Projekt ABC – 24. Woche – Buchstabe “W” (2)
Wochenende in Berlin
(Verliebt in Berlin – Teil 6)
Immer tiefer sank die Wolkendecke, es hatte unangenehm zu nieseln begonnen, hauchfein staubende Tröpfchen, die unter die dicken Jacken und festen Schuhe zu kriechen schienen. Aber Tonari und ich marschierten unverdrossen zum Reichstag und stellten uns wacker ans Ende der schon recht beachtlichen Warteschlange…

… Das heißt, Tonari nahm zunächst alleine das Anstehen auf sich. Mich schickte sie auf eine Runde um das weitläufige, hoch aufragende Gebäude…

… Der Berliner Reichstag wurde von dem Architekten Paul Wallot “erschaffen” und von 1884 bis 1894 erbaut. Bis 1918 beherbergte er den Reichstag des Deutschen Kaiserreiches, danach das Parlament der Weimarer Republik. Während des Reichstagsbrandes im Jahre 1933 und des zweiten Weltkriegs erlitt das Bauwerk schwere Schäden. 1960 wurde es in modernisierter Form wieder hergestellt, von 1991 bis 1999 noch einmal grundlegend umgestaltet…

… Das Paul-Löbe-Haus (benannt nach dem ersten, sozialdemokratischen Reichstagspräsidenten der Weimarer Republik) grenzt nördlich an den Reichstag. In den ungezählten Räumen mit einer Gesamtfläche von über 30.000 qm tagen zumeist die verschiedensten Ausschüsse und Gremien…

… Jenseits der Spree befindet sich das Maria-Elisabeth-Lüders-Haus (Maria Elisabeth Lüders war eine liberale Sozialpolitikerin und Vertreterin der Frauenbewegung gewesen). Das Anwesen beherbergt das “Wissenschaftliche Dienstleistungszentrum des Deutschen Bundestages”. Hm! Zudem steht es links und rechts des früheren Verlaufes der Berliner Mauer. Dieses Teilstück wurde im Inneren kenntlich gemacht und kann, als ein Mahnmal an die einstige Teilung Deutschlands, besichtigt werden…

… An der nördlichen Ecke des Reichstages findet sich diese Gedenktafel. Die Steine des Mauerwerkes befanden sich früher in der Warschauer Werft Gdansk…


… Die Wange quasi an die Steinquadern des Reichstages gepresst entstand dieses Foto mit Blick auf das Bundeskanzleramt - für Sunny’s Aktion “Wallpaper”.
…
… In der Zwischenzeit war die arme Tonari in der Warteschlange zwar nur unwesentlich weiter gerückt, aber ein Becher heißen Kaffees, flugs vom Selbstbedienungsrestaurant auf der anderen Straßenseite organisiert, und ein Trupp Spaßvögel samt ihrem künstlichen Akrobaten, weckten die Lebensgeister und hoben die Stimmung…



… Endlich, nach etwa zwei Stunden Warten, durften wir den Reichstag betreten, die Sicherheitsschleuse passieren und nach oben aufs Dach fahren – und zur spektakulären Kuppel…
… Mehr davon im nächsten Teil…
Oktober 18, 2009 um 9:56 nachmittags
Oh schön, du hast ein Wallpaper gemacht
Schöööööööööön, alle Bilder
So, und jetzt wie versprochen das, was ich gestern für dich entdeckt habe, nämlich ein Text von Robert Gernhardt, noch ein Stück Zeitgeschehen:
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11. Januar 1998 – Er fährt an der Berliener Reichstagsbaustelle vorbei
Sitz im Bus der Linie 100
Oben, denn ich will was sehen
Fällt mein Blick auf Rasenflächen
Habitat der Nebelkrähen
Trippeln stur durch all den Wandel
All das Werden und Vergehen
Ob die Kräne lichtwärts ragen
Ob sie sich im Nebel drehen
Schwarzen Kopfs und grauen Rückens
Bleibt die Truppe niemals stehen
So auch wir, die unbeirrbar
Stur in jenen Nebel gehen
Der sich Zukunft nennt. Hier soll der
Hauptstadt neues Haupt entstehen
Wird es dereinst helle handeln?
Oder klamm im Nebel krähen?
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Tja, fast 12 Jahre später, die Baustelle ist weg, alles ist groß und toll geworden, aber sind wir schlauer? Hat jemand helle gehandelt? Wissen wir mehr?
Nachdenkliche abendliche Grüße,
Sunny
Oktober 18, 2009 um 10:00 nachmittags
Hach, ich habe mich schon gefragt, wei Du den Bogen vom V zum W bekommen wirst. Wochenende – genial. Tja, was sonst eigentlich. Meine Wartezeit am Reichstag wurde mir durch die supernetten und interessierten Dänen vor uns in der Reihe ziemlich kurzweilig gemacht. Die wllten so viel wissen. Und erst recht, weil sie einen lebenden Ossi, der zudem auskunftswillig war, hinter sich hatten
Oktober 18, 2009 um 10:12 nachmittags
@Sunny: Ob und wie dort in all der Moderne, die ja den Neuanfang symbolisieren sollte, helle gehandelt worden ist bzw. jetzt helle gehandelt werden wird, wird sich wahrscheinlich erst in der Rückschau aus der Zukunft weisen.
Vieles der vergangenen 25 Jahre hat sich als gut und richtig erwiesen. Einiges nicht. Und ich denke nicht, daß sich in nächster Zeit der Lauf unseres Landes wesentlich ändern wird. 
Bei aller auch berechtigten Kritik, wir sind hierzulande noch sehr gut dran, im Vergleich zu anderen, auch europäischen, Staaten, Italien z. B. Als Urlaubsland eine Wucht – aber leben möchte ich in Berlusconien weiß Gott nicht. Von derartigen Zuständen sind wir, so denke ich, noch sehr weit entfernt…
Wünsche dir eine gute und ruhige Nacht voll schöner Träume und ausruhsamem Schlaf.
Oktober 18, 2009 um 10:15 nachmittags
@tonari: Ja, manchmal kriege ich schon recht elegant die Kurve.
Ja, die netten Dänen und du, ihr hattet in der Tat eine sehr gute und angeregte Unterhaltung. Zum Glück, so ist die Wartezeit wenigstens a bisserl angenehmer verstrichen.
Wünsche dir und deiner Family eine gute und stressfrei und schöne neue Woche!
Oktober 18, 2009 um 10:41 nachmittags
@freidenkerin: wie recht du mal wieder hast, ja, ich seh das genauso. Gerade auch, was Italien angeht. Ich weiß einige, die immer davon gesprochen haben, im Alter nach Italien gehen zu wollen. Ich möcht dort nie wirklich leben müssen, ich würd da durchdrehn…
Ich wünsch dir auch eine wunderbar geruhsame Nacht und wundervolle Träume,
Sunny
Oktober 19, 2009 um 5:35 nachmittags
sehr schöne bilder
Oktober 19, 2009 um 5:37 nachmittags
@Sany: Danke dir!