Meine Lieben, nach einem kurzen Intermezzo am Wochenende, zumindest hier in Bayern, scheint sich der Vorfrühling für die nächste Zeit wieder rar zu machen. Daher schlage ich vor, wir halten uns - wenn auch nur virtuell – noch ein Weilchen in den Gestaden der Südsee auf…
Der hawaiianische Hula hat eine sehr lange Tradition. Die genaue Zeit seiner Entstehung liegt in der Düsternis längst vergangener Epochen verborgen, was uns aber weiters nicht groß stören sollte. Anhand vieler Überlieferungen scheint es aber so, daß er bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts den Männern vorbehalten gewesen ist.

Mit diesem Tanze wurde dereinst so ungemein viel ausgedrückt. Zum einen hatte der Hula eine stark religiöse, mystische, mythologische Bedeutung. Zum Anderen diente er zur Übermittlung von Informationen, darunter auch das Wissen über die Bahnen der Gestirne, den Verlauf der Meeresströmungen, der Gezeiten, der Passatwinde. Die Polynesischen Völker waren meisterliche Seefahrer, Entdecker, Siedler, die bereits zu Zeiten die Weiten des Pazifiks durchmassen, als die Europäer noch dem Irrglauben verhaftet waren, die Erde sei eine Scheibe, und wage man sich zu weit auf den Ozean, würde man über den Rand ins Nichts kippen. Allerdings kannten sie keine Schrift. So mußten sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse mit anderen Mitteln weiter geben – und eines davon war der Hula. Jede Arm- und Handbewegung, jede Fußstellung, Neigung des Körpers, Wendung des Kopfes hatte Symbolcharakter, eine eigene, tiefe Bedeutung. Die Polynesier konnten mithilfe des Tanzes Geschichten erzählen, nicht unähnlich den Kundschafterinnen eines Bienenvolkes.
Nachdem Sir James Cook die weitab gelegenen Eilande entdeckt und nach seinem Gönner Sandwich-Inseln benannt hatte, setzte der Zustrom des Weißen Mannes ein. Raue Walfänger und Freibeuter brachten den hawaiianischen Völkern nicht nur Handel und Wirtschaft, sondern auch todbringende Seuchen. Masern, Röteln, Pocken und Grippe dezimierten innerhalb weniger Jahrzehnte die Urbevölkerung um mehr als die Hälfte. Dazu gesellten sich noch diverse Geschlechtskrankheiten. Die Seefahrer missverstanden die Unverkrampftheit der Hawaiianer/innen, für welche Sexualität und das Unverhülltsein des Körpers völlig natürliche Gegebenheiten und Ausdruck von Lebensfreude waren. Einwandernde, in der Regel sehr puritanische Missionare sahen in den ursprünglichen Sitten und Gebräuchen die Lasterhaftigkeit schlechthin, das Fehlen jeglicher Moral und allen Schamgefühls. Seit vielen Jahrhunderten praktizierte Traditionen wurden rigoros untersagt, so auch der Hula, dessen intensive, manchmal ausgesprochen sinnliche Körpersprache als Sünde, als Teufelswerk schlechthin galt.
Der hawaiianische König David Kalakaua, musisch hochbegabt, höchst intelligent und seinem Volke gegenüber ausgesprochen sozial eingestellt, verhalf diesem Gebärdentanz im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert zu einer Art Renaissance. In die bis dahin üblichen untermalenden Gesänge und die rhytmische Begleitung mittels Schlagstöcken mischte sich zusehends auch westliches Musikgut. Hula wurde nunmehr hauptsächlich von Frauen und Mädchen vorgetragen, deren Körper schicklich durch bodenlange, farbenfrohe Kattun-Kleider, sogenannte mu’umu’u verhüllt wurden.


In den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde Hawaii Anlaufpunkt mondäner Kreuzfahrtschiffe und Luxusjachten. Die Popularität des Inselarchipels als Urlaubsparadies wuchs ins schier Unermeßliche. Der Hula verkam zur abgeleierten Dutzendware, zur Touristenattraktion, lieblos dargeboten von gelangweilten Chorgirls in Kunststoff-Baströckchen mit Plastik-Blumenkränzen um den Hals.
In den Siebzigern schlug die Geburtsstunde der Hawaiian Nation. Beherzte Eingeborene setzten – und setzen sich stärker denn je! – das Ziel, Hawaii durch Nutzung friedlicher und vernunftgesteuerter Mittel und Wege zurück zu führen in die Selbständigkeit, zur eigenverantwortlichen, souveränen Republik mit demokratischer Regierung. Eines der Hauptanliegen dieser Bewegung ist das Wiedererwecken und Pflegen altüberkommender Traditionen. Erste Erfolge sind – sehr erfreulicherweise! – bereits zu vermelden. An sämtlichen Grundschulen des – noch – fünfzigsten Bundesstaates der Vereinigten Staaten wird als Pflichtfach seit einigen Jahren wieder die polynesische Muttersprache unterrichtet. Die zuhauf angebotenen Kurse, welche das Unterrichten alter Gebete und Gesänge, das Unterweisen in der ursprünglichen Mythologie und Religion beinhalten, erfreuen sich ungemein regen Zulaufes. Die Begeisterung für die traditionellen Formen des Hulas nimmt stetig zu.
Die Hawaiian Nation sieht zur Zeit mehr als nur einen schmalen Silberstreif am Horizont. Der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, wuchs nahe Honolulu, Oahu, auf. Er studierte an der Hawaiian Pacific University. Letzten Informationen zufolge steht er den Belangen der Unabhängigkeitsbewegung Hawaii’s recht aufgeschlossen gegenüber…
… Ein Muß für jeden Hawaii-Erkunder ist ein Besuch der Kodak-Hula-Show. Während dieser gut zweistündigen Veranstaltung wird in einer eigens dafür errrichteten Arena ein sehr informativer und gut gestalteter Einblick in die Geschichte und Entwicklung des Gebärdentanzes dargeboten…

Im Hintergrund sieht man die kúpuna, was so viel heißt wie “geachtete Ältere”, sie begleiten mit ihren Instrumenten – Ukulele, Gitarre und Baß – und Gesang den hula ‘auwana, die von König David Kalakaua angeregte moderne Form des Tanzes. Ipu heke und ‘uli ‘uli, Flaschenkürbisse und Schlagstöcke, finden bei der altüberlieferten Form, dem hula kahiko, Verwendung.

Der Tradition gemäß sind der ti-Blatt-Rock (Bananen- bzw. Palmblätter), sowie der Blumenschmuck am Kopf. Zugeständnisse an westliche, “zivilisierte” Gepflogenheiten sind der Lei - Blumenkranz – sowie das farbenfrohe Top (und der grüne Slip!).

Hula ist ganz ohne Frage ein ungemein vielschichtiger Tanz – der Ausdruck von Lebensfreude und Vitalität an der Oberfläche, das Übermitteln von Mythologien, Botschaften – vom einfachen “Ich liebe dich” bis hin zur kompliziertesten “Seekarte” – verborgen in den vielfältigsten Gesten von Armen, Händen, Beinen, Kopf, und auch der Mimik. In jedem Falle ist er be- und verzaubernd…



Ich sage mit den Mädels und Jungs von der Hula-Show “Aloooha!”. Bis zur nächsten Exkursion. Wir werden entweder mit dem Bus einen Ausflug nach Honolulu oder rund um die Insel Oahu machen oder aber eine Wanderung durch den paradiesischen Waimea-Falls-Park. Schaun ma mal…