Archiv für Brauchtum

Faaaaasching!

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , , , , , am Februar 14, 2010 von freiedenkerin

… Weil einige von uns Mädels bei der lieben Chinomso unlängst von ach, so schönen, durchtanzten, durchgefeierten Faschingszeiten schwärmten, gibt’s jetzt a Buidl von mir im Münchner Faschingstreiben. Ist schon ein paar Jährchen her, aber a Gaudi war’s!…

… Jawoll, meine Herr’n, so haben wir es gern…

… Männer umschwirr’n mich wie Motten das Licht…  ;-)

Eine urbayerische Gaudi…

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , , , , , am Januar 24, 2010 von freiedenkerin

… während langer, finsterer Winterabende ist das Kartenspiel Watt’n. Mein Vater und sein jüngerer Bruder haben’s mir beigebracht, als ich so zehn Jahre alt gewesen sein mochte…

… Es wird besonders in ländlichen, bayerischen Wirtschaften und Gasthäusern an den Stammtischen ausgesprochen gerne – hm! – zelebriert, kann man schon fast sagen. Eine Schar Mannsbilder beim Watt’n und Kiebitzer (in die Karten Schauende) können einen ganzen Saal unterhalten, es wird geschauspielert, diskutiert, geschrieen, überboten, vor Ärger auf den Tisch gehauen, die Haare gerauft, es ist schlicht und ergreifend eine wahre Gaudi…

Das Spiel…

… ist das Altbayerische Kartenspiel, welches auch zum Schafkopfen verwendet wird, allerdings ohne die Sechsen…

…Die Farben (von links nach rechts): Eichel, Schelle, Gras und Herz…

… Am interessantesten und lustigsten ist Watt’n, wenn es zu Viert gespielt wird. Die beiden schräg gegenüber Sitzenden helfen jeweils zusammen…

… Dies sind die drei höchsten Trümpfe: Der Herzkönig, Max genannt, er sticht alles ohne Ausnahmen, der Schell-Siebener, der heißt Schelli bzw. Belli und sticht alles außer den Max, und der Eichel-Siebener, man bezeichnet ihn als Spitz oder Soacher, darf alle Trümpfe außer Max und Belli stechen…

… Es werden fünf Karten pro Spieler ausgeteilt, der linkerhand neben dem Geber platzierte bestimmt danach den Trumpf-Schlag, also As, König, Ober, Unter, Zehner etc., der Vordermann die Trumpffarbe…

… Hier lautet die Ansage des Schlags eindeutig As. Zwei “Kritische”, also Haupttrümpfe – Spitz und Belli – noch dazu, und einen Partner mit einem halbwegs guten Blatt auf der Hand, da hat man gute Chancen, dieses Spiel für sich zu entscheiden…

… Nun bestimmt der links oder gegenübersitzende Spieler die Trumpffarbe, quasi für die Gegenpartei. Und da gibt es keinen Zweifel, Eichel ist’s, man hat mit dem Gras-As insgesamt vier Trümpfe auf der Hand, zwar keinen “Kritischen”, aber verloren ist da noch gar nie nix!…

…Außerdem, wer weiß, was der Partner so alles zu bieten hat. Und jetzt wird’s drollig, weil sich nämlich die Spieler untereinander über die Stärke ihrer Karten informieren. Lautlos, mit Grimassen und Gesten. Ein Kussmund ist das Zeichen für den Max. Rechts zwinkern bedeutet Belli, links Spitz. Zucken mit dem rechten Zeigefinger: Man kann mit einem guten Trumpf aufwarten. Zucken mit dem Mittelfinger: Na ja, net schlecht, aber halt a nix Überwältigendes. Zucken mit dem kleinen Finger: Bloß a ganz a kloans Trümpferl. Augen gen Himmel verdrehen meint “Plafond”, man hat nix, aber auch gar nix Brauchbares auf der Hand…

… Eine Spiel zählt zwei Punkte, zwölf Punkte zählt eine Partie insgesamt, die Verlierer erhalten das sogenannte Pummerl. Beim dritten Stich wächst die Hochspannung. Welches Duo geht als Sieger hervor? Wenn eine “Mannschaft” gut zusammen agiert und sicher ist, dann kann sie “ausschaff’n”, das heißt, die Gegner zur Aufgabe auffordern: “Gemma!” oder “Schleicht’s euch!”. Haben die Angesprochenen nur mehr wenig zu bieten, dann werden sie daraufhin lamentierend, wehklagend oder fluchend wie die Fuhrknechte ihre Karten auf den Tisch werfen. Wenn sie allerdings davon überzeugt sind, noch so gut bestückt zu sein, um das Spiel doch für sich entscheiden zu können, dann entgegnen sie laut und barsch die Punktzahl steigernd: “Drei!” – “Vier!” – “Fünf!” Oh, oh! Der Gegner ist eine harte Nuss! Man kann sich hoch steigern, bis zwölf Punkte erreicht sind, dann heißt’s : “Ausg’schafft is’!” Und es folgt der Augenblick der Wahrheit…

… Vor Beginn der munteren Runde ist bereits entschieden worden, wie viele Pummerl insgesamt ausgetragen werden. Und was ein solches Pummerl wert ist, denn a bisserl a Belohnung soll’s nach so viel Einsatz von Hirn, Lautstärke, schauspielerischen Talenten, auch Muskelkraft schon geben! Es wird um Geld genau so gern gespielt wie um einige Runden Bier oder Schnaps. Ich meinerseits habe vor vielen Jahren einmal mit einem Ex-Chef als Partner um Frankenwein gewattet, pro Pummerl ein Bocksbeutel. Und wir hatten eine dermaßen starke Gewinnsträhne, dass ich danach die Lokalität auf allen Vieren verlassen musste…

Ich hoffe sehr, dass Watt’n, diese prächtige, zünftige, lebensvolle Gaudi, trotz hochmodernster elektronischer Spielereien auch heutzutage noch in den bayerischen Wirtschaften weiterhin gebührend gewürdigt wird…

A g’führig’s G’schenk…

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , , am Dezember 18, 2009 von freiedenkerin

 

… Nachdem die liebe Sany dem Worti erlaubt hat, bereits vor Heilig Abend die kleine Überraschung auszupapierln, welche sie ihm, der Gunny und mir geschickt hat, präsentiere ich hiermit nun…

… Das Weihnachts-München-Brettl!…

… Da erhält der Begriff “Münchner Brotzeit” doch gleich eine völlig neue Bedeutung!…

Liebe Sany, ich werd’ dieses Brettl in Ehren halten und sicherlich sehr oft benutzen!

Ein Weihnachtslieder-Stöckchen…

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Gedanken, Menschen, Religion, Sonstiges mit den Tags , , , , , am Dezember 10, 2009 von freiedenkerin

 

… kam heute von der lieben Tonari geflogen…

Warum das meine Lieblings-Weihnachtslieder sind?

“Jauchzet, frohlocket…” aus Johann Sebastian Bach’s Weihnachtsoratorium gefällt mir deshalb so sehr, weil darin die schier überwältigende Freude über das Menschwerden des Erlösers wunderbar zum Ausdruck gebracht wird…

“Driving home for Christmas…” – Oh, ich bin immer wieder ganz hin und weg von Chris Rhea’s sanfter, einschmeichelnder Reibeisenstimme! Die geht mir unter die Haut, vor allem dieser Song, welchen ich bei meinen vielen, vielen Reisen Richtung Heimat an den Weihnachtsfeiertagen stets im Ohr hatte…

Was gibt’s an Heilig Abend zu Essen?

Höchstwahrscheinlich gebackenen Karpfen mit Kartoffelsalat und selbstgemachter Remouladensoß’, für deren Zubereitung ich verantwortlich sein werde…  ;-)

Tannenbaum, Tannengrün, Weihnachtsschmuck?

Kein Tannenbaum, auch kein Tannengrün, Mieze Smokey würde dergleichen erbarmungslos binnen kurzem zerfleddert bzw. umgeworfen haben. Aber ein kleines Arrangement aus einem mit beim geringsten Hauch zitternden und blinkenden Silberblättchen verziertem Wurzelstock, einem lustigen Weihnachtsmann mit Knollennase, einem Nußknacker aus dem Erzgebirge und einem kleinen Porzellanengelchen, dessen weit geschwungenes Rockerl auch gleichzeitig als hell tönende Glocke dient…

Ich füge nun eine Zusatzfrage hinzu:

Welche Bedeutung hat das Weihnachtsfest für euch?

und werfe das Stöckchen hoch in die Luft!  ;-)

Berchtesgaden im Advent (2)

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Menschen, Religion, Sonstiges mit den Tags , , , , am Dezember 6, 2009 von freiedenkerin

… Der Watzmann, für mich einer der schönsten Berge, hat schon seinen Wintermantel an…

.. Mit ordentlich Holz vor der Hütt’n lässt sich auch ein strenger Winter überstehen…

… Wenn in der letzten Woche vor dem Heiligen Abend das Tal allmählich vom Schnee überzuckert wird…

… findet ein weiteres, vorweihnachtliches Brauchtum statt: Das Christkindl-Anschießen…

… Jeden Nachmittag um drei Uhr versammeln sich die Weihnachtsschützen der Ortschaften des Talkessels auf Anhöhen, um mit ihren klobigen, urtümlichen, handgefertigten Waffen, den Böllern, eine Art Salut zu schießen. Die Wurzeln auch dieses Brauches liegen im Heidnisch-Keltischen, wieder einmal geht es darum, durch eine möglichst große Lärmentfaltung böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Damit das Heil der Welt ungehindert das Licht derselben erblicken kann…

Die Berchtesgadener Weihnachtsschützen werden das erste Mal urkundlich im Jahre 1708 erwähnt. In den Zeiten des Nationalsozialismus bildeten sie eine Art Widerstandsgruppe gegen die Enteignung und Vertreibung etlicher Ansässiger vor allem des Obersalzbergs durch den Reichskanzler und seine Schergen. Die Kunst des Böllerschießens wird nicht nur während der Vorweihnachtszeit – und während der Christmette - gepflegt, sondern auch an Silvester, zu Ostern, Pfingsten und bei großen Hochzeiten. In der Adventszeit ist’s aber halt besonders beeindruckend, wenn die donnernden Salven durch das winterlich stille Tal grollen und das Echo von den Bergschroffen mannigfaltig zurück geworfen wird…

Berchtesgaden im Advent

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Menschen, Religion, Sonstiges mit den Tags , , , , , am Dezember 5, 2009 von freiedenkerin

 

… Wenn die Sonne sich um den Nikolaus-Tag herum hinter den schnee- und eisbekränzten Berggipfeln zur Ruhe begibt, wird’s unheimlich in Berchtesgaden. Urtümliche Schreie, der laute und dumpfe Hall riesiger Kuhglocken, das Rasseln von Ketten und das Rascheln von Stroh branden durch das kesselförmige Tal…

… Viele Bräuche des Berchtesgadener Landes sind eine Mischung aus heidnischen, vermutlich keltischen, und christlichen Riten. Durch eine möglichst große Lärmentfaltung böse Geister zu vertreiben, spielt bei uns eine sehr große Rolle. Am fünften und sechsten Dezember toben die Butt’nmanndl in ihren Horden, Bass’n genannt, durch die Ortschaften. Sie begleiten den Heiligen Nikolaus, der von Haus zu Haus wandert, um Kindern die Leviten zu lesen, sie aber auch mit kleinen Geschenken und Spezereien zu erfreuen…

… Butt’nmanndl darf nur ein lediger junger Mann werden – und der sollte über eine ausgezeichnete körperliche Konstitution verfügen! Bereits am frühen Nachmittag beginnen die Vorbereitungen. Die Burschen werden zunächst, am Boden liegend, auf eine kunstvolle Weise in übermannshohe Garben Stroh eingebunden, und dann aufgerichtet, an ihren Rücken werden sehr große, sehr schwere Kuhglocken befestigt und man setzt ihnen abschreckende Masken auf, eine handgeschnitzte Fratze oder einen Tierkopf mit lang heraus hängender Zunge und Hörnern…

… Eine Bass darf nie mehr als Zwölf zählen. Bevor sich die Furcht einflössende Schar auf den Weg macht, wird noch ein Gebet gesprochen und der Segen erteilt. Und dann geht sie los, die wilde Jagd, und jedem, der sich unvorsichtigerweise auf den Straßen blicken lässt, werden mit Haselnussruten oft schmerzhafte Hiebe verabreicht. Der Gefürchtetste der wilden Horde ist der Fellkrampus, bei uns Gangkerl genannt, wieselflink und athletisch setzt er den Flüchtenden nach, kaum ein Bursch oder Mäderl entkommt ihm…

… Das Toben geht bis weit in die Nacht hinein, und es ist immer wieder erstaunlich, wie viele brave und wohlerzogene Kinder es nach dem Nikolaus-Tag in Berchtesgaden gibt…

 

Projekt ABC – 20. Woche – Buchstabe “S” (4)

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Sonstiges mit den Tags , , , , , am September 23, 2009 von freiedenkerin

 

Seine Majestät, der Kini Ludwig II…

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… Auch er ziert die Giebelfront einer Schießbude (Nein, nein, nein, nicht, was ihr jetzt vielleicht Schelmisches denkt! Unser Kini is koa Schiaßbud’nfigur net!). Merke: Ohne unsere allerheiligst verehrte Majestät wird hier in Bayern nix, aber auch scho gar nix gefeiert! Scho gar net d’Wiesn!…

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… Des is koa Stub’n- sondern a Standltiger

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… Hoch hinauf und tief hinein in den prachtvollen,weißblauen, bayerischen Himmel geht’s mit dem Skyflyer

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Schee schräg präsentiert sich der Werbedrahtesel für’s Valentin Musäum…

Projekt ABC – 18. Woche – Buchstabe “R” (4)

Veröffentlicht in 1, Allgemein, Dies Und Das, Sonstiges mit den Tags , , , , am September 17, 2009 von freiedenkerin

 

Regenschwer, drückend, dampfig und wolkenverhangen…

… so präsentierte sich die Wiesn heute nachmittag, ungefähr 40 Stunden, bevor es heißt: “O’zapft is!” Allerorten wird noch emsig montiert, gebastelt, eingeräumt, installiert, aufgeräumt, vorbereitet, Probe gefahren…

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… Jetzt noch ein Cam-Underfoot-Buidl mit Riesenrad ganz hinten im Hintergrund ;-)

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Hula – der sprechende Tanz

Veröffentlicht in Allgemein, Gedanken, Gesellschaft, Menschen, Sonstiges mit den Tags , , , , am März 2, 2009 von freiedenkerin

 

Meine Lieben, nach einem kurzen Intermezzo am Wochenende, zumindest hier in Bayern, scheint sich der Vorfrühling für die nächste Zeit wieder rar zu machen. Daher schlage ich vor, wir halten uns - wenn auch nur virtuell – noch ein Weilchen in den Gestaden der Südsee auf…

Der hawaiianische Hula hat eine sehr lange Tradition. Die genaue Zeit seiner Entstehung liegt in der Düsternis längst vergangener Epochen verborgen, was uns aber weiters nicht groß stören sollte. Anhand vieler Überlieferungen scheint es aber so, daß er bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts den Männern vorbehalten gewesen ist.

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Mit diesem Tanze wurde dereinst so ungemein viel ausgedrückt. Zum einen hatte der Hula eine stark religiöse, mystische, mythologische Bedeutung. Zum Anderen diente er zur Übermittlung von Informationen, darunter auch das Wissen über die Bahnen der Gestirne, den Verlauf der Meeresströmungen, der Gezeiten, der Passatwinde. Die Polynesischen Völker waren meisterliche Seefahrer, Entdecker, Siedler, die bereits zu Zeiten die Weiten des Pazifiks durchmassen, als die Europäer noch dem Irrglauben verhaftet waren, die Erde sei eine Scheibe, und wage man sich zu weit auf den Ozean, würde man über den Rand ins Nichts kippen. Allerdings kannten sie keine Schrift. So mußten sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse mit anderen Mitteln weiter geben – und eines davon war der Hula. Jede Arm- und Handbewegung, jede Fußstellung, Neigung des Körpers, Wendung des Kopfes hatte Symbolcharakter, eine eigene, tiefe Bedeutung. Die Polynesier konnten mithilfe des Tanzes Geschichten erzählen, nicht unähnlich den Kundschafterinnen eines Bienenvolkes.

Nachdem Sir James Cook die weitab gelegenen Eilande entdeckt und nach seinem Gönner Sandwich-Inseln benannt hatte, setzte der Zustrom des Weißen Mannes ein. Raue Walfänger und Freibeuter brachten den hawaiianischen Völkern nicht nur Handel und Wirtschaft, sondern auch todbringende Seuchen. Masern, Röteln, Pocken und Grippe dezimierten innerhalb weniger Jahrzehnte die Urbevölkerung um mehr als die Hälfte. Dazu gesellten sich noch diverse Geschlechtskrankheiten. Die Seefahrer missverstanden die Unverkrampftheit der Hawaiianer/innen, für welche Sexualität und das Unverhülltsein des Körpers völlig natürliche Gegebenheiten und Ausdruck von Lebensfreude waren. Einwandernde, in der Regel sehr puritanische Missionare sahen in den ursprünglichen Sitten und Gebräuchen die Lasterhaftigkeit schlechthin, das Fehlen jeglicher Moral und allen Schamgefühls. Seit vielen Jahrhunderten praktizierte Traditionen wurden rigoros untersagt, so auch der Hula, dessen intensive, manchmal ausgesprochen sinnliche Körpersprache als Sünde, als Teufelswerk schlechthin galt.

Der hawaiianische König David Kalakaua, musisch hochbegabt, höchst intelligent und seinem Volke gegenüber ausgesprochen sozial eingestellt, verhalf diesem Gebärdentanz im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert zu einer Art Renaissance. In die bis dahin üblichen untermalenden Gesänge und die rhytmische Begleitung mittels Schlagstöcken mischte sich zusehends auch westliches Musikgut. Hula wurde nunmehr hauptsächlich von Frauen und Mädchen vorgetragen, deren Körper schicklich durch bodenlange, farbenfrohe Kattun-Kleider, sogenannte mu’umu’u verhüllt wurden.

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In den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde Hawaii Anlaufpunkt mondäner Kreuzfahrtschiffe und Luxusjachten. Die Popularität des Inselarchipels als Urlaubsparadies wuchs ins schier Unermeßliche. Der Hula verkam zur abgeleierten Dutzendware, zur Touristenattraktion, lieblos dargeboten von gelangweilten Chorgirls in Kunststoff-Baströckchen mit Plastik-Blumenkränzen um den Hals.

In den Siebzigern schlug die Geburtsstunde der Hawaiian Nation. Beherzte Eingeborene setzten – und setzen sich stärker denn je! – das Ziel, Hawaii durch Nutzung friedlicher und vernunftgesteuerter Mittel und Wege zurück zu führen in die Selbständigkeit, zur eigenverantwortlichen, souveränen Republik mit demokratischer Regierung. Eines der Hauptanliegen dieser Bewegung ist das Wiedererwecken und Pflegen altüberkommender Traditionen. Erste Erfolge sind – sehr erfreulicherweise! – bereits zu vermelden. An sämtlichen Grundschulen des – noch – fünfzigsten Bundesstaates der Vereinigten Staaten wird als Pflichtfach seit einigen Jahren wieder die polynesische Muttersprache unterrichtet. Die zuhauf angebotenen Kurse, welche das Unterrichten alter Gebete und Gesänge, das Unterweisen in der ursprünglichen Mythologie und Religion beinhalten, erfreuen sich ungemein regen Zulaufes. Die Begeisterung für die traditionellen Formen des Hulas nimmt stetig zu.

Die Hawaiian Nation sieht zur Zeit mehr als nur einen schmalen Silberstreif am Horizont. Der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, wuchs nahe Honolulu, Oahu, auf. Er studierte an der Hawaiian Pacific University. Letzten Informationen zufolge steht er den Belangen der Unabhängigkeitsbewegung Hawaii’s recht aufgeschlossen gegenüber…

… Ein Muß für jeden Hawaii-Erkunder ist ein Besuch der Kodak-Hula-Show. Während dieser gut zweistündigen Veranstaltung wird in einer eigens dafür errrichteten Arena ein sehr informativer und gut gestalteter Einblick in die Geschichte und Entwicklung des Gebärdentanzes dargeboten…

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Im Hintergrund sieht man die kúpuna, was so viel heißt wie “geachtete Ältere”, sie begleiten mit ihren Instrumenten – Ukulele, Gitarre und Baß – und Gesang den hula ‘auwana, die von König David Kalakaua angeregte moderne Form des Tanzes. Ipu heke und ‘uli ‘uli, Flaschenkürbisse und Schlagstöcke, finden bei der altüberlieferten Form, dem hula kahiko, Verwendung.

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Der Tradition gemäß sind der ti-Blatt-Rock (Bananen- bzw. Palmblätter), sowie der Blumenschmuck am Kopf. Zugeständnisse an westliche, “zivilisierte” Gepflogenheiten sind der Lei - Blumenkranz – sowie das farbenfrohe Top (und der grüne Slip!).

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Hula ist ganz ohne Frage ein ungemein vielschichtiger Tanz – der Ausdruck von Lebensfreude und Vitalität an der Oberfläche, das Übermitteln von Mythologien, Botschaften – vom einfachen “Ich liebe dich” bis hin zur kompliziertesten “Seekarte” – verborgen in den vielfältigsten Gesten von Armen, Händen, Beinen, Kopf, und auch der Mimik. In jedem Falle ist er be- und verzaubernd…

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Ich sage mit den Mädels und Jungs von der Hula-Show “Aloooha!”. Bis zur nächsten Exkursion. Wir werden entweder mit dem Bus einen Ausflug nach Honolulu oder rund um die Insel Oahu machen oder aber eine Wanderung durch den paradiesischen Waimea-Falls-Park. Schaun ma mal…

 

 

Tante Bobby’s Volksweise

Veröffentlicht in Allgemein, Gedanken, Gesellschaft, Menschen, Sonstiges mit den Tags , am Dezember 17, 2008 von freiedenkerin

Die Tante Bobby aus Miesbach ist mit ihren über siebzig Jahren nach wie vor eine stattliche und schöne Frau, mit ihrem silberweißen, dichten, aus der hohen Stirn gekämmtem Schopf, den großen, strahlenden, nußbraunen Augen und der hochgewachsenen, schlanken Statur. Sie gilt als ein wandelndes Schatzkästchen, was Volksdichtung und -weisen aus dem oberbayerischen Raum betrifft. Während der Pause unseres gestrigen Kerzerlabends durfte ich mich länger mit ihr unterhalten und sie hat mir ein kleines Schmuckstück aus ihrem schier unerschöpflichen Vorrat an bodenständigem Liedgut verehrt:

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Die klingan oft so schaurig.

Abschiadsliada mog i net,

Di macha’n mi so traurig.

Drum sing i mei kloans Liadl

So stad vor mi hi’,

Loos auf’n Text und merk da a de kloane Melodie.

 

Mach’ da’s schee und denk stets dro,

Die Zeit geht schnell vorbei.

Was amoi verganga is,

Ohne Liab und Glück

Kummt -

A wann’st da’s no so willst -

Nia mehr zurück.

 

Liabesliada sing i net

Weil’s doch so oft net wahr san.

Opernarien konn i net,

Weil di für mi vui’ts schwar war’n.

Drum sing i wann i aloanig bin,

Mei Liadl vor mi hi.

Du woaßt’ as scho,

Du kennst an Text und a die Melodie.

 

Mach da’s schee und denk stets dro,

De Zeit geht schnell vorbei.

Was amoi verganga is

Ohne Liab und Glück

Kimmt -

A wann’st das no so willst -

Nie mehr zurück.

 

http://freidenkerin.com

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