Projekt ABC – 7. Woche (Villa Marienfels)
Buchstabe G – Geschenke…
… hielt dieser Tag heute für mich bereit. Es begann damit, daß mein guter Freund Timo mir seinen kleinen roten Sportwagen lieh. Ich liebe dieses Auto! Selbst besitze ich keines, fahre auch nicht täglich, doch wenn sich die Gelegenheit ergibt, habe ich viel Freude daran, mich sportlich und flott fortzubewegen. So wuchtete ich mich also hinters Steuer des niedlichen Flitzers und brauste Richtung Heimat, Richtung Berchtesgaden…
… Das zweite Geschenk bereitete mir die Buchhandlung “ Berchtesgadener Bücherstube“. Man begrüßte mich ausgesprochen freundlich, hörte aufmerksam und interessiert zu, als ich von meinem kleinen Werk „Die Spanschachtel“ erzählte, und zeigte sogar Enthusiasmus: „Ui, endlich einmal eine einheimische Autorin, die über unsere Gegend und unsere Leute schreibt!“ Es wurde beschlossen, bei BoD gleich einige Exemplare zu bestellen, „… das können wir uns gut vorstellen, daß sich so etwas gut verkaufen lässt…“, und ohne viel Federlesens wurde mein Werbeplakat ins Schaufenster gehängt.
Und dann machte ich mich gemächlich nach einem Rundgang durch den heimatlichen Marktflecken auf den Weg zu meinem dritten Geschenk…
… Villa Marienfels…

Meine Freunde hier in Kleinbloggersdorf wissen seit meinen beiden Posts „Haus am Berg“ Teil eins und zwei, die ich im Januar und Februar veröffentlicht habe, daß mich diese wunderschöne Villa im Neurenaissance-Stil, die förmlich über dem Berchtesgadener Ortskern zu schweben scheint, seit beinahe fünfzig Jahren fasziniert und begeistert. Zu meiner großen Überraschung meldete sich im März ein Herr Georg F. Wagner und gab sich als Eigentümer der Villa Marienfels zu erkennen. Nachdem wir einige E-Mails ausgetauscht hatten, lud er mich zu einer Besichtigung ein. Nach einigen Verzögerungen – Herr Wagner unternahm eine längere Indien-Reise, ich hatte im „Brückenwirt“ während des sonnenreichen Frühjahrs alle Hände voll zu tun, dann legte mich über eine Woche lang eine Sommergrippe lahm – war es nun heute Mittag so weit…
… Voller Bedacht schritt ich die einhundertachtzig Stufen vom Markt Berchtesgaden zur schmiedeeisernen Pforte hoch. Herr Wagner erwartete mich bereits am Aufgang zum Garten. Er begrüßte mich ausgesprochen freundlich und liebenswürdig und geleitete mich über den Rasen zum Haus meiner Träume…

… Der Haupteingang befindet sich im Obergeschoss des Anwesens, vor dem großen, massiv hölzernen Portal überquert man eine kleine Zugbrücke. Sie überspannt den ca. zwei Meter breiten Graben, der die Gemäuer vom schroffen Steilabfall trennt…

… Buntglasfenster über der Eingangstür. Es zeigt die Kirche in Richard Pintsch’s Berliner Heimatviertel. Eine Anmerkung am Rande: Sämtliche Einrichtungsgegenstände, Malereien, Verzierungen, Schnitzereien, Glaskunst etc. sind Originale bzw. diesen getreu angefertigte Nachbildungen. Herr Wagner bemüht sich seit Jahrzehnten um die größtmögliche Authentizität seines Besitzes…

… Im Vestibül…

… Dieses Buntglasfenster im Treppenhaus erstreckt sich beinahe über die ganze Höhe zwischen dem oberen und dem zweiten Geschoss. Deutlich erkennbar sind die ineinander gefügten Initialen M. P. Sie stehen für Maria Pintsch. Im Jahre 1899 wurde ihr von ihrem Gatten, dem Berliner Erfinder, Großindustriellen und Pionier der Gasbeleuchtung und -technik Richard Pintsch, der 1892 diese Villa hatte erbauen lassen, der gesamte Besitz überschrieben. Maria Pintsch, geborene Goldberg, war, so sagt man, auch maßgeblich an den Plänen der Innenausstattung und Gestaltung der Räume beteiligt…




… Im großen Salon…
… Fortsetzung folgt!
Juni 29, 2009 um 10:30 pm
G wie Geschenke, tolle Idee
Das Nützliche gleich mit dem Guten verbunden 
Was war das denn für ein Flitzer?
Das mit der Buchhandlung ist ja toll. Da drück ich dir kräftig die Daumen. Vielleicht ruft von dort ja noch die Zeitung bei dir an
Die Villa… *boah* was für tolle Einrichtung usw. Da hast du ja richtig schöne bilder gemacht. Das muss eine tolle Atmosphäre dort sein.
Juni 29, 2009 um 11:47 pm
@Worti: Der Timo hat einen Ford Puma. Klein, wendig, sportlich, ordentlich Pferdchen unter der Haube.
In der „Bücherstube“ könnt’ schon was gehen. Ich war schier geplättet von dem freundlichen Umgang dort.
Die Atmosphäre war überwältigend. Die Villa Marienfels hat schon ein ausgesprochen stilvolles Ambiente, oh ja.
Juni 30, 2009 um 7:55 am
Hah wie schön, dass dein Traum mit der Villa endlich wahr geworden ist und du uns daran teilhaben lässt. Sehr schöne Bilder – ich bin gespannt auf die Fortsetzung! Und natürlich weiterhin viel, viel Erfolg mit deinem Buch
Juni 30, 2009 um 6:35 pm
@Mrs. Karibale: Ja, das war schon ein herrliches und bewegendes Erlebnis. Fortsetzung ist online!
Vielen Dank, vielleicht lässt sich das Bücherl in meiner Heimat wirklich gut verkaufen.
Juni 30, 2009 um 8:23 am
ja, allein schon dieser Sekretär und die puchelige Sitzecke
Einfach herrlich.
Schade, dass wir keine „eigene“ Wohung haben bzw. der Vorraum nicht so riesig ist. Hab eine obermegageniale Bauernstube bei Biller gesehn
Den Preis lassen wir mal außen vor *hihi*
Ein Puma – da kann ich mir ja schon fast vorstellen, wie du damit durch die Gegend gebraust bist *hihi*
Juni 30, 2009 um 6:38 pm
@Worti: Das Innere der Villa ist schon sehr, sehr gediegen. Und doch auch ausgesprochen wohnlich und gemütlich.
Für Bauernstuben werden schon gesalzene Preise verlangt, oh ja, obwohl eine solche von einem Schreiner nach Originalvorlagen gezimmerte schon noch ein Eckchen teurer ist.
Der Puma ist vor allem auf der Autobahn immer von ganz alleine schneller geworden, da konnte ich gar nix dafür.
Juni 30, 2009 um 10:29 am
Bewegend, dass es doch noch Menschen gibt, die ein feines Gespür für so große Persönlichkeiten an Häusern haben. Danke für den Bericht und für die tollen Fotos.
Herzliche Grüße, Cellulanus
Juni 30, 2009 um 6:49 pm
@Cellulanus: Das hatte in der Tat seit so langen Jahren auf mich die Wirkung, als hätte diese Villa eine eigene und große Persönlichkeit! Beim Eintreten war mir schon so, als würde ich jetzt einem einzigartigen, irgendwie lebendigen Organismus begegnen.
Diese wunderschöne Begegnung teile ich gerne mit euch!
Liebe Grüße zurück!
Juni 30, 2009 um 12:27 pm
Das ist ja mal ein wunderschönes, altes Gemäuer. Das wäre schon einen König wert. Toll das Du es besichtigen durftest und die Bilder mit uns teilst.
Juni 30, 2009 um 6:51 pm
@Mark: Ich war auch während meiner Kinder- und Jugendtage stets der Annahme, daß diese Villa die Residenz hochnobler Adeliger sei.
Würde ich meine Eindrücke nicht mit euch teilen dürfen, würde die Gefahr bestehen, daß ich vor lauter Freude und Enthusiasmus platze.
Juni 30, 2009 um 1:26 pm
Oh Freidenkerin,
das ist aber schön, da hast Du aber sehr viel Glück! Dein Traumhaus und Du wirst sogar noch dazu eingeladen. Also ich würde da auch sofort einziehen, ganz tolle Bilder und richtig urgemütlich siehts dort aus. Der schöne Balkon mit der tollen Sicht würde mich auch sehr locken. Ich glaube, ich würde mich dort auch sehr wohlfühlen. Deine Schilderung über das Haus lese ich demnächst mal ganz in Ruhe, habe es nur „überflogen“. Aber toll, wirklich klasse!
Liebe Grüße Ronja
Juni 30, 2009 um 6:58 pm
@raeuberbraut: Diese Villa ist aber auch trotz all ihrer Noblesse und Gediegenheit ausgesprochen wohnlich und behaglich, ein Wohlfühlort. So von außen besehen. Lebt man in und mit diesem Gebäude, muß man leider Abstriche machen. Durch die ausgesetzte Lage am Steilhang wird es von Stürmen ordentlich gerüttelt und gebeutelt, ein Flachdach ist in einer Alpenregion mit doch sehr heftigen Wintern eine eher unselige Konstruktion, durch die Stahlrahmenkonstruktion „lebt“ dieses Anwesen beständig und „arbeitet“, es ist kein leises Haus, sondern eines, das fortgesetzt ächzt und knackt und knistert. Das eiserne Gerüst leitet natürlich vor allem im Winter die Kälte sehr schnell ins Innere, allein den großen Salon auf eine angemessene Temperatur zu bringen, kostet enorm viel Aufwand. – Und doch kann man sich der Schönheit, dem Charme und vor allem der faszinierenden Geschichte der Villa Marienfels nicht entziehen…
Liebe Grüße!
Juli 7, 2009 um 12:43 pm
diese wundervollen Fotos…
dieser Villa..
Danke fürs zeigen..
übrigens im Teil 2.
herzlichst, Elke
Juli 7, 2009 um 1:00 pm
@Elke: Diese Bilder zeige ich euch herzlichst gerne!