Das Märchen…

… vom “faulen Ausländerpack”…

… Jaques und Manni, unsere beiden Spüler, bei einer Leiharbeitsfirma angestellt, stammen aus dem Kongo. Wenn Jaques mit seiner Frühschicht bei uns, die von sieben Uhr morgens bis vierzehn Uhr nachmittags dauert, fertig ist, dann verbringt er kurze Zeit mit der Familie, um sich danach an seine zweite Arbeitsstelle, ein Hotel, zu begeben. Dort arbeitet er von siebzehn bis zweiundzwanzig, manchmal bis vierundzwanzig Uhr, gelegentlich sogar bis in die frühen Morgenstunden. Er ist in sieben Jahren nicht einen einzigen Tag krank gewesen, und muss förmlich dazu gezwungen werden, Urlaub zu nehmen. – Manni spült ebenfalls in einem anderen Hotel, und zwar in der Frühschicht, von sechs Uhr morgens bis dreizehn Uhr dreissig. Seine Schicht bei uns dauert in der Regel von vierzehn bis einundzwanzig Uhr. Auch er hat während einiger Jahre Beschäftigung noch nicht einen einzigen “gelben Schein” eingereicht…

… Der Dienstbeginn für unseren Beikoch M. aus Ecuador wäre um sieben Uhr, der junge Mann beginnt jedoch zusammen mit unserem französischen Chefkoch freiwillig eine Stunde früher mit der Arbeit. Beide haben sich in über drei Jahren noch nicht ein einziges Mal bei der Betriebsleitung beschwert, weil ihnen diese Mehrarbeit nicht vergolten wird…

… Bis auf drei Damen und zwei Herren stammen alle unsere Pflegekräfte, egal, ob im sogenannten ambulanten oder stationären Dienst tätig, aus dem Ausland. Eine Holländerin und eine Rumänin sind die ersten, die ohne zu Murren einspringen und Doppelschichten schieben, wenn ein/e Kollege/in ausfällt…

… Auch das Gros unserer Reinigungskräfte setzt sich aus Damen und Herren aus Vietnam, Mexico, den Balkan- und etlichen afrikanischen Staaten zusammen…

… Zu Beginn des Jahres traten hier in München in einem Auffanglager für jugendliche Asylanten ca. 160 junge Flüchtlinge aus Afghanistan in einen Hungerstreik. Sie forderten nicht etwa Geld, neue Klamotten, todschicke Handys, Computerspiele etc., auch in keinster Weise Sex, Drugs and Rock’n Roll, sondern Schulunterricht, Deutschkurse und Lehrstellen, eine sinnvolle Lebensaufgabe, eine Beschäftigung…

… Wer z. B. aus Afghanistan, dem Jemen, Zentralafrika oder anderen Krisenherden hierher flüchtet, tut dies in der Regel nicht, um “uns Deutschen” auf der Tasche zu liegen, und sich ein schönes Leben auf unsere Kosten zu machen! In sehr vielen Fällen mussten diese Menschen aus Angst um ihr nacktes Leben ihre angestammte Heimat verlassen! – Zudem dürfen die sogenannten Asylanten – auch wenn sie es noch so gerne wollten – laut deutscher Rechtsprechung nicht arbeiten!…

… Wenn ich mich nach einem harten Tag in die Straßenbahn wuchte, und alle Plätze sind bereits belegt, dann ist es in der Regel ein Mensch mit deutlich erkennbarem “Migrationshintergrund”, der aufsteht und mir seinen Sitz anbietet. Und wenn ich nach einem “Kurzurlaub” bei Al.di & Co. meinen schweren “Hackenporsche” am Stachus die Treppe hinunter wuchte, dann kommen mir ab und an junge Leute zu Hilfe – aber keine deutschen, sondern Afrikaner, Inder, Asiaten!…

… Der mittlerweile höchst bedenkliche Mangel an Auszubildenden vor allem in Handwerks-, Gastronomie- und Pflegeberufen beruht darauf, dass sich zum einen immer weniger “Deutsche” die zarten Händchen schmutzig machen wollen, und zum anderen auf einem schier desaströsen Bildungsniveau, sowie mangelndem Interesse und Motivation, schlechtem Eingliederungs- und Anpassungsvermögen, auch fehlender Disziplin…

… Wer da so gerne das Maul aufreisst und schreit “Ausländer raus!”, der sollte doch bitteschön zuerst einen jener Jobs ergreifen, die wir hierzulande nur allzu gerne den Türken, Schwarzafrikanern, Indern, Pakistani, Thailändern, Vietnamesen, Ex-Jugoslawen etc. überlassen! Sprich, er sollte putzen, den Müll einsammeln, dreckiges Restaurantgeschirr spülen, vollgesch…ene Toiletten schrubben, alten und kranken Leuten unter anderem den A… sauber wischen. – Übrigens – laut neuester Studien haben über zwei Drittel aller sogenannten “Deutschen” eine “nicht-arische” Abstammung, wir sind seit den Zeiten der Völkerwanderung ein aus vielen Stämmen bunt zusammengewürfeltes “Gemisch”. Vielleicht sollte man das ja beim nächsten Mal bedenken, bevor man über das “faule Ausländergesindel” zu schimpfen beginnt…

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34 Antworten zu “Das Märchen…”

  1. wie soll man es besser beschreiben, als du es hier tust, immer bedacht, dass es hier wie da auch Ausnahmen gibt, schlim, dass diese Menschen benutzt werden von sognannten arischen Menschen, eine gute Woche wünsche ich, KLaus

    • Natürlich, Ausnahmen gibt es überall, ich habe mich auch schon einige Male über eine/n nichtdeutsche/n Kollegen/in geärgert, der/die nach dem Motto zugange waren “Arbeit geh weg, ich komme”…
      Das Gerede der Alt- und Neo-Nazis vom sogenannten “Arischen Menschen” ist der größte Dummfug und Schwachsinn überhaupt…
      Hab du auch eine gute Woche!

  2. Ich würde diesen Beitrag gerne als Gastbeitrag im FIWUS veröffentlichen.

  3. Dem ist nichts hinzuzufügen. Mir fallen da die vielen kleinen Kioske in unserem neuen Stadtteil ein, die von Türken und keine Ahnung was betrieben werden. Von einem 8 Stunden Tag können die nur träumen. Die haben immer auf und kommen gerade so über die Runden. Schuften tun sie aber für zwei.
    Und wir werden dort überall freundlich empfangen, keiner macht uns an und nennt uns Kartoffelfresser (oder wie hieß das gar so grausliche Schimpfwort neulich :-) )
    Viele der Asylbewerber würden lieber heute als morgen arbeiten gehen, was sie nicht dürfen. Sie sind per Gesetz zum Nichtstun verdammt und das hat nix mit Faulheit zu tun.
    Ach ja, ich habe übrigens meinen Job bekommen, weil ich als einzige Bewerberin bereit war, um 7.00 Uhr auf der Arbeit zu erscheinen und auch am Samstag zu arbeiten. Menschen mit Migrationshintergrund hatten sich nicht beworben, was aber sicherlich auch an der Art des Jobs liegt. Aber das nur nebenbei…..

    • “Deutsche Kartoffel” – so soll angeblich das Schimpfwort lauten, mit dem die Türken uns Deutsche bedenken. :lol: Verglichen mit den gar wenig schmeichelhaften, ja, beleidigenden und rufschädigenden Ausdrücken, mit denen Viele von uns die Ausländer bedenken, ist das geradezu schmeichelhaft…
      Sehr früh aufstehen, mit der Arbeit beginnen, vielleicht auch noch unbezahlte Überstunden in Kauf nehmen, und dann auch noch viel schuften – das ist bei sehr Vielen nicht gut angesehen…

  4. Danke, liebe Margot.
    Jetzt würde ich mir nur noch wünschen, dass es viele lesen, auch die, die eben genau diese Meinung von den faulen Ausländern haben.
    Vor Jahren, als ich noch im Hort gearbeitet habe, hat eine Lehrein a.D. Deutschunterricht für Kinder von Asylanten gegeben. Unentgeldlich. Sie musste das einstellen. Es sei ein versicherungsrechtliches Problem, sagte man. In den Hort durften die Kinder auch nicht mehr. Traurig.

    Liebe Grüße von der Gudrun

    • Liebe Gudrun, dass möglichst viele derjenigen, die so schnell vom “faulen Ausländerpack” sprechen, hier lesen, hoffe ich auch. Obwohl ich leider, leider davon überzeugt bin, dass die meisten davon “beratungsresistent” sind…
      ♥liche Grüße!

  5. Wir alle werden schon noch auf den Boden der Tatsachen geholt, keine Sorge und das wird für so manchen sehr schmerzhaft werden.

    Grüße

  6. Klasse. Ganz meine Meinung. Wo darf ich unterschreiben??

  7. Bravo Margot! Genauso sehe ich das auch! Ich kann dir leider keinen ellenlangen Kommi schreiben – du weißt schon. Aber ein Like und ein Respekt geht immer! LG!

  8. Noch was? Wieso kannst du eigentlich nicht kommentieren? Hat mir noch kein anderer gesagt. Muss ich irgendwelche neuen Einstellungen vornehmen?

    • Es geht mittlerweile etlichen WordPress-Bloggern so, dass sie auf einigen anderen Blogs keine Kommentare mehr schreiben können, bei mir sind’s jetzt einschließlich meines eigenen Blogs fünf weitere. Ich habe vorgestern deswegen das WordPress-Forum kontaktiert. Anscheinend hängt das nicht mit irgendwelchen Einstellungen unsererseits, sondern mit der Spam-Software Akismet zusammen. Ich bin da gestern von zwei Mitarbeitern angemailt worden, habe so gut als möglich meine Informationen zu dem Problem gegeben – und nun schaun ma mal, ob sich da jetzt demnächst eine Lösung ergibt…

  9. Ich persönlich finde, es kommt immer auf den einzelnen Menschen an, da kann man nichts verallgemeinern. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. In jedem Land und in jedem Volk gibt es solche, die gern und viel arbeiten und solche, die sich lieber von dannen machen, wenn sie das Wort nur hören.
    Überall auf der Welt gibt es Menschen, die lernen wollen, die Spaß am Wissenserwerb haben und vorwärts kommen möchten.
    Und überall gibt es Menschen, die ihre Prioritäten anders setzen.
    LG von Rosie

    • Das stimmt, liebe Rosie! Ich habe zwei Kollegitäten aus Bosnien und Polen, die das Motto “Arbeit geh weg, ich komme” verinnerlicht haben, aber so was von! Allerdings sind meinen Erfahrungen nach die meisten ausländischen Mitbürger/innen schon um einiges belastbarer und auch rühriger, zufriedener als die deutschen… Unser Spüler Jaques entgegnet sehr gerne jedem, der jammert und stöhnt und nörgelt: “Was willst du denn? Arbeit hier ist wirklich gut, kein Mensch sperrt dich hier ein oder legt dich in Ketten!”
      Liebe Grüße!

      • Ja genau, es ist eben alles Einstellungssache. In einem Urlaub an der Nordsee lernte ich einmal eine Dame kennen, die seit 20 Jahren in der Fischfabrik arbeitete und Rollmöpse herstellte. Sie war begeistert von ihrer Arbeit und erklärte mir genau, wie man den Fisch perfekt rollt und feststeckt. Jede Woche nehme sie sich ein Glas davon mit nach Hause, erzählte sie, und freue sich jedes Mal darüber, wie schön gerollt und geschichtet sie in dem Glas wären. Ich war verblüfft, habe aber aus ihren Worten viel gelernt. Wir müssen viel mehr üben, die Dinge auch mit anderen Augen zu sehen. Wenn ich mir heute ein Glas Rollmops kaufe, denke ich immer an die pummelige Frau, die meinen Blick auf Rollmops völlig verändert hat.
        LG von Rosie

        • Wenn ich mal einen harten Tag habe, so wie gestern, als eine unserer dementen Damen einen regelrechten Tobsuchtsanfall bekam, weil ihr das servierte Essen nicht behagte, dann denke ich an die Zeit im Ausflugslokal an der Isar im Münchner Süden zurück, an die regennassen Sommertage, an welchen binnen kurzem zehn Isarflosse anlegten, und vierhundert zum großen Teil stark alkoholisierte Floßgäste einen Saal stürmten, der maximal zweihundertfünfzig Personen Platz bietet. Verglichen damit sind solche Konfrontationen, solche Ausnahmesituationen wie gestern Mittag die reinsten Kinkerlitzchen…
          Danke für deine Geschichte, liebe Rosie, ich glaube, ich werde Rollmöpse in Zukunft auch anders wahrnehmen…
          Liebe Grüße!

  10. Ich schliesse mich Rosie’s Worten an.
    Man kann es nicht veralgemeinern.

    Herzlichst♥

  11. Ich kann nur sagen, besser hätte man es nicht schreiben können. Ich erlebe es gerade bei meiner Frau im Krankenhaus. Hier arbeiten Ärzte und Schwestern aus Marroko, Tunesien, Polen, Libanesen und anderen Ländern. Die gehen in ihren Berufen richtig auf und arbeiten mit den deutschen Kollegen hervorragend zusammen. Ich kann vor denen nur den Hut ziehen. Nicht jeder Deutsche würde solche einen Job machen und den Kranken waschen und sauber machen. L.G. Ludger

    • Nein, ganz gewiss würde nicht jeder Deutsche solche Jobs machen… Sehr viele von uns würden eine Arbeit, bei der man körperliche und seelische Höchstleistungen erbringen, und auch sehr geduldig und einfühlsam sein muss, sehr scheuen…
      Liebe Grüße!

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