Die Welt braucht Draufgänger!…

… Vergangenen Sonntag stürzte sich scheinbar tollkühn der Österreicher Felix Baumgartner, der zuvor mit seiner an einem Helium-Ballon hängenden Kapsel in 39 Kilometer Höhe aufgestiegen war, in den fast luftleeren Raum der Stratosphäre, und raste mit einer Geschwindigkeit von bis über 1.300 Stundenkilometern Richtung Erde. Er hatte sich insgesamt sieben Jahre lang sehr sorgfältig auf dieses Abenteuer vorbereitet, sein Sponsor ca. 55 Millionen Euro investiert…

… Natürlich verstehe ich solche Einwände a la “Man hätte das Geld lieber für Sinnvolleres verwenden sollen”. Wir sind ja gottlob nun mal allesamt voneinander verschieden, unsere Ansichten und Einsichten jeweils anders gelagert. – Aber, mal ganz ehrlich, wo wäre die Menschheit heutzutage, wenn wir immer nur das “Sinnvolle” getan hätten?…

… Jene Vorfahren, die vor zigtausend Jahren als erste brennende Äste aus einem wüst lodernden Buschbrand gerissen, und in die Höhlen ihres Clans getragen hatten, um ein wärmendes Lagerfeuer zu entfachen, die als erste mit grob geschliffenen Steinäxten auf ein drohend mit den Hufen scharrendes Beutetier los stürmten, und es erlegten, sind mit Sicherheit Draufgänger gewesen!…

… Gäbe es keine tollkühnen und wagemutigen Abenteurer, würden wir nach wie vor in zugigen Höhlen hausen, Felle tragen und Steine klopfen, und die Sicht auf “unsere” Welt hätte ungezählte sogenannte “weiße Flecken”. Es waren die “Verrückten”, die Hasardeure, die Kühnen und Tollkühnen, die Kontinente und ferne Länder entdeckten. Es waren diejenigen, welche sich nicht dem Gebot der “Vernunft”, des “Sinnvollen”, beugten, die Dampfmaschinen, Autos und Flugzeuge erfanden, die Nutzbarkeit des elektrischen Stroms uns allen zugänglich machten. Ohne den halsbrecherischen Wagemut amerikanischer und russischer Testpiloten gäbe es keine Raumfahrt. – Auch zum Heilen und Helfen bedarf es sehr mutiger Pioniere! Denn bevor ein neues Medikament, eine revolutionäre Operations-Methode, eine neue medizinische Therapie den gewünschten Erfolg zeitigen kann, werden diese von risikofreudigen, “unvernünftigen” Menschen in sogenannten klinischen Studien erst einmal am eigenen Leibe erprobt!…

… Und – muss denn hinter solch einer Aktion wie dem “Weltraum-Sprung” von Felix Baumgartner immer ein nutzbarer und offenkundiger “Sinn” und “Zweck” stehen? Er hatte einen Traum, hat jahrelang darauf hingearbeitet, überaus hart trainiert, und ihn sich vergangenen Sonntag erfüllt. Dies verdient unseren Respekt, finde ich. Es gibt nicht Viele, die eine solche Beharrlichkeit an den Tag legen. – Und dazu noch ein gerüttelt Maß an Anstand: Felix Baumgartner zog nach 4:20 Minuten freien Falls die Reißleine seines Fallschirms. Hätte sein Sturz noch weitere achtzehn Sekunden angedauert, dann hätte er den seit 52 Jahren bestehenden Weltrekord seines Freundes und Mentors John Kittinger gebrochen. Er tat dies jedoch nicht, obwohl es ihm ein Leichtes gewesen wäre. Aus Respekt und Zuneigung für diesen Mann. In einer Welt, in der “Ehren”, Titeln und Rekorden so sehr skrupellos und alle Menschlichkeit außer acht lassend hinterher gehetzt wird, hat solch eine ehrenvolle Haltung fast schon Seltenheitswert…

… Ich fand es wunderbar, ja, geradezu herrlich, letzten Sonntag einen höchst spannenden Abend lang von Horror-Medien-Meldungen über die Eurokrise und den Syrien-Konflikt verschont worden zu sein. Es war für mich wie in längst vergangenen Kinderzeiten, als wir atemlos und angespannt vor unserem ersten Fernseher kauerten und die Starts der Mercury- und Gemini-Astronauten verfolgten, als ich nächtelang keinen Schlaf fand, weil ich die Bücher des norgwegischen Forschers/Abenteurers Thor Heyerdahl regelrecht verschlang, und mir so sehnlich wünschte, mit an Bord des Balsaholz-Floßes “Kon-Tiki”, der Papyrusboote “Ra I” und “Ra II” und “Tigris”, oder während der Erkundung der Osterinsel an seiner Seite gewesen zu sein…

… Zum Schluß: Für Felix Baumgartner hatte dieser Sprung seinen Sinn, sonst hätte er ihn ja nie ausgeführt. Und das zählt…

… Es lebe das Abenteuer!!! Ein Hoch auf die “Verrückten”, die Wagemutigen, die Tollkühnen, die Beherzten!!! Sie sind es, die das Rad der Welt immer und immer wieder ein Stückchen weiter drehen!!!…

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25 Antworten zu “Die Welt braucht Draufgänger!…”

  1. Es sind auch die Verrückten, die sich unspektakulär im stillen Kämmerlein zum Hungerlohn oder Nulltarif selbst ausbeuten, ganz ohne Sponsor und auch ohne Applaus. Es sind jene, die ehrenamtlich tätig sind und es sind auch Kunstschaffende und Freischaffende, über die man oft die Nase rümpft. Posthum aber werden einige wenige von ihnen gefeiert und kommerzialisiert, doch DEN Sponsor brauchen sie dann auch nicht mehr.

    Du hast recht mit dem, was du sagst. Nur dieses Messen mit zweierlei Maß, das k*tzt mich zuweilen an. All jene “Abenteuer”, die ohne Getöse ablaufen, sind in unserer Gesellschaft nichts wert. Schade eigentlich …

    Gruß aus dem stillen Kämmerlein, sponsorfrei
    Elke

    • Ich weiss sehr gut, was du meinst. Und stimme dir voll und ganz zu. Da ich selber “verrückt” bin und eine Neigung zum Abenteuern habe, darf ich auch so ab und an das Naserümpfen, das Geschnittenwerden, die Nichtachtung und den Spott “genießen”…
      Wir haben seit Anbeginn der sogenannten “Zivilisation” einen Drang danach, alles und alle über einen Kamm scheren zu wollen, anzupassen, gleichförmig zu machen. So wie eine große Schafherde von der Ferne aus wirkt: Ein Haufen weißgelockter Rücken mit geduckten Köpfen, die alle gleich aussehen. Egal, ob von den Medien in die Öffentlichkeit gerückt, oder allein im Stillen Kämmerlein – als schwarzes oder hoch erhobenes Schaf aus dem Pulk heraus zu stechen ist immer schon unbeliebt, manchmal sogar gefährlich gewesen…
      Ich grüße dich ebenfalls sponsorfrei aus meinem Stillen Kämmerlein ganz lieb zurück! ♥

  2. Ich bin absolut deiner Meinung. Gestern habe ich schlichtweg mit einer Handbewegung eine Kassiererin abgewürgt, die andere Verwendungsmöglichkeiten der vielen Millionen Euro andeuten wollte. Wie heißt es so schön: “Stillstand ist Tod”.
    In diesem Sinne noch einen guten Nachmittag und Feierabend.
    lg magdalena

    • Da spielt bei Vielen auch so etwas wie Neid mit, denke ich mal. Neid auf den Wagemut, und auch auf die 55 Millionen Euro… Und wenn der Unternehmer, welcher diesen Sprung gesponsort hat, dieses Geld in medizinische Forschungen oder wohltätige Zwecke gesteckt hätte, dann gäbe es immer noch eine Unzahl an Neidern, die daran etwas zu benörgeln hätten…
      Danke! Ich habe heute frei – diese Woche leider nur einen Tag, weil ich mich freiwillig für eine Schulung gemeldet habe, die morgen stattfinden wird. In anderen Unternehmen wird Fortbildung gefördert, bei uns wird man dafür “bestraft”. ;-)
      Liebe Grüße!

  3. Ich kann beide Seiten verstehen. Auf der einen Seite sterben Millionen Kinder an Hunger. Klar kann man da sagen, dass der Sponsor so seine Millionen anders hätte einbringen können. Ist nun mal so.
    Die andere Seite ist die der Verrückten, der Wilden. Deine wirklich sehr gut dargelegten Argumente verstehe ich aber auch. Die haben ebenso Hand und Fuss und an denen gibt es auch nichts zu rütteln.
    Fakt ist, dass die Leistung des überaus tollkühnen Felix schon was ganz Exklusives war. Das sieht man nicht gleich wieder. Und wer weiß, wozu der Sprung gut war. Vielleicht doch ein großer Schritt auch in der Forschung.
    Man muss nicht immer alles verstehen, aber man darf auch nicht immer alles schlechtreden.

    • Hand auf’s Herz, Mandy, und ganz, ganz ehrlich: Würde dir ein sehr vermögender Sponsor viel Geld anbieten, damit du dir den Traum deines Lebens erfüllen könntest, würdest du dann ablehnen und sagen: “Nein, nein, ich verzichte, geben Sie die Kohle lieber verhundernden und schwerst kranken Menschen, oder stecken Sie’s ihn wohltätige Projekte!” ??? ;-) Noch dazu – es sind Privatgelder gewesen, die den Sprung des F. Baumgartner ermöglicht haben. Dafür musste kein einziger kleiner Steuerzahler bluten, und kein Lobbyismus-Politiker sich krumm machen…
      Viele Fortschritte in Wissenschaft und Forschung haben sich erst lange Jahre danach als sinnvoll heraus gestellt. Und sehr, sehr viele jener Verrückten und Wilden wurden zu ihren Lebzeiten schlecht gemacht, schlecht geredet und verächtlich angesehen – und heutzutage profitieren wir von ihren Abenteuern, Entdeckungen und Erfindungen… ;-)

      • Ich sagte ja bereits, dass ich das alles verstehen und auch nachvollziehen kann. In mir schlagen bei der Sache halt zwei Herzen in der Brust. Kennst mich doch nun inzwischen. Aber nein hätte ich wohl auch nicht gesagt, bei einem solchen Angebot. Da bin ich ehrlich. Warum nur findet sich kein Sponsor für mich und meinen Traum? Menno…

  4. Thor Heyerdahl habe ich auch mal gelesen, vor langen Jahren, das war schon was Besonderes, was der im Kopf hatte und auch umsetzte.
    Dieser Felix will ja nun Schluss machen mit diesen Abenteuern. Er meint, er kann das nicht mehr toppen. Recht hat er.

    • Ich habe mir vorhin die Bücher Thor Heyerdahl’s bei den Amazonen angesehen, und ganz große Lust verspürt, sie mir alle wieder zu bestellen. ;-)
      Man soll aufhören, wenn’s am Schönsten ist, lautet ein uralter Spruch. ;-)

  5. Zuerst dachte ich auch, gibt es nichts Wichtigeres, als sowas? Nun habe ich deinen Artikel gelesen und komme nicht umhin auch dir Recht zu geben, alles Gute, KLaus

    • Danke, lieber Klaus! :-) Natürlich gibt es Wichtigeres und Wertvolleres, keine Frage. Aber auch Abenteuer und Verrücktheiten und Wagnisse sind schön, und für uns Menschen auch wichtig. ;-)
      Liebe Grüße!

  6. Liebe Freidenkerin,

    deinem Eintrag kann ich wirklich überhaupt nichts mehr hinzufügen… super geschrieben – ich teile deine Meinung hundertprozentig :) Ganz im Sinne auch von “Der Stoff …” ;) Gut, dass es solche Menschen gibt …

    Ganz liebe Abendgrüße an dich,
    Ocean

  7. Das hast du toll und richtig geschrieben. Ohne solche Abenteurer wäre die Welt ärmer. Man kann dem Baumgartner nur gratulieren. L.G. Ludger

  8. ich hab`s einfach nur geil gefunden PUNKT :P

    obwohl , biz grinsen musste ich ja schon . Ich mein ist doch ein unterschied ob du ” weiss was ich ” erfindest ( feuer in die höhle tragen , eisenbahn etc. ) oder ob einer fliegend die schallmauer durchbricht. Das werden wir wohl alle nie nachmachen .. oder doch ? Vielleicht wird das in hundert jahren belächelt weil es dann schon wolkenkratzer gibt die so hoch sind .. mischt das wir das denn nicht mehr erfahren werden !

    • Vielleicht lebt ein Gutteil der Menschheit in hundert Jahren bereits auf Raumstationen in der Erdumlaufbahn, und der Baumgartner ist am Sonntag der “Vorreiter” oder “Initiator” einer neuen Art der Fortbewegung gewesen. ;-) Gut möglich, dass wir in einem neuen Leben Zeitzeugen davon sein werden – nur werden wir uns dann an diese virtuelle Unterhaltung hier nicht mehr erinnern können… ;-)

  9. Was wäre die Welt ohne all die Träumer und Spinner, die ihre Träume wahr machen, die was wagen, die sich nicht danach richten, was andere denken.

  10. Genau! Was heute noch als Verrückt gilt, ist übermorgen schon normal!
    Genau solche Leute brauch wir doch! Die, die aus den herkömmlichen Regularien und Normen ausbrechen und nach neuen Wegen suchen. Wie finster wäre sonst unsere Geschichte, so wie Du es oben beschrieben hast.

    • Yepp! :-D Um 1830 hatte man den Erfinder der Dampflok für verrückt gehalten und stur und steif behauptet, bei einer Geschwindigkeit, die mehr als 35 km/h betragen würde, würden alle Insassen sterben, weil die Luft aus den Waggons entweichen würde – um nur ein einziges Beispiel zu nennen. ;-)

  11. Machen solche Draufgänger nicht auch Mut denjenigen, die denken, dass ihreTräume nie in Erfüllung gehen. Und das sind oft ganz kleine Sprünge, ohne Fallschirm :-(

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