Begegnungen im Park – Teil fünf…

… Teil vier gibt’s hier nachzulesen…

… Jenseits des Sees, verborgen hinter den üppigen Baumkronen des Parks, inmitten eines pittoresken Stadtviertels, in welchem dörflich anmutende Häuschen sich mit prunkvollen Villen, lebhaften Straßencafés, Biergärten und hochmodernen, glasverspiegelten Büro- und Wohnanlagen mischten, befand sich Florians Heim, ein sogenanntes Loft, das mit seiner weit ausholenden Fensterfront über einer belebten Straßenkreuzung förmlich zu schweben schien. Der zwei Etagen hohe, lichtdurchflutete Hauptraum war nicht üppig gestaltet, modernste Designermöbel gruppierten sich auf dem glatten, schimmernden Parkett gleich spröden, wenig einladenden Nestern, die Sonne schlug Funken aus den chromblitzenden Armlehnen, Sesselbeinen, Tischgestängen, schreiend farbenfrohe Bezüge täuschten Lebhaftigkeit vor. An der makellos weissen Wand prangten abstrakte Kunstwerke, deren Schöpfer Unsummen dafür kassiert hatten, jedwede Phantasie vollkommen zu überfordern – sollte in der schmutzig lohfarbenen Leinwand mit den hektisch darüber hinweg züngelnden, grellen Fahrern tatsächlich ein “Sonnentag im Kornfeld” zu erkennen sein? Sauber, so sauber schien es hier, nahezu steril, gelegentlich entstand der Eindruck, man habe sogar die Luft abstauben lassen. Eine kühn geschwungene, marmorne Treppe mit schnörkellos nüchterndem Geländer führte empor zum oberen Stockwerk, weit, sehr weit voneinander durch die ausladende Diele getrennt lagen die Schlafräume der Eltern, dazwischen die Bäder und Florians Zimmer, so, als wäre das Kind als Symbol der Entfremdung zwischen den Erwachsenen gedacht…

… So war es nicht immer gewesen. Hin und wieder kamen bruchstückhaft Fetzen der Erinnerung in des Knaben Seelenwelt zum Vorschein, das Abbild einer schlichteren Heimstatt mit betagten, gutmütigen Möbeln, erstanden auf einem malerischen Flohmarkt, deren altes Holz die Wange wärmte und schmeichelte, wenn man sie daran schmiegte, Erinnerungen an einen zärtlichen Vater, der sich ausgelassen mit ihm in die Geheimnisse einer schier bodenlosen Spielkiste vertiefte, die Eltern, welche sich neben seinem Kinderbett kniend an ihn kuschelten, bis unbeschwerter Schlaf ihn leise in die Welt der Träume führte, die wundervolle Sanftheit der Liebe, wenn die Blicke der Großen ineinander tauchten.

Vater hatte Grafik und Werbedesign studiert und sich danach in einer marktführenden Firma voller Elan einen frühen guten Ruf verschafft. Seine ungewöhnlichen und phantasievollen Konzepte galten als bahnbrechend, als nie enden wollendes Feuerwerk eines jungenhaften, außerordentlich schöpferischen Genies, er erlangte alsbald einen gewissen Ruhm. “Ich bin der da Vinci der Werbekunst, jawoll!” Und in diesem jubelnden Ausruf, den Florian mehr als einmal zu hören bekommen hatte, lagen Stolz und Freude über die eigenen erstaunlichen Fähigkeiten und die oftmals kund getane Anerkennung seitens der Firmenleitung.

Doch Stolz kann auch ein vortrefflicher Nährboden für übersteigerten Ehrgeiz, Habgier und Überheblichkeit sein. Der Umstand, dass der Löwenanteil der Lorbeeren trotz all der lobenden Floskeln und Gratifikationen der Führungsriege des Unternehmens zuteil wurde, förderte im Laufe der Jahre die Unzufriedenheit. Seltener wurden die Abende, an denen der Vater sich mit gehobener Laune einzufinden pflegte, die Geschenke, meist in Form kunstvoll verpackter Spielsachen, die langen, von inniger Trautheit geprägten Gespräche mit der Mutter…

… Fortsetzung nächsten Montag!…

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16 Antworten zu “Begegnungen im Park – Teil fünf…”

  1. Leider ist das Geschehen sehr nah an der Realität. Ich kenne auch solche Kinder. Die schmeissen mit dem Geld rum, dass einem die Spucke weg bleibt. Und kaufen sich so vermeindliche Freunde. Die geben Parties und wollen auf Teufel-komm-raus glücklich wirken. Klappt aber nicht. Ein solcher Junge ist mir persönlich bekannt, der ist durch Drogen (auch die konnte er sich kaufen und keiner hats gemerkt oder zu spät) kaputt gegangen. Das heisst, er lebt noch ist aber psychisch schwer krank.

    Tragisch.

  2. Immer öfter drängt sich mir die Frage auf:

    will man in einem kalten Palast leben ?
    Oder lieber in einer warmen Küche?

    Zeit, Zuwendung, Geborgenheit … werden immer seltener

    Lg
    Sweetkoffie

  3. Wärme und Geborgenheit ,die Nähe der Eltern,kann man ,nicht mit teuren Geschenken zu ersetzen.LG.Erika

  4. Man kann sich gut vorstellen, dass es heutzutage viele solcher ‘Familien’ gibt.

  5. Es ist schade um die Kinder für Kinder sollte man immer Zeit haben denn sie sind das beste im Leben.Grüsse dich noch und wünsche einen schönen Tag Gislinde. http://zitroneblog.wordpress.com

  6. Tja, wie oft ist sowas wohl geschehen?
    Da kommen sie zu Geld, der Beruf ist nicht so erfolgreich, wie anfangs erwartet. Aber der Rubel rollt, trotz oder gerade wegen Unzufriedenheit.
    Also wird damit geprotzt auf Teufel komm raus. Die Seele bleibt eigentlich immer auf der Strecke.
    Es geht nur noch ums Äußere, ums Erscheinungsbild.
    Das Leben? Nööö, die Arbeit, die ist das, was zählt.
    Kind bekommt ne Tagesmutter oder sowas in der Art, kann man sich ja leisten…

  7. Sicherlich sieht es in vielen Familien so aus, aber ich konnte auch lesen, dass der Florian in früheren Zeiten die Liebe seiner Eltern empfunden hat, somit gab es eine intensive Zeit der Liebe und Zuwendung und das ist prägend für ein Kind…die ersten Lebensjahre sind entscheidend.
    Dann kommt Kindergarten, Schule, da wird ein Kind nicht nur von Eltern allein erzogen, da spielen mehr Faktoren eine Rolle und sicherlich sehnt sich Florian an die Zeit der Zärtlichkeit zurück, er hat sie erlebt, empfunden….bleibt zu hoffen, dass trotz der momentanen Kühle und Lieblosigkeit, doch noch alles gut wird oder er sich seinen Eltern anvertrauen kann, seinen Kummer loswerden kann.Mir scheint, dass er ein sehr sensibles Kind ist!

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