vera… und abgezockt nach Strich und Faden, von den Großen lässt man sich gängeln und erpressen und an der Nase herum führen, das denke ich immer öfter.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ein paar Kapitelchen meiner heiß und innig geliebten “Forsyte Saga”, im Bett gelesen, morgen habe ich das Einscannen, Bearbeiten und Archivieren weiterer Dias und Fotos eingeplant und Sonntag warte ich hufescharrend auf die nächsten Zahlen von Sunny’s Zahlenzauber-100-Projekt.

Den Eseln…

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Sonstiges mit den Tags , , , am Januar 20, 2010 von freiedenkerin

… ist das folgende Gedicht gewidmet, verfasst von John Galsworthy, englischer Autor und Nobelpreisträger. Der liebe Michael hat mich durch seinen Post vom 18. Januar dazu inspiriert…

Wenn einst zum Herrn und Seiner Streu

die Esel aus allen den Ländern kommen,

und Er dann endlich erwacht aus dem Schlaf -

gar leicht soll der Ihm nicht wieder frommen.

Wenn sie dann liegen auf duftendem Heu,

gebrochen von ihren Wunden und Bürden,

gedenke Er, der sie schuf, dass sie

die Treuesten waren in Seinen Hürden.

Vielleicht lässt Er jemand dann seufzen aus Reu

für die Esel, die gläubig zu Ihm kamen.

Schreibt über die Hürde das sühnende Wort:

“Den Gottverlassenen – der Friedensstall! – Amen.

ZZ100 – 2. Woche – 3 + 45

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , , am Januar 10, 2010 von freiedenkerin

 

… Auf zur nächsten Runde in Sunny’s Fotoprojekt Zahlenzauber ZZ100! Die Zahlen dieser Woche lauten 3 und 45…

Mein Beitrag zur Zahl 3:

… Höchste Spannung herrscht am Schlagmal eines Baseball-Spielfeldes. Hier sind stets drei Kontrahenten zugange: Der Hitter (Schlagmann) der angreifenden Mannschaft. Er muß mit seinem Schlagstock das Kunststück vollbringen, den mit ca. 140 km/h heran sausenden, nicht grade eben großen Ball zu treffen. Dann der Fänger der verteidigenden Mannschaft, vorsorglich durch eine Gesichtsmaske, einen starren, ledernen Brustpanzer und den dicken, voluminösen Fanghandschuh geschützt. Und dahinter einer der drei Schiedsrichter, Umpire genannt…

… Sobald ein Hitter den Ball getroffen und möglichst weit hinaus ins viertelkreisförmige Spielfeld geschlagen hat, spielen sich die folgenden Ereignisse ungeheuer rasant ab, zwei Augen sind da oftmals nicht genug, um alle Details mitverfolgen zu können. Der Hitter schleudert seinen Schlagstock von sich und saust auf das erste Base (Mal) zu, inklusive Schlagmal gibt es vier davon. Wird das Base erreicht, bevor die Feldmannschaft des Gegners den Ball aufgenommen und dem Basemann – eine Art Wachposten am Mal – zugeworfen hat, darf ein neuer Hitter der angreifenden Mannschaft das Homebase (Schlagmal) betreten…

Mein Beitrag zur Zahl 45:

… Dies ist die Seite 45 meines absoluten Lieblingsbuches…

… “Die Forsyte-Saga” des britischen Autors und Literatur-Nobelpreisträgers John Galsworthy…

… Große Teile der insgesamt an die 3.000 Seiten zählenden Geschichte der Familie Forsyte sind Ende der sechziger Jahre mit viel Aufwand verfilmt worden. Wir versäumten seinerzeit, es war Anfang der Siebziger, nicht eine einzige Folge, als die Serie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ich wünschte mir damals als verträumte Fünfzehnjährige so sehr, die Saga zu lesen. Es dauerte eine Weile, mein Taschengeld ist damals recht spärlich bemessen gewesen, bis ich die insgesamt neun Paperback-Bände beisammen hatte. Ich vergrub mich förmlich in dieses umfangreiche Werk…

… Die Taschenbücher sind leider den Weg alles Irdischen gegangen, verloren während des letzten meiner ungezählten Umzüge in meinen ungestümen und wilden Jahren. Die “Forsyte Saga” hingegen ist mir über beinahe vier Jahrzehnte hinweg treu geblieben, mittlerweile in einer etwas vergilbten, antiquarischen Ausgabe. Sie gehört nach wie vor zu meiner regelmässigen Lektüre, ich bin mir sehr sicher, daß ich diese lebensvolle, tragische, sarkastische, aber auch mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern verfasste Chronik bestimmt bereits fünfundvierzig Mal gelesen habe…

Kleiner Zeh(ennagel) in der Tür…

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Medien, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , am November 2, 2009 von freiedenkerin

… Heute Abend fand meine dritte Lesung im “Fresh Bagels & Muffins Coffee Shop” statt. Und im Vorfeld ungefähr das gleiche Spielchen wie zu meiner ersten Veranstaltung: Acht Leutchen hatten ihr Kommen zugesichert – und sagten einen Tag vorher wieder ab! Am liebsten hätte ich den Termin sausen lassen, wegen Schweinegrippe, das hatte ich mir als Ausrede bereits zurecht gelegt. Doch dann knüppelte ich meine Herde innerer Schweinehunde nieder. Du liest!, befahl ich mir, und selbst wenn’s nur für den Wirt ist, du gehst da jetzt rüber auf die Bühne und liest!…

… Es bot sich meinen Augen ein sehr ermutigendes Panorama: Zwei cappuccinoschlürfende Mädels verließen eilends den Laden, als ich mit meinem Vortrag anhub, ein recht nett wirkender Mann auf der Fensterbank nahe des Eingangs thronend und eine sich ins Eckchen kuschelnde weißhaarige Dame studierten die Tageszeitungen, ein Typ mittleren Alters geschniegelt mit Anzug und Krawatte hämmerte unentwegt auf die Tastatur seines Laptops ein, und Francesco, der Wirt, fuhrwerkte emsig in der Küche herum. Desillusionierend! Aber ich begann, vorzulesen, und zog mein Ding gut eine Stunde lang durch, trug zum Abschluß noch ein Gedicht vor, und begann, niedergeschlagen meine Utensilien aufzusammeln. Da erhob sich der nette Mann von der Fensterbank und steuerte auf mich zu: “Magst net noch a G’schicht vorlesen?” Mehr als erstaunt – der Kerl hat doch sein Gesicht andauernd in den Zeitungen vergraben gehabt! – hub ich an und trug meine Lieblingserzählung, den “Bombenleger”, vor. Wenn schon untergehen, dann bitteschön mit fliegenden Fahnen!…

… “Ich bin der Andreas,”, meinte der Typ, nachdem ich geendet hatte, “ich gehör zu den Leuten, die am Freitag abend hier immer Musik machen. Und wenn du willst, kannst du gerne mal vorbei kommen und zwischendrin eine von deinen G’schichten vortragen. Du hast halt kein Solo-Programm, sondern nur einen kurzen Auftritt, aber der Laden ist da immer gerammelt voll.” Wir plauderten noch ein wenig. Als Andreas sich verabschiedet hatte, bekam ich vom Francesco einen köstlichen, frischen Pastrami-Bagel serviert und den guten Rat: “Mach das, Margot. Dann lernst du auch mal all die Leute kennen, die hier ein- und ausgehen. Das ist wichtig für dich.”…

… Ich schickte mich an zum Gehen, mein Blick fiel auf eine Goldene Schallplatte. Eingerahmt, Francesco gewidmet. Und dem “Fresh Bagels & Muffins Coffee Shop” – “…dem Sprungbrett zu meiner Karriere…”, steht unter der gülden glänzenden Scheibe geschrieben. Ich glaube, ich hab jetzt einen Zeh in der Tür. Den kleinen. Okay, okay, den Nagel vom kleinen Zeh…

Dies und das

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , , am Oktober 21, 2009 von freiedenkerin

… Heute habe ich unter anderem eine kurze Bilanz meines Herzens gemacht: Ein Teil weilt in Berchtesgaden, ein anderer auf Oahu, Hawaii, viele Teilchen befinden sich auf Kreta, in Rom, an der Amalfiküste, in Florida, in New York, auf Key West, dem Kennedy Space Center, ein nicht unerhebliches Quentchen habe ich jüngst in Berlin gelassen. Und trotzdem ist es nicht kleiner geworden. Ganz im Gegenteil, je mehr ich von meinem Herzen verschenke und an fremden Gestaden verankere, auf daß ich einmal dahin zurück kehren mag, je mehr ich von meinem Herzen voraus schicke auf geplante, erträumte, ersehnte Reisen, umso größer wird es, umso mehr Orte, Begebenheiten, Wesen, Menschen finden darin ihren Platz…

… Gestern durfte ich meine zweite Lesung abhalten. Es wurde ein sehr freudiger und vergnüglicher Abend, ein kleines Bloggertreffen sozusagen, bei dem sich Quizzy, Fuchsi und Murgel, Claudia/Vodia und ihr Mann einfanden. Und – was mich auch ganz besonders freute – meine Psychotherapeutin, die mich geduldig und sehr professionell über drei Jahre meines Lebens begleitet und dabei vieles von dem, was in meiner Seele im Argen gelegen hatte, wieder zurecht und ans Licht gerückt hatte. Trotz ein bisserl Holpern beim Vorlesen, ich gestehe, ich habe so was das letztemal vor beinahe vierzig Jahren in der Schule gemacht, ist es ein wirklich guter Abend geworden, fast doppelt so viel Publikum wie bei der “Generalprobe” am 5. Oktober. Und ich habe sogar drei Bücherln verkauft! Nach der Lesung ließen wir den Abend noch recht gesellig und fröhlich im nahe gelegenen “Schelling-Salon” ausklingen. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Lesetermin am 2. November! Und werde in der Zwischenzeit bestimmt fleißig üben!…

… Einen Wermutstropfen gab’s dann heut Nachmittag: Pünktlich um drei Uhr loggte ich mich in die entsprechende Website der NASA ein, der Verkauf der Besuchertickets für den Shuttlestart am 12. November begann auf die Sekunde genau. – Es ist seit vielen Jahren ein großer Wunschtraum von mir, einmal ein Spaceshuttle live starten zu sehen, am 12. November gegen halb drei Uhr nachmittags Ortszeit soll die “Atlantis” von der Rampe LC-39 A aus in den hoffentlich klaren, tiefblauen Himmel donnern. Die sehr begrenzten Gelegenheiten, im Kennedy Space Center so einen Launch miterleben zu können, sind binnen weniger Minuten vergriffen. – Angespannt, höchst konzentriert und sehr fix begann ich, die einzelnen Fragepunkte des Bestellformulars abzuarbeiten. Vorsorglich hatte ich mir die Adresse unseres Hotels in Orlando notiert. Da die Tickets per UPS erst am 6. November verschickt werden, und wir bereits am 9. November Richtung Sunshine State düsen, hatte ich beschlossen, sie mir ins “Suburban Extended Stay South” liefern zu lassen. Doch leider, leider, leider hatte ich nicht daran gedacht, die Telefonnummer des Hotels aufzuschreiben. Von den acht Minuten des Zeitfensters, in welchem der Ticketkauf getätigt sein muß, waren bereits über die Hälfte verstrichen. Ich rief meine E-Mail-Adresse auf, scrollte nach der Zimmer-Bestätigung, kritzelte die Telefonnummer eiligst hin, ging zurück zur NASA-Website, klopfte die fehlenden Angaben mit fliegenden Fingern in die Tasten – und war um die Kleinigkeit von drei Sekunden zu langsam… Ach, dachte ich mir, sei net traurig, wer weiß, für was es gut ist. Es gibt vor Cocoa Beach eine etwas erhöhte Highway-Brücke, wenn wir so ein, zwei Stündchen vor dem Start dort sind, finden wir bestimmt ein gutes Plätzchen, um das Abheben der “Atlantis” beobachten zu können. Hast eine Menge Geld gespart, für diese Kohle kannst du drüben locker dreimal in einem Mittelklasse-Hotel übernachten…

… Ein kleines Teufelchen ritt mich, als ich aus lauter Jux und Dollerei gegen Mitternacht noch einmal die NASA-Website aufrief. Eigentlich hatte ich ja ausnahmsweise einmal weder Lust auf Bloggen noch Surfen im Internet. Nur mal kurz nachschauen. – Heiliger Strohsack! Da werden doch glatt noch Tickets für den Shuttlestart am 12. November angeboten! Für Plätze im Kennedy Space Visitor Center! Heureka! Wie die Feuerwehr loggte ich ein und bestellte. Das Procedere des Fragenkatalogs klappte wie am Schnürchen. Die Bestätigungen für die beiden Karten, für meinen guten Freund Timo und mich, wurden binnen Sekunden per E-Mail zugeschickt. Hallelujah! Florida, ich komme! “Atlantis”, ich sehe dich vor meinem inneren Auge schon in eine Wolke aus Feuer und Qualm gehüllt ins Firmament steigen! Hurra! Hurra! Hurra!…

Projekt ABC – 23. Woche – Buchstabe “V” (5)

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Sonstiges mit den Tags , , , , , , , am Oktober 16, 2009 von freiedenkerin

 

Verliebt…

… in Berlin (Teil 4)

Unweit der Jannowitz-Brücke enterten Tonari und ich kurz entschlossen das Ausflugsschiff “Neptun”. Kaum hatten wir’s uns auf dem Oberdeck gemütlich gemacht, ging die Reise über Berlin’s Wasserstraßen und unter ungezählten Brücken hindurch – Berlin nennt weitaus mehr davon sein Eigen als Venedig! – auch schon los…

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… Bereits nach wenigen Minuten grüßte uns vom Rande einer nicht ganz legalen Laubenkolonie ein – nun ja – Riesenbaby…

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… Bemerkenswerte Kombination aus alter Bausubstanz mit modernster Architektur…

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… Eine der schönsten Brücken Berlins: Die Oberbaumbrücke. Sie wurde zwischen 1894 und 1902 erbaut, 1945 auf Hitlers Befehl teilweise gesprengt, um den Vormarsch der russischen Truppen aufzuhalten, und im November 1994 restauriert wieder eröffnet…

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… Neuköllner Kanalidyll inmitten der Dreimillionen-Metropole…

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… Am Ufer des Landwehrkanals befindet sich das Technikmuseum mit kühn in die Fassade integriertem “Rosinenbomber”. Es wurde 1983 eröffnet und nannte sich ursprünglich Museum für Technik und Verkehr…

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… Unsere Brückenfahrt mußte aufgrund einer Regatta einen ziemlichen Umweg über den Charlottenburger- und Westhafenkanal einschlagen. Je weiter der Nachmittag fortschritt, umso kühler und auch ungemütlicher wurde es. So kehrten wir sehr gerne ab und an unter Deck ein, um uns bei einer warmen Brotzeit und diversen Heißgetränken zu regenerieren. Nach ungezählten Sehens- und Staunenswürdigkeiten, die zu erwähnen den Rahmen eines Blogbeitrages sprengen würden, näherten wir uns dem Regierungsviertel und Berlin Mitte…

… Blick von der Spree auf das Bundeskanzleramt. Wenn man es aus einiger Distanz so betrachtet, möchte man’s kaum für möglich halten, daß dieses ultramoderne Bauwerk achtmal größer ist als das Weiße Haus in Washington…

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… Das Elisabeth-Maria-Lüders-Haus…

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… Der Bundestag…

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… Es war einmal ein Bonner Wirt, der nannte eine florierende, gehobene Kölsch-Kneipe sein Eigen. Da eine erkleckliche Anzahl Bundestagsabgeordneter bei ihm regelmässig zu Gast zu sein pflegten, zog er nach der Wiedervereinigung um nach Berlin. Aber – so behauptete er zumindest – nicht freiwillig! Und so eröffnete er am Ufer der Spree unweit des Regierungsviertels sein Lokal namens “Ständige Vertretung” (der rheinischen Kultur in Berlin ;-)   )…

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… Diese wunderschöne Laterne ziert die Weidendamm Brücke. Erbaut wurde diese im 17. Jahrhundert. Sie führt die Friedrichstraße über die Spree und ist auch in etlichen literarischen Werken erwähnt, so z. B. in Erich Kästners “Pünktchen und Anton”, bei Wolf Biermann, Theodor Fontane gar war von dieser Brücke dermassen angetan, daß er sich auf ihr sogar verlobte…

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… Ein Blickfang ist der Rundbau des Bode-Museums auf der Museumsinsel…

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… Vom Wasser aus vielleicht sogar noch wuchtiger und eindrucksvoller als von Land aus betrachtet: der Berliner Dom…

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… Vom Ufer des Nikolaiviertels aus grüßte uns die Kehrseite des Heiligen St. Georgs, der immer noch ohne sein Schwert gegen den nach wie vor grimmen Drachen kämpfen mußte…

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… Kurz darauf passierten wir die Mühlendamm-Schleuse und unser Schiff “Neptun” glitt gemächlich der Anlegestelle an der Jannowitz-Brücke entgegen. Nahe der Mühlendamm-Schleuse entdeckte ich einen kleinen Hafen mit alten und sorgfältig restaurierten Dampfern. Da waren jedoch durch die mittlerweile grimmige Kälte und den harschen Wind meine Finger so arg klamm, daß ich kein Buidl mehr machen wollte. Aber für meinen nächsten Berlin-Besuch habe ich mir einen Besuch dieses Freilicht-Museums schon dick angekreuzelt…

… Wir wandten uns heimwärts und wurden vom besten Gästebetreuer zunächst mit heißem Tee “aufgetaut”. Anschließend kredenzte Tonari’s Gatte, der noch dazu ein gar trefflicher Koch ist, ein ausgesprochen schmackhaftes Hühnerfrikassee mit Safranreis und dazu einen hervorragenden Weißwein, ein jeder der goldenen Tropfen erwies sich als eine wahre Wohltat! Mit Tonari’s Tochter Dana durfte ich eine sehr angenehme und auch anregende Unterhaltung quasi von Autorin zu Autorin führen…

… Morgen gibt’s dann die Fotos und G’schichten vom vergangenen Sonntag in Berlin…

Projekt ABC – 22. Woche – Buchstabe “U”

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Sonstiges mit den Tags , , , , am Oktober 6, 2009 von freiedenkerin

 

Uiiii!!!…

… meine liebe Paradalis, du bist ja eine wahre Verpackungskünstlerin! Ich habe dein Bücherl seit langen Tagen schon auf meinem Tisch im Wohnzimmer liegen – unausgepackt. Weil ich dieses Kunstwerk so sehr gerne anschau und bewundere. Tausend Dank dafür!

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… Ich muß jetzt nur einen Weg finden, an das Innere zu gelangen, ohne diese wundervolle Kreation aus Blüten, Muscheln, Perlen zu zerstören…

Meine erste Lesung

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Sonstiges mit den Tags , , , , , am Oktober 6, 2009 von freiedenkerin

Auf der Wiesn mußte ich mich zwar nicht tot arbeiten, aber ein Honigschlecken waren diese sechzehn Tage weiß Gott nicht! Frühmorgens hieß es, gute eineinhalb Stunden lang das Standl innen und außen putzen und für den neuen Tag herrichten. Anschließend verbrachte ich zumeist vier bis fünf Stunden in einer Ecke stehend damit, unzählige Tüten mit Magenbrot und diversen Spezereien abzuwiegen, im Rücken die sengende Hitze der Kupferkessel, denn ab den Vormittagsstunden wurden nahezu ununterbrochen Mandeln und viele andere Nußspezialitäten gebrannt. Kam noch der häufig scharfe, harsche, auch unfreundliche Tonfall der einzelnen Mitglieder der Schaustellerfamilie hinzu, bei der ich gelandet war. Keine schlechten oder dummen Menschen, nein, weiß Gott nicht, aber ihre ruppige, nörgelnde und auch launenhafte Art trieb mir manches Mal verstohlen das Wasser in die Augen.

Tapfer biss ich an etlichen Tagen die Zähne zusammen. Es gab Einiges, was mich dazu antrieb, durch zu halten. Zum einen das Geld natürlich. Reichtümer würde ich keine verdienen, aber der Lohn würde mir schon ein Weilchen finanzielle Sorgen vom Leibe halten. Die Reise nach Florida selbstredend ebenfalls! Und vor allem meine erste Lesung im “Fresh Bagels and Muffins Coffeeshop”! Etliche virtuelle und persönliche Bekannte und Freunde hatten für Montag, den 5. Oktober, ihr Kommen bereits zugesichert. Im Standl automatenhaft zweihundert bzw. fünfhundert Gramm Magenbrot portionierend schirmte ich mein Seelchen von den Unbillen rings um mich ab und träumte mir diesen Abend herbei. Vor meinem inneren Auge thronte ich auf der kleinen Bühne im Kegel eines weißlichtigen Scheinwerfers, gelassen, souverän, von einer Schar gefesselt und begeistert Zuhörenden umgeben…

… Gestern ist es dann so weit gewesen. Eigentlich wollte ich meinen bleischweren Gliedern etwas Gutes tun und bis mindestens Mittag im Bett bleiben. Allerdings bekam ich bereits am frühen Morgen erste Anflüge von Lampenfieber, und das trieb mich um. Immer und immer wieder griff ich zu meinem Bücherl “Die Spanschachtel”, überflog die ausgesuchten Geschichten, markierte sie sorgfältig, ich druckte meine kurze Autobiographie “Etwas über die Freidenkerin” und meine beiden jüngsten Schöpfungen “Die G’schicht vom Wiesn-Geist” und “Die G’schicht vom Ulukl” aus, die sollten unbedingt mit ins Programm, brütete über einer möglichst lockeren, originellen Einleitung und versuchte, innerlich einen detaillierten Plan des Ablaufs zu erstellen und mir einzuprägen. Manchmal wurden mir die Handflächen feucht und etwas klamm zumute, dann munterte ich mich damit auf, daß ich ja in einem früheren Leben ein durch den Orient pilgernder Geschichtenerzähler gewesen sei, und nun schlicht und einfach an diese vergangene Existenz anknüpfen würde, es gäbe nicht den geringsten Anlass, sich Sorgen zu machen, ich hätte immerhin quasi jahrhundertelange Erfahrung im Vortragen.

Am späten Nachmittag legte ich eine sehr ausgedehnte Pflegestunde im Badezimmer ein, ich schminkte mich ausgesprochen sorgfältig und trug dabei a bisserl dicker auf als gewohnt – wegen dem Scheinwerferlicht! – und kleidete mich an, nicht zu salopp, aber auch keinesfalls abgehoben. Dann krempelte ich zum x-ten Mal den Inhalt meiner schönen, aber verhassten Handtasche um, in der ich stets erst dann etwas zu finden pflege, wenn ich fluche wie ein Fuhrknecht und drohe, das Teil auf den Müll zu werfen, der Geldbeutel mußte mit, schließlich darf ich nach der Lesung sammeln gehen, und dafür packte ich die große Emailtasse mit weißblauem Rautenmuster ein, das “Königlich-bayerische Kaffeehaferl”. Und die witzige Quietschfigur vom Bücher-Nörgeli, einen allseits bekannten “Literaturpapst” darstellend,  hatte ich zum Auflockern meiner Einleitung – und ein wenig auch als Maskottchen – gedacht. Natürlich die Kamera, irgendwen werd ich schon auftreiben, der ein “Starfoto” von mir schießt, wie ich da auf der Bühne posiere. Die Ausdrucke, mein Bücherl – und los ging’s!

Aus Unterhaltungen mit meinem Dichterfreund Gustl Bauer hatte ich gelernt, daß es wichtig ist, frühzeitig vor einer Lesung zu erscheinen, sich mit dem Ort vertraut zu machen, das Ambiente wirken zu lassen, ein bisserl damit zu verschmelzen, zu versuchen, sich heimisch zu fühlen. So war ich bereits kurz nach Sieben auf der anderen Straßenseite im “Fresh Bagels and Muffins Coffeeshop”. Bei meinen vorangegangenen Besuchen war mir das Lokal immer so klein vorgekommen, auch eine Spur enttäuschend. Gestern Abend allerdings hatte sich die Perspektive unvermittelt geändert. Riesengroß erschien mir nun der Gastraum. So viele leere Tische und Stühle! Trostlos und einschüchternd sah das irgendwie aus!

Der liebenswürdige Wirt, Francesco, servierte mir einen großen, heißen Milchkaffee, drückte mir aufmunternd den Ellenbogen und machte sich daran, den Verstärker und das Mikrophon aufzubauen. Ich setzte mich vors Lokal, blickte straßauf, straßab und harrte der Menschen, die da kommen wollten. Nur – da kam niemand! War die Zeit den ganzen Tag über zäh und grausam dahin getropft, schien sie nun förmlich an mir vorüber zu rasen! Im Nu war es kurz vor Acht und der Gastraum mit Ausnahme einer guten Bekannten Francescos immer noch völlig leer! Als ich mich anschickte, nach drinnen zu gehen und abzusagen, bog mein guter Freund Timo atemlos um die Ecke. Ein Weilchen stand ich am verglasten Tresen wie bestellt und nicht abgeholt, vor den Kopf gestossen. So oft, so viel hatte man mir vor allem hier im Internet vorgeschwärmt, wie toll meine Geschichten wären, wie gut ich schreiben und erzählen könne, wie aufregend das sein wird, öffentlich vorzutragen, wie erfolgreich ich damit werden würde! Und nun dies! Das gesamte Publikum meiner ersten, so lange so heiß ersehnten und herbei geträumten Lesung bestand aus drei Personen! Francesco blickte mich erwartungsvoll an. Mein inneres Stimmchen grollte: “Sch… drauf, Margot! Du gehst jetzt auf die Bühne und liest!!!” Ich holte tief Luft und nickte Francesco zu. “Ich fang’ jetzt an. Kann ja gut möglich sein, daß noch Jemand kommt.” Der Wirt zuckte mit den Achseln. “Es ist dein Abend, deine Show. Du kannst tun, was immer du willst.”

Meine erste Lesung dauerte trotz aller Widrigkeiten fast eineinhalb Stunden. Nach meiner etwas holprig vorgetragenen Einleitung samt Scherz mit der Quietschfigur “Maestro Marcello Bücher-Nörgeli”, der kurzen Autobiographie und den ersten drei Geschichten hatte sich die Schar meiner Zuhörer auf sage und schreibe Fünf erhöht! Der Schlußapplaus war zwar weit von den lautstarken Ovationen einer zahlreichen Menschenmenge entfernt, tat aber dennoch wohl. Francesco schüttelte mir die Hand. “Hut ab! Du hast dich verdammt tapfer geschlagen. Ich hätte das nicht gekonnt, ich hätte abgesagt. – Deine nächste Lesung kündigen wir mit einem Plakat im Fenster an. Du wirst sehen, das wird schon! Beim nächsten Mal hast du die Hütte hier voll.”…

Bücher-123-Stöckchen

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Sonstiges mit den Tags , , , am Oktober 5, 2009 von freiedenkerin

Mit diesem literarischen Stöckchen hat mich die liebe Sunny beworfen.

1. Nimm das nächste Buch in deiner Nähe mit mindestens 123 Seiten.   Okay… Es ist das Werk “Konfuzius – Kung Fu Tse – Gespräche” in der Übersetzung von Richard Wilhelm. Das konnte ich jetzt von meinem Platz am Schreibtisch aus am leichtesten aus dem zunächst stehenden Bücherregal angeln.

2. Warum liegt (steht) das Buch in deiner Nähe?   Na ja, weil eben mein Schreibtisch unmittelbar bei einem Bücherregal steht. Und ich mich in dieses Buch selbstredend auch vertieft habe, weil mich die asiatische, insbesondere die chinesische Denkweise und Philosophie interessiert.

3. Schlage Seite 123 auf und suche den fünften Satz auf der Seite.   Moooomentn! Ja, jetzt hab ich’s: “Der Meister sprach: Es waren Würdige des Altertums.”

4. Poste die nächsten drei Sätze.   Der Schüler fragte weiter: “Waren sie mit ihrem Lose unzufrieden?” Der Meister sprach: “Sie erstrebten Sittlichkeit und erlangten sie. Was hätten sie unzufrieden sein sollen?”

Die Lehre des Konfuzius ist in China bis zur sogenannten Kulturrevolution die vorherrschende Philosophie, ja, sogar so etwas wie eine Staatsreligion gewesen. Konfuzianische Regeln bestimmten selbst die Organisation und den Aufbau chinesischer Bürokratie bis ins kleinste Glied. Noch im Jahre 1918 bestand die Prüfung eines Beamten-Anwärters im Abfragen, Zitieren und Ausführen von Abhandlungen Konfuzius’. Mir ist dieser – mit Recht – große Chinese allerdings teilweise etwas zu engstirnig, ja, spießbürgerlich, konservativ, zu diesseitig in seinen Ansichten. Ich bin eine sehr große Bewunderin des taoistischen Philosophen Dschuang Dsi, dessen Werk “Das wahre Buch vom Südlichen Blütenland” mir regelrecht ans Herz gewachsen ist und mir auch schon des Öfteren auf meinem Lebensweg als besänftigender, beratender, auch humorvoller Wegweiser gedient hat. Mich hat’s schon gejuckt, aufzustehen und aus meiner Handtasche den Meister Dschuang hervor zu kramen, aber ich wollte ja bei diesem Stöckchen net schummeln.   ;-)

Wer mag, kann sich’s gerne mitnehmen!

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