Verliebt…
… in Berlin (Teil 2)
Nach einem ausgedehnten Frühstück ging es am Samstag Morgen schnurstracks Richtung Alexanderplatz. Zu Recht meinte Tonari, daß man sich vom Fernsehturm aus den besten Überblick über Berlin verschaffen könne. Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich am Abend zuvor Rufe der Entrüstung bei meinen Gastgebern ausgelöst hatte, weil ich aus Versehen Funk- statt Fernsehturm gesagt hatte. Ich gelobe hiermit schriftlich und vor aller Welt, daß mir dieser Lapsus Lingue nie, nie, nie wieder passieren wird – und sollte ich hundert Jahr’ alt werden!
Nach dem Kauf der Tickets erfuhren wir, daß uns eine Wartezeit von ca. einer Stunde bevor stehen würde. Also machten wir uns auf die Strümpfe zu einen kleinen Rundgang…

… Unser Weg führte uns zunächst zum Neptunbrunnen. Er wurde auf eine Initiative von Karl Friedrich Schinkel im Jahre 1888 von Reinhold Begas entworfen und errichtet. Die vier, am Rande von Europa’s größtem Brunnenbecken sitzenden, Jungfrauen symbolisieren durch in den Händen gehaltene Gegenstände vier bedeutende deutsche Flüsse: Fischnetz + Weinlaub = Rhein, Holzklötze = Weichsel, Ziege + Fell = Oder, Ähren + Früchte = Elbe. Dahinter ragt die 1292 erstmals urkundlich erwähnte St. Marienkirche auf…

… Diese uniform gewandete Truppe mit den leuchtend roten Socken, Schuhen und Aktentaschen ist nicht etwa eine Abordnung von “Horch + Guck”, nein, es handelt sich hier um die Darsteller eines Werbespots für eine Schuhmarke, welcher grade in Szene gesetzt wurde…

… Diese beiden Herren, mit augenzwinkerndem und verschmitztem Berliner Schalk, der mich während des Wochenendes immer wieder sehr begeisterte und erheiterte, Sakko und Jacketti genannt, in Wahrheit handelt es sich hierbei natürlich um Karl Marx und Friedrich Engels, nahmen mich – vielleicht wegen meiner roten Jacke? – geduldig in ihre Mitte, damit die liebe Tonari a Buidl von uns Dreien machen konnte…

… Vorbei ging’s am Roten Haus vom Roten Klaus, dem Berliner Rathaus. Es wurde in den Jahren 1861 – 69 in Anlehnung an den Baustil der Hochrenaissance errichtet…

… Die Zwillingstürme der Nikolaikirche beschatten das gleichnamige Stadtviertel. Hier befand sich im Mittelalter sozusagen die Wiege Berlins. Nach den verheerenden Bombardements der letzten Kriegstage stand allerdings von den historischen Bauten kein Stein mehr auf dem anderen. Man hat während der vergangenen gut vierzig Jahre eine behutsame Rekonstruktion versucht, hier laden ruhige, kopfsteingepflasterte Gassen mit vielen niedlichen Geschäften und Lokalen, Denkmälern und Brunnen zum Stöbern und Verweilen ein…

… Heinrich Rudolf Zille – einer der ganz Großen Berlins. Er war Lithograf, Grafiker, Zeichner und Autor und fand die Anregungen für seine ungezählten Werke im sogenannten Berliner “Milljöh” der Kaiserzeit. Wegen seiner nicht nur ausgesprochen humorvollen, liebenswerten und warmherzigen, sondern sehr oft auch bitterbösen und sozialkritischen Darstellungen war er seinerzeit nicht ganz unumstritten…

… Ganz nahe bei Zille’s Statue findet sich diese wunderschöne Wasserpumpe…

… Wenn man mit Tonari auf Tour ist, darf natürlich das Bildnis eines Berliner Kanaldeckels auf gar keinem Falle fehlen…

… Während der Heilige St. Georg im Kampfe gegen den wilden, bösen Drachen verzweifelt nach seinem Schwert sucht, welches ihm vor einigen Jahren von Scherzbolden geklaut worden ist…

… Hund und Katz auf diesem schönen Gasthausschild einander zu haschen versuchen…

… und der Berliner Bär würdevoll hoch droben auf seiner Brunnensäule thront…

… hat seine gnädigste Frau Gemahlin – die mit dem Krönchen auffem Kopp – ihren Hofstaat zu einem kleinen Schwätzchen einberufen…
… Die Stunde näherte sich allmählich ihrem Ende, sie war recht kurzweilig vergangen, und wir machten uns auf den Rückweg zum Fernsehturm. Die Rundum-Ansichten von dort oben gibt’s dann morgen zu bestaunen…