Blutiger Kindergarten

So wirkt auf mich derzeit ein bestimmtes Gebiet im Nahen Osten… “Du sitzt auf meinem Stuhl!” – “Nein, das ist meiner!” – “Gib meinen Teddy her!” – “Kriegste nicht, kriegste nicht!”… Nur, daß sich die Situation im Gaza-Streifen als weitaus bestürzender und todbringender erweist als ein Scharmützel im reellen Kindergarten. Hier geht es um mittlerweile zahlreichste Todesopfer und Schwerstverletzte, vor allem in der Zivilbevölkerung, dort allenfalls um ein Büschel ausgerissener Haare, ein blaues Auge oder ein blutendes Näschen. Die Eskalation dieses ja schon seit ewigen Zeiten schwelenden Konflikts hat mich während der letzten Tage über die Maßen bestürzt. Fassungslos stehe ich einem schier unerträglichem Auswuchs an sowohl menschlicher Dummheit, unzivilisiertem Verhalten beider Parteien als auch rücksichtslosem Kalkül gegenüber.

Manchmal stelle ich mir vor, ich hätte allmächtige Zauberkräfte. Was würde ich als erstes tun? Beiden Parteien die Religion nehmen. Meine allmächtigen Zauberohren wenden sich Richtung Osten. Was vernehme ich? – Nichts. – Ruhe. – Kein geifernder Mullah, der mit überschnappender Stimme kreischend zum Dschihadd auffordert. Kein überpatriotischer Rabbi, welcher die angeblich im Alten Testament bereits festgelegten Grenzen des Staates Israel  einfordert. – Territoriumsverhalten ist männlichen Säugetieren angeboren, der mit den Hufen scharrende Hengst, welcher mit gewölbtem Hals seine Weidegründe verteidigt, wie auch der im Herbst so malerisch röhrende Hirsch, sich anfauchende Kater mit gesträubtem Fell, knurrend einander umkreisende Wölfe – aber erwachsene Menschenjungs sollten, wenn sie die Traute haben, sich als fortschrittlich zu bezeichnen, über ein solches Getue hinaus gewachsen sein. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß auf diesem unserem schönen Planeten doch – noch! – für Alle genügend Platz vorhanden ist. – So würde ich also meine Zauberharfe schwingen (find ich schöner als einen Zauberstab), und diese übersteigerten Gebietsansprüche aus den Gehirnen der Palästinenser, insbesondere der Hamas, der Israelis und noch dazu der Bevölkerungen der Anrainerstaaten Libanon, Syrien und Ägypten tilgen. Was wäre die Folge? – Jedes der genannten Reiche würde eine Handvoll Quadratmeilen abtreten. Die Konfliktparteien könnten ungestört siedeln, ohne einander ständig auf die Füße zu treten - und es wäre immer noch im Übermaß Fläche ringsum vorhanden, um nach Öl zu bohren, Rennpferde und Kamele zu züchten und zu weiden, betuchte Touristen und Millionäre in Luxuslimous durch die Wüste zu schaukeln und kilometerhohe Wolkenkratzer zu bauen.

Wer hat eigentlich einen Nutzen aus diesem eskalierten Nahost-Konflikt? – Frage etwas anders formuliert: Wer ist trotz all des Geschreis um die sogenannte Weltwirtschaftskrise bislang weder mit roten Zahlen, noch Gewinnwarnungen, noch Umsatzeinbrüchen, noch Massenentlassungen ins Gespräch gekommen? – Die Rüstungsindustrie!!! – Jawohl!!! – Und das wird auch noch so schön von den Medien mit beinahe absoluter Diskretion behandelt! Bei den “Laufbändern” diverser Nachrichtensender schon mal die Namen Diehl BGT Defence, Heckler & Koch, SAFRAN, Hunting Defence oder – bekannt geworden durch Michael Moore’s “Nine Eleven” – Halliburton gelesen? Mit Sicherheit nicht! Und so beschleicht mich langsam aber sicher der Verdacht, daß dieser – schon seit langem schwelende – Kleinkrieg mit vollstem Kalkül herbei geführt worden ist. Der gewählte Zeitpunkt – beinahe unmittelbar nach diesem Riesenhype um die Banken- und Unternehmensflaute – hat mich zu diesem Schluß geführt. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, weiß Gott nicht, ich habe vor kurzem erst meiner Abscheu gegenüber derartigen Hirngespinsten hier Kund getan - http://freidenkerin.com/2009/01/01/gedanken-zur-weltverschworung/. Aber die USA sowie Deutschland sind neben Russland und Frankreich die Spitzenreiter, was den Export von Waffen sowie deren Technologie betrifft. USA, Deutschland sowie Frankreich sind von oben genannter Weltwirtschaftskrise ordentlich gebeutelt und die Ökonomie Russlands steht auch auf eher tönernen Füßen. Die Hilfsprogramme der jeweiligen Regierungen verschlingen astronomische Summen. Was liegt näher, als durch den gesteigerten Vertrieb an Rüstungsmaschinerien die Staatssäckel zu füllen? Den pervers anmutenden Blutzoll für das krampfhafte Stützen eines Wohlstands- und Wirtschaftssystems, welches sich mittlerweile für jeden deutlich erkennbar selbst überlebt hat, zahlen – wie stets – die Kleinen, die im Grunde Unbeteiligten.

Wir Menschen sind, angesichts solcher Gedanken, meiner Meinung nach von einer sogenannten Zivilisation noch genau so weit entfernt wie wir es in der Altsteinzeit waren. Trotz unseres technischen und wissenschaftlichen Fortschritts haben wir nicht das Geringste dazu gelernt, was den Umgang miteinander betrifft. Wir haben auch immer noch nicht begriffen, daß Eltern, die ihr Kind mit einer todbringenden Waffe versehen in eine Kampfhandlung ziehen lassen, am gewaltsamen und unzeitigen Verlöschen ihres/r eigenen Sohnes/Tochter Lebens sich mindestens genauso mit verschulden als der sogenannte Feind, das Blut ihrer Sprößlinge klebt auch an ihren Händen.

So ist wieder einmal ein Weihnachtsfest über die Welt geeilt, ohne daß der wahre Sinn dieser Geschichte verstanden worden wäre…

http://freidenkerin.com/

4 Antworten zu “Blutiger Kindergarten”

  1. trägt jetzt jetzt leider gar nicht zum thema bei, aber: Du wurdest beworfen:)

  2. Liebe Freidenkerin,
    1000 Dank für diesen Artikel. Besser hätte ich es nicht formulieren können. Du nimmst mir die Worte aus dem Mund und die Gedanken aus dem Kopf.
    Dieses ewige Theater dort unten, ehrlich, es hängt mir zum Halse raus. Und ja, das ist der reinste Kindergarten :(

  3. Ja und Nein.
    Kindergarten in sofern, dass es uns hier unverständlich erscheint.
    Nein, weil neben der Waffenrüstung, die erheblich etwas von den mit Gewalt ausgetragenen Konflikten hat, es eben noch immer um Emotionen, wie Neid, Hass, Rache und Eifersucht geht.
    Diese negativen Emotionen entstehen aus Verboten, Ignoranz und vielen viel zu vielen Missverständnissen.
    Meinen Eltern und Großeltern wurden schon die Gefühle im frühesten Kindesalter abgetötet. Dadurch wurden die beiden Weltkriege möglich. Wer beschuldigt schon seine Eltern? Aber wohin mit der ganzen Wut? Ab in den Krieg! Heute ist man nicht mehr ganz so krass, aber wer darf offen seine Wut zeigen über ein ungerechtes Verhalten? Wie schnell wird gesagt, ist doch nicht so schlimm? Wann und wie darf ich mich selber ernst nehmen mit meiner Wut und meinem Streben nach Gerechtigkeit, vor allen Dingen, wenn ich immer wieder dafür menschliche Isolation in Kauf nehmen muss?
    Um Frieden herzustellen, ist es notwendig Frieden mit sich selber und der eigenen Geschichte herzustellen.

  4. Rotegraefin, sei willkommen auf meinem Blog. Sei bedankt für deinen guten und klugen Kommentar. Du hast Recht. Eine sinnvolle Konfliktbereinigung und der Abbau von Aggressionen wird heutzutage immer noch zu wenig beachtet, gefordert und gefördert. Dies wäre einer der ersten Schritte zum Frieden mit sich selbst und somit zum Frieden generell. Dies war der dritte Punkt, den ich in meinem Post ansprechen wollte, aber weil ich mit halbem Kopf schon in der Fotoaktion steckte, habe ich glattweg darauf vergessen. Ich danke dir und wünsche dir in jedem Fall ein schönes Wochenende.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 73 other followers