Recherche? Fehlanzeige!

… Was mir in zunehmenden Maße beim Zappen durch sowohl staatliche als auch private Fernsehprogramme negativ auffällt ist, daß man offenbar auf gründliches Recherchieren wohl immer weniger Wert legt. Alleine in der Stunde zwischen 17.30 und 18.30 Uhr sind mir heute drei Beispiele dafür aufgefallen:

… In einem Nachrichtenmagazin des Senders Pro Sieben meinte anlässlich der klirrenden Kälte in deutschen Landen die Moderatorin: “Ich frage mich, wie die Einwohner des oberbayerischen Örtchens Funtensee die -33,6 Grad überstanden haben, die vergangene Nacht gemessen worden sind.” – Meine Liebe, der Funtensee ist ein kleiner Bergsee, der im Gebirgsstock des Steinernen Meeres im Süden des Berchtesgadener Land in ungefähr 1.600 Metern Höhe liegt. Dort gibt es keine Ansiedlung, lediglich ein Schutzhaus für Bergsteiger und Wanderer, welches meines Wissens während der Wintermonate geschlossen ist. – Recherche? Fehlanzeige!

… Im Magazin “Brisant”, welches ich mir ausgesprochen ungern ansehe, weil ich die vor künstlicher Betroffenheit nur so triefenden Stimmen der Moderatoren nicht ertragen kann, berichtete man darüber, daß zwei “Haflinger Pferde” von ihrem Weidegrund ausgebrochen waren und sich auf die nahe Autobahn verirrt hatten. Ohne jegliche Mühe war während des Bildberichtes allerdings zu erkennen, daß eines der beiden Huftierchen ein Norweger Pony war und kein Haflinger. – Recherche? Fehlanzeige!

… Im Verbrauchermagazin “Marktcheck” auf Eins Plus wurde ein Beitrag ausgestrahlt, in dem einige Studenten zu testen hatten, ob die neu gestaltete Milchpackung einer weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannten Molkerei tatsächlich ein tropfenfreies und bequemes Einschenken gestatten. Man schüttete die Milch in ein senkrecht auf dem Tisch stehendes Glas – und eine ordentliche Pfütze vorbei. Dabei hätte einem doch der gesunde Menschenverstand ganz leicht sagen können, daß man das Glas nur schräg an die Öffnung der Packung zu halten hat – und kein einziger Tropfen geht daneben! Praktisches Denken + Recherche? Fehlanzeige!

16 Antworten zu “Recherche? Fehlanzeige!”

  1. Ich hab auch den Eindruck, dass viele Menschen einfach zunehmend verdummen. Ich möchte mich keinesfalls als Allwissend bezeichnen, aber manche Sachen nehm ich dann doch sehr genau und mit bissel nachdenken kommt man da auch drauf.
    Gerade was die praktischen Sachen angeht, stellen sich manche Leute echt an. Vor einer Weile hatte ich ein Tutorium. Ein Fenster war geöffnet und der Raum war zusätzlich mit Verdunklungsrollos ausgestattet. Da die Sonne den Tutoren blendete, wollte er das Rollo per Knopfdruck am hochmodernen dafür eingerichteten PC herunterlassen. Es ging aber nicht. Erst als ich den jungen Mann auf die Idee mit dem offnen Fenster brachte, er es schloss, funktionierte es. *kopfklatsch* Also manchmal….aber ich denke du kannst erahnen, was ich sagen möchte. ;)

    • @Gunny: Es mangelt so häufig an der praktischen Intelligenz, an der umgesetzten Logik, finde ich. ;-)
      In der Welt der modernen Medien, sowie im Journalismus scheint die Gier nach möglichst hohen Einschaltquoten, Klicks und Verkaufszahlen die drei Goldenen Grundregeln journalistischer Tätigkeit außer Kraft zu setzen. Diese drei Goldenen Grundregeln lauten: Recherchieren, recherchieren, recherchieren…

  2. Auf anderer Ebene ist es für mich dasselbe mit den Zitaten. Recherche? Fehlanzeige. Irgendwo steht was, auch ein berühmter Name. Wird schon stimmen.
    Daher kann ich deine Anmerkungen gut verstehen!

    • @theomix: Es gibt auch eine erkleckliche Anzahl unwahrer Behauptungen über berühmte Persönlichkeiten, die mittlerweile traurigerweise Legendenstatus erreicht haben. Bestes Beispiel: Einfach nicht aus der Welt zu schaffen ist die Mär, Albert Einstein habe im Gymnasium einen Fünfer in Mathematik gehabt. Das ist schlichtweg unwahr! Nachzulesen in der hervorragenden Einstein-Biographie von Armin Herrmann.

  3. @Theomix: *hihi* Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor – bei meinen Zitat-Postings ;)

    Recherche ist nicht wichtig – es muss nur toll und “aufregend” verpackt sein, dann glauben die Menschen fast alles. Traurig aber wahr.
    Echte Wahrheiten interessieren niemanden, wenn sie nicht reißerisch klingen…

    • @Worti: Ja, das ist in der Tat traurig – und wahr, auch ohne große Recherche. ;-)
      Reißerische Meldungen und Schlagzeilen erfüllen zunehmend den Zweck, das Interesse der Menschen von den wichtigen Aktualitäten abzulenken. Auch deshalb werden beständig seriöse Nachrichtensendungen vom sogenannten “Infotainment” abgelöst.

  4. Wir haben gestern Abend Fernsehabend gemacht. Erst den Film “Räuber Kneißl”, danach das “Making of”. Dann kam “Jennerwein” und zum Schluss noch eine Doku über den Kneißl.
    Zwei sehr gute Verfilmungen waren das – nicht reißerisch oder ähnliches.

    Für den Kneißl wurde übrigens auch in Moosburg und Freising gedreht :)

    • @Worti: Ja, den “Räuber Kneißl” hab ich mir auch angesehen. Der ist von meinem Lieblingsregisseur Markus H. Rosenmüller. Dessen Erstling “Wer früher stirbt, ist länger tot” gehört zu meinen absoluten Film-Favoriten, der ist schlichtweg umwerfend! :-)

  5. Diese ganzen Boulevardmagazine im TV kannst du eh in die Tonne werfen. Da wird sowieso alles dramatisiert und entsprechend aufbereitet.

    • @Worti: Ich sag’ ja, alleine bei diesen vor Betroffenheit triefenden Stimmen graust’s mir schon, ich muß dann jedesmal weiter zappen. Und den wahren Nachrichtengehalt von z. B. “RTL-Mittagsmagazin” kannste auf einer Messerspitze balancieren.

  6. Hast dir auch das Making Of angeschaut? Die Gefängnisszenen sind hier im alten Gefängnis gemacht worden. Das steht direkt hinter dem Theater :)

    Ich guck am liebsten Tagesschau. Auch nicht 100% perfekt, aber schon ganz brauchbar.

    • @Worti: Beim Making-Of war ich dann wieder mal in einer Zapper-Phase, deshalb hab ich das nicht ganz mitbekommen. Ich hab das aber schon vor einigen Jahren mal gesehen, als der Film in die Kino’s kam. ;-)
      Ja, Tagesschau und Heute bzw. Heute Journal, die berichten noch am akkuratesten. Unschlagbar, was den Informationsgehalt und die journalistische Sorgfalt betrifft, ist allerdings die österreichische Nachrichtensendung “Zeit im Bild”, die wird auf 3SAT zweimal täglich ausgestrahlt.

  7. Liebe Freidenkerin, wenn es nur das wäre …

    Du erinnerst Dich an die Monster-Schlagzeilen bezüglich Mark Madlock? Ein “Journalist” war auf die Idee gekommen, über eine Klo-Wand hinweg den guten MM zu fotografieren und anschließend zu spekulieren, was der Schufft dort wohl tut. Ihm wurde Drogenmissbrauch unterstellt und die Medien überschlugen sich regelrecht.

    Ehrlich gesagt frage ich mich nicht, was MM dort getan hat, sondern welch geistes Kind dieser “Journalist” samt kompletter “Journallie” ist, die darüber berichtet. Viel privater als auf dem Klo zu sitzen geht es doch nun wirklich nicht.

    Als Ben Becker 2007 fast durch einen Fehlschuss Heroin hops gegangen wäre, traf in seiner Wohnung – mit den Rettungskräften und der Polizei – zeitgleich ein Reporter der Morgenpost ein. So ein Zufall aber auch. Wie kann das denn nur passieren?

    Wer heutzutage einfach alles frisst, was ihm die Medien vorklatschen, der hat es vermutlich nicht besser verdient …

    Lass uns vier Kerzen anzünden und einfach milde in uns hinein lächeln! ;-)

    • @skriptum: Wer so wenig Respekt vor menschlicher Intimsphäre hat, daß er einen quasi “Prominenten” sogar beim Sch… aufstöbert, hat von seriösem Journalismus so wenig Ahnung wie ne Kuh vom Eierlegen. Der Polizeifunk hierzulande kann übrigens mit etwas technischem Geschick ganz leicht abgehört werden. Weil die Funkgeräte unserer Freunde und Helfer trotz digitalem Zeitalter nach wie vor analog funktionieren. Weil in den Bundesländern, Städten und Gemeinden mittlerweile das Geld fehlt, um die Männlein und Weiblein in Grün mit jener modernen Technik auszurüsten, die mittlerweile jeder Zehnjährige in seinem Kinderzimmer hat.
      Mittlerweile bin ich felsenfest davon überzeugt, daß uns derartig schlechter, aufgebauschter, unwahrer Journalismus mit Absicht gar so ausdauernd förmlich hinein gestopft wird. Um uns geistig flach und träge zu halten, um uns mit dem steten Erwecken niederer Instinkte wie Sensationsgier und Gaffertum abzulenken. Damit möglichst wenige auf die Idee kommen, sich ernsthafte Gedanken über die dringend anstehenden Probleme zu machen.
      Und jetzt schenk’ ich mir a Glaserl Sherry ein und zünde meine vier Kerzen an – und lächle mild. ;-)

  8. Deiner Vermutung kann ich mich leider nur anschließen, liebe Freidenkerin. Und bei vielen scheint diese Taktik bereits aufgegangen zu sein.

    Ja, lass uns milde lächeln. Dann unterschätzt man uns wenigstens! ;-)

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