… Ausnahmsweise bin ich einmal bei Frau Quizzy’s virtuellem Stadt-Land-Fluss-Projekt pünktlich zur Stelle…
… Dieser Post zum Buchstaben “H” ist gleichzeitig auch die Fortsetzung von “Eine Reise ins Paradies”…
… Hagnau am Bodensee…

… An diesem im Grunde recht beschaulichen Dörfchen mit ca. 1.700 Einwohnern (während der Sommerzeit sind’s allerdings zehnmal so viel), das vom Wein- und Obstanbau, sowie vom Tourismus lebt, bin ich letzten Herbst schon einmal vorbei gekommen, allerdings damals lediglich auf dem Weg von Meersburg, wo ich einen unvergesslichen Nachmittag mit Claudi verbringen durfte, nach Friedrichshafen, voll der Hoffnung, mein für den kommenden Tag angekündigter Zeppelinflug würde statt finden, was dann leider, leider des hartnäckigen Nebels wegen nicht der Fall gewesen ist…
… Nun also durfte ich, einer geheimnisvollen “Einladung” eines Weinflaschen-Etiketts folgend, ein bisschen mehr von Hagnau (ca. 4 km östlich von Meersburg und ca. 17 km westlich von Friedrichshafen am Nordufer des Bodensees gelegen) kennen lernen…


… Solche Körbchen mit Erzeugnissen aus den heimischen Obstgärten findet man rund um den Bodensee zur Zeit quasi an jeder Straßenecke. Ich finde das Vertrauen der Ansässigen stets so wunderbar, man bietet die Früchte, den Honig, die Marmeladen, Schnäpse und Liköre aus eigener Produktion ganz simpel auf einem Bier- oder Tapeziertisch vor dem Haus feil. Und stellt eine Art Kasse dazu. Mit einem Schildchen, was wieviel kostet. Und dann setzt man auf die Ehrlichkeit der Passanten. So etwas wäre hier in München undenkbar…

… Schöne Zunftschilder…


… Lebenslustig-weise Sprüche an einer Fachwerkhaus-Fassade…



… Vor dem mächtigen Anwesen “Drei Löwen” ist der sehr sorgfältig gestaltete Brunnen “Schneeballen” zu sehen, eine von etlichen Gedenkstätten für den wohl berühmtesten Bewohner Hagnau’s. Davon alsbald ein bisserl mehr…



… Sowohl inmitten eines Weinbergs als auch im Ortszentrum gelegen: Die spätgotische Pfarrkirche St. Johann Baptist. Der ca. 48 mtr. hohe Turm stammt teilweise noch aus der romanischen Zeit. Schiff und Chor wurden 1729 barock umgebaut…

… Von den regional sehr berühmten Schnitzfiguren fehlt seit dem Jahre 1963 die des Evangelisten Johannes. Nach einem Jahrhunderte alten Brauch wird sie bei jeder “Seegfrörne” – wenn der Bodensee vollständig zugefroren ist – zwischen Hagnau und der Ortschaft Münsterlingen am Schweizer Ufer in feierlicher Prozession über das Eis getragen. Es kann noch sehr, sehr, sehr viele Jahre dauern, bis die Heiligenfigur wieder an ihren angestammten Platz im Hagnauer Kircherl zurück kehren kann…


… Einst wurde das weitläufige Anwesen mit der Tordurchfahrt “Weingartner Hof” genannt, heute sind darin sowohl das Rathaus als auch der ortsansässige Winzerverein untergebracht. Links neben der Durchfahrt ist ein Denkmal des populärsten Hagnauer Bürgers zu sehen, des Pfarrers Heinrich Hansjakob, einer ausgesprochen interessanten, schillernden, auch zwiespältigen und umstrittenen Persönlichkeit. Er wirkte von 1869 bis 1884 als Dorfpfarrer, und machte sich zudem als Heimatschriftsteller und Kommunalpolitiker einen bis heute in der Region unvergessenen Namen…

… Dr. Heinrich Hansjakob gründete 1881 in Hagnau die erste Winzergenossenschaft Badens und verhalf somit den einheimischen Weinbauern zu angemessenen Preisen für ihre sorgsam kultivierten Rebsorten…


… Zurück am kleinen Hagnauer Hafen durfte ich einige Viechereien beobachten:…
… “Mama, Mama, i hab soooooo Hunger!” – “Na, guat, des oane Moi gib’ i dir no was ab, aber in Zukunft holst da dei Futta selba.”…

… “Pffff! Wenn i nix von deiner Eiswaffel hab’n derf, dann bin i halt beleidigt!”…

… Himmelsspinne…

… Wie im Paradies, so wachsen einem beim Bummel durch Hagnau die Früchte beiderseits der Gässchen förmlich in die Hände…




… Allmählich packte mich auf meiner Tour durch das Dorf ein gesunder Hunger, ich hatte seit dem opulenten Sandwich in Lindau nichts mehr zu mir genommen, und das war nun schon eine geraume Weile her. So machte ich kehrt und spazierte zurück zum See, um es mir auf einer gemütlichen Terrasse gut gehen zu lassen…
… Fortsetzung folgt…