Ein Appell
Während der heutigen Mittagsstunden überschlugen sich die brandaktuellen Schlagzeilen über den unvorstellbar grausamen Amoklauf eines siebzehnjährigen Schülers in Winnenden, Baden-Württemberg. Live-Reportagen aller Fernsehsender mit sich teilweise heillos widersprechenden neuesten Neuigkeiten jagten einander. Eilends wurde eine Schulpsychologin in das Studio des “Mittagsmagazin” gezerrt. Unsere auf jugendlich windschnittig, mädchenhaft blond getrimmte “Bundes-Barbie” drückte mit vor Betroffenheit triefender Stimme ihr Entsetzen und ihr Mitgefühl aus…
Relativ schnell kristallisierte sich eine erste Analyse des Täters heraus: Nach außen hin eher unauffällig, zurückhaltend, zurückgezogen, irgendwie undurchschaubar, aus bürgerlicher Familie. Und: Die Waffen, mit welchen er seinen blutigen (Rache-?)Feldzug ausführte, sollen aus eben jenem Elternhaus stammen! Wie vor etlichen Jahren bei den Bluttaten von Bad Reichenhall. Den regelrechten Hinrichtungen in einem oberbayerischen Internat. Dem Amoklauf von Erfurt.
Da komme ich nicht umhin, mich zu fragen, warum angeblich zivilisierte Menschen in diesem – doch immer noch – wohlbestellten, wohlhabenden Staat es für nötig erachten, sich Schußwaffen zuzulegen? Wir leben nicht im Wilden Westen! Auch nicht im kanadischen Outback, wo der nächste Supermarkt beschwerliche Tagesreisen entfernt liegt und man sich selbst um eine warme und nahrhafte Mahlzeit kümmern muß. Hier lauern keine hungrigen Bären und Wölfe an der Türschwelle! Auch ist niemand von uns gezwungen, sein Heim gegen Desperados a la Billy the Kid zu verteidigen! Ich bin mit einem gerüttelt Maß an Fantasie gesegnet, kann mich in die Psyche eines Waffenliebhabers allerdings nicht hinein versetzen. Was ist so faszinierend an diesen Tötungsmechanismen? Auch fehlt mir jegliches Verständnis für das Pflegen des waidmännischen Hobbys. Was ist so aufregend, so hinreißend daran, gut geschützt und verborgen in einem Hinterhalt lauernd ein todbringendes Projektil auf ein ahnungsloses und in jeder Hinsicht wehrloses Wesen abzufeuern? Was bringt Eltern dazu, sich so weit zu vergessen und einen Waffenschrank im Beisein kleiner Kinder und Halbwüchsiger zu hegen?
Nun komme ich zu meinem Appell: Wir benötigen kein kindisches, unausgegorenes, unübersichtliches Gesetzeswirrwarr, wann und wo wir als erwachsene und mündige Bürger dieses Staates Zigaretten rauchen dürfen, ob mein Tischnachbar dabei eine Mahlzeit zu sich nehmen, ob eine Blasmusik oder ein Disc-Jockey im selben Raum Musik machen darf oder nicht! Wir benötigen ein hieb- und stichfestes Gesetz, welches Erziehungsberechtigten den Besitz und die Aufbewahrung todbringender Handfeuerwaffen untersagt, so lange Kinder und Jugendliche unter demselben Dache hausen! Wir benötigen eine sorgfältigere, intensivere, wesentlich besser fundamentierte Ausbildung unserer Pädagogen. Und eine weitaus größere Menge davon! Zudem hoch qualifizierte, hoch motivierte Schulpsychologen! Eine Entzerrung mörderischer Stundenpläne und eines nicht zu bewältigenden Lernpensums junger Menschen. Eine gezielte Förderung und Schaffung ganzheitlicher und ganztägiger Schulbetreuung!
Leider muß ich davon ausgehen, daß hier in diesem unserem Staate, wo nach wie vor Jahr für Jahr der Etat für den Rüstungs- und Verteidungshaushalt um ein Vielfaches höher liegt als das Budget für Bildung, Erziehungswesen und Soziales, mein Appell ungehört verhallen wird.
Und die Todesopfer von Wenningen werden nicht die letzten sein…
März 11, 2009 um 6:16 nachmittags
Das hast du sehr gut geschrieben, sprichst mir aus der Seele!
Ich sehe den Sinnn auch nicht, dass eigentlich, der einen Waffenschein erlangt, Waffen zu Hause aufbewahren darf. Die gehören sicher verwahrt in den Schützenverein und nicht in einen Privathaushalt!
Ich bin auch einmal mehr fassungslos
März 11, 2009 um 6:36 nachmittags
@Sterntau: Ich bin sehr bestürzt. Mein Mitgefühl gilt den Unschuldigen, die da ihr Leben lassen mußten.
März 11, 2009 um 7:50 nachmittags
Oh Gott, ich bin heute noch nicht einmal zum Nachrichtenhören gekommen.
März 11, 2009 um 8:11 nachmittags
@tonari: Sei froh. Besser so, als wie wenn dich diese Schreckensmeldung den ganzen Tag über verfolgt hätte.
März 11, 2009 um 8:22 nachmittags
Ich habs gerade in der Tagesschau gesehen und bin fassungslos.
Und was hört man dann? “Der Gesetzgeber wird reagieren.” Das hätte er schon oder spätestens nach Erfurt.
März 11, 2009 um 8:27 nachmittags
@tonari: Da wird jetzt ca. eine Woche lang der Schwarze Peter von einer Instanz zur nächsten weiter gereicht. Es wird viel Heulen und Zähneklappern geben, elendig lange Diskussionen und Sondersendungen im Fernsehen, auf sämtlichen Sendern, sämtliche Reporter werden sämtlichen Augenzeugen die gleichen dämlichen Fragen stellen… Und dann wird das Ganze ohne große Reaktionen verursacht zu haben im Sande versickern. Wie immer.
Fakt ist: Würde man Erziehungsberechtigten untersagen, im Hause Waffen zu deponieren, wären sehr viele Menschen noch am Leben. Kontrollieren lässt sich dieses Gesetz ganz einfach: Beim Kauf einer Handfeuerwaffe muß eine Kopie der Lohnsteuerkarte vorgelegt werden. Darauf sind ja Familienstand, Zahl und Alter der Kinder deutlich zu erkennen.
März 11, 2009 um 8:46 nachmittags
vor gut einem jahr gab es an unserer schule auch eine drohung, die sich aber als verwechslung mit einer anderen schule in der nähe herausstellte. zum glück. aber ich hab mich trotz allem sehr mies gefühlt in der woche, wenn ich dann jetzt die bilder sehe bin ich nur danbar, dass der kelch an mir so vorrüber gegangen ist. die familien, die ihre kinder da verloren haben… da schickt man morgens sein kind zur schule und es kommt nicht wieder, hat meine muter da nur gesagt.
ich find’s auch unverantwortlich, die waffen so zugänglich aufzubewahren. legal hin oder her… *kopf schüttel* so was geört einfach nicht in reichweite von jugendlichen (wobei auch älteren manchmal die sicherungen durchbrennen können, siehe alabama). und wer an waffen kommen will kommt da auch irgendwie dran.
März 11, 2009 um 8:53 nachmittags
@yvie: Ich hatte mal auf dem Oktoberfest gearbeitet, als am Vormittag bekannt wurde, daß eine telefonische Bombendrohung unser Zelt betreffend eingegangen sei. Natürlich hat die Geschäftsleitung abgewiegelt und das für blanken Unsinn erklärt. Aber dennoch haben wir allesamt mit einem sehr starken Angstgefühl und zittrigen Knien bedient. Zumal wir mitbekamen, daß den ganzen Tag über bis zur Sperrzeit Kriminaler in Zivil durch das Zelt pilgerten und jedes Eck, jede dunkle Nische, jedes Regal- und Schrankfach genau in Augenschein nahmen.
Wer über eine sehr starke kriminelle Energie verfügt, kommt stets an Waffen, das ist klar. Aber grade was diese Amokläufe Jugendlicher betrifft, bin ich mir sehr sicher, daß sich diese tragischen Vorfälle wesentlich seltener ereignen würden, wären im Elternhaus keine Waffen greifbar.
März 11, 2009 um 8:58 nachmittags
nee, sicher. wenn die nicht so greifbar wären glaube ich auch nicht. aber wege und mittel mit den richtigen kontakten und bumm kommt man da dran. und wenn die eltern drauf vertraut haben und keinen grund zur besorgnis hatten, was den jungen angeht. ein ganz normaler junge, der nie aufgefallen ist und was die jedes mal sagen…
ich kann eh nicht verstehen, wie so ein mensch denken muss, um so etwas zu tun.
das ist einfach zu hoch für mich.
März 11, 2009 um 9:02 nachmittags
@yvie: Ja, das geht mir genau so. Ich versuche immer wieder, mich in solch einen Menschen hinein zu denken, und obwohl meine Jugend alles andere als schön und harmonisch verlaufen ist, scheitere ich jedesmal daran.
März 11, 2009 um 9:07 nachmittags
ich bin ziemlich behütet aufgewachsen und tue es ja eigentlich immer noch.
ich weiß zu sowas auch einfach nichts mehr zu sagen… es macht mich einfach nur irgendwie betroffen und zeigt mir, wie grausam die welt doch eiegntlich ist (hört sich zwar an, wie in einem schlechten film, aber so ist es leider nun mal) *seufz*
März 11, 2009 um 9:33 nachmittags
@yvie: Diese Last muß jeder sensible und vernunftbegabte Mensch tragen: Daß auf dieser Welt neben viel Gutem und Schönen auch ein erkleckliches Maß an Grausamkeiten, Leid und Seelenpein existiert.
März 11, 2009 um 9:08 nachmittags
Ja, ich kann Dir zustimmen, wobei Gesetze gegen Waffen “nur” die Symptome bekämpfen. Bildung geht schon deutlich mehr an die Basis, schafft aber auch nur einen Werkzeugkasten, Erfahrungen zu verarbeiten. Erziehung -und hier sind Eltern gefragt- ist für mich der Kern. Und zwar die emotionale und authentische Erziehung, die die Verinnerlichung fundamentaler Werte erst ermöglicht. Kein Trimmen auf gesellschaflich konformes und erfolgversprechendes Verhalten.
März 11, 2009 um 9:31 nachmittags
@Donkys Freund: Da müßten sich Staat und Wirtschaft dann aber von Grund auf ändern. Und zwar dahin gehend, daß sich die Familien es wieder leisten könnten, einen Elternteil zuhause zu belassen, mit dem Schwerpunkt auf Obhut und Erziehung.
März 11, 2009 um 10:20 nachmittags
mir war so schlecht .. musste erstmal zu hause Töchterlein knuddeln … sie hat das natürlich auch mitbekommen über die nachrichten .. habe es versucht ihr zu erklären und sie soweit “runterzufahren” dass sie schlafen kann …
ansonsten kann ich dir nur aus vollem herzen zustimmen …
LG
Sany
März 11, 2009 um 10:28 nachmittags
@Sany: Nach den überflutenden Meldungen und Interviews und Life-Berichten und Kommentaren heute mittag war mir auch schlecht. Ich hab mich erst einmal eine Stunde hingelegt, die Decke über den Kopf gezogen und versucht, an etwas Positives zu denken. Was mir aber nicht gut gelungen ist.
März 11, 2009 um 10:38 nachmittags
@ freidenkerin: Ich glaube, in dieser Unternehmerfamilie wäre durchaus die Möglichkeit gewesen, dass jemand sich um kümmert. Nur eine Vermutung. Das Problem sitzt tiefer als im Staat meiner Meinung nach. Ich möchte jetzt nicht das belastete Wort “Wertewandel” bemühen. Mir fällt aber nichts anderes ein.
März 11, 2009 um 10:41 nachmittags
@Donkys Freund: Das Wort “Wertewandel” hat in diesem Zusammenhang aber durchaus seine Berechtigung. Und zwar eine äußerst gewichtige!
März 12, 2009 um 12:01 vormittags
Liebe Martha,
zu Deinem letzten Satz: Hoffentlich irrst Du!!!
Ich meine, ich erwähnte schon irgendwo, welch ambivalentes Verhältnis ich zur Nation der USA habe. Ich hoffe, dass nicht das eintritt, was ich mal in einem gänzlich anderen Kontext sagte: Unser Staat bekommt die Nr. 51; das war nicht staatsrechtlich oder wie auch immer so gemeint, aber in einem speziellen Sinn, den viele sicher deuten werden. Unser Land ‘ amerikanisiert sich immer mehr. Es sind aber die Bewohner, die dies fördern. – Wo lebe ich überhaupt? – Der Gebrauch von Waffen ist vielleicht das Schlimmste, aber es gibt noch manche anderen Dinge, die ebenfalls nicht zur Gesundheit unseres schönen Landes beitragen. – Ist das einfach nur der Lauf der Zeit?-
Nachdenkliche Grüße
Eckard
März 12, 2009 um 2:34 nachmittags
@Eckard: Es bringt nicht viel, die Probleme unseres Landes den Amerikanern in die Schuhe zu schieben. Ich bin auch nicht davon überzeugt, daß die USA die “Brutstätte” solchen Übels wie Amokläufe sind. Es hat in den letzten Jahrzehnten in den wohlhabenden Ländern dieser Erde eine deutliche Werteverschiebung statt gefunden. Darin liegt der “Hund begraben”. Wenn berufliche und wirtschaftliche Anforderungen Eltern daran hindern, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern, das Schul- und Erziehungssystem die Chancen Heranwachsender auf eine ausreichende Bildung und ein gesundes inneres Wachstum eher hemmt als fördert, ein Menschenleben im Vergleich zu materiellen Dingen stets weniger zählt und geachtet wird, und hierzulande weitaus mehr geschwafelt, analysiert, debattiert und polemisiert wird, anstatt konsequent zu handeln, dann ist das nicht wirklich auf den amerikanischen Einfluss zurück zu führen, sondern hausgemacht. Ich habe heute Mittag während zwei Stunden Dauerberieselung diverser Nachrichtensender nur einen einzigen – für mich – vernünftigen Vorschlag vernommen, und der kam von Christian Ströbele: Waffen haben in einem Privathaushalt nichts zu suchen, ist jemand Mitglied eines Sportschützenvereines (wie der Vater des Amokläufers), soll er dazu verpflichtet werden, seine Schußwaffen im Verein aufzubewahren. Sogenannte Amokläufe hat es seit jeher gegeben – und wird es auch weiterhin. Leider.
März 12, 2009 um 12:09 vormittags
Eigentlich hätte man schon vor jahren etwas ändern müssen…
allerdings wird der “schwarze Peter” einfach nur weitergegeben bis irgendetwas gefunden wird was Passen könnte und kein Geld Kostet
Also wird die schuld auf irgendwelche computerspiele geschoben in der hoffnung das durch die Medien usw die Leute dies auch glauben
und es kostet weniger geld ein Spiel zu verbieten als wirklich etwas zu ändern.
und weil eben die meisten amokläufer eben auch viel Pc gespielt haben kann man diesen Roten faden auch soziemlich bei jeden amoklauf ab 2000
(zum glück sinds nicht soviele)
zurückverfolgen was aber eher daran liegt das so ziemlich jeder in der Heutigen zeit speziell Spiele wie Counterstrike spielt/spielte
vermutlich sind solche Spiele mitunter auch ein grund weshalb manche leute ausrasten, allerdings ist dies auch nur ein tropfen auf dem heißen stein…
es gibt immer einen grund warum sich Menschen zurückziehen und übermäßig viel zeit in einer scheinwelt verbringen.
Also was war der Grund weshalb es überhaupt erst soweit kommen konnte?
es kann eigentlich nur etwas mit dem Umfeld zutun haben :eltern Klassenkameraden Lehrer usw…
Eltern wie in diesem fall zb. Waffen “rumliegen” lassen
Klassenkameraden vermutlich Mobbing
Lehrer : Stress, Mobbing(ja kommt oft genug auch von lehrerseite)
Da kann sich leicht hass wut und daraus folgende gewaltbereitschaft bilden.
Freunde habe ich bewusst nicht aufgezählt da diese Personen meist ausgegrenzt sind und wahrscheinlich nichtmal freunde haben
Man sollte was am schulsystem und am elternkindsystem (in ermangelung eines besseren wortes) ändern, Symptombekämpfung (spieleverbieten oder waffengesetz verschärfen) ändren garnix denn nur weil die Personen nicht an waffen kommen macht es sie nicht zu glücklicheren menschen oder kann es uns dann egal sein weil sie sich ja “nur” selbst umbringen?
Aber das wird man von Politikern eh nie hören da sie das nehmen was alle hören wollen und am wenigsten geld kostet und die Schuld auf jemand andren schiebt.
Hoffe der TeXt ist halbwegs lesbar… ist schon spät
(und nein ich spiele kein Counterstrike)
März 12, 2009 um 2:39 nachmittags
@Dave: Sei willkommen auf meinem Blog. – Es wird leider, leider so ablaufen, daß das Thema “Amoklauf eines Jugendlichen” noch einige Tage kräftig fliessendes Wasser auf die Mühlen sämtlicher Medien sein wird. Und sämtliche Parteien werden selbstredend ihr Möglichstes geben, dieses Thema zugunsten des anstehenden Wahlkampfes auszuschlachten, sich groß tun, sich selbst und ihre hehren Ziele schön reden und sich eine Verbesserung herrschender Zustände auf die Fahnen zu schreiben.
Und irgendwann, in wirklich nicht allzu ferner Zeit, wird der Amoklauf von Wenningen dann traurige Geschichte sein, verdrängt von neuen Schlagzeilen. Er wird aus unser aller Bewußtsein verschwunden sein. Ohne deutliche, konsequente Spuren bei Gesetzgebern, Lehrern, Psychologen, Eltern – uns allen! – hinterlassen zu haben. Kurzfristig aufgerüttelt werden wir allesamt in einigen Tagen wieder zurück gleiten ins gewohnte Fahrwasser.
Bis es das nächste Mal knallt…
März 12, 2009 um 8:18 nachmittags
trefflich daneben…
Als ich heute früh eine der den Briefkasten verstopfenden kostenlosen Berliner Wochenzeitungen aufschlug, sprang mich ein dieses Foto an:
Angesichts des gestrigen Amoklaufes eines Jugendlichen in Winnenden haben der Bericht, seine Überschrift und vo…
März 12, 2009 um 9:17 nachmittags
vielen Dank für Ihre Worte
liebe Grüße
März 12, 2009 um 9:20 nachmittags
@Rotkraut. Willkommen auf meinem Blog. Alles Gute für Sie. Wir dürfen bei so etwas nicht mehr stillhalten und weg sehen.
März 12, 2009 um 10:33 nachmittags
Nein, Margot,
ich schiebe es nicht den Amerikanern in die Schuhe. Es geht mir auch nicht nur um Amok. Wenn ich wen anprangere, dann die, die alles das von ‚jenseits des großen Wassers‘ hier übernehmen. Und da gibt es für meine Begriffe einfach zuviel Negatives. Ich verkenne dabei nicht die positven Seiten, die durch eine Minderheit dieser Nation geschaffen wurden. Und da gibt es wirklich eine ganze Menge Positives.
Den Ausspruch von Herrn Ströbele kann ich nur unterstreichen. – Leider hast Du mit Deinem Satz sicherlich Recht. Erschreckend ist, dass es immer öfter sehr junge Menschen sind, die sich mit diesem Mittel ein unrühmliches Denkmal setzen und nur unsagbares Leid erzeugen.
Herzlichen Gruß, Eckard
März 12, 2009 um 11:06 nachmittags
@Eckard: Daß sich viele vor allem junge Menschen in ihren Gepflogenheiten nach amerikanischen Vorbildern richten, liegt daran, daß die Kriegs- und erste Nachkriegsgeneration das Deutschsein und die Wurzeln des eigenen Kulturgutes und jungen Staates voller Scham, Ekel und Orientierungslosigkeit unter den Tisch kehrten, kleinmachten, totschwiegen. Man durfte sich nicht daran erfreuen, deutscher Nation zu sein. Im übrigen wage ich es sehr zu bezweifeln, daß hierzulande bessere oder angenehmere Zustände herrschen würden, wenn sich der Nachwuchs statt an Amerika z. B. an China orientieren würde.
März 12, 2009 um 11:15 nachmittags
@Freidenkerin:
Natürlich werden sie das tun in den nächsten wahlflugblättern wird in großen Buchstaben “WIR ÄNDERN WAS” oder so stehen…sie ändern hald nix denn es geht um Stimmen und sonst um garnix… die frage ist nicht was die wahrheit ist sondern was die leute gerne hören wollen
niemand will gern hören “falsche erziehung” oder “Lehrer bauen scheisse”
es kommt einem fast schon so vor als würden die politiker wenn sie was von nem amoklaufhören geradezu hoffen “bitte bitte hoffentlich hat der Typ Computer gespielt” so spart man sich auch Teure Reformen und die meisten leute glaubens dann auch noch
und wer Diskutierts dann auch noch? irgendwelche 40jährigen Psychologen/Politiker/Sonstwas die Ka haben wies in der Schule Zugeht
aber halt selbsternannte Alleswisser sind…
das sind dann die die für Mehr Schulpsychologen Fordern…
aber ehrlichgesagt wird das nichts ändern… ich kann mir nicht vorstellen das irgend ein Mobbingopfer(oder sonstwas) zu nem Schulpsychologen geht… und wenn doch dann sinds bestimmt nicht die die Amokläufe Planen oder so.
Naja wird sich sowieso nichts ändern jetzt kommt 2wochen lang viel mimimi über die medien und danach ist es eh wieder Vergessen
und in 2 Jahren knallt wieder irgendwer irgendwo irgendwen ab und dann geht die Heuchelei sowieso wieder von vorne los…
März 12, 2009 um 11:23 nachmittags
@Dave: Sehr viele Mitmenschen benötigen ein sogenanntes Feindbild (Internet-User, Computerspieler, Amerikaner etc.). Diesem eine Mitschuld zuzuweisen ist wesentlich einfacher, als die Gründe für eine solche (Verzweiflungs)Tat im eigenen Sozialsystem, im Umgang mit den Nächsten, den Schülern, den Lehrern (!), den Kindern zu suchen.
März 12, 2009 um 11:30 nachmittags
ja es ist einfacher und das wissen auch die Politiker und MedienFutzis…
allerdings wirds nur weil mans oftgenug wiederholt nicht zur wahrheit
warum das ! bei Lehrern?
März 12, 2009 um 11:35 nachmittags
@dave: Weil sehr viele engagierte und auch gute Lehrer heutzutage einen ungeheuer schweren Stand haben. Ihre Belastungen und ihr nervlicher Stress ist sicherlich bei etlichen genauso hoch wie bei vielen Schülern. Ich weiß das sehr gut, weil mein Vater 42 Jahre lang Grundschullehrer war.
März 12, 2009 um 11:42 nachmittags
wäre auch ein grund für eine Schulreform
die einen Lehrer machen das minimum kriegen geld für mehr oder weniger nichts
die andre seite Dreht fast durch weil sie keine Zeit mehr für garnichts haben…und nur nachteile weil sie engagiert sind…
Aber Geld sparen ist wichtiger als die Paar toten alle paar jahre…solange wir ne gute ausrede haben…
bzw die eigentliche frage ist doch warum haben es die lehrer heutzutage so schwer?
und warum erschießt ein ehemaliger Schüler beinahe nur schüler und fast keine lehrer… Logisch gesehen hat er die getötet die er am meisten gehasst hat von dem her wars wohl eher Extremes mobbing…
aber keiner seiner Mitschüler will hören das er/sie dran schuld waren
auch ein grund weshalb sich nix ändern wird eigentlich sollte man es als chance sehen etwas zuändern…allerdings gehts wiedermal in die Falsche richtung da Geld>>Menschen
März 12, 2009 um 11:58 nachmittags
@Dave: Eine Schulreform tut bitter not, da gebe ich dir Recht. Und zwar bundesweit, nicht nur ein Klecks hier, ein Klecks da.
Aber – und das ist das Allerwichtigste! – eine, ich will’s mal so ausdrücken, Menschlichkeitsreform ist mindestens genauso zwingend notwendig. Kümmern, und nicht links liegen lassen. Füreinander da sein, und nicht einander ausgrenzen. Richtig Zuhören, wenn Jemand mir etwas zu sagen versucht. Geduldig sein, Frieden suchen und finden. Hinsehen, wenn da Eine(r) mit Problemen kämpft.
Und nun kommt noch ein Aber – und das ist das Traurigste an unser aller menschlichem Dasein: Auch beim besten Willen werden wir es vermutlich niemals ganz verhindern können, daß sich so furchtbare Geschehnisse wie gestern in Wenningen ereignen können…
Zumindest so, wie sich die Menschheit heutzutage darstellt.
Aber sich darum bemühen, im eigenen Umfeld, Dave, in deinen und in meinem, dafür Sorge zu tragen, daß diese Welt ein bißchen besser, gewaltfreier, erträglicher, freundlicher wird, müssen wir. Das ist unsre Pflicht. Lass die Politiker, die Medienfuzzies, die Klugschwätzer palavern. Die sind nicht so wichtig. Wir sind’s. Jeder einzelne von uns.
März 13, 2009 um 12:19 vormittags
eine Bundesweite Reform kommt niemals… kostet zuviel geld
allerdings reicht es nicht die Schule zuändern wenn es im Elternhaus nicht Funzt… was auch wieder Geld kosten würde
das Gute an der Menschheit ist das sich das Problem, wenn man sowill die Krankheit mensch sich von Selber löst früher oder später
März 13, 2009 um 12:36 vormittags
@dave: Das wäre aber schade, denn dann hätte die Menschheit die Riesenchance vergeigt, sich von einer Krankheit zu einer tatsächlich zivilisierten und intelligenten Spezies zu wandeln.
März 13, 2009 um 12:42 vormittags
ich denke das haben wir schon…
das meiste was einen Mensch “menschlich” macht kann man genauso
auf irgend eine Chemische bzw Logische Reaktion zurückführen
das einzig menschliche ist zu glauben etwas besseres zu sein als irgend ein Tier ( und ein Termitenhügel ist in gewisser weise auch Zivilisiert)
was man noch machen kann falls man überhaupt noch was machen kann ist schadensbegrenzung… allerdings wird das den “wichtigen” leuten erst auffällen wenn eh schon alles im arsch ist
März 13, 2009 um 12:54 vormittags
@dave: Die Begriffe Vernunft und Logik sagen mir besser zu als die chemische Reaktion. Das ist mir zu simpel. Damit kann man nicht alles erklären. Und es ist ein Fakt, daß auch ein Mensch weitaus mehr ist als die Summe seiner Teile, um jetzt mal einen stehenden Spruch zu gebrauchen.
Schadensbegrenzung wäre doch zumindest ein Teilerfolg, nicht wahr? Und, wie vorhin schon erwähnt, wachen Auges und wachen Herzens die Umwelt wahr nehmen und offen sein für Mitmenschen. “Wer einen Menschen rettet, rettet eine ganze Welt.”, hat der olle Gandhi einmal gesagt. Und das stimmt. Jeder Mensch ist eine Welt, ja, ein ganzer Kosmos für sich. Und wert, daß man sich um ihn bemüht.
Jetzt, lieber Dave, werde ich meinen müden Kosmos aufs Lager betten. Morgen Nachmittag bin ich wieder online.
Ich wünsche dir alles erdenklich Gute.
März 13, 2009 um 12:59 vormittags
wünsche dir auch eine Gute nacht
einen menschen Retten… da geb ich dir recht
aber die Menschheit?
März 13, 2009 um 1:06 nachmittags
@dave: Jetzt stell dir mal vor, jeder von uns würde einen Mitmenschen vor Schlimmen bewahren. Das ergäbe ja dann die Menschheit.
März 13, 2009 um 2:13 nachmittags
In erster Linie sind die Eltern für das Tun ihrer Kinder verantwortlich!
Gruß aus Wien!
März 13, 2009 um 3:23 nachmittags
@Heide: Da gebe ich dir völlig Recht. Darauf begründet sich ja auch mein Appell, Erziehungsberechtigten das häusliche Aufbewahren von Schußwaffen zu untersagen, so lange Kinder und Jugendliche mit unter einem Dach leben.