Das “Zur-Floßfahrt”-Drama
Vor sieben Jahren ist das Familienoberhaupt und bis dato Pächter des Wirtshauses “Zur Floßfahrt”, Eugen Meier sen., unvermittelt in der Gaststube zusammen gebrochen. Hinterwandherzinfarkt, er war auf der Stelle tot. Die damaligen Besitzer der Wirtschaft, der Energiekonzern EON, mußte, so wurde mir das bereits mehrmals erzählt, den einzigen Sohn Eugen und dessen Frau Hanna sehr unter Druck gesetzt haben: Entweder ihr kauft uns das Anwesen ab, oder eure Tage hier sind gezählt. In mehrerlei Hinsicht ein herber Schlag für die Nachkommen, sie hatten sich ihre Zukunft ohne Zweifel anders vorgestellt: Ein paar Jährchen noch arbeiten, ein sicheres Finanz-Pölsterchen schaffen, dann ein gepflegter Rückzug aus dem Geschäft und dieses dem Küchenchef Gucki als Nachfolger überlassen. Statt dessen standen sie vor den Trümmern ihrer Lebensträume. Was sollten sie nur mit sich anfangen, wohin sollten sie sich wenden, falls EON seine Drohungen wahr machen würde – und es sah ganz danach aus. Eugen Meier jun. mußte zwar während seiner Zeit als Berufssoldat eine Art Handwerkslehre absolviert haben, doch dies lag bereits drei Jahrzehnte zurück, seine um zehn Jahre ältere Frau hatte Zeitlebens nur in der Gastronomie gearbeitet, und mit Mitte Fünfzig in diesem Metier noch eine feste Anstellung zu finden, war Anfang des neuen Jahrtausends bereits so gut wie aussichtslos. So investierten Meiers all ihre Ersparnisse und nahmen zusätzlich einen sehr belastenden Kredit auf, um die “Floßfahrt” erwerben zu können. Die Nachfolge Gucki’s, der quasi als Ziehsohn des Paares rangierte, wurde stillschweigend auf unbestimmte Zeit verschoben, mit der Pachtsumme, die er zu entrichten bereit gewesen war, hätten die Wirtsleute auf keinem Fall ihre horrenden Schulden tilgen können. Eine desillusionierende Situation. Kam noch hinzu, daß das Familienleben zu Lebzeiten des Seniorchefs alles andere als harmonisch gewesen sein mußte, man hatte sich als Partnerin an der Seite des einzigen Nachkommen halt jemand anderes vorgestellt als eine um etliches ältere Bedienung mit zwei Töchtern, deren erste Verbindung mit einem Alkoholiker kläglich gescheitert war. Um das Maß voll zu machen, gibt es da noch eine Untermieterin, eine ehemalige Angestellte, die wegen ihrer aufsässigen Art, einem vorlauten und frechen Mundwerk und gewisser Unregelmässigkeiten bei der Abrechnung zwar entlassen, aber nicht aus dem Appartment im Anbau der “Floßfahrt” gekündigt worden war, und die, wenn sie einen über den Durst getrunken hat – was des öfteren vorzukommen pflegt – ringsum kein gutes Haar an Meiers zu lassen pflegt…
… Daß diese Umstände auf die Nerven gehen, ist nachvollziehbar. Aber…
… Meiers sind seit etwa dreißig Jahren miteinander verheiratet, und schier unzertrennlich. Sie verbringen in der Tat vierundzwanzig Stunden täglich Seite an Seite. Ausnahmen sind lediglich ihre kurzen Friseurbesuche jeden Samstag Morgen, seine Einkaufstour, die er auch regelmässig am Wochenende zu absolvieren pflegt, und wenn er einige Male monatlich die Abende in der Wirtschaft verbringt, um dort nach dem Rechten zu sehen. Eine unliebsame, oft gepflegte Eigenheit der Beiden ist, sich gegenseitig mit Sticheleien, hämischen Frotzeleien und bösen Anfeindungen aufzupeitschen, sobald sie mit dem Geschäftsverlauf, dem Wetter, den Einnahmen, der Klientel nicht zufrieden sind – und das ist eigentlich jetzt in den Sommermonaten pausenlos der Fall. Sobald die ”internen” Aggressionen einen gewissen Pegel erreicht haben, suchen sie nach einer Möglichkeit, Dampf abzulassen – und dann trifft es in der Regel uns. So müssen wir uns zum Beispiel seit Beginn der Schlechtwetterperiode folgende Sprüche anhören: “Ihr Festangestellten seid nichts anderes als ein arbeitsscheues Gesindel, ihr seid so faul, daß ihr euch vor jeder Arbeit zu drücken versucht…” Oder aber auch: “Jetzt wird’s Zeit, daß dieser Sch…regen endlich aufhört, ihr seid alle miteinander dermassen fett und faul geworden, daß ihr wahrscheinlich schon gar nimmer wisst, wie’s Arbeiten überhaupt geht.” Es gibt in der Tat zwei Bedienungen und einen Kellner bei uns, die zwar mit dem Mundwerk ungeheuer rege und produktiv sind und stets alle Welt wissen lassen, wie toll und fähig und erstklassig sie sind, die es aber hervorragend verstehen, jeglicher Anstrengung geflissentlich aus dem Wege zu gehen. Aber Meiers weitere unliebsame Eigenheit ist, daß sie sehr selten offen ihre Kritik und ihr Missfallen dort laut werden lassen, wo es angebracht wäre. So suchen sie sich für ihre kränkenden Vorwürfe Menschen aus, die den Anschein erwecken, als könnten sie sich nicht zur Wehr setzen. Mich zum Beispiel…
… Ich bin keine Heilige, ich habe Fehler, oh ja. Aber was man mir keinesfalls nachsagen kann ist, daß ich arbeitsscheu oder faul wäre. Ganz im Gegenteil. Ich bemühe mich sehr geflissentlich darum, meinen Pflichten nachzukommen, oft genug sogar mehr als das. Deshalb tun solche Worte mittlerweile arg weh. Ich habe eine Zeitlang versucht, mich dagegen abzuschotten, habe auch einen Rat des Küchenchefs beherzigt, der mir nahe legte, mir nicht gleich jeden Schuh anzuziehen, mit solchen Äußerungen sei ich doch überhaupt nicht gemeint. Aber nun, nun hat mein schützender Panzer doch einige dünne und löcherige Stellen bekommen. Meine Tätigkeit in der “Floßlände” macht mir keine Freude mehr. Noch dazu haben Meiers ihre drei Lieblinge, einen hübschen und sehr charmanten Kellnerkollegen, der sich sämtliche Freiheiten erlauben darf, einen weiteren Kollegen, einen sehr schroffen, großmäuligen, falschen und nicht sehr fleißigen Österreicher, der seit beinahe zehn Jahren im Hause ist und ebenfalls Narrenfreiheit besitzt, und eine Aushilfe, die ständig herum posaunt, wie gut und kompetent und fähig sie ist, und die es zur Meisterschaft entwickelt hat, Frau Meier gegen andere aufzuhetzen und uns gegeneinander auszuspielen. Der Rest von uns… Na ja, man erträgt uns wohl, weil man auf uns angewiesen ist. Mehr aber auch nicht…
… Ich versuche, die ganze Situation so gelassen wie möglich zu sehen. Mein Vertrag als Festangestellte – zu einem sehr geringen “offiziellen” Arbeitslohn, der Rest wird auf Stundenbasis “schwarz” ausbezahlt – läuft Ende September aus. Dann werde ich wohl bis zum kommenden Frühjahr wieder Hartz IV beantragen müssen. Und als Aushilfe in der “Floßfahrt” arbeiten. Auf minimalste Basis angemeldet, “schwarz” entlohnt. Ich hoffe, daß ich diesmal von der ARGE weiter vermittelt werde. Denn diese Umstände vergällen mir zusätzlich noch das Leben. Ich bin zu einem halblegalen Dasein gezwungen, nur um überleben zu können. Das will ich nicht. Auch im Hinblick auf meine Zukunft nicht. Ich bin beinahe Mitte Fünfzig, meine Rente ist quasi bereits in greifbare Nähe gerückt. Wovon werde ich eines Tages wohl existieren müssen, wenn seit zwei Jahren lediglich die geringfügigsten Beiträge einbezahlt werden?…
… Nun, so sieht er aus, der kurze Abriss meines “Zur-Floßfahrt”-Dramas…
Juli 13, 2009 um 6:11 nachmittags
Der gut gemeinte Rat “kündige und such dir was neues” funktioniert leider nicht mal eben so… denn altgediente Servicekräfte kosten recht viel Geld und die “jungen Dinger” arbeiten für weniger
Was ich nicht verstehe, was hat Eon damit zu tun? Normal stehen Wirtschaften doch unter dem Protektorat einer Brauerei, falls sie sich nicht frei entwickelt haben.
Dein Dilemma ist natürlich diese nicht ganz legale Art der Bezahlung, da sich das natürlich bei einer Arbeitslosenmeldung übel auswirkt. Und bei solchen Zuständen macht arbeiten auch absolut keinen Spaß.
Das habe ich grade gesehen:
http://jobs.meinestadt.de/x/job.php/jobid=5223231
Keine Ahnung, ob das was taugt.
Und dieses hier:
http://jobs.meinestadt.de/x/job.php/jobid=5541574
Email-Bewerbung kostet ja nix
Juli 13, 2009 um 7:15 nachmittags
@Worti: Bei Hartz IV geht das an sich recht gut mit dieser nicht ganz legalen Art der Bezahlung, ich bekomme mit allem Drum und Dran ca. 935,- Euronen monatlich, darf natürlich nichts auf mein Konto einzahlen und muß mich völlig unauffällig verhalten, um ja keine Prüfung heraus zu fordern. Wenn diese teilweise illegale Entlohnung eines Tages einmal auffliegen sollte, hänge ich natürlich mit drin und mache mich straffällig – obwohl ich im Grunde genommen keine Schuld daran habe. Was hätte ich sonst tun sollen? Alles verlieren und in Zukunft unter einer Isarbrücke im Pappkarton hausen?
Nicht alle Wirtschaften sind an eine Brauerei gebunden. Bevor der “Brückenwirt” ein gastronomischer Betrieb wurde, vor ca. 50 Jahren, war er eine Dependance eines Kraftwerks im Isartal, wurde dann von Kantine und Bauhof in eine Gastwirtschaft umgewandelt, und geriet wohl so in Besitz von EON.
Ich ziehe diese 80 Tage bis zum Vertragsende noch durch, und werde dann mal mit dem Herrn Lochner in einem Gespräch darum bitten, daß man mir Stellenangebote zukommen lässt. Eine andere Möglichkeit wäre, mit Hilfe vom Andi, bei dem ich einen sehr großen Stein im Brett habe, M.ers dahingehend zu beeinflussen, daß sie mir eine unbefristete Festanstellung mit akzeptabler Entlohnung zugestehen. Der Andi übernimmt so nach und nach immer mehr Kompetenzen im Betrieb, vielleicht ist der Zeitpunkt, da M.ers sich aus dem Geschäft zurück ziehen, doch nicht mehr gar so fern.
Juli 13, 2009 um 6:44 nachmittags
Oh je. Bitte bitte, liebe Margot! Lass dich nicht unterkriegen. Es gibt so Tage, da nimmt einen das mehr mit, als an anderen Tagen. Und ich kann auch verstehen, dass du das alles ziemlich dicke hast, denn natürlich ist es eine Frechheit, was die mit dir machen. Eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit! Vielleicht findest du wirklich etwas angenehmeres? Schließlich bist du doch eine “erfahrene Kraft”.
Ach- ich drück dich mal ganz dolle und hoffe, dass sich bald alles zum Guten wendet! Ich wünsche es dir sehr!!!
Ganz liebe Aufmunterungsgrüße!!!
Heike
Juli 13, 2009 um 7:06 nachmittags
@paradalis: Danke dir!

Ja, zur Zeit setzen mir diese Umstände, vor allem die Unbeherrschtheit, der Jähzorn und die Ungerechtigkeit von den M’s schon arg zu. Derartigen Unmut hatte ich vor fast genau einem Jahr schon einmal, als ich mitbekam, daß diese Aushilfe, die es immer und immer wieder schafft, sich bei Frau M. liebkind zu machen, stets die besten Stationen zugeteilt bekam, und ich als Festangestellte permanent auf einem sehr anstrengenden und teils auch sehr schlecht frequentierten Revier arbeiten mußte.
Ganz herzliches Dankeschön fürs liebevolle Drücken.
Liebe Grüße!
Juli 13, 2009 um 6:59 nachmittags
Da ist mir grade etwas eingefallen: Wenn dein Vertrag im September ausläuft, hats du dich schon beim Arbeitsamt gemeldet? Drei mOnate vorher ist Pflicht…
Juli 13, 2009 um 7:02 nachmittags
@Worti: Die ARGE bzw. der für mich zuständige, sehr nette Sachbearbeiter Lochner hat bereits eine Kopie meines Arbeitsvertrages. Man weiß dort bereits seit Ende April, daß ich ein bis Ende September befristetes Arbeitsverhältnis habe.
Juli 13, 2009 um 8:49 nachmittags
puh..harter Tobak…
Steter Tropfen hölt den Stein…da kann ich dich schon verstehen, dass dich die harten Worte der Leute schonmal kratzen.
Es ist echt erschreckend, welches Betriebsklima in manchen Unternehmen herrscht.
Doch den Besitzern das selber mal spüren zu lassen funktioniert oft nur bedingt.
Habt ihr als geschlossene Gruppe schonmal versucht, mit den Besitzern zu reden und zu sagen, was euch stört? Wenn man so lange schon dabei ist, haben sich viele Eigenarten eingeschliffen, die man nicht ohne weiteres wieder rausbekommt. Und oft bekommen die Leute nicht mit, dass sie den Mitarbeitern und ihrem eigenen Geschäft durch dieses Gebaren schaden.
Ich wünsche dir noch ganz viel Durchhaltekraft, dass du das bis September noch durchhälst. Und noch mehr wünsche ich dir Glück, dass du doch noch entweder eine andere Stelle oder einen anderen Chef bekommst. *drück*
LG
Juli 13, 2009 um 9:27 nachmittags
@Gunny: Ich glaube nicht, daß es möglich ist, aus uns eine geschlossene Gruppe zu formieren, da würden zumindest die drei Lieblinge der Müllers quer treiben – und zwei davon würden uns schon im Vorfeld ganz gehörig anschwärzen und die Chefitäten gegen uns aufzuhetzen versuchen. Es wurde zwar vor ca. zwei Wochen angeschnitten, daß wir uns einmal zusammen finden und aussprechen sollten, aber ich denke, das wird im Sande verlaufen. Müllers scheuen direkte Konfrontationen, das läuft alles immer entweder hinten herum oder wird an Leuten ausgelassen, die im Grunde genommen völlig unbedarft sind und lediglich in Frieden ihrer Wege gehen wollen.
Gunny, wenn’s mich mal wieder ganz arg nervt, dann beiße ich die Zähne zusammen und stelle mir vor, was ich mit dem verdienten Geld alles anfangen kann – die Reise nach Florida, ein zweites Buch veröffentlichen, ausreichend Werbung für “Die Spanschachtel” machen… Das hilft meistens.
In der Gastronomie ist hinter den Kulissen der Tonfall meistens recht rüde, gar unmenschlich. Das hängt meiner Meinung nach damit zusammen, daß man ohne jegliche Qualifikation vorweisen zu müssen, hierzulande eine Lokalität eröffnen, übernehmen und führen darf. Wenn es dich interessiert, kannste dir ja mal meinen Post “(G)astronomische Schattenseiten” durchlesen.
Vielen Dank für’s Drücken!
Liebe Grüße!
Juli 14, 2009 um 7:39 vormittags
Ok, das mit der Kantine in früheren Zeiten macht die Sache mit Eon klarer. Ich dachte, es wäre schon immer eine normale Wirtschaft gewesen.
Vielleicht hast du ja glück, über den Andi was zu erreichen.
Das ist leider auch immer das Manko, dass jeder “Doofi” eine Wirtschaft eröffnen kann und das den meisten auch noch die nötige Menschenkenntnis fehlt.
Mir kommt es so vor, als würden die Ms diese Schleimer und Anschwärzer lieben, weil sie im Grunde genauso sind – und die Ehrlichen und Guten bleiben irgendwann auf der Strecke…
Drück dir die Daumen, dass der Herr von der Arge dir vielleicht was Gutes zuschieben kann. Du hast es ja gelernt und bist ewig im Geschäft. Wenn eine Ahnung hat, dann du.
Hier in Freising wurden leider auch nur hauptsächlich Saisonkräfte gesucht… Die haben meist alle ihre festen Leute und der Rest wird eben mit befristeten Verträgen aufgefüllt.
Juli 14, 2009 um 3:02 nachmittags
@Worti: Die Schleimer und Anschwärzer haben in den meisten gastronomischen Betrieben stets die Nase vorn. Das ist eine Beobachtung, die ich in den über dreißig Jahren meines Berufslebens immer und immer und immer wieder machen mußte. Ob die Chefs nun Müller, Schallameier, Winklhofer, Wieser, Käfer jun. heißen, es ist immer und überall das gleiche Spiel. Die falschesten und bösartigsten Kreaturen sind die Angesehendsten, bekommen die besten Stationen, werden am häufigsten eingeteilt, ihnen gegenüber bringt man stets vollstes Verständnis für ihre Launen, Zipperleins und Beschwerden auf.
Befristete Verträge und eine scheinbare Festanstellung zum Niedriglohn mit Schwarzauszahlung nebenher ist in der Gastronomie mittlerweile die Regel, ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit einem fairen Salär inzwischen absolut die Ausnahme. So schaut’s aus!
Juli 15, 2009 um 1:59 nachmittags
Es wird Dich nicht trösten, aber bitte habe nicht zuviel Angst vor der Zukunft, denn wir leben seit vielen vielen Jahren von der Hand in den Mund mit vier Kindern, die noch alle zuhause sind. Mein Mann hat für seine Ein-Mann-Firma nahezu alles hergegeben an Rente und Lebensversicherung, nur damit wir überleben konnten, wir kämpfen immer noch täglich um das Überleben. Deshalb hielt ich auch viel zu lange an dem 400-Euro-Job fest, der mich körperlich und auch seelisch total überforderte. Nun habe ich gekündigt, weil die Bandscheiben-OP mich (zum 2. Mal in meinem Leben) aus dem Alltag reißt. Und ich bin dankbar dafür, weil ich konnte nicht mehr. Bitte laß Dich nicht kaputt machen. Natürlich verstehen uns viele Menschen nicht (auch meine Eltern), daß wir als Rentenaussicht fast Null haben, aber wir müssen doch heute überleben? Wir sind wie die Vögelchen, wir leben das Heute, gucken, daß wir klar kommen. Es ist ein schweres Leben und es gibt nie Urlaub und nichts, aber in die Zukunft kann niemand sehen. Ich versuche immer zu vertrauen, daß wir auch im Alter, falls wir das erreichen, von irgendwas leben, überleben können. Auf keinen Fall darfst Du Dir Deine Freude und Kraft kaputtmachen lassen. Dann lieber wieder eine Weile aussetzen und sicher hat das Schicksal auch für Dich was Gutes oder Neues noch bereit. Alles Liebe Ellen
Juli 15, 2009 um 2:16 nachmittags
@seelenzeit: Vielen Dank für deinen lieben und offenen Kommentar.

Kaputt gehen werde ich an dieser Situation sicherlich nicht, dafür bin ich mittlerweile innerlich gottlob zu sehr gefestigt und stabil. Aber zermürbend sind halt diese Umstände schon, so wie der stete Wassertropfen den stärksten Fels auszuhöhlen vermag, so kratzen auch derartige Bemerkungen, wie faul, wie arbeitsscheu und unzuverlässig und dumm wir allesamt seien, am Selbstbewußtsein. Das Vertrauen, die Zuversicht in meine Zukunft versuche auch ich stetig aufrecht zu erhalten. Diese unfreiwillige Halb-Illegalität schmeckt mir nicht. Ich bin dazu gezwungen, den Staat zu besch…, nur weil Andere zu geizig, zu desinteressiert, zu gleichgültig sind, mir faire Arbeits- und Lohnbedingungen zu gewähren.
Ich habe zum Glück viele schöne Dinge, mit denen ich mich abzulenken vermag – mein Buch, die bevorstehende Florida-Reise, selbstverständlich das Bloggen, und die vielen lieben und interessanten Menschen, die ich damit kennen lernen darf, meinen Roman, der quasi schon auf der “Abschußrampe” zum Veröffentlichen steht, das für den Winter geplante Buchprojekt über die Villa Marienfels und deren Erbauer, die Großindustriellen-Familie Pintsch, den Einakter, welchen ich für eine unserer beiden Bauerntheater-Gruppen schreiben soll…
Aber, wie gesagt, stetig höhlend tropft es. Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn keine offenen und klärenden Worte ausgesprochen werden, wenn alles nur hintenrum und hinterrücks ausgetragen, wenn gestichelt, gestänkert, übel nachgeredet, gegeneinander ausgespielt, gehetzt und verleumdet wird – und das geht bei uns ganz stark von den Müllers aus! Altes, weises Sprichwort: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Und genau so ist es bei uns auch.
Ich habe kein Problem damit, die Zähne zusammen zu beissen und meinen Pflichten gewissenhaft nachzukommen, bis am 30. September mein befristeter Arbeitsvertrag ausläuft. Ich habe schon Schlimmeres als dieses Schmierentheater durchgestanden. Und ich freue mich schon auf den Augenblick, wenn ich dank der Unterstützung der ARGE einen neuen Job antreten werde und Müllers dann eine lange Nase drehen kann: “Ätsch, mit mir nicht mehr, ihr Pappnasen!”
Liebe Grüße!
Juli 15, 2009 um 2:15 nachmittags
Diese Menschen gibt es leider überall. In meiner alten Firma hatten wir auch so ein paar Zuträger. Da warst du manches Mal verwundert, was dein Chef so wusste…
Ich denke, hier am Flughafen ist es nicht anders… bisher ist mir das zwar noch nicht so aufgefallen, aber das kommt sicherlich irgendwann, irgendwo noch zu Tage…
Hast dir mal die beiden Links angesehen?
Sonst musst vielleicht mal gucken bei meinestadt.de/muenchen unter “Stellen”.
Juli 15, 2009 um 2:23 nachmittags
@Worti: Bei den Stellenangeboten von meinestadt.de bin ich sozusagen Stammkundin.
Ja, seltsam, nicht wahr? Daß immer und überall diejenigen Zeitgenossen, denen man ihrer Falschheit und Bosheit wegen am liebsten aus dem Wege gehen würde, zuoberst schwimmen – unbehelligt, teilweise sogar favorisiert. Man schreibt sich so gerne den Grundsatz “Üb’ immer Treu und Redlichkeit” auf die Fahnen – und der größte Abschaum wird am meisten gehätschelt und gepflegt. Das lässt schon tief blicken.
Juli 15, 2009 um 3:05 nachmittags
Das lässt sogar heftig tief gucken…
Heute kommt man leider nur voran, wenn man sich auf die schlechten Dinge einlässt und nicht durch ehrliche und redliche Arbeit
Juli 15, 2009 um 5:32 nachmittags
@Worti: So sieht’s in der Tat aus! Mittlerweile erhalten bundesweit ca. 6,7 Millionen (!!!) Arbeitnehmer einen Niedriglohn, der unter neun Euro netto liegt. Wenn die “Kleinen” mehr und mehr ausgenutzt werden und die “Großen” immer mehr Pfründe anhäufen, gehen solche Dinge wie Charakter, Anstand, Moral und gute Sitten zunehmend den Bach ‘runter. Nicht mehr die Guten, Liebenswerten, Anständigen “schwimmen oben”, sondern zusehends der Dreck, Individuen, die normalerweise in einer gesitteten Gesellschaft kein Bein auf die Erde bekommen würden.
Juli 16, 2009 um 10:55 vormittags
Liebe Margot,
Erstmal Danke für dein Vertrauen. Ich war unterwegs,
deshalb erst heute.
Ich weiss garnicht was ich sagen soll. Es tut mir so leid für Dich..
Aber das hilft ja nicht weiter /ist kein Trost bei solchen Verhältnissen.
Ich kenne mich nicht aus, in deutschen Arbeits- und Lohnbedingungen, deshalb kann ich dazu nichts sagen..
Aber alles was Du hier beschreibst ist ja “Horror”..
Kann dich gut verstehen, solche Bedingungen und Boshaftigkeiten
hauen den stärksten um.
Das Charakter, Anstand, Moral nichts mehr bedeuten..macht mich
total wütend..Kein Wunder das unsere Welt den Bach runter gehen..
Bin froh, es freut mich sehr das du all diese schönen Dinge hast
mit denen Du Dich abzulenken vermagst.
Dein Buch, die bevorstehende Florida-Reise, das Bloggen, deinen Roman usw..
Ich drück dir ganz fest die Daumen das es eine Lösung giebt..
*lass dich drücken* wenn auch nur virtuell..
ganz liebe Grüsse, Elke
Juli 16, 2009 um 2:54 nachmittags
@Elke: Meine Liebe, vielen, vielen Dank für dein Mitgefühl. Das hilft schon, oh, doch!
Ich sehe zur Zeit nur das Geld, wenn ich in die Arbeit gehe. Das Geld, und was ich mir alles an Träumen damit erfüllen kann. Ich versuche, so still und unauffällig vor mich hin zu arbeiten, mich möglichst wenig in irgendwelche Intrigen hinein ziehen zu lassen. Ich versuche, mir einen festen Panzer aus lauter Leck-mich-am-Arsch-Gefühl anzulegen. Meistens gelingt das auch recht gut.
Es gibt für jedes Problem eine Lösung, man muß nur fest daran glauben, fest darauf hoffen, sich nicht beirren lassen.
Herzliche Grüße zurück, und auch ein virtuelles *Umärmel-und-drück*.
Juli 16, 2009 um 11:29 vormittags
Da erzählst du mir nichts neues

Bevor ich zum Flughafen gewechselt bin und jetzt zumindest Tariflohn als Leiharbeiter bekomme, hab ich die ersten zwei Monate in Bayern auch unter Tarif gearbeitet…
Ging ja nicht anders – hatte ja Sperre vom Amt. So ist wenigstens etwas Geld rein gekommen.
Juli 16, 2009 um 2:59 nachmittags
@Worti: Du bist nach wie vor Leiharbeiter? Ich dachte, man hätte dich am Flughafen fest angestellt.
Juli 16, 2009 um 3:04 nachmittags
Nee, bin immer noch Leiharbeiter – bloss bei einer besseren Firma. Der Flughafen selber stellt dezeit keine Leute ein, sondern holt sich nur Leiharbeiter… vielleicht wird es ja zum Ende des Jahres wieder besser. Angeblich soll dann ja wieder ein gewisser Aufschwung kommen…
Juli 16, 2009 um 3:05 nachmittags
@Worti: Da wird auch jeden Tag etwas anderes erzählt: Heute rechnet man mit Aufschwung, morgen wieder mit Abschwung und einer Verschlimmerung der Krise…