Das Tischgesellschafts-Stöckchen…
… habe ich vor einer Weile beim lieben Theomix aufgegabelt: Mit welchen zehn Menschen würde ich gerne zehn bis zwölf Stunden bei Tee/Kaffee/Wein, Speisen und Gespräch verbringen?
1. Frau Genoveva Eder – meine Lieblingslehrerin während meiner ansonsten recht freudlosen Realschulzeit. Sie war eine gütige, objektive, sehr gescheite und umsichtige Klassleiterin, dass ich seinerzeit die Mittlere Reifeprüfung wenigstens halbwegs hinbekommen habe, ist zum großen Teil ihr Verdienst. Sie hat mich durch ihre warmherzige, still-heitere, und auch vornehme Ausstrahlung sehr fasziniert. Ich bewunderte sie und finde es bedauerlich, dass wir außerhalb meiner Schulzeit niemals die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Gespräch hatten…
2. Frau Margot Käßmann – ganz einfach deshalb, weil ich sie sehr sympathisch finde, ihre Charakterstärke, ihr Auftreten, ihre Persönlichkeit mit allem Drum und Dran bewundere. Weil sie ihren Glauben deutlich spürbar mit jeder Faser ihres Wesens lebt und sich nicht in der Rüstung starrer Dogmen verschanzt…
3. Mrs. Jacqueline Kennedy-Onassis – weil sie eine echte Dame gewesen ist, elegant, liebreizend, vornehm, gebildet. Egal, was das Schicksal ihr auch aufgebürdet hatte, sie wusste es mit Würde und Haltung zu tragen. Sie war niemals plump, spielte sich niemals in den Vordergrund, stellte sich nie übertrieben zur Schau, und hatte dennoch eine so überragende Präsenz…
4. Sacajawea – als blutjunge Indianerin vom Stamm der Shoshonen begleitete sie in den Jahren 1804 bis 1806 die Expedition der beiden Forscher Lewis und Clark vom Mittleren Westen über die Rocky Mountains bis an die Pazifikküste Amerikas. Sie war im Alter von 15 Jahren an den französisch-stämmigen Trapper Touissant Charbonneau verkauft worden, der als Dolmetscher ebenfalls dem Tross von Lewis und Clark angehörte. Während der zweijährigen beschwerlichen Reise gebar sie ihren Sohn, rettete den Männern durch ihre Beherztheit und ihren Wagemut mehr als einmal das Leben und erwies sich trotz ihrer Jugend als eine ausgezeichnete Kennerin der Pflanzen- und Tierwelt. Nach ihrer Rückkehr zu ihrem Stamm verliert sich ihre Geschichte in zahlreiche Legenden, zum einen wird berichtet, dass sie kaum zwanzigjährig an einer schlimmen Krankheit verstarb, in anderen Erzählungen jedoch verlässt sie ihren Ehemann, sucht Zuflucht bei Prärieindianern in Wyoming und wird an die hundert Jahre alt…
5. Friedrich II. – Stupor Mundi, das Staunen der Welt, wurde der Stauferkaiser (1194 – 1250) seiner schier unermesslichen Wissbegierde, Neugierde und seiner den damaligen Rahmen weit sprengenden Bildung auch genannt. Er muss vor allem für die Oberhirten der Katholischen Kirche ein mehr als unbequemer Geist gewesen sein, dreimal ist er während seiner Regentschaft exkommuniziert worden. Er ließ in Salerno die erste Universität der Welt gründen, sprach mehrere Sprachen, hinterfragte alles, gab sich niemals mit vordergründigen, scheinheiligen oder nebulösen Erklärungen zufrieden. Ein Dorn im Auge war er den Kirchenfürsten vor allem deshalb, weil er dem damals haushoch überlegenen Wissen der Orientalen sehr aufgeschlossen gegenüber stand. Er ist dreimal verheiratet gewesen, hatte ungezählte Liebschaften und Affären mit ebenso ungezählten illegitimen Nachkommen. Die rätselhafte, inmitten der Landschaft Apuliens fremdartig aufragende, achteckige, achttürmige Burg Castel del Monte ist nach seinen Entwürfen erbaut worden…
6., 7. und 8. Neil Armstrong, Edwin (Buzz) Aldrin und Michael Collins – das ist ja wohl klar, dass die drei Astronauten der Apollo-11-Mission bei meiner illustren Runde keinesfalls fehlen dürfen!…
9. Hermann Hesse – ein Seelenverwandter, obwohl ich nie die Gnade hatte, ihn persönlich kennen lernen zu dürfen. Und dennoch ist er mir so sehr vertraut. Immer, wenn ich in einem seiner Werke lese – und ich besitze fast alles von ihm! – dann ist mir so, als würde ein guter Freund neben mir auf der Couch sitzen, schlank, aufrecht, elegant, im hellen Anzug, den Panama-Hut in genau dem richtigen Winkel auf dem Kopf, die wachen, nachdenklichen Augen blitzend hinter der schmalrandigen Brille, und zu mir sprechen. Ich würde ihm so gerne sagen, wie sehr ich seine Kunst des Schreibens bewundere, wie oft er mich bei meinen eigenen Schreibseleien schon inspiriert und geleitet hat, wie gut ich nachvollziehen kann, mit welcher Intensität er das Leben wahr genommen hat…
10. Dschuang Dsi – der chinesische Philosoph und Dichter, größter und bekanntester Vertreter des Taoismus, lebte von ca. 365 bis 290 vor Christus. Sein Werk “Das Wahre Buch vom Südlichen Blütenland” ist ein schier unerschöpfliche Born an Weisheit, Kraft, tröstlichem Zuspruch und Tiefsinnigkeit. Viele seiner Ausführungen sind über 2.300 Jahre nach ihrer Entstehung von einer geradezu umwerfend verblüffenden Aktualität. Er vereinte einen messerscharfen Verstand mit sehr großer Menschlichkeit und Spiritualität und augenzwinkernden Humor. Eine beachtliche Anzahl seiner philosophischen Ausführungen finden sich, in andere Wortlaute gekleidet, in der Bibel wieder…
11. Carlos Santana – Ja, ich weiß, es sollten zehn Menschen sein. Aber ich nutze jetzt ganz einfach die künstlerische Freiheit aus, wir brauchen bei Tisch ja schließlich auch gute Musik! Ich habe das ja in etlichen früheren Posts schon erwähnt, dass die Musik von Carlos Santana einen großen Teil meines Lebens begleitet, und dass ich an diesem Menschen nicht nur seine große künstlerische Begabung schätze, sondern auch das, was menschlich über ihn zu erfahren ist. Wie gerne würde ich diesem Manne einmal dafür danken, dass er mein Leben durch seine Kreativität bereichert hat!…
März 7, 2010 um 10:07 am
Hallo Freidenkerin, Gott zum Groß an diesem schönen Sonntagmorgen, zumindest hier – saukalt und sonnig, sogar sauber auf de Straßen (5 x S)
Ich kenne die Bedingungen des Stöckchens nicht, mir fiel nur beim Lesen als erstes auf: “Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr”
Wahrscheinlich wäre es uninteressant für andere gewesen, wenn du Freund X, Bekannte Y und Verwandte Z aufgeführt hättest, so weiß ich doch jetzt, dass du viel lieber dich vor ca. 2300 mit Herrn Dschuang Dsi bei Tisch mit Händen und Füßen unterhalten hättest. – Oder hätte es die Gabe der gleichen Spachen dazu gegeben. – Ich merke, ich bin eine elende Realistin, aber ich fand es trotzdem schön zu lesen, und bildend, wie ich immer wieder sage. Da muss ich ja jetzt mal meine Unwissenheit weg-wikipedien, nicht googlen.
Lieben Gruß von Clara
März 7, 2010 um 11:36 am
@Himmelhoch: Natürlich ist ein schönes Beisammensein mit Freunden und Verwandten eine Wohltat für die Seele und ein Hochgenuss! Aber bei der Umsetzung des Stöckchens ging es mir in erster Linie darum aufzuzeigen, welche Persönlichkeiten ich sehr gerne einmal kennen gelernt hätte. Zudem hätten es meine Freunde und Verwandte nicht sehr gerne, wenn ich sie hier in meinem Blog quasi ins Licht stellen würde. Zu deinem Zitat: Ich bin nicht unbescheiden, weiß Gott nicht, nur wissbegierig und vielseitig interessiert. Ich bewundere große Geiste, Menschen mit herausragenden Fähigkeiten, beeindruckende Persönlichkeiten, und würde mich liebend gerne ausgiebig mit diesen unterhalten, um ihrem Genius ein wenig auf den Grund zu kommen. Und von ihnen zu lernen. Deshalb diese illustre Tafelrunde.

Dass bei solch einem fantasievollen Treffen die Sprach- und Altersunterschiede nicht existieren, versteht sich von selbst, meine Liebe.
Herzliche Grüße, wünsche dir einen schönen Sonntag!
März 7, 2010 um 5:46 pm
Das ist ja wirklich eine recht gemischte Gesellschaft. Die Idee gefällt mir. Mal schauen, vielleicht klaue ich mir dieses Stöckchen auch noch
März 7, 2010 um 5:50 pm
@Worti: Ich bin grad am Tüfteln, das Ganze etwas abzuwandeln und ein neues Stöckchen daraus zu basteln: Einen Musiker-Stammtisch. Mit welchen zehn Interpreten bzw. Komponisten würdest du gerne einmal in feucht-fröhlicher und vor allem musikalischer Runde ein paar Stünderln verbringen…
März 7, 2010 um 6:08 pm
Super…
Da kann man dann noch den Kino-/Theater-Stammtisch machen. Nur Schauspieler sind dabei. Da hätten wir von dem Gesellschaftsstöckchen schon wieder zwei neue Versionen.
März 7, 2010 um 6:14 pm
@Worti: Hey, coooool!
Ich seh schon, wir arbeiten mal wieder Hand in Hand!
März 7, 2010 um 8:12 pm
Das ist ja ne illustre Runde.
Mir steht der Sinn da eher nach dem Machbaren und ich denke mir, welche Blogger ich gerne mal im RL treffen würde. Die Toten lasse ich ruhen. Sie haben ihren Dienst getan und wollen nicht auferstehen. So glaube ich jedenfalls.
März 7, 2010 um 8:23 pm
@chinomso: Ja, nicht wahr?
Ich habe mich da sehr beschränken müssen, denn normalerweise hätte ich zu dieser Runde mindestens Zwanzig einladen können.
Ich sehe das überhaupt nicht eng, bei so etwas sind für mich die Übergänge zwischen tot und lebendig sein fließend, schließlich leben die Großen ja irgendwie durch unsere Überlieferungen, durch die Geschichte immer noch weiter.
März 8, 2010 um 4:02 am
Eine illustre Gesellschaft hast (oder hättest) du dir da eingeladen…
März 8, 2010 um 10:48 am
@Gucky: Ja, nicht wahr? Äußerst bedauerlich, dass sie niemals zustande kommen wird – zumindest in diesem Leben nicht.
März 8, 2010 um 8:37 am
Wir können uns das ja teilen
Du machst den MUsiker-Stammtisch und ich den Schauspieler-Stammtisch. Wobei ich erstmal überlegen muss, ob ich auch 10 SchauspielerInnen zusammen bekomme, die ich für interessant halte. Bei den Musikern/Innen hab ich da weniger Probleme
März 8, 2010 um 10:49 am
@Worti: Und wenn du das ein wenig abänderst und einen Schauspieler- und Kabarettisten-Stammtisch machst?
Wir können ja auch tauschen.
März 8, 2010 um 11:31 am
Nöö, nicht tauschen. Kabarettisten gehören da doch schon dazu… oder? Sind doch auch irgendwie “Theaterleute” – treten doch auf
März 8, 2010 um 12:22 pm
@Worti: Stimmt, da hast du Recht.